Profilbild von metamorphose

metamorphose

Lesejury Star
offline

metamorphose ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit metamorphose über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 28.03.2026

Zwischen Burgen, Kreuzzug und Geheimnissen

Das Lied des Vogelhändlers
0

„Das Lied des Vogelhändlers“ von Ralf H. Dorweiler hat mich insgesamt richtig gut unterhalten. Die Geschichte spielt auf zwei Zeitebenen – einmal während des dritten Kreuzzugs um 1190 und dann wieder etwa ...

„Das Lied des Vogelhändlers“ von Ralf H. Dorweiler hat mich insgesamt richtig gut unterhalten. Die Geschichte spielt auf zwei Zeitebenen – einmal während des dritten Kreuzzugs um 1190 und dann wieder etwa zehn Jahre später in der Heimat. Man möchte bei beiden Handlungssträngen unbedingt wissen, wie es weitergeht und fiebert darauf hin, wie sich alles am Ende zusammenfügt.

Besonders berührend fand ich die Kapitel rund um Franziska im Kreuzzug. Ihre Erlebnisse gehen unter die Haut und wirken sehr eindrucksvoll geschildert. Generell schafft es der Autor, sowohl die Figuren als auch die Schauplätze lebendig werden zu lassen – egal ob im Heiligen Land oder auf den Burgen im Schwarzwald. Man hat oft das Gefühl, direkt dabei zu sein.

Auch das Vogelthema zieht sich kreativ durch das ganze Buch, sei es in kleinen Anekdoten oder in den Kapiteln selbst, was ich eine schöne, besondere Note fand. Die Mischung aus historischen Ereignissen, Intrigen und Machtkämpfen sorgt zusätzlich für Spannung.

Alles in allem ein atmosphärischer historischer Roman mit interessanten Figuren und einer gelungenen Erzählstruktur – definitiv lesenswert!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 28.03.2026

Zwischen Überforderung und bedingungsloser Liebe

Sie wollen uns erzählen
0

„Sie wollen uns erzählen“ von Birgit Birnbacher ist ein Roman, der die Vielfalt unseres Denkens, unserer Emotionen und unserer Eigenarten aufzeigt. Im Mittelpunkt steht Oz, ein Junge, der mit ADHS lebt ...

„Sie wollen uns erzählen“ von Birgit Birnbacher ist ein Roman, der die Vielfalt unseres Denkens, unserer Emotionen und unserer Eigenarten aufzeigt. Im Mittelpunkt steht Oz, ein Junge, der mit ADHS lebt und dadurch in der Schule und im Alltag immer wieder aneckt. Sein seine Impulsivität und seine Eigenheiten machen es seiner Umwelt und seinen Eltern nicht leicht, ihn wirklich zu verstehen.

Besonders stark fand ich die Figur der Ann. Sie kämpft gefühlt ständig: gegen Vorurteile, gegen Zuschreibungen von außen und auch mit sich selbst. Man merkt, wie sehr sie ihren Sohn schützen will – und gleichzeitig, wie überfordert sie dabei oft ist. Genau diese Ambivalenz macht sie unglaublich menschlich. Ich konnte mit beiden Figuren richtig gut mitfühlen.

Die Handlung nimmt Fahrt auf, als die Zilly-Oma plötzlich verschwindet und gefühlt alles gleichzeitig ins Wanken gerät: Schule, Familie, das ganze bisherige Leben. Ab da wird es stellenweise ziemlich turbulent, fast schon chaotisch – aber genau das passt auch zur Geschichte und zu Oz’ Wahrnehmung der Welt.

Was mir besonders gefallen hat: ADHS steht gar nicht so sehr im Mittelpunkt, wie man vielleicht erwarten würde. Vielmehr geht es um Familie, um Zusammenhalt und um die Beziehung zwischen Mutter und Sohn. Und die ist – trotz aller Schwierigkeiten – letztlich sehr stark und berührend.

Birnbacher erzählt das Ganze mit viel Feingefühl und einem angenehm trockenen Humor. Es gibt viele kleine Momente, die zeigen, wie anstrengend, schräg, aber eben auch schön das Leben sein kann – gerade in den Details, die man sonst leicht übersieht.

Auch das Cover ist mir positiv aufgefallen: Dieser Blick in einen lichtdurchfluteten Wald, zusammengesetzt aus vielen kleinen Farbpunkten, passt wunderbar zur Geschichte. Es spiegelt auf schöne Weise wider, dass auch Menschen aus vielen Facetten bestehen und Vielfalt etwas ganz Natürliches ist.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 20.03.2026

Eine berührende Reise zurück zu sich selbst

Mit anderen Augen
0

„Mit anderen Augen“ von Jane Tara ist für mich ein echtes 5-Sterne-Buch – klug und überraschend tiefgründig, ohne dabei zu langatmig oder schwermütig zu wirken.

Mit der Protagonistin, Tilda, habe ich ...

„Mit anderen Augen“ von Jane Tara ist für mich ein echtes 5-Sterne-Buch – klug und überraschend tiefgründig, ohne dabei zu langatmig oder schwermütig zu wirken.

Mit der Protagonistin, Tilda, habe ich mich gut identifizieren können. Vom Alter, den Zwillings-Mädels und Scheidung - hier gab es Parallelen, die das Buch umso faszinierender für mich gemacht haben.

