Profilbild von frommeHelene

frommeHelene

Lesejury-Mitglied
offline

frommeHelene ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit frommeHelene über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 02.08.2020

Über einen Wissenschaftler, der auch Vater ist

Der Junge, der zu viel fühlte
0

Das Buch schildert den Weg der wissenschaftlichen Erforschung und der Suche nach Behandlungsmethoden von Autismus und erzählt gleichzeitig die Geschichte der Familie Markram und ihres autistischen Sohnes ...

Das Buch schildert den Weg der wissenschaftlichen Erforschung und der Suche nach Behandlungsmethoden von Autismus und erzählt gleichzeitig die Geschichte der Familie Markram und ihres autistischen Sohnes Kai.

Es wurde von einem Journalisten geschrieben, basierend auf den Interviews und Briefen und Dokumenten, die von der Familie zur Verfügung gestellt wurden. Leider kommt für meinen Geschmack Kai zu kurz. Er ist am Ende der Geschichte bereits 22 Jahre und mich hätte seine Sicht ebenfalls sehr interessiert. So basiert der Großteil der Erzählung auf den Erinnerungen von Vater und Mutter später auch auf die Schilderung Markrams zweiter Ehefrau. Der ständige Zwiespalt zwischen der Sicht der Eltern als Wissenschaftler und als Mutter und Vater wird gut transportiert. Besonders gut hat mir auch die Schilderung der wissenschaftlichen Erforschung und der Skepsis der alteingesessenen Spezialisten gefallen.

Das Buch gibt einen guten Einblick in die Besonderheiten von Autisten und weist immer wieder darauf hin, diese Entwicklungsbesonderheit nicht als Krankheit oder Behinderung anzusehen. Autisten sind vollwertige Menschen, die über außergewöhnliche Talente verfügen. Besonders wichtig ist die Einzigartigkeit des Einzelnen. Laut Auffassung von Markram sagt die Diagnose Autismus nichts über die Stärken und Schwächen des Einzelnen aus. Sie ist nur eine Zusammenfassung veschieden möglicher „Symptome“ einer Mutationsgruppe in der langen Geschichte der Evolution. Viele der geschilderten Erlebnisse und Forschungsergebnisse haben mein Bild von Autisten verändert. Integration ist unsere Aufgabe.

Leider ist das Buch mit sehr viel emotionalem Abstand geschrieben und kommt als reine Nacherzählung daher. Trotzdem habe ich es gerne gelesen. Der Inhalt zählt.

Fazit: Es gibt einen Unterschied zwischen Krankheit und Besonderheit. Lesenswert!

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 01.08.2020

Amüsant trotz ernstem Hindergrund

Wir von der anderen Seite
0

Nach einer Blutvergiftung mit schwerem Verlauf wacht Rahel aus dem Koma wieder auf. Auf dem Weg zurück ins Leben muss sie einiges an Rückschlägen einstecken und verliert doch nie ihren Humor.

Die spritzige ...

Nach einer Blutvergiftung mit schwerem Verlauf wacht Rahel aus dem Koma wieder auf. Auf dem Weg zurück ins Leben muss sie einiges an Rückschlägen einstecken und verliert doch nie ihren Humor.

Die spritzige und humorvolle Erzählstimme von Rahel sorgt dafür, dass sich die Geschichte locker und leicht lesen lässt, und trotz der sehr ernsten Thematik nicht überdramatisch und depressiv wirkt. Man hofft mit Rahel, dass der Humor sie über alle Hindernisse trägt. Es gibt ein paar medizinischen und organisatorische Ungenauigkeiten und eine sehr schwarz-weiß gemalte Filmgesellschaft. die man Rahel aber verzeiht.

Die Geschichte macht Hoffnung, dass ein Trauma überwunden werden kann und gleichzeitig Mut und Platz für Veränderung schafft.

Fazit: Lachen hilft die Angst zu überwinden

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 25.07.2020

Wenn Menschen beginnen zu heilen ...

Nachtblumen
0

Ein Jugendroman, der sensibel das Wachsen der neunzehnjährigen Jana erzählt, die aufgrund traumatischer Kindheitserlebnisse große Probeme mit Nähe, Vertrauen und dem Gefüh für ihre eigenen Bedürfnisse ...

Ein Jugendroman, der sensibel das Wachsen der neunzehnjährigen Jana erzählt, die aufgrund traumatischer Kindheitserlebnisse große Probeme mit Nähe, Vertrauen und dem Gefüh für ihre eigenen Bedürfnisse hat. Sie bekommt die Chance, an einem privaten Ausbildungsprojekt mit Wohngemeinschaft auf Sylt teilzunehmen.

Fünf junge Menschen, die aufgrund ihrer Kindheitserfahrungen Probleme haben und auf ganz unterschiedliche Weise versuchen, im Leben einen Platz zu finden, stoßen aufeinander und müssen lernen sich miteinander und ihrer Vergangenheit zu arrangieren. Die sehr unterschiedlichen Charaktere agieren glaubhaft und realitätsnah.

Wunderschön erzahlt wie Vertrauen und Liebe Stück für Stück ihren Schutzpanzer aufbrechen und sie beginnen, ihr Leben in die Hand zu nehmen.

Fazit: Sensibel erzählte Coming-of Age-Geschichte. Lesenswert!

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 17.07.2020

Reine Zeitverschwendung

Einer wird sterben
0

Selten hat mich ein Buchkauf so wütend gemacht. Was von Verlag und bekannten Autoren als „wahnsinnig spannender Psychothriller“ angepriesen wird, entpuppt sich als lahme Story um Nachbarschafts-und Beziehungskrisen, ...

Selten hat mich ein Buchkauf so wütend gemacht. Was von Verlag und bekannten Autoren als „wahnsinnig spannender Psychothriller“ angepriesen wird, entpuppt sich als lahme Story um Nachbarschafts-und Beziehungskrisen, die auf den letzten Seiten zu einem unglaubwürdigen Familiendrama mit blutigen Ende aufgeblasen wird.

Über 200 Seiten passiert nichts. Seitenweise lahme Verdächtigung und Gedankenkarussel einer überspannten und beziehungsgestörten Frau, die mich schon nach dem ersten Kaptiel genervt hat.
Ich habe wohl deshalb nur zu Ende gelesen, weil ich ob des großen Lobes nicht glauben konnte, welch gequirlter Mist sich hinter dem hübschen Cover verbirgt. Bis zuletzt habe ich eine überraschend geniale Wendung gehofft. Zeitverschwendung.

Fazit: Lahme Story, unsympathische Charaktere und unglaubwürdige Wendung. Einen Stern gibt es für das Cover und den spannenden Klappentext. Das Beste am Buch.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 15.07.2020

Von den Kosten einer traumhafter Fassaden

Kleine Feuer überall
0

Eine Kleinstadt aus einer Hochglanzbroschüre, eine Vorzeigefamilie aus einem Werbejingle, ein Leben, das keine Wünsche offen zu lassen scheint - und doch wird durch die Anreise der alleinerziehenden Mia ...

Eine Kleinstadt aus einer Hochglanzbroschüre, eine Vorzeigefamilie aus einem Werbejingle, ein Leben, das keine Wünsche offen zu lassen scheint - und doch wird durch die Anreise der alleinerziehenden Mia alles auf den Kopf gestellt. Ihre Lebensweise und ihre Ansichten bringen die Bewohner von Shaker Heights aus dem Tritt. Ein Buch, dass hinter die Fassaden, der kleinstädtischen Gutbürger schaut und mit einem seichten Flügelschlag alles zum Einsturz bringt.

Auch wenn ich kein Freund der der auktorialen Erzählung bin ich, schafft die Autorin, mich mit ihrer gekonnten Zusammenschnitt der verschiedenen Perspektiven und Zeitabschnitten in den Bann zu schlagen. Besonders die liebevoll gezeichneten Figuren und ihr absolut nachvollziehbarer Handlungsdruck gehen mir zu Herzen. Wunderbar wie hier Moral ad adsurdum geführt wird. Eine Erzählung mit Abstand, die trotzdem berührt und und mich mit ihrem geschickt aufgebauten Spannungsbogen immer weiter hineinzieht. Alles ist an seinem Platz, nichts ist überflüssig, nichts passiert zum falschen Zeitpunkt. Einziger Kritikpunkt, die fehlende Kennzeichnung der Perspektiv- und Zeitsprünge.

Fazit: Tolles Handwerk, das seine Wirkung nicht verfehlt.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere