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Veröffentlicht am 18.10.2024

Das Haus am Himmelsrand

Das Haus am Himmelsrand
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Der Großvater von Lizzy stirbt. Er war der Patriarch einer gutbürgerlichen und auch reichen Familie aus der Uhrenherstellung. Auf dem Totenbett gibt er seiner Enkelin Lizzy den Auftrag, in das Ferienhaus ...

Der Großvater von Lizzy stirbt. Er war der Patriarch einer gutbürgerlichen und auch reichen Familie aus der Uhrenherstellung. Auf dem Totenbett gibt er seiner Enkelin Lizzy den Auftrag, in das Ferienhaus im Elsass zu fahren und Unterlagen zu holen und danach für Gerechtigkeit zu sorgen. Lizzy kann wenig damit anfangen und stößt auch bei ihrer Mutter und vor allem bei ihrem Bruder auf eine Wand des Schweigens und mehr als nur Unverständnis und Unmut. Bei der Testamentseröffnung gibt es den nächsten Schock. Das Anwesen im Elsass wird an wildfremde Leute vererbt. Bei den Recherchen nach der Wahrheit gerät Lizzy immer mehr in Schwierigkeiten…
Mich hat das Buch angenehm überrascht. Neben der Suche von Lizzy nach der Wahrheit, in der es auch um die Zeit der Nazis und des Holocausts geht, ist auch die familiäre Situation – sowohl in ihrer eigenen Beziehung wie auch in der Familie – gut beschrieben. Die Personen haben Zeit, sich zu entwickeln. Anfangs waren sie oft sehr stark „schwarz/weiß“ beschrieben, doch im Laufe des Buches ändert sich das. Es geht um die eigene Schuld, die Schuld der Eltern oder Großeltern und den Umgang damit. Will man das Geschehen aufdecken oder unter den Tisch kehren? Welche Entscheidung ist richtig, wenn auch schmerzhaft? Wie kann man auch heute noch für einen Ausgleich sorgen? Das alles ist in einen sehr gut lesbaren Roman verpackt. Die Figuren wirken echt und man bekommt Mitgefühl für sie und auch Sympathie. Jeder hat seine Schwächen und Stärken. Nicht so ganz gut fand ich anfangs die Rückblicke in die Vergangenheit. Als Leser wusste man da viel mehr als Lizzy, die auf ihre Fragen keine Antwort bekommt und daher oft hilflos ist. Erst zum Ende hin vereinigt sich sozusagen das eigene Wissen mit dem von Lizzy. Doch insgesamt gesehen ist es ein wunderbares Buch, das ich jederzeit weiterempfehlen würde.

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Veröffentlicht am 18.10.2024

Die Schnitzlers

Die Schnitzlers
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Untertitel: Eine Familiengeschichte. Die Autorin Jutta Jacobi erzählt die Geschichte der Mediziner- und vor allem Künstlerfamilie Schnitzler. Der berühmteste davon ist sicher Arthur Schnitzler. Die Geschichte ...

Untertitel: Eine Familiengeschichte. Die Autorin Jutta Jacobi erzählt die Geschichte der Mediziner- und vor allem Künstlerfamilie Schnitzler. Der berühmteste davon ist sicher Arthur Schnitzler. Die Geschichte beginnt aber schon mit seinen Urgroßeltern Mitte des vorletzten Jahrhunderts und endet mit der Urenkelin in der heutigen Zeit. Den meisten Raum im Buch nimmt natürlich Arthur Schnitzler ein, gefolgt von seinem Sohn Heinrich und seiner Frau Olga.
Ich hatte mich vorher noch nie intensiv mit der Familie Schnitzler befasst und freute mich auf ein Buch, das als eine Art Biografie über die Familie erzählt und sich nicht im Detail nur um das künstlerische Werk dreht. Zumindest letzteres ist gelungen. Natürlich werden viele Werke erwähnt, auf einige wird auch näher eingegangen, aber mehr im Hintergrund. Das fand ich angenehm. Trotzdem war ich mit dem Buch vor allem am Anfang nicht wirklich glücklich. Die Autorin beschreibt hier ziemlich „umständlich“ die Vorgeschichte der Familie. Sie stellt dann fest: es gibt wenige, vor allem kaum belegbare Quellen. Eigentlich kann man darüber nichts schreiben. Das tut sie aber trotzdem über viele Seiten, so wird ausführlich der (ihrer Vorstellung nach) Leiterwagen beschrieben, mit dem Arthur Schnitzlers Vater nach Wien gekommen ist. Oder ihre Recherchereisen – dort werden die Zugmitreisenden beschrieben oder der Leiter eines Hauses, bei dem sie Papiere der Familie einsehen durfte. Was das mit der Familie Schnitzler zu tun hat, kann ich nicht nachvollziehen. Ich war dann schon etwas genervt und musste mich eine Zeitlang regelrecht zum Weiterlesen zwingen.
Im Laufe des Buches nahmen aber solche Abschweifungen ab und besonders die Zeit nach Arthur Schnitzler, die Beschreibung seines Sohnes, dessen Familie bzw. der Enkel und teilweise Urenkel war dann richtig gut. Im Teil über Arthur Schnitzler konnte ich manche Sprünge in der Geschichte nicht immer nachvollziehen, weil mir das Vorwissen fehlte.
Mein Fazit: Es ist sicher hilfreich, wenn man schon einiges über die Familie Schnitzler (speziell Arthur Schnitzler) weiß, ehe man dieses Buch liest.

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Veröffentlicht am 18.10.2024

Besserland

Besserland
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Die Autorin Alexandra Friedmann beschreibt die Geschichte ihrer Familie, die Ende der 1980er Jahre aus der ehemaligen Sowjetunion emigrieren will, und zwar nach Amerika. Aufgrund verschiedener Umstände ...

Die Autorin Alexandra Friedmann beschreibt die Geschichte ihrer Familie, die Ende der 1980er Jahre aus der ehemaligen Sowjetunion emigrieren will, und zwar nach Amerika. Aufgrund verschiedener Umstände landet sie erst mal in Wien und von dort aus weiter nach Deutschland.
Das alles erzählt die Autorin in einem sehr anekdotenreichen humorigen Ton, fast so wie die Geschichte von Schwejk. Anfangs war ich gelinde gesagt – stocksauer. Die Familie lebte gut in Russland, für russische Verhältnisse sogar sehr gut. Die im Klappentext erwähnten antisemitischen Angriffe wurden mit gerade einem Satz erwähnt, der Vorfall ist eigentlich fast banal. Auch machte die Familie nicht den Eindruck, als würde sie ihre jüdische Religion leben wollen. Es wurde nicht einmal erwähnt, dass sie da etwas vermissen. Statt dessen hat der Vater zusammen mit seinen Freunden vor allem ein Bestreben: schnell, ohne viel – am besten ganz ohne – Arbeit ganz viel Geld zu bekommen. Dafür wird geschoben und bestochen und vor allem kriminell falsch abgerechnet. Als das aufzufliegen droht, beschließen Freunde, in die USA auszuwandern- und die Familie Friedmann kommt ziemlich schnell auf die Idee, dies ebenfalls zu tun. Die Vorbereitung dazu ist schlichtweg mangelhaft, wirkliche Ideen hat man keine und alles außerhalb von Russland wird sich als Paradies auf Erden ohne Arbeit – einfach als Besserland – vorgestellt. Genau solche Asylbewerber schüren aber die Wut der Deutschen, die hart arbeiten müssen, um ihre Familien ernähren zu können.
Mit dem Buch versöhnt habe ich mich dann insofern, dass mir klar wurde: die Autorin war zu dem Zeitpunkt 5 Jahre alt und sie wurde zu den Plänen nicht gefragt, sondern ihr wurde in Bezug auf Besserland einfach alles versprochen. Deshalb kann man sie nicht dafür verantwortlich machen. Sie hat das Buch irgendwie auch aus Sichtweise eines Kindes geschrieben, eher wie ein modernes Märchen oder eine Komödie. Oft ist es richtig witzig, was den Leuten da so alles passiert – eine Verfilmung bietet sich an. Auch die Sicht der Einwanderer auf Deutschland ist relativ naiv und führt zu komischen Situationen. Ihr Stil gefällt mir gut, das Buch ist schnell und flüssig lesbar.
Ich bedauere ein wenig, dass die Autorin am Ende des Buches nicht eine etwas reflektiertere Sichtweise mit ihren heutigen Erfahrungen auf die damaligen Aktionen beschrieben hat, z. B. in einem Nachwort. So behält das ganze einen „unguten“ Beigeschmack.

