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Nati

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 13.10.2019

Karussell der Gefühle

Wie ein Leuchten in tiefer Nacht
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Als die Engländerin Alice überstürzt Bennett, Sohn des amerikanischen Minenbesitzers Van Cleve heiratet, erhofft sie sich Abenteuer in einem neuen Land. Doch sie landet in dem kleinen Ort Bailyville in ...

Als die Engländerin Alice überstürzt Bennett, Sohn des amerikanischen Minenbesitzers Van Cleve heiratet, erhofft sie sich Abenteuer in einem neuen Land. Doch sie landet in dem kleinen Ort Bailyville in den Bergen von Kentucky. In Wahrheit hat sie ein häusliches Gefängnis gegen ein anderes eingetauscht. Als in den 1930er Jahren ein System mobiler Büchereien unter der Schirmherrschaft von Mrs Roosevelt aufgebaut werden soll, meldet sie sich neben drei anderen Frauen als Freiwillige um per Pferd Bücher zu abgelegen wohnenden Siedlern zu bringen. Die Bibliothekarinnen müssen mit vielen Vorurteilen kämpfen, denn es war nicht einfach als Frau in dieser von Männern geprägten Zeit sich durchzusetzen und eigene Wege zu gehen.

Dieser Roman hat mich von der ersten Seite an in den Bann gezogen. Der Schreibstil von Jojo Moyes ist wunderschön und bildhaft, so dass man die Szenen deutlich vor dem inneren Auge sehen kann. Ich fand es faszinierend über das WPA-Programm der Packhorse Library, welches von 1935 bis 1943 lief, zu lesen. Sehr authentisch hat die Autorin die damaligen Verhältnisse mit einfließen lassen. Das Buch löste in mir ein Karussell der Gefühle aus von Trauer über Freude bis hin zur Wut habe ich alles durchlebt.

Eines der besten Bücher, das ich in letzter Zeit gelesen habe. Für mich ein Jahreshighlight und sehr empfehlenswertes Buch.

Veröffentlicht am 11.10.2019

Die Suche nach der Wahrheit

Der Wanderer
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In dem kleinen südtiroler Ort Kreuzwirt scheint die Welt noch in Ordnung. Sibylle war in dem Glauben aufgewachsen, dass ihre Mutter Erika Selbstmord begangen hat. Als sie in ihrem Briefkasten ein Foto ...

In dem kleinen südtiroler Ort Kreuzwirt scheint die Welt noch in Ordnung. Sibylle war in dem Glauben aufgewachsen, dass ihre Mutter Erika Selbstmord begangen hat. Als sie in ihrem Briefkasten ein Foto ihrer Mutter findet, beginnt sie Fragen zu stellen, denn sie ist überzeugt davon, dass Erika ermordet wurde. Bei ihren Nachforschungen trifft sie auf den ehemaligen Lokalreporter Tony, der damals über den Leichenfund berichtet hat. Tony unterstützt Sibylle bei der Suche nach der Wahrheit, doch je mehr die Beiden nachbohren, umso mehr Widersprüche tauchen auf. Sie verfangen sich in einem Netz voller Lügen, Drogen, Okkultismus und Halbwahrheiten. Als Sibylle und Tony entdecken, dass Erika nicht das einzige Opfer war, schweben auch sie in Lebensgefahr.

Der Autor hat für mich einen eigenen Schreibstil. Durch ständige Perspektivwechsel und kurze Kapitel wird Spannung aufgebaut. Die Hauptprotagonisten sind sehr unterschiedlich gezeichnet. Im Gegensatz zur quirligen Sibylle wirkt Tony doch recht blass. Die Dorfbewohner haben sich dank der Hilfe der Familie Perkmann gut eingerichtet und stellen dafür auch keine Fragen. Obwohl die mystische Komponente für mich einen zu großen Raum eingenommen hat, fand ich die Suche nach der Wahrheit spannend und konnte mich am Ende noch überraschen.

Veröffentlicht am 06.10.2019

Erlebte Deutsche Geschichte

Eine Familie in Deutschland
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Dieses ist der zweite Band um die Familie Ising. Während der erste Band die Entwicklung Deutschlands und der Familie Ising in den Jahren 1933 bis 1939 beschreibt, schildert der zweite Band die Jahre 1939 ...

Dieses ist der zweite Band um die Familie Ising. Während der erste Band die Entwicklung Deutschlands und der Familie Ising in den Jahren 1933 bis 1939 beschreibt, schildert der zweite Band die Jahre 1939 bis 1945.

Der Krieg bricht aus und das Leben der Familie ändert sich. Jedes der fünf Geschwister geht eigene Wege. Edda filmt mit Leni Riefenstahl in Polen, um einen Werbefilm für die Wehrmacht zu drehen. Horst entwickelt sich zum Parteibonzen und wird Leiter des Arbeitslagers in der Autostadt. Die Ärztin Charlotte gibt die Hoffnung auf ein Wiedersehen mit Benny, ihrer großen Liebe, nicht auf. Der Autonarr Georg bricht mitten im Krieg zu einer Testfahrt nach Afghanistan auf. Der kleine Willy soll die beste Pflege erhalten und kommt in eine spezielle Einrichtung. Alle haben Vorstellungen und Träume, doch was bleibt nach dem Krieg davon über.

