Schwer, hoffnungsvoll, Intensiv und so gut
Ich habe den Debütroman von Caroline Wahl bereits 2023 gelesen, zwei Mal den Kinofilm geschaut. Und jetzt habe ich das Buch wieder aus meinem Bücherregal gezogen. Wieder einmal ist mir bewusst geworden, ...
Ich habe den Debütroman von Caroline Wahl bereits 2023 gelesen, zwei Mal den Kinofilm geschaut. Und jetzt habe ich das Buch wieder aus meinem Bücherregal gezogen. Wieder einmal ist mir bewusst geworden, wie intensiv und gut "22 Bahnen" ist. Der Film übrigens auch.
Im Mittelpunkt des Romans steht Ich-Erzählerin Tilda, Anfang 20. Tildas Alltag ist geprägt von der Pflege ihrer alkoholkranken Mutter und der Verantwortung für ihre kleine Schwester Ida. Sie übernimmt schon seit dem Jugendalter die Erwachsenenrolle und versucht, Ida ein halbwegs stabiles Zuhause zu geben. Die Verbindung der beiden ist sehr eng und vertrauensvoll. Die Alkoholabhängigkeit der Mutter bestimmt Tildas Leben, sie eilt von Uni, zum Job, nach Hause. Und eigentlich besteht die Chance auf eine Promotionsstelle in Berlin. Nur: Kann sie Ida im Stich lassen? Nicht nur die Schwesternliebe steht im Fokus, im Verlaufe des Buches auch eine zarte Liebesgeschichte.
Caroline Wahl schreibt so, wie die Protagonisten tatsächlich reden und denken könnten. Klar, ungeschönt, mitten aus dem Leben gegriffen. Durch die erzählerische Ich-Perspektive konnte ich mich gut in Tilda einfühlen. Ich persönlich finde die Darstellung sehr authentisch, auch wenn sicherlich nicht alle Aspekte dieses sozialen Konstruktes kritisch abgebildet werden. Kann oder muss ein Roman das? Tilda bleibt stark - für Ida. Und wagt einen zaghaften Blick in eine Zukunft, die sein könnte. Trotz der schweren Themen ist das Buch hoffnungsvoll. Kämpferisch. Ja, auch witzig. Die Verbindung zwischen Ida und Tilda so liebevoll und herzerwärmend.