Sie ist eine Frau, die scheinbar alles unter einen Hut bringt: Mutter, Geschäftsfrau, Freundin – und trotzdem scheint etwas Elementares zu fehlen. Als sie plötzlich beginnt, im wahrsten Sinne des Wortes unsichtbar zu werden, wirkt das zunächst skurril. Doch genau dieses Element macht den Roman so besonders. Denn hinter der ungewöhnlichen „Unsichtbarkeits-Erkrankung“ steckt eine unglaublich starke Metapher: das Gefühl, im Alltag, im Älterwerden – und vielleicht auch mit seinen eigenen Träumen und Visionen – immer mehr zu verschwinden.

Aus dem Schockmoment, den die Diagnose bei Tildas hervorruft, entsteht eine Suche nach sich selbst. Eine Wendepunkt in ihrem Leben, der sie veranlasst, auf eine spirituelle und psychologische Reise zu gehen. Der Sehsinn wird im Buch auf verschiedenste Art beleucht: vom rein körperlichen Sehen, zum tieferen Wahrnehmen und dem achtsamen Erkennen mithilfe unseres Herzens.

Themen wie Selbstwert, Selbstliebe und die Fragen „Wer bin ich eigentlich – unabhängig von meinen Rollen?“ oder "Wie sehe ich mich selbst?" ziehen sich durch die gesamte Geschichte.

Für mich ein absolut gelungenes Buch mit einer originellen Idee und viel Herz.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 16.03.2026

Über den Mut und die Chance, das eigene Schicksal neu zu schreiben

Zweimal Karma und zurück
0

„Zweimal Karma und Zurück“ ist ein Roman, der mich auf eine unerwartet unterhaltsame und anregende Reise mitgenommen hat. Im Mittelpunkt stehen zwei Frauen, Anne und Cathy, die sich in Indien bei einem ...

„Zweimal Karma und Zurück“ ist ein Roman, der mich auf eine unerwartet unterhaltsame und anregende Reise mitgenommen hat. Im Mittelpunkt stehen zwei Frauen, Anne und Cathy, die sich in Indien bei einem Palmblatt-Reading begegnen. Was dort vorhergesagt wird, wirkt zunächst wie ein Schatten über ihrem Leben – und wird gleichzeitig zum Auslöser für eine Reise, die für eine deutliche Horizonterweiterung sorgt.

Besonders spannend fand ich die Entwicklung der beiden Hauptfiguren. Anne klammert sich an das, was schon lange nicht mehr gut für sie ist. Cathy hingegen zeigt mehr Mut und versucht bewusst, ihr Leben in eine neue Richtung zu lenken. Gerade diese Gegensätze machen die Dynamik zwischen den beiden so interessant. Man begleitet sie dabei, wie sie alles daran setzen, ihr Leben wieder in die richtige Bahn zu lenken. Dabei treffen sie auf Menschen, die ihnen dabei helfen, auf den neuen Lebenswegen Fuß zu fassen.

Mich hat vor allem die Botschaft des Buches berührt: wir dürfen unser Schicksal selbst in die Hand nehmen - egal, was die Vergangenheit hervorgebracht hat. Die Mischung aus spirituellen Gedanken, Selbstreflexion und den sehr menschlichen Momenten macht das Buch absolut lesenswert - auch für jene, die spirituellen Themen noch distanziert gegenüber stehen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 14.03.2026

Ruhiger Roman mit kleinen Längen

Die Rätsel meines Großvaters
0

„Die Rätsel meines Großvaters“ von Masateru Konishi ist der zweite Band der Reihe um Kaede und ihren Großvater. Der Autor verarbeitet darin auch persönliche Erfahrungen aus der Pflege seines demenzkranken ...

„Die Rätsel meines Großvaters“ von Masateru Konishi ist der zweite Band der Reihe um Kaede und ihren Großvater. Der Autor verarbeitet darin auch persönliche Erfahrungen aus der Pflege seines demenzkranken Vaters – und das merkt man der Geschichte an. Viele Szenen wirken sehr einfühlsam und authentisch.

Der Roman verbindet eine Art Cozy Mystery mit einer eher ruhigen, literarischen Erzählweise. Die Struktur ist dabei recht klar: Kaede bringt ihrem Großvater einen neuen Fall, und er löst ihn ausschließlich durch logisches Kombinieren anhand ihrer Schilderungen. Die einzelnen Fälle leben weniger von Action, sondern eher von Beobachtung, kleinen Details und den Beziehungen zwischen den Figuren.

Besonders berührt hat mich die Beziehung zwischen Enkelin und Großvater. Die Demenz des Großvaters bildet den emotionalen Mittelpunkt des Buches. Eine gewisse Meloncholie kommt beim Lesen immer wieder auf. Themen wie Erinnerung, Identität und Vergänglichkeit werden sehr sensibel behandelt.

Allerdings hatte ich zwischendurch das Gefühl, dass ein klarer roter Faden fehlt. Die Handlung springt häufig zwischen einzelnen Fällen, wodurch die Geschichte manchmal fragmentiert wirkt. Wer eine durchgehend spannende Krimihandlung erwartet, könnte daher etwas enttäuscht sein.

Für Fans von sanften, nachdenklichen Geschichten aber durchaus lesenswert.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere