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Veröffentlicht am 09.04.2025

Herausstechende Dora und Rado

Schmerz
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Sich im Krimigenre neu zu erfinden, das ist echt eine Herausforderung. Für mich ist es kein Muss, an einer neuen Reihe hängen zu bleiben, weil ich bei diesem Genre doch vielmehr Wert darauf lege, dass ...

Sich im Krimigenre neu zu erfinden, das ist echt eine Herausforderung. Für mich ist es kein Muss, an einer neuen Reihe hängen zu bleiben, weil ich bei diesem Genre doch vielmehr Wert darauf lege, dass die Spannung bis zum Schluss erhalten ist und dass es nicht zu vorsehbar wird. Der isländische Autor Jón Atli Jónasson hat mich mit „Schmerz“, dem Auftakt seiner Reihe rund um Dora und Rado, auf jeden Fall überrascht.

Das Genre neu erfunden, wäre jetzt wohl auch völlig übertrieben, um „Schmerz“ zu beschreiben, aber auf eine gewisse Weise war es extrem frisch für mich gestaltet. In der Art hat es mich am meisten an Jussi Adler Olsen erinnert, da es um zwei völlige Außenseiter geht, die die Ermittlungen auch sehr unkonventionell angehen. Dennoch sind die Figuren nicht einfach mit Rosa, Assad und Carl gleichzusetzen. Doras Erlebnis, der ihr einen Gehirnschaden zugefügt hat, ist gleich zu Beginn des Buchs ein Ausrufezeichen. Die Dora vor dem Ereignis lernen wir im Grunde gar nicht kennen, stattdessen haben wir die neue Version, die an den Schreibtisch verbannt ist, die aber gleichzeitig mit das cleverste ist, was die Polizei in Reykjavík so anzubieten hat. Es war schon eine Mischung aus amüsant und unfassbar, was wir dann geboten bekommen. Dass Dora fast keine Schranke mehr im Kopf hat und alles raushaut, das ist echter Wahnsinn, gerade in dem Beruf.

Umgekehrt haben wir Rado, der deutlich normaler ist, um den herum privat aber alles explodiert, was wiederum ihn so spannend macht. Er steht auf der rechten Seite des Gesetzes, aber seine Schwiegerfamilie hat jahrelang krumme Geschäfte betrieben und dazu hat Rado auch in seiner eigenen Blutsfamilie noch ungeklärte Dinge, die ihn heimsuchen. Bei den Figuren ist deutlich zu merken, dass sie genutzt werden, um langfristig etwas aufzubauen. Doras gesundheitlicher Zustand wird nicht einfach behoben werden können und Rado gespalten zwischen beruflicher Hingabe und familiärer Loyalität wird ebenfalls erhalten bleiben. Genauso wichtig ist aber die wachsende Beziehung der beiden Ermittler. Sie starten im Grunde als Unbekannte. Sie kennen sich zwar, aber mehr vom Sehen als wirklich menschlich, weswegen auch viele Vorurteile im Spiel sind, als sie zufällig Partner werden. Aber es ist dann interessant mitzuverfolgen, wie etwas zwischen ihnen wächst. Dora ist der Kopf, Rado ist der Macher. Zudem ist auch zu erkennen, dass sie beide nicht viel zu verlieren haben, weswegen nicht immer alles konventionell zugeht, sondern beide auch auf Regeln und Grenzen pfeifen. Dadurch ist in der Geschichte stetig Zug drin und es hat schon bald etwas Ikonisches, wenn man Dora und Rado so erlebt.

Ich habe „Schmerz“ als Hörbuch gehabt. Somit hatte ich die Stimme von Günther Harder im Ohr. In dem Genre ist es üblich, dass man nur einen Erzähler hat, unabhängig von den Geschlechtern und den Perspektiven. Das ist auch im Kern okay, auch weil man speziell Dora und Rado schnell unterscheiden konnte. Komplex wurde es aber dann, weil wir noch weitere Perspektiven hatten und da war es gerade in der ersten Hälfte schon mal schwieriger, um wen es jetzt Neues geht und was er wohl für eine Rolle spielt. Liest man es, kann man sich besser an die Seiten binden, im Hören hat es einen flüchtigeren Charakter, aber in der zweiten Hälfte war es spätestens okay.

Inhaltlich hätte ich zum Fall noch etwas zu sagen. Positiv ist sicherlich, dass die Handlung in der Intention komplexer gedacht ist. Durch die Razzia gegen Rados Schwiegerfamilie haben wir das über dem Geschehen schweben und wir haben den Vermisstenfall der jugendlichen Morgan. Beide Fälle für sich wirkten nicht sonderlich spektakulär und haben mich auch nicht unbedingt zum Miträtseln eingeladen. Aber man hat schon gemerkt, dass Jónasson seine Geschichten groß und zusammenhängend denkt. Auch wenn es am Ende alles was schnell und abrupt ging, aber es wurde mir im Kern bewiesen, dass der Autor erzählerisch etwas drauf hat. So war der erste Band auf dieser Krimi-Ebene noch nicht übermäßig beeindruckend, aber im Kontext der spannenden Figuren hat er einen mehr als soliden Rahmen mit Potenzial für die Zukunft gegeben.

Fazit: Ich werde mir wohl den isländischen Autor Jón Atli Jónasson merken, denn „Schmerz“ macht vor allem wegen Rado und Dora Lust auf mehr. Zwei Außenseiter, die für sich einen spannenden Teil einbringen, die aber auch zusammen etwas ausstrahlen, was schnell auf die angenehmste Art Vertrauen ausdrückt. Der Fall bzw. die Fälle sind keine großen Ausrufezeichen, aber sie betten alles gut ein. Da schaue ich gerne nochmal vorbei.

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Veröffentlicht am 02.04.2025

(Verlags-)Liebesgeschichte

Beneath Broken Skies
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Ich habe mich schon mehrfach dazu bekannt, dass ich im New Adult-Bereich gerne Reihen habe, bei dem jeweils ein Paar brav seinen Band hat und fertig. Das über zwei oder mehr Bücher zu ziehen, birgt immer ...

Ich habe mich schon mehrfach dazu bekannt, dass ich im New Adult-Bereich gerne Reihen habe, bei dem jeweils ein Paar brav seinen Band hat und fertig. Das über zwei oder mehr Bücher zu ziehen, birgt immer das Risiko (was sage ich eigentlich?), Treffsicherheit, etwas zäh und hinausgezögert zu wirken. Auch wenn ich Lena Kiefers Reihen beispielsweise aufgrund des Spannungselement da immer treu verfolgt habe, aber ganz das Ideal war es auch nicht. Als ich nun „Beneath Broken Skies“ begonnen habe, hatte ich zunächst nicht auf dem Schirm, dass es eine Dilogie ist. Was sagen wir dazu?

Zunächst möchte ich den für mich ganz großen Pluspunkt benennen, den ich Anna Savas besonders hoch anrechne, vor allem weil es in einer Analogie immer wieder mein Kritikpunkt bei der New England School of Ballet war. Während mir dort das namengebende Tanzen oftmals viel zu kurz kam und auch die dramatischen Handlungsschwerpunkte zu sehr daran vorbei waren, ist hier die Buchliebe durch das Setting des Verlags in allen Poren zu spüren. Hier habe ich deutlich gemerkt, das ist Savas‘ Zuhause, dort kennt sie sich aus und das kommt rüber. Ich bin selbst eine Buchliebhaberin und ich musste gar keinen Funken zum Anzünden haben und es ist trotzdem passiert, weil auch in den Dialogen alles drin steckte, was ich auch fühle. Der Kontrast aus Madelyn und Wes hat an der Stelle großartig funktioniert, weil er durch sie als Leitstern in eine Welt eingeführt wurde und man hat deutlich gemerkt, wie es ihn hat umdenken lassen und das ist genau das, was man bei einer Leserschaft auslösen will, die nicht regelmäßig zum Buch greift und wenn man sie an der Angel hat, sollte man sie am besten nie mehr loslassen. Es hat mir auch gut gefallen, wie konsequent der Verlag als Setting genutzt wurde. Sei es die Auswirkungen auf Maddie im privaten Bereich, seien es die verschiedenen Teamsitzungen, die große Verlagsvorschaubesprechung (mit netter Meta-Ebene auf die andere angesprochene Reihe von Savas) oder auch die Buchmesse am Ende. Der rote Faden war blickdicht gesponnen.

Aber ja… Der Fluch der Dilogie hat für mich doch etwas zugeschlagen. Das Buch hat viele Seiten, vermeintlich viel Inhalt, aber das kann ich so konkret nicht bestätigen. Ich kann mir durchaus vorstellen, dass es als Autorin einfach einen Reiz hat, dass man aufgrund der Zusicherung von zwei oder mehr Bänden einfach alles ausschreibt, gerade auf der Gefühlsebene. Man ist schließlich mittendrin in den Köpfen der beiden Figuren, man fühlt alles und das wird etwas Besonderes sein, das so auszuleben. Gleichzeitig muss es bei der Leserschaft nicht 100% so ankommen. Ich hatte öfters den Eindruck, dass sich Gedankengänge von Maddie und Wes immer mal wiederholt haben. Es gab auch relativ kurze Kapitel, die besonders intensiv in die momentane Gefühlswelt beider eintauchen und gerade die hätte man aus meiner Perspektive locker streichen können. Dazu würde ich auch sagen, dass das Tempo und das erzählerische Timing darunter etwas leiden. Anfangs war die Geschichte etwas zäh, auch weil Maddie ein eher zugeknöpfter Charakter ist. Da ist so eine gewisse Gefühlsschranke da, die erst überwunden werden muss. Später würde ich dann sagen, dass ich dann die erlösenden Momente zwischen den beiden als Paar als zu schnell empfunden habe. Das fiel mir dann besonders wegen Maddies Charakter auf, weil es zu ihr eigentlich nicht gepasst hat, dass sie einfach ein paar Gespräche sausen lässt. Mir ist auch bewusst, dass vieles absichtlich zurückgehalten wurde, damit wir den Spannungseffekt für Band 2 haben, aber das ist immer die Krux an einer Dilogie.

Abseits dieses größeren Kritikblocks will ich aber wieder auf das Positive zurückkehren. Ich bin auf jeden Fall am Haken und es gibt keinerlei Zweifel daran, diesen zweiten Band zu lesen. Ich will natürlich wissen, was da einst zwischen Wes, Adam und der Familie vorgefallen ist. Ich will Adam mehr kennenlernen, aber ich will auch einfach weiter mit der geschaffenen Welt fühlen. Madelyn und Wes sind mir schnell ans Herz gewachsen, weil sie sehr nachvollziehbar gestaltet sind. Es war zwischendurch auch charmant, wie unterschiedlich die beiden eigentlich sind und wie ähnlich sie doch empfinden. Das hat das unsichtbare Band zwischen ihnen bestätigt und so hat es mir für die beiden auch einfach leid getan, dass sie nicht das selbst wahrnehmen können, was wir als Leserschaft als Möglichkeit haben. Wir haben noch viele Fragestellungen für Band 2 offen und ich hoffe sehr, dass wir alle Antworten bekommen.

Fazit: „Beneath Broken Skies“ hat mir schon nach den ersten Kapiteln bewiesen, dass Anna Savas wieder in einem Setting ist, das ihr total liegt und in dem sie ihren Zauber besser entfalten kann. Wenn man sich mit dem Verlagsverwesen, speziell auch mit dem Marketing von Lyx beschäftigt, dann ist klar zu erkennen, wer für das Verlagshaus Vorbild war und die Liebe zum Buch war großartig. Auch wenn es für den ausstehenden zweiten Band alles etwas gezogen und bewusst verschleiert wurde, aber ich bin am Haken, also Auftrag erfüllt.

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Veröffentlicht am 31.03.2025

Im LGBTQIA+ Teil am stärksten

Maybe Meant To Be
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Es ist schon länger her, dass ich aus der Reihe Hanser von dtv etwas gelesen habe, was auch daran liegen mag, dass es sich in der Tendenz mehr an ein jugendliches Publikum richtet. Dennoch wird man für ...

Es ist schon länger her, dass ich aus der Reihe Hanser von dtv etwas gelesen habe, was auch daran liegen mag, dass es sich in der Tendenz mehr an ein jugendliches Publikum richtet. Dennoch wird man für manchen Geschichten und deren Botschaften nie zu alt, was ich bei „Maybe Meant To Be“ auch wieder gedacht habe.

Ich habe das Buch von K. K. Walther als Hörbuch konsumiert. Ich habe tatsächlich bislang noch wenig ‚Jugendbücher‘ gehört, zuletzt aber Kerstin Gier und den Abschlussband ihrer „Vergissmeinnicht“-Reihe. Aber es ist doch definitiv ein Gedanke wert, dass erfahrene Hörbuchsprecher und Hörbuchsprecherinnen dem Jugendalter schon längst entwachsen sind. Dennoch merkt man natürlich, dass bei so einer Hörbuchproduktion das Bemühen sichtbar ist, Stimmen zu finden, die jünger klingen. Das ist bei Corinna Dorenkamp und Julian Horeyseck auch durchaus gelungen und dennoch habe ich mich an einigen Stellen gefragt, ob es noch jünger, noch authentischer klingen würde, wenn tatsächlich Stimmen in dem Alter bei den Aufnahmen dabei wären. Speziell Dorenkamp habe ich jetzt schon oft im Ohr gehabt und immer in älteren Rollen, was schon etwas macht. Aber es ist nur ein kleiner Seitengedanke, denn das Leseerlebnis würde ich keinesfalls als vermindert ansehen wollen.

Kommen wir nun zur Geschichte, bei der mich ein Aspekt etwas gestört hat. Es ist die gemeinsame Geschichte von Sage und Charlie. Zwei Figuren, zwei Perspektiven. Dennoch hatte ich den Eindruck, dass es vielmehr Charlies Geschichte war als Sages. Seine verborgene Homosexualität ist das Zentrum des Geschehens und es wäre unsinnig, das Gegenteil zu bedeuten. Letztlich ist Sages Geschichte auch davon beeinflusst, dass sie ihren besten Freund seit Kindesbeinen nicht unfreiwillig outen will. Das fand ich also insgesamt etwas schade, weil ich Sage vielmehr als wunderbare und tolle Freundin erlebt habe als eigenständigen Menschen. Zumal auch Nick als Charlies Zwillingsbruder dann etwas kurz kam. Auch zu ihm hätte ich gerne noch mehr erfahren, auch um die gemeinsame Geschichte von Sage mit ihm besser und intensiver zu erleben. Ich bin einfach nicht so ein Fan davon, wenn Figuren Mittel zum Zweck sind, denn das ist kein Mensch von uns.

Wenn ich jetzt aber speziell den Teil zu Charlie begutachte, dann sehe ich auch ganz deutlich, was Walther für Qualitäten als Erzählerin hat. Sein innerer Kampf, der anfangs gar nicht bewusst thematisiert wird, den man durch Charlies Handlungen aber sich zusammenpuzzlen kann, war eindrücklich und nachvollziehbar gestaltet. Dazu kommt, dass sein Gegenpart Luke auch super sympathisch charakterisiert wurde. Da kann man auch gut den Vergleich zu Nick ziehen. Denn eigentlich sind es diese vier Figuren, um die es gehen sollte und Charlie und Luke überstrahlen alles. Würde ich mir das Ganze als Serie vorstellen, dann wäre ich definitiv ein fleißiger Shipper der beiden und alles andere würde etwas abfallen. Auch wenn ich wieder einschränken muss, dass die Freundschaft zwischen Sage und Luke (wenn auch extrem schnell entstanden) auch ein Highlight war, weil die beiden eine Art Seelenverwandtschaft für mich ausgedrückt haben. Aber zurück zum Pärchen, denn Luke ist das Gegenteil von Charlie in vielen Punkten und damit entstehen genau die Konflikte, die den einen unter Druck setzen und den anderen eine Scham und Zurückweisung empfinden lassen, die er gar nicht verdient hat.

Die Geschichte von Charlie und Luke ist sehr angemessen, vielschichtig und mitfühlend geschrieben. Ich musste auch viel an „Heartstopper“ denken, wohl die LGBTQ-Serie für Jugendliche der letzten Jahre. Es zeigt einfach wieder, dass es so authentische und wenig reißerische Geschichte nicht immer schon so gab. Aber „Maybe Meant to Be“ macht es genau richtig. Charlies Ängste sind vor allem ganz alleine seine, aber die Welt da draußen ist homophob, sie ist es aber nicht nur und deswegen macht dieses Buch auch Mut.

Fazit: „Maybe Meant to Be“ ist vor allem in Bezug zu Charlie und Luke eine echt tolle Liebesgeschichte, die viele Facetten und viele Schichten hat, die man gerne auspackt. Sage und Nick hätten für die Geschichte auf eine Art noch mehr bedeuten können, aber Sage ist für alle Jungs ein wichtiger Faktor, weil sie einfach ein liebevoller Charakter ist. Also eine gute Geschichte, in der noch etwas mehr drin gewesen wäre.