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Veröffentlicht am 18.10.2024

Schlafen könnt ihr, wenn ich groß bin

Schlafen könnt ihr, wenn ich groß bin
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Untertitel: Eltern erfolgreich erziehen
Dieser „Ratgeber“ ist aus der Sicht eines Kleinkindes geschrieben. Die Erziehung wird sozusagen auf den Kopf gestellt. Das Kind erklärt den Eltern, wie es sich seine ...

Untertitel: Eltern erfolgreich erziehen
Dieser „Ratgeber“ ist aus der Sicht eines Kleinkindes geschrieben. Die Erziehung wird sozusagen auf den Kopf gestellt. Das Kind erklärt den Eltern, wie es sich seine Erziehung vorstellt, was sie alles falsch machen oder wie sie alles besser machen können. Natürlich ist es eigentlich nicht wirklich ernst gemeint und viele der Tipps sind maßlos überspitzt. Trotzdem ist an vielen Sachen ein Körnchen Wahrheit. Beim Lesen erkennt man sich immer wieder in bestimmten Situationen und denkt doch darüber nach, ob alles so richtig ist. Letztendlich ist das meiste allerdings wirklich nur ein Witz.
Was von der Idee her sicher nett gemeint ist, hapert für meine Begriffe an der Umsetzung. Die ersten Seiten waren noch ganz witzig und auch zwischendrin habe ich mich immer mal wieder amüsiert (bei der Märchen-Übersetzung z. B.), doch schon bald wurde es irgendwie gleichförmig und damit langweilig. Die Wünsche des Kindes waren immer ähnlich, die Erklärung dazu eben auch. Mehr und mehr viel mir das Lesen immer schwerer. Anfangs dachte ich noch, das ist ein Buch, dass ich nur Leuten ohne Kinder schenken könnte. Weil Eltern vielleicht nicht wirklich darüber lachen können. Doch mehr und mehr dachte ich, nein – eher doch was für Eltern, die genau in solchen Situationen stecken und zumindest dann ab und zu mit dem Griff zum Buch Entspannung finden könnten. Doch nachdem ich beim Lesen mehrfach eingeschlafen bin, werde ich das Buch niemandem empfehlen. Mein Fazit: die Idee ist gut, die Umsetzung nicht unbedingt.

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Veröffentlicht am 18.10.2024

Totenleuchten

Totenleuchten
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Totenleuchten ist ein Krimi der in Finnland, genauer gesagt in Lappland am Polarkreis spielt. Mitten im Winter findet bei den Samen ein Markt statt, Huskyrennen und abends ein Fest. Während des Festes ...

Totenleuchten ist ein Krimi der in Finnland, genauer gesagt in Lappland am Polarkreis spielt. Mitten im Winter findet bei den Samen ein Markt statt, Huskyrennen und abends ein Fest. Während des Festes verschwindet ein junger Mann und wird am nächsten Tag erstochen aufgefunden, und zwar auf Art der Samen. Kommissarin Linda Lundin ist gerade vom Süden in den Norden gezogen und soll die Ermittlungen leiten. Doch sie hat einige Probleme, so dass erst einmal die einheimischen Polizisten ermitteln müssen, allen voran Margareta. Wenige Wochen vor dem Tod des Jungen war dessen bester Freund ertrunken. Hängen die beiden Tode zusammen? Die Ermittlungen sind schwierig, denn die Personaldecke ist mehr als dünn und gerade Linda fehlen auch noch viele Informationen über die Sitten und Spezialitäten der Einheimischen.

Der Krimi hat mich nicht restlos überzeugt. Gut fand ich die Karte am Anfang des Buches. Sehr gut fand ich die Beschreibungen über die Sitten der Bräuche und das heutige Leben im hohen Norden. Ich konnte mir die Probleme und vor allem die Kälte gut vorstellen. Letztere würde mich auch von einem Besuch abhalten – entgegen der Ankündigung im Klappentext.
Was die Krimihandlung angeht, so war ich eher enttäuscht. Die Autorin hält sich sehr lange an der „Vorrede“ auf, d. h., es wird sehr ausführlich auf die Samen usw. eingegangen. Ich fand das zwar interessant, aber die Spannung ging damit gegen Null. Es gab für mich einfach zu viele Nebenhandlungen und teilweise überflüssige Abweichungen. Auch die Auflösung des Mordes hat mich nicht wirklich überzeugt. Eher schon die Klärung, warum der eine Junge ertrunken ist.

Mein Fazit: ich habe viel über die Samen gelernt und das Buch war nicht langweilig, für einen Krimi gibt es aber auch noch viel Luft nach oben.

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