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Veröffentlicht am 06.08.2025

Unaufgeregtes Whodunit

Pretty Perfect
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Manchmal ist es seltsam. Mir sagte der Autorinnenname Ally Condie etwas, aber bevor ich mich entschieden habe, „Pretty Perfect“ als Hörbuch zu hören, habe ich dann doch nicht mehr nachgeguckt, warum da ...

Manchmal ist es seltsam. Mir sagte der Autorinnenname Ally Condie etwas, aber bevor ich mich entschieden habe, „Pretty Perfect“ als Hörbuch zu hören, habe ich dann doch nicht mehr nachgeguckt, warum da was klingelt. Vor der Rezension habe ich es dann mal nachgeholt und tatsächlich! Condie ist die Autorin der Cassia / Ky-Trilogie. Aber oh weh, ist das lange her. Ich habe sie gerne gelesen, aber ich war letztlich doch überrascht, dass sie hinter „Pretty Perfect“ steht.

Der Titel ist vielleicht etwas irritierend, aber „Pretty Perfect“ ist für mich ein typisches Whodunit auf einer einsamen Insel. Statt eines Meisterdetektivs wie Hercule Poirot oder andere haben wir die frisch geschiedene Ellery, die alleine ihre Urlaubsreise antritt, die eigentlich die gemeinsamen Jahre mit ihrem Ehemann feiern sollte. Wir werden von Julia Nachtmann als Ellery durch die Geschichte begleitet. Da wir auch nur diese eine Erzählperspektive haben, hat das völlig ausgereicht und ich fand die Stimme angenehm. Sie ist was reifer und passt daher gut zu einer Frau, die schon mitten im Leben steht, die aber nach privatem Pech doch neu anfangen muss.

Whodunit-Strukturen lese und sehe ich echt gerne. Aber es ist schon so, dass sie besser passen, wenn da jemand mit Erfahrung am Werk ist. Es müssen nicht Privatdetektive, Polizisten etc. sein, aber eine ganz normale Lehrerin, die sich dann ohne Hindernisse zur Meisterdetektivin aufspielt, das war etwas seltsam. Ellery spielt sich nicht charakterlich auf, keineswegs. Sie ist eine ruhige, fast schon eher schüchterne Person, die viel Schmerz mit sich rumträgt und einfach fasziniert von den Gästen der Traumhochzeit ist, die rein zufällig auch auf der Insel stattfinden soll, bis es zur Tragödie kommt. Aber es ist dann einfach seltsam, wie Ellery nach dem Leichenfund sich gemeinsam mit Nina und Ravi auf die Lösungssuche macht und das auch so offensichtlich, während sie alle auch noch dabei unterstützen. Auch wenn nicht immer alle mit offenen Karten spielen, aber es war alles einfach strukturiert. Ja, dann ist Ellory eben jetzt die Kommissarin unter uns, ist doch ganz normal.

Auch wenn die zwei Verbrechen, die im Klappentext schon verraten werden, sicherlich den Eindruck eines Urlaubsparadieses verschlechtern, aber ich fand es schon seltsam, dass die Atmosphäre nicht ideal rüberkam. Auch wenn das Personal des Hotels zwischendurch Maßnahmen umsetzt, aber schaurig kam es nicht rüber. Es wirkte eher nach Wohlfühlatmosphäre. Erst am Ende wird dann wieder angezogen und es wird alles zu einem Showdown zusammengefasst. Es gibt nochmal einige Geheimnisse, aber letztlich sind es keine Zusammenhänge, die ich als sonderlich clever empfunden habe. Dafür lese ich dann doch zu viel Thriller, da war mir das alles etwas zu brav. Abschließend nochmal zurück zu Ellery, die ihre eigenen Dämonen zu bekämpfen hat und die beziehen sich nicht nur auf die gescheiterte Ehe. Auch das Trauma aus ihrem Job, dem habe ich zwischendurch viel Bedeutung beigemessen und habe mich gefragt, ob es da einen größeren Zusammenhang gibt. War aber nicht so. Es war dann an der Stelle einfach etwas aufgebauscht.

Fazit: Auch wenn es als Hörerlebnis flott durchzuziehen war, aber „Pretty Perfect“ war insgesamt eine wirklich nur mittelmäßige Unterhaltung. Auch wenn Ally Condie mir von früher noch ein Begriff ist, aber dieses Buch hat sie mich null wiedererkennen lassen und innerhalb des Genres wird es sich erst recht nicht behaupten können. Kann man lesen, aber ein Must-Read ist es wahrlich nicht.

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Veröffentlicht am 30.07.2025

Probleme romantisch abgehakt

Was wir leise hofften
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Brittainy C. Cherry schreibt selten Reihen, in denen alles miteinander zusammenhängt, aber die „Problems“-Reihe hat bewiesen, dass es ihr sehr gut steht und dass sie damit echt was von Heimeligkeit erzeugt, ...

Brittainy C. Cherry schreibt selten Reihen, in denen alles miteinander zusammenhängt, aber die „Problems“-Reihe hat bewiesen, dass es ihr sehr gut steht und dass sie damit echt was von Heimeligkeit erzeugt, was man gerne immer wieder haben will. „Was wir leise hofften“ ist nun der Abschluss und beschert der ewig wandelnden Seele Willow ihr Happyend.

Zunächst einmal: War der Inhalt des dritten Buchs vorab so unbekannt, dass ich gleich zwei völlig falsche Klappentexte zu lesen bekommen habe? In einem fungiert Willow als Kindermädchen, im anderen spielt die Liebesgeschichte in Honey Creek, was definitiv nicht der Fall ist. Aber wenn wir das mal weglassen, ja, ich war erst etwas enttäuscht, dass der Abschlussband fast komplett nicht in Honey Creek gespielt hat. Die Kleinstadt war quasi selbst ein Star der Reihe, denn man hatte die ganzen Nebenfiguren besser kennengelernt, durch viele Firmen und Läden dort fühlte man sich selbst fast wie ein Bewohner, da wollte ich da eigentlich gerne noch einmal Urlaub machen. Stattdessen spielt alles in einer anderen Kleinstadt, fünf Stunden entfernt. Auch wenn es im Handlungsverlauf alles gepasst hat und wir noch einmal ein ganzes Set interessanter neuer Figuren kennenlernen durfte, ganz verwunden habe ich die Entscheidung nicht. Man findet seine große Liebe nicht immer vor der Haustüre, das ist mir bewusst, aber ich hätte die Kingsley-Schwestern und ihren Vater Michael in meiner Fantasie gerne für immer in Honey Creek gewünscht.

So, nachdem wir den Kritikpunkt abgehakt haben, schauen wir aber auf die Geschichte, die uns geboten wird. Ich mochte die beiden Einstiegskapitel sehr. Wir erleben Willow und Theo jeweils sehr jung und bekommen zwei sehr entscheidende Momente ihres Lebens erzählt. Das hat deutlich gezeigt, warum diese beiden Figuren sich einmal sehr wichtig werden, weil sie sehr ähnliche Dämonen haben. Wenn sie dann tatsächlich aufeinander treffen, dann merkt man, wie unterschiedlich sie aus ähnlicher Geschichte gereift sind. Das fand ich sehr passend, denn ich glaube, oft gelingt die Kommunikation nicht so gut, weil man nicht untereinander anerkennen kann, wie ähnlich man sich eigentlich doch ist und lieber nur auf die Unterschiede schaut. So könnte man eben sagen, Willow und Theo sind komplett verschieden, aber das finde ich gar nicht so sehr. Die Handlung selbst arbeitet immer wieder heraus, wo sie sich ergänzen, wo sie sich so gut verstehen, weil sie sich so ähnlich sind. Dementsprechend war ich auch wieder ein großer Fan der Liebesgeschichte. Cherry schafft es immer wieder, dass es zwischen den Paaren so tief und so verständnisvoll wirkt.

Ich war anfangs etwas skeptisch wegen Willow. Durch die ersten beiden Bände war mir klar, dass sie ganz anders als ich bin. Dieses Freigeistige, das Risikobehafte, das bin alles nicht ich und dementsprechend hatte ich es mir schwierig vorgestellt, mit ihr richtig mitfühlen zu können. Cherry hat Willows Geschichte aber durch die Anna-Handlung noch entscheidend ausgebaut und so kam für mich jetzt mehr Substanz dazu, sodass ich Willow immer besser verstehen konnte. Ich fand es großartig, als Theo sie immer mehr auf den Punkt analysiert hat und damit auch uns gezeigt hat, wer Willow wirklich ist. Er wiederum ist eine ideale Ergänzung zu Alex aus dem ersten Band. Damit wurde auch offensiv gespielt. Selbst wenn sie sich sehr ähneln, so ist Theo alleine durch seine Geschichte ein ganz eigener Typ. Zwar waren seine sehr impulsiven Ausbrüche sehr gewöhnungsbedürftig, aber es gab auch genug Passagen, in denen ich ihn sehr gut verstehen konnte. Er und seine Familie haben auf jeden Fall geholfen, auch dort etwas Familiäres zu empfinden.

Auch wenn ich die Geschichte insgesamt wieder sehr mochte, so gab es doch in der Summe zu viele Entscheidungen von Cherry, die ich nicht ganz verstanden habe. Ein bisschen was aus Theos Vergangenheit war seltsam und unvollständig für mich. Dazu fand ich die Kapitel aus der Sicht der Großeltern, Harry und Molly, wie aus dem Nichts und wenig sinnführend. Auch wenn solche langlebigen Liebesgeschichten wirklich herzerwärmend sind, aber konkret waren sie für die Handlung nicht entscheidend. Vielleicht hätte man da noch mehr in die tatsächlichen Charaktere investieren können. Stichwort Theo und seine Mutter und da geht es mir gar nicht um Versöhnung, da geht es mir um ein klares Gespräch, nach dem er weitermachen kann.

Fazit: „Was wir leise hofften“ ist ein schöner Abschluss der „Problems“-Reihe, der erneut mit einer berührenden Liebesgeschichte aufwartet. Die Paare fühlt man einfach. Dennoch ist es nicht mein Liebling, denn ein paar Entscheidungen von Cherry fand ich nicht ganz clever. Also ein Highlight mit Abstrichen.

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Veröffentlicht am 29.07.2025

Tiefenpsychologisch clever

Himmelerdenblau
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Ich habe selten ein Marketing für ein Buch so früh starten sehen. Aber „Himmelerdenblau“ habe ich schon so oft wahrgenommen, schon so viel dazu gelesen, aber das Beste war auf jeden Fall das, was Autorin ...

Ich habe selten ein Marketing für ein Buch so früh starten sehen. Aber „Himmelerdenblau“ habe ich schon so oft wahrgenommen, schon so viel dazu gelesen, aber das Beste war auf jeden Fall das, was Autorin Romy Hausmann selbst zu diesem Buch geteilt hat. Was war ihre Motivation, was will sie damit aussagen und was hofft sie, dass es bei uns als Lesern auslöst. Für mich war es jetzt das erste Hausmann-Buch. Ich habe nur die Netflix-Adaption von „Liebes Kind“ gesehen und fand die echt toll, weswegen es für mich jetzt einfach an der Zeit war, auch mal selbst etwas von ihr zu lesen. Denn bei Serien kommt zwar die Geschichte durch, aber die Autorenstimme kennt man dann noch lange nicht.

Auch wenn ich noch das Vorwort las, in dem es viel darum geht, warum Theo Novak dement ist, war der Einstieg in das Buch dann doch extrem schwierig für mich. Ich will zwar den Hut ziehen, dass Hausmann sich so extrem bemüht hat, die Erkrankung von Theo in seinen Kapiteln zu integrieren, aber um in etwas hereinzukommen, komplex und schwierig. Auch wenn die Perspektive dann irgendwann wechselt, aber in der Gesamtsumme war es schwierig für mich zu sortieren, welche Figuren haben wir, wer hängt mit wem zusammen, wie ist die jeweilige Lebensrealität? Es waren viele Fragen, aber erstmal zu wenig Antworten. Ich hatte zuvor schon einige begeisterte Stimmen gelesen und dachte mir nach 50 Seiten, dass ich mich jetzt echt etwas zwingen muss, dass ich für die Antworten dran bleibe.

Tatsächlich hat sich das gelohnt, denn irgendwann ist der Sog entstanden, den ich mir erhofft habe. Ich konnte inzwischen die Perspektive von Theo viel besser einschätzen, diese Mischung aus klaren und verwirrten Momenten, auch wie es sprachlich gelöst wurde, um das besser einschätzen zu können. Ich habe auch Liv und Daniel als Perspektiven immer besser verstehen können. Daniel ist dazu da, uns durchgängig zu verwirren, Liv ist dann im Gegensatz dazu diejenige, die uns ein wenig durch das Geschehen leitet. Auch Theo hat ein Interesse an einer Antwort, aber er ist natürlich wesentlich unzuverlässiger und mehr von Instinkten getrieben. Mir hat aber auch bei Liv extrem gut gefallen, dass sie eigentlich eine sehr verunsicherte Figur ist, die ein Talent in sich hat, das großartig ist, aber sie macht dennoch Fehler. Aber gerade weil sie als Podcasterin nicht in etwas festgefahren ist, stößt sie auch zufällig auf Theorien, einfach weil ihr Geist in alle Richtungen wandern kann. Ich konnte das Trio aus den drei Charakteren also immer mehr wertschätzen, weil jede Perspektive entscheidend etwas beigetragen hat.

Ich würde dennoch gewisse Längen ansprechen wollen. Gerade die Podcast-Sequenzen zwischen Liv und Phil fand ich stellenweise zu lang. Ich habe erst gedacht, dass darin schon Antworten verborgen sind, aber im Endeffekt hatte ich eher den Eindruck, dass es Hausmann als True Crime-Fan Spaß gemacht hat, echte Fälle einzuarbeiten. Ich war dadurch aber verführt, diese Stellen zu überspringen. Das habe ich nicht gemacht, aber es ist kein gutes Zeichen, das zu wollen. Zumal wir durch die gescripten Sequenzen auch nichts über die Beziehung von Phil und Liv erfahren haben. Das ist so mein Kritikpunkt, dass es kleine Bremsklötze zwischendurch gab.

Aber ansonsten bin ich durchweg positiv. Denn ich fand die Figurentiefe jeweils top, ich mochte das Psychologische und wie dann immer mehr die Spannung zunimmt. Gerade am Ende greift alles so geschickt ineinander und doch wurde jede Theorie von mir immer wieder neu pulverisiert. Es gab echte Hammer in der Handlung, es gab immer noch eine Wendung. So war es bis zum allerletzten Wort echt gut gemacht. Es ist auf eine Art ein offenes Ende. Es ist auch nicht wirklich ein optimistisches Ende, es ist eher mitten aus dem Leben und das fand ich am Ende als Botschaft echt stark. Insgesamt fand ich die finale Lösung gut. Es gab zwar Nebenschauplätze, weil es echt viele Tote gab, bei denen ich mich dann noch gefragt habe, haben wir jetzt die finale Antwort eigentlich erhalten? Aber ich denke ja, denn Hausmann brauchte es zur Verwirrung, aber manche Dinge sind exakt so, wie sie scheinen, nicht mehr und nicht weniger.

Fazit: Auch wenn es kompliziert angefangen hat, aber es war ein echtes Erlebnis, mein erstes Romy Hausmann-Buch jetzt mal gelesen zu haben. Durch die Netflix-Serie „Liebes Kind“ wusste ich ungefähr, wie sie schreibt und ich habe sie in „Himmelerdenblau“ auf jeden Fall wiedererkannt. Extrem spannend, extrem viel Liebe in der Figurengestaltung, viel Cleveres, viel Nachdenkliches, auch Längen, ja, aber unterm Strich eine große Empfehlung und sie habe ich nun fest auf dem Schirm.

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Veröffentlicht am 24.07.2025

Spannend und fragwürdig

Eine falsche Lüge – Wird es ihre letzte sein?
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Sophie Stava ist für den deutschen Buchmarkt völlig neu, aber bei dem Klappentext ihres Erstlings „Eine falsche Lüge“ hatte ich gleich mehrere Assoziationen. Die stärkste war dabei wohl zu „Wer zuerst ...

Sophie Stava ist für den deutschen Buchmarkt völlig neu, aber bei dem Klappentext ihres Erstlings „Eine falsche Lüge“ hatte ich gleich mehrere Assoziationen. Die stärkste war dabei wohl zu „Wer zuerst lügt“ von Ashley Elston. Das Wort ‚lügen‘ im Titel war sicherlich die erste anspringende Lampe, aber generell diese Frauen, die sich mit Lügen in ein anderes, neues Leben schleichen, da dachte ich sofort: Kenne ich doch! Ich hatte aber keinesfalls Sorge, dass es ein Abklatsch wird. Ich hatte eher die Hoffnung, weil mir „Wer zuerst lügt“ so gut gefallen hat, dass mich „Eine falsche Lüge“ ebenfalls überzeugen kann.

Ich habe „Eine falsche Lüge“ zunächst selbst angefangen zu lesen, bin aber letztlich auf das Hörbuch umgestiegen, auch weil es mit Anne Düe, Elke Appelt und Oliver Kube gleich von drei Stimmen gelesen wird. Das reizt mich immer wieder, weil die verschiedenen Stimmen, vor allem in einem Krimi/Thriller einen Mehrwert leisten. Hier will ich inhaltlich gar nicht zu sehr vorweg greifen, aber es ist so wichtig, dass es mehrere Stimmen gibt, auch weil ich dann am Wechselpunkt wirklich eine andere Frauenstimme im Ohr habe, was mir sehr geholfen hat, in die nächste Lügenwelt einzutauchen.

Während die Hörbuchversion also in jedem Fall als große Empfehlung zu sehen ist, ist es inhaltlich nochmal eine andere Herausforderung. Solche Bücher sind echt schwer, wenn man auf Sympathieträger hofft, um sich emotional an diese zu binden. Sloane ist eine notorische Lügnerin, das wird uns schnell klar. Sie berichtet auch, wie sich das alles entwickelt hat, welche Rückschläge sie deswegen schon einstecken musste, aber dass sie dennoch nie anders konnte. Auch wenn das wahrlich keine schöne Vorstellung ist und teilweise wirkt sie auch sehr besessen, aber dennoch ist es Stava gelungen, dass man Sloane nicht völlig verteufeln mag. Sie macht ihre Taten auch nicht aus egozentrischen Momenten, weil sie sich allen gegenüber immer sehr empathisch verhält. Sie lässt sich zwar auch mitreißen, aber sie wünscht sich eigentlich nur Harmonie für alle. Dementsprechend war Sloanes Art, alles zu sehen und zu beschreiben, schon spannend, genauso wie dann der Schritt, wie sie immer mehr in die Lockhart-Familie integriert wird.

