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Veröffentlicht am 27.01.2021

Stationen aus dem Leben der Familie Langbein

Wo wir Kinder waren
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Das Buch erzählt die Geschichte der Puppenfabrik Langbein aus der Spielzeugstadt Sonneberg auf zwei Zeitebenen. In der Vergangenheit erfahren wir wie die Fabrik im Jahr 1898 gegründet wurde und wechselhafte ...

Das Buch erzählt die Geschichte der Puppenfabrik Langbein aus der Spielzeugstadt Sonneberg auf zwei Zeitebenen. In der Vergangenheit erfahren wir wie die Fabrik im Jahr 1898 gegründet wurde und wechselhafte Zeiten durchlebte. Der erste Weltkrieg ließ die Spielwarenproduktion sinken und auch die Weltwirtschaftskrise erfasst diesen Zweig der Industrie. Während des Zweiten Weltkriegs wurde die Produktion auf Rüstung umgestellt. Nach Gründung der DDR gab es eine staatliche Beteiligung und danach erfolgte eine Umwandlung der Puppenfabrik Langbein in einen volkseigenen Betrieb. Nach der Wende versuchten die Enkelkinder des Firmengründers mit einer GmbH neu zu starten, doch da viele Gerätschaften veraltet waren, gingen sie in die Insolvenz.

Der zweite Erzählstrang spielt in der Gegenwart. Hier erleben wir Eva, die in der Spielzeugstadt und im Stammhaus Langbein aufgewachsen ist. Sie hatte eine Ausbildung als Spielzeuggestalterin in der DDR absolviert, doch dann gab es keine werkseigenen Betriebe mehr. Eva spürte Anflüge von Sentimentalität und war auf eine Langbein-Puppe in einer Internetauktion gestoßen. Der Preis änderte sich stetig. Doch wer hatte noch Interesse an der Puppe? Es konnte sich nur um ihren Cousin Jan oder um ihre Cousine Iris handeln. Als Kinder haben sie noch zusammen gespielt, doch irgendwann hatten sie sich voneinander entfernt. Nun trafen sie sich, um das Stammhaus auszuräumen. Die Schätze der Kindheit kamen zum Vorschein und zeigten einzelne Stationen aus dem Leben der Familie Langbein. Hier wurde gekonnt Vergangenheit und Gegenwart verknüpft.

Der Erzählstil von Kati Naumann ist sehr bildhaft. Sie lässt in ihrem Buch die Leser teilhaben an der Geschichte der Familie Langbein, als die Puppen noch in Heimarbeit hergestellt wurden. Sehr genau wurden die einzelnen Arbeitsschritte beschrieben, so dass ich mir alles sehr gut ausmalen konnte. Man merkt, dass die Autorin den Herstellungsprozess der Spielzeugpuppen sehr gut recherchiert hat. Gleichzeitig wurde mir noch mal bewusst gemacht, wie es ist, wenn man in der Firma, die man mit viel Herzblut aufgebaut hat, nicht mehr sein eigener Herr sein darf, weil eine Umwandlung in einen volkseigenen Betrieb erfolgte. Da ich in Westdeutschland aufgewachsen bin, war es für mich wieder faszinierend zu erfahren, wie das Leben in der DDR vor der Wende verlaufen ist.

Mir hat die Familiengeschichte angenehme Lesestunden bereitet.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 21.01.2021

Spannender historischer Krimi

Die Wölfe vor den Toren
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Freiburg im Februar 1418. Die Wölfe nähern sich den Dörfern und Städten. Ihr Heulen dringt durch die Nächte, sie müssen ihre Jungen durch die Kälte des Winters bringen. Schon werden die ersten Schafe gerissen. ...

Freiburg im Februar 1418. Die Wölfe nähern sich den Dörfern und Städten. Ihr Heulen dringt durch die Nächte, sie müssen ihre Jungen durch die Kälte des Winters bringen. Schon werden die ersten Schafe gerissen. Als der Medicus Adalbert Achaz zu einem Todesfall gerufen wird, findet er den kleinen Badersohn Jörgelin mit zahllosen Reißwunden übersäet vor. Adalbert ist überzeugt, dass die tödlichen Verletzungen durch einen Wolfsangriff hervorgerufen wurden. Gruselige Geschichten über Wölfe und Werwölfe verbreiten sich in den kleinen Dörfern. Um die Menschen zu beruhigen, wird vom Rat der Stadt eine Wolfsjagd angesetzt. Doch dann gibt es ein weiteres Opfer, die junge Heilerin Mia wird tot aufgefunden und auch auf ihrem Körper finden sich Beißwunden. Serafina und ihr Mann Adalbert vermuten, dass hier nur ein Wolfsangriff vorgetäuscht worden ist. Doch wer steckt hinter der Tat?

Obwohl ich nicht alle Vorgängerbände um Serafina kenne, hatte ich keine Probleme mich in die Geschichte hineinzufinden. Der Schreibstil von Astrid Fritz ist leicht und flüssig. Die historischen Gegebenheiten sind gut recherchiert und die damalige Zeit wird beim Lesen lebendig. Die Angst der Dörfler vor den Wölfen, die angesetzte Wolfsjagd und auch der herrschende Aberglaube werden von der Autorin sehr anschaulich geschildert, so dass ich mich ins Mittelalter und vor den Toren von Freiburg versetzt fühlte.
Am Anfang des Buches befindet sich ein Namensregister mit Anmerkungen zu den handelnden Personen. Hilfreich war auch für mich das Glossar am Ende des Buches, wo ich verschiedene Begriffe nachschlagen konnte.

Der historische Krimi hat mir beste Unterhaltung geboten und konnte mich am Ende mit der Auflösung noch überraschen.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 14.01.2021

Ein Duft von Kaffee

Die Kaffeedynastie - Tage des Aufbruchs
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Paula Stern entführt uns in ihrem Roman in die Kaffeedynastie der fiktiven Familie Ahrensberg. Die Geschichte wird auf zwei Zeitebenen erzählt.

Ab 1943 begleiten wir den jungen Eberhard Ahrensberg. Er ...

Paula Stern entführt uns in ihrem Roman in die Kaffeedynastie der fiktiven Familie Ahrensberg. Die Geschichte wird auf zwei Zeitebenen erzählt.

Ab 1943 begleiten wir den jungen Eberhard Ahrensberg. Er schämt sich für seinen Vater, der überzeugtes Parteimitglied ist. Kurz vor Kriegsende wird Eberhard noch an die Front geschickt. Zum Glück gerät er bald in die amerikanische Kriegsgefangenschaft. Als er entlassen wird, findet er sein Elternhaus unter Trümmern. Um die Familie zu ernähren, beginnt er damit Kaffee zu schmuggeln. Schon früh ist Eberhard von der Thematik Kaffee fasziniert.

In der Gegenwart begegnen wir Corinne, die schon seit frühester Kindheit Interesse für Kaffee an den Tag gelegt hat. Als ihr Vater Günther sich aus gesundheitlichen Gründen aus dem bekannten Kaffee-Imperium Ahrensberg zurückziehen muss, übernimmt Corinne gemeinsam mit ihrem Bruder Alexander die Geschäftsführung. Doch die Geschwister haben unterschiedliche Auffassungen von der Unternehmensführung. Während Alexander mehr um Gewinnmaximierung bemüht ist, geht es Corinne darum auf Qualität vor Quantität zu setzen sowie Verantwortung gegenüber Land und Leute in den Anbaugebieten zu übernehmen. Werden die Geschwister sich ihren Problemen stellen können?

Schnell bin ich in die Geschichte hineingekommen aufgrund des angenehmen Schreibstils. Durch die bildhaften Schilderungen konnte ich mir gut die Charaktere vorstellen. Der Wechsel zwischen Vergangenheit und Gegenwart ließ sich einfach folgen. Gern hätte ich mir einen tiefer gehenden Vergangenheitsstrang gewünscht. Er war für mich etwas zu oberflächlich beschrieben. Die Handlung spielt überwiegend in Deutschland. Interessant fand ich den Abstecher auf die verpachtete Kaffeeplantage der Familie Ahrensberg in Brasilien. Sehr schön wurden einzelne Stationen der Kaffeeherstellung beschrieben von der mühsamen Ernte der handgepflückten Kaffeekirschen und der Besonderheiten, die beim Rösten beachtet werden mussten, so dass man beim Lesen immer den Duft von Kaffee in der Nase hatte.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 01.01.2021

Spannender Inselkrimi

Inseldämmerung
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Die fünfköpfige Familie Trender will die Weihnachtstage auf Amrum verbringen. Mit der letzten Fähre bevor der Sturm seinen Höhepunkt erreicht, fahren sie auf die Insel. Im Haus Dünenglück erwartet sie ...

Die fünfköpfige Familie Trender will die Weihnachtstage auf Amrum verbringen. Mit der letzten Fähre bevor der Sturm seinen Höhepunkt erreicht, fahren sie auf die Insel. Im Haus Dünenglück erwartet sie bereits ein Tannenbaum. Mitten bei der Bescherung werden sie durch ein Klingeln an der Haustür aufgeschreckt. Vor der Tür stehen drei Männer, die mit ihrer Jacht am Strand angetrieben wurden. Hilfsbereit werden die Gestrandeten von der Familie aufgenommen, ohne zu ahnen, wen sie in ihrem Haus hereinlassen. Die drei hatten in Hamburg einen Geldtransporter überfallen und waren nun auf der Flucht vor der Polizei. Als der Inselpolizist Nils Petersen am Strand eine havarierte Jacht findet, ahnt er noch nicht, welches Ausmaß dieser Fall nehmen wird.

Obwohl ich die Vorgängerbände dieser Reihe nicht kenne, hatte ich keine Probleme in die Geschichte einzutauchen. In einer angenehmen Sprache führt der Autor durch die spannende Handlung, die immer wieder mit ungeahnten Wendungen überrascht. Durch verschiedene Perspektivwechsel bleibt das Geschehen sehr abwechslungsreich und entfaltet immer mehr einen Sog, dem ich mich nicht entziehen konnte.

Ich habe das Buch gern gelesen, es hat mir spannende Unterhaltung beschert.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 27.12.2020

Eine wunderbare Frauenfreundschaft

Miss Bensons Reise
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Margery Benson war 10 Jahre alt, als ihr Vater ihr ein Buch zeigte, in dem es unglaubliche Geschöpfe auf der Welt gab, die noch keiner gefunden hatte. Margery verliebte sich sofort in das Abbild eines ...

Margery Benson war 10 Jahre alt, als ihr Vater ihr ein Buch zeigte, in dem es unglaubliche Geschöpfe auf der Welt gab, die noch keiner gefunden hatte. Margery verliebte sich sofort in das Abbild eines goldenen Käfers von Neukaledonien. Sie hatte Pläne geschmiedet nach dem Käfer zu suchen, doch irgendwann hatte sie damit aufgehört. Im Jahr 1950 mit fast siebenundvierzig wurde ihr erschreckend klar, dass sie zur Witzfigur der Schule, an der sie arbeitete, geworden war. Dadurch wachgerüttelt, gab sie am nächsten Tage eine Anzeige in der Zeitung auf, in der sie eine französisch sprechende Begleitung für die Expedition ans andere Ende der Welt suchte. Dieses Mal würde sie sich nicht abhalten lassen.

Durch unerwartete Umstände entscheidet sich Margery für die am wenigsten qualifizierteste Begleitung. Enid Pretty ist genau das Gegenteil von Margery. Enid ist jung, zierlich, extravagant, liebt schrille Farben und spricht unaufhörlich. Sie lebt in einer Welt, in der sie das tut, was sie muss und hat keine Probleme Regeln zu brechen ganz im Gegensatz zu Margery. Beide mussten in ihrem Leben bereits Probleme bewältigen, aber nun müssen sie gemeinsam einen Weg gehen. Sie überwinden Gefahren, Hindernisse, die ihnen im Weg stehen und lernen von einander, so dass sich Stück für Stück zwischen den beiden eine wunderbare Frauenfreundschaft entwickelt. Man muss beide außergewöhnlichen Charaktere lieben.

Der ganze Roman liest sich flüssig, spannend und interessant mit einem besonderen Humor gewürzt. Joyce Rachel jongliert mit den Worten. Es gibt wunderbare Satzperlen, bei denen ich mit lesen aufhörte, um sie noch einmal zu genießen.
Die Autorin hat mich mit einem außergewöhnlichen Roman beschenkt, den ich gern weiterempfehlen möchte.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere