Profilbild von lFrozenIcel

lFrozenIcel

Lesejury Profi
offline

lFrozenIcel ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit lFrozenIcel über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 01.09.2025

Am Zahn der Zeit

All Better Now
0

Neil Shusterman hat sich bereits mit anderen Büchern, wie der "Scythe"-Reihe einen große Namen gemacht. In seinen Welten ist er gesellschaftskritisch und taucht auf psychologischer Ebene in die Köpfe der ...

Neil Shusterman hat sich bereits mit anderen Büchern, wie der "Scythe"-Reihe einen große Namen gemacht. In seinen Welten ist er gesellschaftskritisch und taucht auf psychologischer Ebene in die Köpfe der Menschen ein. In seiner neusten Dilogie "All better now" begibt sich Shusterman auf brüchiges Terrain: Der Corona-Pandemie. Fünf Jahre nach dem ersten Lockdown bringt er einen Roman aus, der sich damit beschäftigt, was ein Virus in Menschen auslöst, welche Fraktionen es gibt und was wäre eigentlich, wenn der Virus uns alle sorgenlos werden lässt? Ich fand die Wahl mutig. Nach den Lockdowns, nach den Impfungen, nach den ganzen Auflagen, war die Menschheit dem Thema überdrüssig. Viele konnten es nicht mehr hören. Gibt es dazu überhaupt die eine richtige Meinung? Doch Shusterman stellt sich den spannenden und wichtigen Frage: Was wäre, wenn die Pandemie uns entschleunigt hat? In seinem Buch gibt es die Genesenen, die plötzlich einen komplett andere Blick auf die Welt haben. Materieller Wert ist nicht mehr wichtig. Im Vordergrund steht es, den Mitmenschen zu helfen und Gutes zu tun. Die Genesenen sind mit wenig zufrieden. Sie sind glücklich. All happy, oder nicht?
Natürlich gibt es noch die Gegenpartei. Sie sehen das Virus als Bedrohung und wollen es stoppen. Der Leser bekommt Einblicke in Machtspielchen, Geldtransfere und den großen moralischen Fragen, die man sich im Labor so stellt. Der Roman fühlt sich dystopisch und doch so real an. Es ist kaum zu leugnen, dass Corona die Gesellschaft damals gespalten hat und die Meinungen waren relativ unverrückbar. In "All better now" wird nun unter die Lupe genommen, wo wir mit der Selbstverwirklichung, die sich in dieser entschleunigten Lockdown-Zeit entwickelt hat, hinkommen. Ist es wirklich gut, wenn alle in Positivität leben? Oder gehen uns dadurch unsere Instinkte verloren? Ein hoch-moralisches Buch. Geschrieben in einem klaren und spannenden Schreibstil und einem rasanten Tempo.
Das Ende war leider ein kleiner Cliffhanger. Ich bin kein Freund dieser Methode, doch natürlich sorgt es dafür, dass ich unbedingt weiterlesen möchte. Klare Empfehlung!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 01.09.2025

Ein Werk kabarettistischer Art

Dr. No
0

Mit Respekt ging ich an dieses Buch ran. Das Nichts erklären? Wie soll das funktionieren? Wie soll man über etwas, was nicht greifbar ist, schreiben? Wie wissenschaftlich wird es werden?

Die Fragen hätte ...

Mit Respekt ging ich an dieses Buch ran. Das Nichts erklären? Wie soll das funktionieren? Wie soll man über etwas, was nicht greifbar ist, schreiben? Wie wissenschaftlich wird es werden?

Die Fragen hätte ich mir wohl sparen können, denn diese zu stellen beantwortet die Frage bereits: Das Thema ist klug und aberwitzig zu gleich.

Die ersten Seiten gilt es mit völliger Konzentration zu lesen, um zu entschlüsseln, was für den Protagonisten Nichts ist. Nichts ist nichts. Nichts ist aber nicht nichts. Sich diese Denkweise anzueignen hat erstaunlich schnell funktioniert. Der Knoten im Kopf wird immer dicker und regelmäßig musste ich über die Definitionen schmunzeln und verzweifelt den Kopf schütteln. Dies lockerte das Buch ungemein auf.

An der Spitze der Welt sitzen die Milliardäre. Und diesen kann bekanntlich schonmal so langweilig werden, dass sie absurden Tätigkeiten nachgehen. So möchte Milliardär John Sill gerne die Macht über Nichts haben. Er vermutet diesen mächtigen Schatz in Fort Knox und bezieht die Hilfe des Professors Dr. No ein. Er gab sich den Namen Wala Kitu. Übersetzt: Nichts nichts. Der Leser erkennt, was sich wie ein roter Faden durch den Roman zieht.

Dr. No merkt schnell, dass er und eine Kollegin in üble Machenschaften verwickelt wurde und versucht daraufhin die Welt zu retten. Wovor? Vor dem Nichts. Hier bekommt der Roman seine Wendung zum Kriminalroman, der wirklich einem James Bond-Abenteuer gleicht.

Ich habe das Buch sehr gerne gelesen. Der Autor ist gewieft. Die Wortwitze on point. Die Verwirrung in einer perfekten Dosis. Nach der anfänglichen Einarbeitung liest sich das Buch sehr angenehm. Hier mischt sich Wahn und Genie, wie wir es aus dem Sprichwort kennen. Der Roman unterscheidet sich stark von anderen. Der Inhalt kam sehr unerwartet, was mich fasziniert zurück lässt. Ein Werk kabarettistischer Art der Extraklasse und eine klare Empfehlung.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 01.09.2025

Meinungsmache im Wandel

Aufsteiger
0

Manchmal gibt es Videos, die einen ganz klaren Sachverhalt völlig verkehrt herum darstellen. Ich schaue den Inhalt und denke mir: Das fühlt sich völlig falsch an. Beispielsweise werden Frauen oft gecatcalled, ...

Manchmal gibt es Videos, die einen ganz klaren Sachverhalt völlig verkehrt herum darstellen. Ich schaue den Inhalt und denke mir: Das fühlt sich völlig falsch an. Beispielsweise werden Frauen oft gecatcalled, doch dann schaue ich ein Video, wie ein Mann gecatcalled wird. Es soll aufweisen, wie unnatürlich sich eine Situation anfühlt, die man jahrelang auf eine bestimmte Weise getan hat. Und genau so hat sich Peter Huths Roman für mich angefühlt. Da kommt eine schwarze Frau an die Spitze eines Verlags und der weiße Mann klagt. Er klagt wegen ungerechter Behandlung. Er klagt, weil er nur wegen seiner Hautfarbe und seines Alters nicht an die Spitze befördert wurde. Sollte darüber überhaupt debattiert werden? Ehrlich gesagt, bin ich am Ende des Buches nicht schlauer.

Huth bringt Diskussionen wie "Diskriminierung" und "Transsexualität" mit klaren Worten auf den Punkt und versucht dies auch mit anderen gesellschaftskritischen Themen. Dabei fehlte mir die Aktualität des Buches, denn auch "Klimakleber", "Indianer" und "Windräder" nahmen viel Platz im Buch ein. Dies mag 2022 - in dem Jahr spielt das Buch - noch aktuell gewesen sein, aber in 2025 sind wir über die Themen weit hinaus.

Huth bringt viele Meinungsmacher in sein Buch ein. Wie wir es aus dem Internet gewöhnt sind, will jeder davon seine Sichtweise durchbringen. Gerade die Feministin Zoe Rauch - neue Chefredakteurin - stößt auf sehr viel Gegenwind und scheint mit ihrer "woken" Art anzuecken. Ein ewiger Kampf. (Hallo Milram-Käse). Der Roman zeigt klug auf, welche Parteien kämpfen und wie Stimmungsmache funktioniert.

Letzten Endes bin ich mir jedoch unsicher, ob Huth selbst für oder gegen Veränderung ist. Sein Roman hat mich oft zum Überdenken einiger heutiger Meinungen gebracht. Das Buch zu beenden lies mich etwas leer zurück. Ich musste erst überdenken, was die Botschaft ist. Ob ich gerade einen gewaltigen Epos oder ein standardisiertes weißes Gedankengut gelesen habe. Der Inhalt war spannend, flüssig zu lesen und ich spreche eine Empfehlung dafür aus - einfach um sich und das gesellschaftliche Denken zu reflektieren.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 29.08.2025

I'm friends with the monster

Ein Cookie für den Dämon
0

"Ein Cookie für den Dämon" ist eine Spin Off-Reihe zu Maries Guild Codex: Spellbound-Reihe. Diese Spin Off-Reihe trägt den schönen Beititel "Demonized" und fasst damit gut zusammen, was die Leser*innen ...

"Ein Cookie für den Dämon" ist eine Spin Off-Reihe zu Maries Guild Codex: Spellbound-Reihe. Diese Spin Off-Reihe trägt den schönen Beititel "Demonized" und fasst damit gut zusammen, was die Leser*innen erwartet: Dämonen! Mysteriös, bissig, gefährlich. We love it!
Schon die Hauptreihe habe ich bis zur aktuellen Übersetzung verschlungen. Sie ist humorvoll und abwechslungsreich, trotz der strengen Limitierung, dass da ein Mensch unter den Magiern verweilt. Doch in dieser Reihe hat die Protagonistin Magie - sie nutzt sie lediglich nicht. Nach einem schweren Schicksalsschlag will sie einfach nur weg aus ihrer temporären Unterkunft, doch noch fehlt ihr etwas zu diesem Schritt. Durch ein tollpatschiges Missgeschick hängt ihr nun zudem ein Dämon am Hals.
Wer die Hauptreihe gelesen hat, weiß bereits, dass einige Zauberer sich mit Dämonen verbunden haben. Es wird klar, dass diverse Magiergruppen die unterschiedlichsten Regeln und Lebensweisen haben. Dadurch, dass Protagonistin Robin selbst keinerlei Ahnung hat, lernen wir mit ihr zusammen diesen Zweig der Magie kennen. Es bietet eine wunderbare Ergänzung zur Hauptreihe, ist aber bislang auch ohne Vorkenntnisse gut lesbar. Die Autorin hat jedoch gegen Mitte des Buches einige Anspielungen auf die Hauptreihe gemacht. Die Ereignisse überschneiden sich teilweise und für mich war es aufregend und schön, alte Charaktere wieder zu treffen und Vermutungen aufzustellen, die auch den weiteren Verlauf der Hauptreihe beeinflussen könnten.
Insgesamt ist dieser Band weniger humorvoll als die Hauptreihe und das ist völlig okay, da Robin einen anderen Charakter als Tori hat. Mal auf der "dunklen" Seite der Magie zu stehen, war dennoch spannend zu lesen und genau das, was oft fehlt.
Auch diese Reihe ist bislang eine volle Empfehlung!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 18.08.2025

Lebensnah und traumhaft

Ein Herz in der Ferne
0

In Büchern auf Reisen zu gehen, lässt mein Herz höher schlagen. Fremde Kulturen, neues Wissen, einzigartige Landschaften. In Gehrigs Roman geht es auf die Insel Bali. Die 43-jährige Martha soll dort in ...

In Büchern auf Reisen zu gehen, lässt mein Herz höher schlagen. Fremde Kulturen, neues Wissen, einzigartige Landschaften. In Gehrigs Roman geht es auf die Insel Bali. Die 43-jährige Martha soll dort in einem Kinderheim aushelfen, auf Wunsch ihrer Tochter. Diese ist aufgeschlossen und motiviert, also genau das Gegenteil von Martha, die in festen Strukturen lebt, viel funktionieren musste und sich nun einen Ruck gibt und sich ins Abenteuer stürzt.

Als sie ankommt, lernt sie direkt den Love Interest Wayan kennen. Ab hier folgt der Roman einer eher ungewöhnlichen Struktur. Die wenigen Wochen auf Bali sind schnell vorbei. Der Leser bekommt erste Einblicke in das Leben in einem Kinderheim in Indonesien, erste Ausflüge werden erzählt, wir lernen Wayan besser kennen und dann geht es überraschenderweise zurück nach Deutschland. Üblicherweise bleibt die Hauptfigur am Ort des Geschehens. Hier fand also eine erfrischende andere Perspektive statt, die viel Raum für Entwicklung bot. Das Buch streckte sich über mehr als ein Jahr insgesamt, doch genau das verleiht dem Buch seinen Charme. Charaktere konnten sich entwickeln, Ideen und Pläne durften reifen und auch persönliche Entwicklungen empfinde ich auf langen Zeitraum authentischer.

Auf einem langen Zeitraum kann jedoch auch viel verloren gehen und so war ich oft überrascht über zeitliche Sprünge. Diese hätten vielleicht mit Zeitstempeln versehen werden können. Ehrlicherweise verstand ich nach Marthas erstem Aufenthalt auch nicht so ganz ihre Anziehung zu Wayan. Er ist ein authentischer Charakter, aber genau deswegen aus meiner Sicht eher ein Slowburn. Die Liebe ist zum Glück auch slow, nur das Verlieben nicht. Es war schön zu lesen, wie sich die Liebe langsam entwickelt und wie reale Probleme thematisiert werden, allerdings wäre es so für mich kein Grund, jemandem wieder und wieder für teuer Geld und viel Zeit hinterher zu reisen.

Insgesamt ein sehr schönes Selfpublisher-Buch mit sehr lebensnahen Charakteren, einem traumhaften Setting, nicht überzogen und mit ganz eigenen Strukturen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere