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Veröffentlicht am 08.05.2023

Düstere (Bald-)Realität

Institut für gute Mütter
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Wer die politischen Entwicklungen in den USA in der letzten Zeit verfolgt hat, könnte auf die Idee kommen, diese mit dem unwahrscheinlichsten Szenarien düsterer Dystopien zu vergleichen. Wie weit sind ...

Wer die politischen Entwicklungen in den USA in der letzten Zeit verfolgt hat, könnte auf die Idee kommen, diese mit dem unwahrscheinlichsten Szenarien düsterer Dystopien zu vergleichen. Wie weit sind wir noch von solch fiktiven Entwicklungen entfernt? Wie lange dauert es noch, bis wir uns der Welt von Margarethe Atwood oder Jessamine Chan annähern?

Frida ist zur vollkommen falschen Zeit von ihrer Rolle als alleinerziehende Mutter einer kranken Tochter überfordert. Gerade entwickelt der Staat eine neue Methode, fehlgeleitete Eltern zu rehabilitieren und Frida hat das Pech, Teil des ersten Testdurchlaufs zu sein.

Das Buch fängt relativ gemächlich an und steigert sich dann in ein beklemmendes Schaustück, das einen förmlich an die Seiten fesselt.

Die Szenerie wird wirklich spannend, wenn auch etwas überspitzt geschildert und überzeugt mich auf ganzer Linie. Dabei bleibt die Figurenentwicklung leider etwas zurück. Vor allem für Frida fällt es mir sehr schwer, Sympathien zu entwicklen. Als die hauptsächliche Leidtragende sollten ihr die Herzen der Leser eigentlich nur so zufliegen, aber dafür übernimmt sie leider zu wenig Verantwortung und versinkt stattdessen in Selbstmittleid.

Insgesamt erwartet einen aber ein fesselnder, wenn auch beängstigender Blick in eine mögliche Zukunft, gegen die wir auf jeden Fall ankämpfen sollten.

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Veröffentlicht am 08.05.2023

Kein Sommerroman

22 Bahnen
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Wenn man sich das Cover so ansieht, könnte man auf den trügerischen Gedanken kommen, dass es sich bei "22 Bahnen" um einen sommerlichen, leicht verdaulichen Roman handeln könnte. Man könnte sich wohl kaum ...

Wenn man sich das Cover so ansieht, könnte man auf den trügerischen Gedanken kommen, dass es sich bei "22 Bahnen" um einen sommerlichen, leicht verdaulichen Roman handeln könnte. Man könnte sich wohl kaum stärker täuschen.

Tilda ist gerade dabei ihren Master zu beenden, lelbt aber immer noch mit ihrer kleinen Schwester Ida bei der alkoholkranken Mutter. Ihre einzige Flucht sind die täglichen 22 bahnen, die sie im Freibad zieht. Als sie dort eines Tages auf Viktor trifft, katapultiert sie das gedanklich in ihre Schulzeit zurück und weckt unschöne Erinnerungen.

Caroline Wahls Debüt besticht durch einen sprachlich interessanten, etwas kantigen Schreibstil. Die Figuren, besonders die beiden Schwestern haben mich mit ihrer Charakterstärke und Intelligenz beeindruckt.

Darüber hinaus hat mich allerdings der etwas laxe Umgang mit Drogen abgeschreckt. Auch wenn sie im Großstadtdschungel wohl mittlerweile dazu gehören und der Konsum in manchen Gesellschaftskreisen fast schon zum guten Ton gehört, stört es mich doch sehr, wie normal es für Tilda immer wieder zu sein scheint, sich das verschiedenste Zeug einzuwerfen.
Mir scheint das etwas zu sehr verharmlost zu werden.

Auch der Umgang mit dem Alkoholismus der Mutter kommt mir etwas zu kurz bzw erscheint zu leicht. Aber vielleicht haben sich die beiden Töchter nach den Jahren auch einfach schon zu gut eingespielt.

Insgesamt hat der Roman viel Flair und Vibe, wird aber vermutlich nicht allzu stark nachhallen.

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Veröffentlicht am 08.05.2023

Schwaches Ende

Going Zero
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Es geht doch nichts über ein klug inszeniertes Katz-und-Maus-Spiel. Beinahe hätte Anthony McCarten ein perfektes abgeliefert.

Die verschiedenen Geheimdienste der USA machen in einem Pilotprojekt gemeinsame ...

Es geht doch nichts über ein klug inszeniertes Katz-und-Maus-Spiel. Beinahe hätte Anthony McCarten ein perfektes abgeliefert.

Die verschiedenen Geheimdienste der USA machen in einem Pilotprojekt gemeinsame Sache mit einem Privatkonzern, der sein Geld unter anderem mit dem Sammeln von Personendaten verdient.
Zehn ausgewählte Zivilpersonen und Profis versuchen 30 Tage lang unentdeckt zu bleiben, während Cy Baxter mit seinem Stab auf der Jagd nach ihnen ist. Für alle Beteiligten steht viel auf dem Spiel.

