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Veröffentlicht am 28.12.2025

Wenn Tiere sprechen könnten…

Animal
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Dr. Henrik Rabenstein reicht beim Landgericht Hamburg Klage ein, seine Mandantin ist das Schwein Rosa, das gegen seine Haltungsbedingungen und auf seine Freilassung klagt. Die Gegenseite, ein niederländischer ...

Dr. Henrik Rabenstein reicht beim Landgericht Hamburg Klage ein, seine Mandantin ist das Schwein Rosa, das gegen seine Haltungsbedingungen und auf seine Freilassung klagt. Die Gegenseite, ein niederländischer Agrarkonzern, wird vertreten durch den jungen Anwalt Dr. Ben Lorentz, dessen Weltsicht schon bald erschüttert wird. Mafiöse Strukturen, skrupellose Menschen und dazu geht es um eine Menge Geld. Beide Seiten haben viel zu verlieren.

»Anders als bei den Ferkeln eben, die laut quiekend und neugierig in die Welt hinausgeschaut hatten, nicht wissend, welches Schicksal sie in diesem Leben erwartete, lag in diesem Blick eine große Hoffnungslosigkeit. Rosa wusste mittlerweile, wo ihr Platz auf dieser Welt war und was sie vom Leben noch zu erwarten hatte.« (Seite 243)

Trotz des unfassbar interessanten Themas, immerhin geht es unter anderem um die Kommunikation mit Tieren, kam ich nur langsam voran, was den Einstieg in die Geschichte angeht, was ich jedoch nicht als unangenehm empfunden habe. So vielschichtig und komplex wie die Story war, so faszinierend waren die Ansätze und Möglichkeiten, die Tibor Rode skizziert und auch wiedergegeben hat. Dabei sind die Ausführungen in seinem True-Science-Thriller gar nicht mehr so weit von der Wirklichkeit entfernt, denn vieles davon basiert auf realen Fakten. Und genau dies machte einen großen Reiz für mich aus, wie ich zugeben muss. Ungeahnte Möglichkeiten tun sich auf, phantastische Aussichten liegen in nicht allzu weiter Ferne.

Mir hat der Thriller sehr gefallen, die Mischung war ausgewogen, es gab nicht nur Schwarz und Weiß, sondern auch einige Schattierungen von Grau dazwischen, was ich sehr begrüßt habe. Ich bin zum Nachdenken gekommen, genau wie Tibor Rode, wie er im ausführlichen Nachwort verrät. Mein erstes Buch des Autors wird sicherlich nicht mein letztes gewesen sein. Große Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 26.12.2025

Bissig und unterhaltsam

Die Assistentin
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Statt einer Karriere als Musikerin landet Charlotte in einem Verlag als Assistentin des Verlegers. Ein sicherer Job, finden die Eltern, die sowieso nichts von einem Dasein als Künstlerin halten. Charlotte ...

Statt einer Karriere als Musikerin landet Charlotte in einem Verlag als Assistentin des Verlegers. Ein sicherer Job, finden die Eltern, die sowieso nichts von einem Dasein als Künstlerin halten. Charlotte ist ehrgeizig und ambitioniert, obwohl ihre Vorgängerinnen fast alle hingeschmissen haben. Sie und der Verleger arbeiten gut zusammen, meistens jedenfalls, wenn er nicht gerade in einem Zustand ist, der dazu führt, dass Charlotte einem Nervenzusammenbruch nah ist und kündigen will. Aber noch ist es nicht so weit, obwohl der Frieden brüchig ist.

Mit dem vorliegenden Buch ist Caroline Wahl eine großartige Persiflage auf die Verlagswelt gelungen. Mit feiner Ironie, einer Prise Sarkasmus sowie viel, wirklich viel schwarzem Humor gelingt es ihr, ein Bild der Branche zu zeichnen, das vielleicht nicht weit von der Wirklichkeit entfernt ist. Zumindest nicht immer, fürchte ich. Durch die allwissende Erzählstimme, die permanent andeutet, aber nichts verrät, bekommt die Geschichte einen interessanten Touch, die stellenweise Überhand nehmenden Wiederholungen reizen die Lesenden, um zu unterstreichen, wie machtlos Charlotte sich fühlt, die sich in einer scheinbar ausweglosen Situation wähnt. Für Fans von »Der Teufel trägt Prada« genau das richtige Buch, aber sogar ich als Muffel, was lustige Geschichten angeht, bleibe begeistert zurück. Herrlich!

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Veröffentlicht am 23.12.2025

Hat leider nicht meinen Geschmack getroffen

Die Briefeschreiberin
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Die 73 Jahre alte Sybil van Antwerp ist im Ruhestand, sie war Juristin und verbringt ihren Lebensabend nun vorrangig damit, handschriftliche Briefe zu verfassen und zu beantworten. Die Menschen, denen ...

Die 73 Jahre alte Sybil van Antwerp ist im Ruhestand, sie war Juristin und verbringt ihren Lebensabend nun vorrangig damit, handschriftliche Briefe zu verfassen und zu beantworten. Die Menschen, denen sie schreibt, sind so unterschiedlich wie die Themen, nicht selten kommen dabei Dinge zur Sprache, die nach vielen Jahren oder Jahrzehnten ans Licht wollen, ob gewollt oder nicht.

»Du möchtest wissen, wie ich schreibe? Ich setze mich mit einem Stapel Briefpapier und meinen Lieblingsstiften an den Schreibtisch. Der steht vor einem kleinen Fenster mit Blick auf den Fluss.« (Seite 176)

Der Klappentext klang interessant und ich mag Bücher in Briefform sehr, sodass ich mich auf das Buch gefreut hatte. Leider war es mir jedoch von Anfang an nicht möglich, eine Verbindung zu Sybil van Antwerp aufzubauen, bis zuletzt blieb sie mir fremd. Ihre Brief- und E-Mail-Freundschaften waren für mich nur mäßig interessant, der Funke wollte einfach nicht überspringen, denn es fehlte mir das gewisse Etwas, das mich sonst oft in den Bann zieht. Die ausgetauschten Texte kamen mir manchmal belanglos vor, in die Länge gezogene Ausführungen, die nicht selten banal gewesen sind. Das im Klappentext erwähnte große Geheimnis war tragisch, ohne Frage, aber etwas Neues und Ungewöhnliches war es sicherlich nicht. Eine Geschichte, die mir eher nicht lange im Gedächtnis bleiben wird.

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Veröffentlicht am 20.12.2025

Gewohnt verwirrend und spannend!

Der Nachbar
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Die ehemalige Strafverteidigerin Sarah Wolff ist mit ihrer Tochter in ein Haus am Stadtrand von Berlin gezogen. Bald fällt ihr auf, dass sich seltsame Vorkommnisse häufen, allerdings sind diese alle positiver ...

Die ehemalige Strafverteidigerin Sarah Wolff ist mit ihrer Tochter in ein Haus am Stadtrand von Berlin gezogen. Bald fällt ihr auf, dass sich seltsame Vorkommnisse häufen, allerdings sind diese alle positiver Natur; eine unbekannte Person hilft ihr, indem sie den Müll rechtzeitig rausstellt oder Einkäufe erledigt, ohne sich zu erkennen zu geben. Bald jedoch überwiegt das Gefühl der Angst, als Sarah erkennt, dass sie in keiner Minute alleine ist.

Sehr schnell und einfach kam ich ins Buch rein, die Geschichte entwickelte recht früh einen unheimlichen Sog. Nach einigen Kapiteln hatte ich das in den Geschichten des Autors fast schon fest verankerte Gefühl, außen vor zu sein und nicht wirklich zu verstehen, um was es nun ging. Ich wusste aber natürlich, dass dies die übliche Verschleierungstaktik von Sebastian Fitzek ist, um mich zu verwirren und kurz darauf mit einer spektakulären Wendung zu überraschen. So kam es dann auch! Es blieb nicht bei einem Twist, denn Sarah blieb nichts erspart, sodass es im weiteren Verlauf ziemlich turbulent zugegangen ist. Zum Ende hin fuhr der Autor noch einmal richtig schwere Geschütze auf, was dazu führte, dass ich kurz davor war, die Augen zu verdrehen, zum Glück aber nur fast. Der Showdown war dramatisch, die Auflösung passend und bei der unterhaltsamen Danksagung normalisierte sich auch mein Blutdruck wieder. Das war großartig!

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Veröffentlicht am 18.12.2025

Sehr lesenswert!

Schwiegermutter
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Als in der Wohnung ihres Sohnes Andreas Wasserleitungen ausgetauscht werden müssen, bietet Åsa ihm und seiner Freundin Josefin an, solange bei ihr einzuziehen. Das Zusammenleben gestaltet sich schwierig, ...

Als in der Wohnung ihres Sohnes Andreas Wasserleitungen ausgetauscht werden müssen, bietet Åsa ihm und seiner Freundin Josefin an, solange bei ihr einzuziehen. Das Zusammenleben gestaltet sich schwierig, trotz umfangreicher Bemühungen seitens Åsa, mit ihrer Schwiegertochter in Spe eine gute Beziehung aufzubauen. Je mehr Åsa sich bemüht, umso mehr zieht sich das Paar zurück, bis die Situation schließlich untragbar wird und eskaliert.

»Hätte ich doch nur nicht. Hätte ich stattdessen. Wäre ich doch nur. Ich konnte nicht aufhören, darüber nachzudenken, was geschehen wäre, wenn ich mich anders verhalten hätte.« (Seite 26)

Den überwiegenden Teil der Geschichte bestreitet Åsa als Ich-Erzählerin, man muss sich als Leserin und Leser also darauf verlassen, dass sie wahrheitsgemäß wiedergibt, was passiert sein muss, bevor die Situation völlig außer Kontrolle geraten ist. Und das tut Åsa auf ihre ganz eigene Weise. Ich brauche lange, um zu durchschauen, wie ihre Denkweise funktioniert und auch dann komme ich einfach nicht dahinter, was ausgelassen wird. Erst als im letzten Teil des Buches die Perspektive wechselt und das Geschehen später von außen betrachtet wird, setze ich für mich die Puzzleteile zusammen, die dadurch ein stimmiges Bild ergeben, dies aber nur vielleicht, denn so richtig klar wird alles dadurch nicht. Klingt kompliziert, ist es jedoch nicht.

»War das jetzt meine Strafe? Ich hatte doch schon ein schlechtes Gewissen. Jetzt hätte ich es am liebsten ungeschehen gemacht. Ich hatte keine bösen Absichten gehabt, aber natürlich war es unverzeihlich, dass ich die Lage so falsch eingeschätzt hatte. Ich schämte mich.« (Seite 110)

Der Weg zur Auflösung war lang, aber langatmig war er deswegen nicht. Es faszinierte mich ungemein, von Åsa zu erfahren, was geschehen ist, sowie mir nach und nach eine Meinung bilden zu können, die keine endgültige war. Bis zuletzt schwankte ich zwischen Sympathie und Unglauben, hatte Spaß, fühlte aber auch Wut. Ein großartiges Familiendrama, das mich perfekt unterhalten hat. Lesen!

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