Dann folgt irgendwann ein harter Cut, den ich so nicht haben kommen sehen. Auch wenn der Klappentext es überdeutlich angedeutet hat, aber der Perspektivwechsel und dann auf einmal eine völlig andere Sichtweise auf alles zu haben, das war ein echtes Highlight. An dieser Stelle wird es nun sehr schwierig mit der Rezension, aber es war schon verrückt, dass eigentlich alle drei Figuren, Sloane, Violet und Jay, sehr, sehr komplexe Charaktere sind. Ich fand, dass das aber gut gegeneinander ausgespielt wurde. Es war ein Katz-Maus-Spiel mit einem Puppetmaster, während die anderen gar nicht wussten, was eigentlich passiert. Es war bis zum Ende reizvoll, sich zu überlegen, wie dieses Buch wohl ausgeht.

Doch auch wenn ich das Ende an sich in der Konsequenz gelungen finde, so hadere ich doch moralisch an ihm. Ich lese keinesfalls Bücher, um mich immer in allem bestätigt zu sehen, dann dürfte ich Krimis fast nie lesen, denn in die Abgründe von Serientätern und Psychopathen zu blicken, das entspricht meinem eigenen Denken nun nicht gerade. Aber ich hinterfrage doch immer Gesamtbotschaften und da bin ich mit Stava nicht ganz einverstanden. Auch wenn ich die emotionalen Bürden alle verstehen kann, aber die Aktionen an sich sind drastisch und stehen in keinem Verhältnis zueinander. Was bleibt da als Botschaft? Das hat mich nachher doch noch länger beschäftigt. Ich will keinesfalls die Diskussion aufmachen, dass Leser Fiktion und Realität nicht auseinanderhalten können, aber ein bisschen Fragezeichen entsteht da doch. Aus einer anderen Perspektive funktioniert es wieder, aber die ist dann auch ironisch gemeint.

Fazit: Sophie Stava hat mich mit „Eine falsche Lüge“ insgesamt gut unterhalten. Auch wenn man auf der charakterlichen Ebene eher in Abgründe blickt, so war ein starker Spannungseffekt da. Es gab auch Wendungen, die genau richtig saßen. Gerade beim Hörbuch war Mitfiebern sehr leicht. Am Ende finde ich die Botschaft des Geschehens aber etwas seltsam und das macht für mich die Abstriche aus.

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Veröffentlicht am 21.07.2025

Mitfiebern bei Fernbeziehung

Say You’ll Remember Me
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Nachdem ich gerade erst „Just for the Summer“ von Abby Jimenez beendet hatte, kam „Say You’ll Remember Me“ da genau richtig. Die Bücher sind inhaltlich immer thematisch anspruchsvoll, aber sie haben auch ...

Nachdem ich gerade erst „Just for the Summer“ von Abby Jimenez beendet hatte, kam „Say You’ll Remember Me“ da genau richtig. Die Bücher sind inhaltlich immer thematisch anspruchsvoll, aber sie haben auch so ein wohliges Gefühl. Es ist echt immer eine sehr angenehme Mischung.

Im neuesten Streich haben wir nun die Prämisse, dass mit Xavier und Sam zwei Menschen in Minnesota (selber Standort wie bei den anderen Reihen, daher kleine Easter Eggs) aufeinandertreffen und es ist scheinbar perfekt, doch das Leben spielt absolut gegen sie. Ich war da doch sehr gespannt, wie das inhaltlich umgesetzt wird und muss sagen, dass ich mal wieder überzeugt wurde. Ich fand zwar „Just for the summer“ im direkten Vergleich emotionaler, aber beide Figuren waren für sich wieder großartig ausgearbeitet und die gemeinsamen Momente sind echt großartig. Jimenez überzeugt weiter mit tollen Bookboyfriends und die ernsteren Themen gehen ihr auch nicht aus. Die Emotionalität wurde hier vielleicht etwas ausgebremst, weil die beiden Figuren auch sehr für sich selbst stehen müssen. Das passt zur Handlung, zur Botschaft, aber weil es sich für beide immer mehr stapelte, habe ich manchmal gedacht, jetzt hätte ich gerne mal wieder einen unbeschwerten Paarmoment. Aber das ist wie gesagt Meckern auf hohem Niveau.

Kommen wir zu den jeweiligen Figuren. Xavier lernen wir als eher miesepetrig kennen, aber mögliche Vorbehalte deswegen halten nicht lange an. Warum man viele Menschen nicht leiden kann, das wurde gleich mit dem ersten Tierfall in seiner Praxis belegt und mir geht es oft genau so. Gegenüber allen sich offen und fröhlich zu zeigen, wenn es einfach nicht möglich ist, nein, das muss nicht. Aber Xavier hat ein großes Herz, das zeigt sein Umgang mit Tieren, das zeigt sein konstanter Freundeskreis und das zeigt sein Umgang mit Sam. Die erste Begegnung der beiden war schon urkomisch und lief wahrlich nicht nach Lehrbuch ab. Umso passender war es aber, dass beide wussten, dass da mehr zwischen ihnen ist. Genau diese Kennenlernmomente von Jimenez‘ Figuren ist auch, was gewisse Erwartungen schürt. Denn es ist immer zum Lachen und Schwärmen und das ging dieser Geschichte hinten raus immer mal verloren, das wird mir gerade nochmal richtig bewusst. Aber bleiben wir kurz nochmal bei Xavier, der eine wirklich schreckliche Vergangenheit hat, was mein Herz noch weiter geöffnet hat. Das Verhalten der Eltern, seine Gefühle und Motivation deswegen, das wurde sehr überzeugend rübergebracht.

Sams Familie ist nochmal prominenter ins Geschehen eingebunden, weil es ein ganz eigener großer Handlungsbogen ist, der entscheidend mitprägt, warum die Hälfte der Erzählung in Kalifornien spielt. Die Demenz-Erkrankung von Sams Mutter wurde sehr ausführlich dargestellt und das in all seinen Schrecken, aber auch den kleinen Highlights, die immer noch entstehen können. Am überzeugendsten waren für mich aber die stetigen Diskussionen, wie man die Pflege handhabt. Es ging viel um Würde, es ging um Überlastung, es ging um Schuldgefühle und vieles mehr. Ich musste es selbst glücklicherweise noch nicht erleben, aber immer wenn mir das Thema fiktional oder aus Erzählungen von Betroffenen begegnet, macht es demütig und traurig, aber es ist wichtig, sich schon Gedanken zu machen und sich damit zu beschäftigen und da hat Jimenez ganz tolle Arbeit geleistet, weil sie sehr realitätsnah vieles gezeigt hat. Den Schrecken konnte sie nicht nehmen, das war aber nicht Aufgabe, aber er schafft Verständnis, auch weil so viele Perspektiven darauf besprochen wurden.

Man merkt schon, Sams Familie auf der einen Seite und das Geschehen in der Tierarztpraxis auf der anderen Seite, das waren sehr separierte Welten, aber vor allem Xavier ist immer mehr in ihre eingedrungen und es war toll, wie er sich integrieren konnte. Das hat die beiden als Paar nochmal stärker gemacht, aber es hat den Schmerz zwischendurch auch erhöht. Das waren dann oft Passagen mit viel Wehmut, aber sie waren sich immerhin immer einig, dass ohne einander noch viel schlimmer wäre. Ich habe mich auch die ganze Zeit gefragt, wie das Happyend wohl aussehen kann, weil es Möglichkeiten gab, aber doch auch immer Hindernisse. Letztlich bekommen wir aber wirklich ein schönes Ende, genau auf den Punkt.

Fazit: „Say You’ll Remember Me“ habe ich jetzt wirklich sehr nah an „Just for the Summer“ gelesen. Im direkten Vergleich gibt es in der Emotionalität etwas Abstriche, aber ansonsten habe ich wieder eine Lektüre zum richtigen Mitfiebern bekommen. Wieder so wichtige Themen, wieder Humor, wieder genau die Jimenez-Mischung, die man sich erhofft, wenn bei ihren Büchern zugreift.

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