Es ist spannend, keine Frage. Und gerade die erste Hälfte überzeugt mit ein paar intelligent gestrickten Finten und Fährten.

Allerdings kommen dabei die Figuren nicht so sehr zur Geltung, wie ich es mir gewünscht hätte. Darüber hätte ich hinweg sehen können, hätte der Autor das Niveau bis zum Ende halten können.

Leider kommt mit der größten Wende der Story auch einiges an weniger logischen und nachvollziehbaren Enthüllungen, die das Ende schwächeln lassen.

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Veröffentlicht am 25.04.2023

Essenz einer Stadt

Die Perfektionen
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Ich glaube, mit diesem Buch wird man nur wirklich etwas anfangen können, wenn man jemals in Berlin gelebt und den Puls dieser Stadt gespürt hat.

Anna und Tom stehen für eine ganze Generation Berlin-Zugezogener, ...

Ich glaube, mit diesem Buch wird man nur wirklich etwas anfangen können, wenn man jemals in Berlin gelebt und den Puls dieser Stadt gespürt hat.

Anna und Tom stehen für eine ganze Generation Berlin-Zugezogener, die die Kultur dieser Stadt mehr prägen, als man glauben möchte. Aus Italien sind sie in die Hauptstadt gezogen, um ihre Karriere als Creators anzuschieben. Gemeinsam arbeiten sie im Homeoffice ihrer Altbauwohnung und an den Tischen der Cafes, ziehen mit ihrer Multikulti-Gang durch Galerien und Clubs. Und scheinen doch ständig dem vorgeschriebenen Glück hinterherzulaufen.

Der Autor hat ein Händchen dafür, die (vermeintliche?) Essenz der Stadt einzufangen. Dabei liest es sich seitenweise wie absolutes Name-droping des Who's who an Straßen und Orten quer durch die Stadt.
Die Stadt selbst bekommt dabei mehr Seele eingehaucht als die Figuren selbst, die für meienn Geschmack vollkommen austauschbar bleiben.

Aber ich denke, darum geht es eigentlich auch. Dass man sich selbst verliert, wenn man immer nur dem in den sozialen Medien vorgelebten Ideal nacheifert und permanent vorgegaukelt bekommt, man würde etwas verpassen wenn man sich nicht anpasst.

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Veröffentlicht am 14.04.2023

Am Ende versunken

In blaukalter Tiefe
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Wer schon einmal mit einem Boot unterwegs war, wird sich auf diesen Seiten vielleicht ein wenig wiederfinden, denn es geht ums Segeln. Genauso aber wird er auch die Probleme und engen Grenzen kennen, mit ...

Wer schon einmal mit einem Boot unterwegs war, wird sich auf diesen Seiten vielleicht ein wenig wiederfinden, denn es geht ums Segeln. Genauso aber wird er auch die Probleme und engen Grenzen kennen, mit denen sich die fünf Figuren in Kristina Hauffs neuem Roman konfrontiert sehen.

Caroline und Andreas sind seit langem verheiratet und führen diese Beziehung mit all den Problemen, die man als erfolgreicher Anwalt und ebenso erfolgreiche Leiterin einer Zeitschrift so entwickeln kann. Um ihre Ehe zu retten planen sie einen Segeltörn zu den schwedischen Schären. Als Überraschungsgäste lädt Andreas jedoch seinen Kollegen Daniel und dessen Freundin Tanja ein. Gemeinsam mit Skipper Eric auf engstem Raum im Segelboot unterwegs tun sich schon bald die ersten Probleme und Befindlichkeiten auf.

Eines muss man der Autorin lassen: Landschaft und Segeln beschreiben, das kann sie. Ich habe mich zwischendurch gefühlt, als würde mir jeden Moment die Gischt ins Gesicht schlagen (oder in problematischen Momenten das Segel) und mich hat die Lust aufs Segeln gepackt.

Allerdings bin ich mir sicher, dass ich auf dem nächsten Törn keine der Figuren dabei haben möchte. Frau Hauff schafft es, aus ihnen das schlimmste hervorzukehren und dabei ein Kammerspiel dar Abgründigkeiten zu stricken, das sich immer weiter aufschaukelt.

Die Figuren werden mir dabei leider mit der Zeit so unsympathisch, dass mir die Lust am Lesen ein wenig vergeht. Das wird leider auch dadurch unterstützt, dass die Autorin es nicht schafft, ihren Spannungsbogen richtig aufzubauen. Zum Ende hin sinkt er wie ein Segelboot im Sturm und schafft es nicht mehr in den rettenden Hafen.

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