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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 22.03.2025

Ein Highlight meines Lesejahres 2025

Frag nicht nach Agnes
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Es war ein Brief, der Lilo dazu brachte, mal wieder nach ihrer Familie zu fragen. Auch wenn sie wusste, dass ihre Mutter ärgerlich wird. Sie will endlich wissen, warum ihre Großmutter Agnes so sehr verachtet ...

Es war ein Brief, der Lilo dazu brachte, mal wieder nach ihrer Familie zu fragen. Auch wenn sie wusste, dass ihre Mutter ärgerlich wird. Sie will endlich wissen, warum ihre Großmutter Agnes so sehr verachtet wird. Welches Unrecht beging sie und warum kann ihre Mutter nicht darüber sprechen? Nein, Lilo will diese Geheimniskrämerei nicht länger hinnehmen. Sie hat ein Recht darauf, die Wahrheit zu erfahren.

"Frag nicht nach Agnes" ist kein oberflächlicher Roman, der lediglich der Unterhaltung dient. Die Autorin nahm mich mit auf eine Reise in die Vergangenheit. Spannend und zugleich faktenreich erlebte ich hautnah, wie Kriegsverbrecher keine Verantwortung für ihr Tun übernehmen mussten. Sowohl Richter als auch Staatsanwälte standen den Angeklagten zur Seite. Die junge Agnes war ein Opfer der Justiz und ihre Tochter Monika musste mit den Konsequenzen leben.

Nicht nur das Leben der Kriegsverbrecher spielt in dem Roman eine Rolle. Auch die Nachkommen und Partner der Betroffenen leiden bis heute unter den Folgen. Wurde auch die junge Agnes fälschlicherweise verurteilt? Was hätte sie tun können, wenn ihr Mann als Kämpfer fürs Vaterland galt und niemand hinter seine gut einstudierte Fassade blickte?

Für mich war dieses Buch ein Highlight meines Lesejahres 2025. Ja, ich empfehle es ausdrücklich und ohne Abstriche weiter. Die Vergangenheit darf niemals ruhen und jeder Demokrat muss aufstehen, wenn ähnliche Meinungen die Öffentlichkeit beeinflussen möchten.

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Veröffentlicht am 19.03.2025

Viele Verdächtige verwirren nicht nur die Leser

Morden auf Friesisch
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Vier Jahrzehnte lebte Hinnerk hier und dass heute sein letzter Tag sein sollte, das ahnte er nicht. Für ihn war es das schönste Fleckchen Erde. Jedoch war es eine stabile Angelschnur, die seinem zu kurzen ...

Vier Jahrzehnte lebte Hinnerk hier und dass heute sein letzter Tag sein sollte, das ahnte er nicht. Für ihn war es das schönste Fleckchen Erde. Jedoch war es eine stabile Angelschnur, die seinem zu kurzen Leben ein Ende setzte. Er wurde erstickt. Michaela Greve nimmt die Ermittlungen auf.

Hauptkommissar Kruse ist der Chef von Michaela. Er mag sie sehr, auch wenn er das niemals zugeben würde. Dann gibt es noch einen dritten Ermittler, den lieben Ulf Weingärtner. Drei sind es also, die den Mord an Hinnerk aufklären müssen. Dass es nicht nur bei einem Mord bleibt und dass sich die Verdächtigen nahezu häufen, das bringt die Ermittler fast an ihre Grenzen.

Immer wieder gibt es Verdächtige und eine Klärung des Falls scheint in greifbare Nähe gerückt. Doch dann entpuppt sich der vermeintliche Mörder als Irrweg.
"Morden auf Friesisch" konnte mich gut unterhalten. Die lockere und bildhafte Sprache des Autors ist angenehm zu lesen. Die humorvollen Einlagen zauberten mir immer wieder ein Lächeln ins Gesicht.

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Veröffentlicht am 16.03.2025

Das Leben während des 30jährigen Krieges anschaulich dargestellt

Das Pestkind
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Die kleine Marianne war die einzige Überlebende. Sowohl ihre Familie als auch Mägde und Knechte wurden durch den „Schwarzen Tod“ dahingerafft. Der Pfarrer fand sie in einem Verschlag hinter dem Schweinestall. ...

Die kleine Marianne war die einzige Überlebende. Sowohl ihre Familie als auch Mägde und Knechte wurden durch den „Schwarzen Tod“ dahingerafft. Der Pfarrer fand sie in einem Verschlag hinter dem Schweinestall. Er nahm sie auf den Arm und versorgte sie zunächst selbst. Da er sie nicht dauerhaft bei sich behalten konnte, brachte er sie zu einer Familie, die für sie sorgen wollte. Das war ein Fehler, der sich ihm aber erst Jahre später offenbarte.

Marianne wuchs zu einer Schönheit heran. Und nicht nur das brachte sowohl Dorf als auch Ziehmutter gegen sie auf. Überall galt sie als „Pestkind“ und wurde von allen verachtet. Zuweilen sogar bedroht. Sie galt als Geächtete, die es mit dem Teufel zu hatte. Warum? Weil sie als einzige Überlebende ihrer Familie galt. Nur eine Frau, genannt die „Thalerin“ gab ihr ein Dach über den Kopf. Nein, nein. Nicht aus Nächstenliebe. Diese Frau spekulierte auf das Geld, das ihr der Pfarrer jeden Monat für Marianne gab.

"Das Pestkind" ist eine Neuauflage des im Januar 2014 erschienen Buches. Damals war es der Knaur Verlag, der es veröffentlichte. Die Romane der Autorin kenne ich seit etlichen Jahren und alle zogen mich in ihren Bann. Im Pestkind beschreibt Nicole Steyer das Leben während des 30jährigen Krieges. Für uns kaum nachvollziehbar, wie sehr die Menschen unter dieser jahrelang währenden Furcht zu leiden hatten.

Im Nachwort schreibt die Autorin, was sie zum Schreiben des Buches motivierte. Es gibt einige Fakten, die in dem Roman erwähnt werden und auch etliche Personen, die damals lebten und ihr Vermächtnis nachlesbar ist. 30 Jahre Furcht vor Überfällen und zudem auch kaum Nahrung, das ist heute kaum vorstellbar. Wir können dankbar sein, dass wir bisher vor solchen Unwägbarkeiten verschont blieben.

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Veröffentlicht am 14.03.2025

Joel Dicker ist ein Meister seines Fachs

Ein ungezähmtes Tier
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Ja, es ist gewiss ein Unterschied, ob jemand in einer „Warze“ oder in einem luxuriösen Haus aus Glas wohnt. In dem Glashaus leben Sophie und Arpad und in dem „normaleren“ Anwesen sind Greg und Karine zuhause. ...

Ja, es ist gewiss ein Unterschied, ob jemand in einer „Warze“ oder in einem luxuriösen Haus aus Glas wohnt. In dem Glashaus leben Sophie und Arpad und in dem „normaleren“ Anwesen sind Greg und Karine zuhause. Beide Ehepaare lernen sich kennen und zumindest zwischen den Frauen entwickelt sich so etwas wie Freundschaft. Wobei Karine ein wenig neidisch ist. Auf das luxuriöse Leben Sophies. Und ihr Mann schwärmt so sehr von dieser angeblich so einzigartigen Frau, dass er ihr sogar nachstellt.

Für mich ist Joel Dicker ein Meister der Spannung. Das hat er auch mit „Ein ungezähmtes Tier“ sehr gut bewiesen. Zwar gibt es immer wieder Wechsel von Zeit und Ort, aber das tut dem Lesefluss keinen Abbruch. Im Gegenteil. Der Leser erlebt die Entwicklung der Protagonisten hautnah mit. Während Greg und Karine stolz auf ihr kleines Häuschen sind, ist für Sophie und Arpad ihr Luxus selbstverständlich. Die Frage ist aber, was sich dahinter verbirgt und woher das viele Geld stammt.

Arpad hat Geheimnisse vor seiner Frau und auch Greg ist nicht immer ehrlich gegenüber Karine. Das Glashaus wird von einem Fremden beobachtet und oft wird der Leser in die Irre geführt. Spannend bis zum Schluss und mit unvorhersehbarem Ende. So fasse ich mein Leseerlebnis kurz zusammen. Gleichzeitig empfehle ich das Buch allen, die gehobenen Thrill mögen. Der Sprecher Torben Kessler hat seine Arbeit ganz hervorragend gemacht. Seine Stimme hat mich bis zum Schluss nicht nur unterhalten, sondern ebenfalls fasziniert.

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Veröffentlicht am 10.03.2025

Dieser Massenmord an Zivilisten darf nicht vergessen werden

Ein Krieg wie kein anderer
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Es waren etwa 26 Millionen Sowjetbürger, die zwischen 1941 und 1945 ihr Leben verloren. Die Einheizer begannen ihren Feldzug gegen diese Menschen aber bereits viel früher. Diese „Vorbereitungen“ gipfelten ...

Es waren etwa 26 Millionen Sowjetbürger, die zwischen 1941 und 1945 ihr Leben verloren. Die Einheizer begannen ihren Feldzug gegen diese Menschen aber bereits viel früher. Diese „Vorbereitungen“ gipfelten dann im Feldzug „Unternehmen Barbarossa“. Was die Menschen in den überfallenen Gebieten damals erlebten, wie sie mit dem Hass umgingen und wie sie nach dem Krieg trotzdem weiterleben konnten, das beschreibt der Autor in seinem Buch „Ein Krieg wie kein anderer“.

Hier werde ich nur wenige Aussagen niederschreiben, die Sie in dem rezensierten Buch nachlesen können. So meinte Heinrich Himmler bei einer Versammlung in Posen im Jahr 1943 folgendes: „Diese Masse muss zertreten und abgestochen werden. Es ist, um einmal ein ganz brutales Beispiel zu gebrauchen, wie bei einem Schwein, das abgestochen wird, und allmählich ausbluten muss.“

In seinem Pamphlet schrieb Adolf H. Dass die slawische Rasse minderwertig sei. Er will sie sogar an ihrem Äußeren erkennen und nicht nur er vergleicht sie immer wieder mit der „jüdischen Rasse“. Man beachte, dass genau dieser Herr im Jahr 1939 einen Nichtangriffspakt unterschrieb. Ist es denn erstaunlich, dass die Menschen bis heute nicht vergessen können, was die Deutschen ihnen und ihren Familien angetan haben?

Das Buch hat mich erschüttert und gleichzeitig ermutigt, gegen jeden Rassismus anzugehen. Wir leben hier zwar seit 80 Jahren ohne Krieg, aber wie lange noch? Wer Demagogen folgt und Parteien wählt, die eine Rassenideologie aufleben lassen möchten, der sollte sich dieses Buch zu Gemüte führen. Es lässt sich gut lesen, da es flüssig und bildhaft geschrieben wurde. Auch wenn das Thema nicht leicht ist, das Dranbleiben lohnt sich auf jeden Fall.

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