In beeindruckender Weise schildert Peter Prange die Kriegszeit in Deutschland und wie sich das Leben der Menschen verändert. Sie passen sich teilweise den nationalsozialistischen Organisationen an oder gehen voll in ihnen auf. Gleichzeitig wird sehr eindringlich über das Leben der jüdischen Bevölkerung geschrieben, die in Lagern abtransportiert werden und um ihr Leben bangen.

Der Autor hat den historischen Hintergrund genau recherchiert und wunderbar mit der Handlung verknüpft. Die fiktiven Protagonisten sind alle facettenreich dargestellt, so dass man sich gut in sie hineinversetzen kann. Auch die historischen Persönlichkeiten erlebt man als Leser hautnah. Der Schreibstil ist flüssig und eindringlich. Kurze Kapitel und laufende Perspektivwechsel lassen einen kaum die Luft zu atmen.

Wer sich für deutsche Geschichte interessiert, sollte sich dieses Buch nicht entgehen lassen.

Veröffentlicht am 03.10.2019

Raffinierte Story

Stille Havel
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Hauptkommissar Toni Sanftleben wird zu einem neuen Fall gerufen. Im Park Sanssouci wurde eine männliche Leiche in einem Plastiksack mit Bauschutt gefunden. Schnell stellt sich heraus, dass es sich bei ...

Hauptkommissar Toni Sanftleben wird zu einem neuen Fall gerufen. Im Park Sanssouci wurde eine männliche Leiche in einem Plastiksack mit Bauschutt gefunden. Schnell stellt sich heraus, dass es sich bei dem Opfer um den Kunstsachverständigen Helmut Lothroh handelt. Die Nachforschungen ergeben, dass er sich sehr für das Gemälde „Frau mit Schleier“ interessierte und versucht hat das Gesicht der unbekannten Frau kenntlich zu machen. Die Ermittlungen der Polizei führen zu den Ufa-Filmunternehmen und einer alten Havelvilla.
Dies war mein erster Krimi um den Hauptkommissar Toni Sanftleben, doch es war ein leichtes für mich in die Geschichte hinein zu kommen ohne die Vorgängerbände zu kennen. Der Krimi ist gut und vielschichtig aufgebaut. Er spielt auf zwei Zeitebenen. Geschickt wechselt der Autor von der Gegenwart in die Zeit des Nationalsozialismus und verknüpft geschichtliche Hintergründe und Personen mit Fiktion. Der Schreibstil ist sehr flüssig ohne unnötige Längen. Die Handlung blieb durchgängig spannend und steigert sich am Ende zu einem tollen Finale mit einer unerwarteten Überraschung.
Mich hat dieser Krimi von Tim Pieper begeistert, er verzichtet auf blutrünstige Details, sondern überzeugt mit einer raffinierten Story.

Veröffentlicht am 27.09.2019

Wundervoller Abschluss der Trilogie

Die Ärztin: Die Wege der Liebe
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Da mich bereits die ersten beiden Hörbücher dieser Reihe begeistert haben, war es für mich ein unbedingtes „Muss“ auch den letzten Band dieser Trilogie zu hören.

Der stattfindende Krieg hat auch in Berlin ...

Da mich bereits die ersten beiden Hörbücher dieser Reihe begeistert haben, war es für mich ein unbedingtes „Muss“ auch den letzten Band dieser Trilogie zu hören.

Der stattfindende Krieg hat auch in Berlin seine Spuren schon hinterlassen. Immer mehr Männer werden eingezogen und das Geld wird knapp. Ricarda muss ihre Arztpraxis aufgeben und erhält eine Stelle an der Charité. Hier kümmert sie sich nicht nur um die verletzten Arbeiterinnen aus der Munitionsfabrik, sondern auch um Geburten. Sorgen bereiten ihr auch ihre Kinder. Nach einem Streit ist Henny nach Amerika gereist und der Kontakt ist abgebrochen. Sohn Georg gilt als vermisst und Antonia kann nicht Tiermedizin studieren, da Frauen kein Zugang zu diesem Studium gewährt wird.

Wie bereits in den vorhergehenden Bänden hat mir die Hörbuchsprecherin Beate Rysopp wieder ausgesprochen gut gefallen. Mir ihrer Stimme und der richtigen Intonation der Geschichte hat sie es geschafft, den einzelnen Charakteren Leben einzuhauchen, so dass ich gern zu gehört habe, ohne in Gedanken abzuschweifen.

Dieses Hörbuch spielt teils in Berlin, wechselt aber auch nach Amerika und umfasst die Jahre 1915 bis 1920. Der Anschluss an den Vorgängerband erfolgt nahtlos. Es ist ein leichtes wieder in die Geschichte hineinzukommen. Durch kurze prägnante Rückblenden in die Vergangenheit werden immer wieder kurze Szenen aus den ersten beiden Bänden in Erinnerung gebracht. Geschickt hat das Autorenduo historische Ereignisse – die Revolution, das neu eingeführte Frauenwahlrecht, 8-Stunden-Arbeitstag und die Spanische Grippe mit der Geschichte verflochten. Im Mittelpunkt der Geschichte stehen Ricarda und ihre drei Kinder Henny, Georg sowie Antonia. Die unterschiedlichen Charaktere haben ihre Stärken und Schwächen, so dass sie sehr authentisch wirken. Durch den ständigen Wechsel zwischen den Familienmitgliedern wird immer wieder Spannung aufgebaut, so dass es nie langweilig wird.

Am Ende schließt sich der Kreis zu einem wundervollen Abschluss dieser Trilogie.