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Veröffentlicht am 28.03.2025

Herzschlagspannung in Marokko

The Surf House
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Während dtv die neuen Bücher von Lucy Clarke veröffentlicht, war Piper sehr clever, die älteren auf den deutschen Buchmarkt zu bringen und das hat sich als echt gute Überbrückung erwiesen, um die Wartezeit, ...

Während dtv die neuen Bücher von Lucy Clarke veröffentlicht, war Piper sehr clever, die älteren auf den deutschen Buchmarkt zu bringen und das hat sich als echt gute Überbrückung erwiesen, um die Wartezeit, wie beispielsweise jetzt auf „The Surf House“ zu überstehen. Auch wenn man natürlich merkt, dass der Stil der früheren Werke noch etwas anders ist, hat es mir jetzt auch geholfen, eine Parallele zwischen „Last Seen“ und der Neuerscheinung zu ziehen, weil man da gut sehen kann, wo Clarke den Dreh nochmal viel besser rausbekommen hat.

Wie bei „Last Seen“ haben wir bei „The Surf House“ wenig Perspektiven, was für die Autorin fast schon ungewöhnlich ist. Aber es ist keinesfalls eine Einschränkung. Auch wenn ich es beispielsweise bei „One of the Girls“ geliebt habe, so viele verschiedene Frauenfiguren kennenzulernen, so lese ich die Bücher doch noch viel mehr für die Spannung und die verschiedenen Theorien, die man sich zusammenspinnen kann und da ist die Anzahl der Perspektiven völlig egal für. Bei „Last Seen“ war aber ein großer Kritikpunkt von mir die Sympathie eine Protagonistin, weil sie mich durch den größten Teil der Handlung begleitet hat und ich fand sie anstrengend und das lässt einen Leseprozess automatisch mehr wie ein Kaugummi erschienen. Hier haben wir nun Bea, die uns fast durchgängig begleitet und wir haben Rückblenden von Savannah. Letztere ist eher die Figur, die ein bisschen aufstößt, aber bei den wenigen Einblicken war das nicht entscheidend, zumal um ihr vermutliches Schicksal zu wissen, auch die Perspektive verändert. Bea wiederum ist keine klassische Sympathieträgerin, aber sie war schüchtern-naiv und es war doch eine echte Reise mit ihr, sie wachsen zu sehen, sie als ‚Ermittlerin‘ zu erleben und dabei oft genug über sich hinauszuwachsen. Dementsprechend, um den Vergleich zu „Last Seen“ abzuschließen, passen die zwei Perspektiven hier sehr ideal.

Bei solchen Spannungsromanen (Thriller finde ich als Bezeichnung immer etwas schwierig) ist immer die Krux, dass die Handlung eher langsamer losgeht, um dann am Ende richtig anzuziehen, weil sich dort die Geheimnisse und Wendungen dann stapeln. Hier muss ich dann auch den Hut vor Clarke ziehen, die „The Surf House“ gleich mit einem Ausrufezeichen beginnt und Bea in eine Überfallsituation bringt. Da schießt gleich das Adrenalin hoch und man ist entsetzt, was sich alleine auf den ersten 30 Seiten schon getan hat und das hält einen unweigerlich bei der Stange. Auch wenn danach die Phase, als sich Bea erst im Surf House einfinden muss, eher unspektakulär ist, aber spätestens mit dem Auftauchen von Savannahs Bruder kommt dann endgültig der Punkt, wo man wieder einen kontinuierlichen Spannungsaufbau bezeugen kann. Ich habe das Buch also insgesamt sehr flott und zügig gelesen, was schon als fettes Plus stehen bleibt.

Ich mochte das Setting sehr. Clarke erfindet sich in dem Bereich auch immer neu. Neue Gegenden, aber immer nah an der rauen Natur, weil sie ideal widerspiegelt, was auch in den menschlichen Abgründen so tobt. Marokko ist kulturell natürlich auch nochmal eine eigene Nummer. Auch wenn der Strandabschnitt davon etwas abgeschnitten ist und wie eine eigene kleine Multikuli-Welt wirkt, aber es hat mich auf jeden Fall gereizt, auch das Surfen so prominent eingebunden zu sehen. Es wäre niemals mein Sport, aber man hat die Liebe dafür gemerkt, die Gefühle, die bei den Betreibenden ausgelöst werden und es erklärt auch viel über die jeweiligen Persönlichkeiten. Zurück zur Geschichte: Ich würde sagen, dass die Handlung insofern vorhersehbar ist, als dass man sich schon irgendwann denken kann, welche Figuren in irgendeiner Weise beteiligt sein müssen. Es ist offensichtlich, dass es nicht um eine Figur geht, sondern um mehrere. Gleichzeitig ist es natürlich so, dass Clarke inzwischen erfahren genug ist, dass man sich keinesfalls alles denken kann. Deswegen kann ich auch wieder sagen, dass die Unterhaltung top war, denn die ganzen Zusammenhänge, die am Ende aufgedeckt wurden, davon habe ich vieles nicht geahnt.

An genau dem Punkt habe ich dann aber auch etwas Bedauern empfunden, nicht etwas mehr von anderen Perspektiven erhalten zu haben. Bea war wie gesagt genau perfekt, wie sich alles entwickelt hat, aber es ist doch immer irgendwie reizvoller, denen hinter die Stirn zu gucken, die die Geheimnisse haben. Das macht es umgekehrt schwieriger, aus deren Sicht zu erzählen, ohne alles zu verraten, aber Clarke hat den Balanceakt schon bewiesen. In dem Sinne würde ich wohl resultieren, dass etwas mehr andere Perspektiven-Kapitel „The Surf House“ zur Fünf-Sterne-Lektüre gemacht hätte.

Fazit: „The Surf House“ bekommt von mir nicht die volle Punktzahl, ist aber sehr nah dran. Toller Auftakt, wieder viel Spannung, interessantes, freies Setting, eine inspirierende Reise mit Bea und am Ende Wendungen und Twists. Man bekommt das, was man von Lucy Clarke kennt und erwartet, aber das Tüpfelchen mehr wäre noch drin gewesen.

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Veröffentlicht am 27.03.2025

Highlight: Gesunde Beziehung

Purple Clouds - Honeymoon
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Von Mounia Jayawanth habe ich bislang alle Bücher gelesen und auch wenn ich keine Sekunde davon bereue, so gab es immer so einzelne Elemente, mit denen ich mich etwas an ihr gestoßen habe. Aber dieses ...

Von Mounia Jayawanth habe ich bislang alle Bücher gelesen und auch wenn ich keine Sekunde davon bereue, so gab es immer so einzelne Elemente, mit denen ich mich etwas an ihr gestoßen habe. Aber dieses Gefühl bedeutet umgekehrt auch immer, dass ich das Potenzial in ihrer Art zu schreiben sehe und ihr das Optimum wünsche. Perfekte Geschichten für jeden einzelnen gibt es ohnehin nicht, aber es gibt immer einen Punkt, an dem man sagen kann, yes!

Da ich die Buchpräsentation zu „Honeymoon“ aus der Purple Clouds-Reihe gesehen habe, war ich tatsächlich auch sehr angefixt, denn Fake Dating, klar, aber Fake Honeymooner? Mal was Neues. Jayawanth hat auch ein Faible dafür, ihr Figurenrepertoire immer wieder auftauchen zu lassen, sodass es trotz neuer Reihe mit Emory und Deb zwei Figuren sind, die wir schon bestens aus der Van Day-Reihe kennen. Ich war erst etwas skeptisch, denn eine ganz neue Reihe und dann sollte man aber eine andere dafür kennen, um das beste Leseerlebnis zu haben? Durchaus gewagt. Rein menschlich war es aber kein Problem, weil ich schon gemerkt habe, dass Deb und Emory schnell einen Zauber entwickelt haben. Das liegt auch an den Rückblenden zur besagten Nacht, in der sie die Entscheidung der Heirat getroffen haben, aber auch im Hier und Jetzt merkt man wirklich deutlich, wie viel zwischen ihnen ist, sodass man tatsächlich von etwas Magischem sprechen kann. Da hat es Jayawanth für mich echt toll geschafft, ohne viel Tamtam etwas zu kreieren, was nachwirkt. Gleichzeitig habe ich aber auch gemerkt, dass das Hotel und damit Emorys Berufsfeld ein kleines Tabu war. Wir erleben ihn wirklich extrem wenig in diesem Kontext, weswegen ich zwischendurch auch den Gedanken hatte, ob er sich wohl noch anders orientiert. Das bedeutet keinesfalls, dass der Job nicht zu Emory passen würde, aber ich hatte bei ihm – gerade im Vergleich zu Deb – nicht den erfüllenden Charakter wahrgenommen. Es sollte eine neue Geschichte sein, auf jeden Fall, weswegen auch Ellis‘ und Ryans Auftritte sehr runtergefahren sind, aber ich hatte etwas den Eindruck, dass damit quasi ein Teil amputiert wurde, der aber dazu gehört hätte.

Umgekehrt muss ich aber auch sagen, dass mich auch Debs Berufsalltag nicht restlos überzeugt hat. Wir haben hier deutlich mehr bekommen, wäre angesichts des Reihentitels auch sehr seltsam gewesen, wenn es nicht so gewesen wäre. Aber es hat mich doch etwas geärgert, wie es gestaltet wurde, weil es so an exakt einem Punkt etwas Lächerliches bekommen hat. Bleibe ich aber zunächst bei dem Positiven, denn die Diskussionen über gesellschaftlich relevante Themen haben mir extrem gut gefallen. Das war immer schon Jayawanths große Stärke. Sie erinnert mich da sehr an Anabelle Stehl, weil beide einfach etwas zu sagen haben und vor allem nicht einseitig, sondern es immer zur Diskussion stehen. Ihre eigenen Positionen mögen dann klar sein, aber die anderen sind dennoch drin. Generell hat mich das ganze Setting mit der Redaktion auch sehr an „The Bold Type“ erinnert, was, wenn ich mich recht erinnere, auch eine Inspirationsquelle war. Das wurde also toll und überzeugend erfüllt. Wie sich letztlich alles mit Debs Artikel entwickelt hat, das war zwar rund, aber ich musste doch mehrfach denken, dass doch inzwischen so viel Zeit vergangen ist, dass es so unlogisch erscheint, dass Jamie Deb das Trödeln beim Artikel durchgehen lässt. Es gibt immer die großen Coverstories, die mehr Zeit und Recherche verlangen, aber im Grunde schreibt und produziert man doch ständig und das hat mir bei Deb total gefehlt. Was hat sie sonst so gemacht, außer andere zu unterstützen? Das war eine riesige Lücke. Und wenn man sagt, der Artikel ist fast fertig, und dann wird akzeptiert, dass weitere Wochen (!!!) vergehen, häh?

Jetzt können wir nach diesem Abschnitt die Kritikpunkte aber links liegen lassen, weil mir die Geschichte deutlich mehr gefallen hat, als dass mich etwas gestört hat. Die Idee der WG, super! Ich fand die gemeinsamen Momente sehr wohlfühlend. Auch wenn es speziell zu Rileys Entwicklung einige Diskussionen untereinander gab, aber auch das fand ich realistisch. Xander macht schnell Lust auf mehr. Dann haben wir diese ganzen Insider, die sich entwickeln, es war echt schnell eine eingespielte Truppe. Dazu haben wir eben nochmal Deb und Emory für sich. Auch wenn beruflich für mich die Kritikpunkte sind, aber in der Persönlichkeit waren sie offene Bücher für mich. Debs ADHS war toll dargestellt. Es war auch gut erklärt und man hat es in ihrer Figurengestaltung auch gemerkt, ohne dass es übertrieben war. Umgekehrt haben wir Emorys Trauma, das zwar nicht extrem spezifiziert wird, aber das musste es auch gar nicht, weil man die Vergangenheit und was dann aus ihm geworden ist, in einem guten Kontext hat. Dass es noch nicht harmonisiert ist, war dann genau der Punkt, mit dem sich seine Geschichte überzeugend erzählen ließ. Mir gefiel tatsächlich auch die Rolle von Kayla, selbst wenn ich das zwischendurch nicht gedacht hätte. Abschließend kommen wir nochmal auf Deb und Emory als Paar, denn ich mochte auch ihre Konfliktaustragung. Da war immer sehr viel Verständnis, selbst wenn es mal nicht ideal lief. Es war eine gesunde Beziehung, die uns präsentiert wurde und die für mich am meisten heraussticht.

Fazit: Auch wenn „Honeymoon“ aus der Purple Clouds-Reihe auch wieder nicht das Buch von Mounia Jayawanth ist, bei dem ich restlos Yes! schreien kann, so stechen für mich abseits des Berufsalltags von beiden Figuren sehr viele Highlights heraus. Die Autorin hat etwas zu sagen und das hallt immer nach und das ist das Wichtigste.

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