Profilbild von reni74

reni74

Lesejury Star
offline

reni74 ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit reni74 über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 13.08.2025

Erinnerungen

6 aus 49
0

Haus Amalie ist immer voller Menschen, denn Pensionswirtin Lina lebt für ihre Gäste. Das Hotelgewerbe war schon immer ihr Traum und zusammen mit Freundin Maria schafft sie es von der Küchenhilfe zur eigenen ...

Haus Amalie ist immer voller Menschen, denn Pensionswirtin Lina lebt für ihre Gäste. Das Hotelgewerbe war schon immer ihr Traum und zusammen mit Freundin Maria schafft sie es von der Küchenhilfe zur eigenen Zimmervermietung, nebenbei gilt es noch die Wirren des zweiten Weltkriegs ohne die Ehemänner zu überstehen und die Familie durch die Not der Nachkriegszeit zu bringen. Lina hatte nie viel, aber sie glaubt an das Glück, das Glück in Form eines Lottoscheins.

6 aus 49 ist ein recht ungewöhnlicher Titel für einen Roman, aber letztlich beschreibt er Lina, die Großmutter der Autorin so treffend, wie nichts sonst, den Lina ist besessen vom Lottospielen. Sie hat dabei ihr ganz eigenes System, ihre ganz eigene Philosophie zum Spiel und immer die Hoffnung auf einen Gewinn, die sich sogar ab und an erfüllt.

"Meine Großmutter war eine leidenschaftliche Lottospielerin, das ist begründet in der Tatsache, dass sie als Kind eine Art von Armut erlebte, die so bitter war, dass sie noch am Ende ihres Lebens zu mir sagte: So eine Armut, wie ich sie als Kind erlebt habe, gehört verboten."

Autorin Jacqueline Kornmüller erzählt nun hier vom Leben dieser Frau, nicht alles davon tatsächlich autobiographisch, aber sicher recht viel. Sie erzählt so herzlich und so liebevoll von ihrer Oma und damit eigentlich auch von sich, von ihrer Mutter, von der zeitlebens besten Freundin ihrer Oma, Tante Marie und zeichnet für den Leser das Bild einer ganzen Generation, im Schönen, aber eben auch im Dunklen. Sollte ich jemals nach Bindestrich kommen, werde ich mich beim Gang zum Bahnhof an Hedy und ihren Mann erinnern.

Mich hat das Buch natürlich mit jeder Seite, mit jedem Wort an meine Oma erinnert, die ich über alles geliebt habe. Auch sie hat diese Zeit miterlebt, aber sie hat sich für das Schweigen entschieden, die Gründe hierfür kenne ich nicht und ich habe leider nicht mehr die Möglichkeit sie danach zu fragen. Wie auch die Autorin habe ich viele Jahre bei meiner Oma gelebt und so verstehe ich das innige Verhältnis der Beiden nur all zu gut. Wärend es im Buch das französiche Bett war, war es bei uns immer das gemeinsame Bad, Momente in denen ich mich als Kind geliebt und beschützt gefühlt habe.

Die Autorin erzählt ihre Geschichte mit leichten und klaren Worten, meist chronologisch, aber ab und zu springt sie auch in die Gegenwart und zu sich selbst zurück. Die Liebe zu ihrer Großmutter Lina ist in jedem Wort, jedem Satz zu spüren, sie ist die warme weiche Decke in die man sich beim Lesen gern einkuscheln möchte. Das Buch ist eine Hommage an diese Frau, es ist fast eine Liebesgeschichte, aber eben auch eine Familiengeschichte, eine Biographie, ein Zeitzeugnis, ein bisschen eine coming of age Story der Autorin, wobei der Fokus immer auf Lina liegt und Linas Tochter, die Mutter der Autorin (die auch immer nur "Linas Tochter" genannt wird), eher eine Nebenrolle einnimmt.

Für mich ist das Buch definitiv eines meiner Jahreshighlights, durch die Lektüre habe ich mich an so viele Momente mit meiner Oma erinnert und allein dafür bin ich der Autorin unendlich dankbar, den auch für mich war meine Oma ein ganz besonderer Mensch (Lotto gespielt hat sie allerdings nie). Einen ganz, ganz winzigen Kritikpunkt hätte ich dann, augenzwinkernd, allerdings doch noch. Das Cover, beziehungsweise der Titel. Natürlich könnte der Titel nicht treffender sein, "6 aus 49" steht quasi für Lina und ihr Leben, aber sorry, optisch ist es echt gewöhnungsbedürftig. Diese Zahlen, auf diesem wunderschönen, ein bisschen an ein Wimmelbild mit Szenen aus Linas Leben erinnernden Schutzumschlag, ich glaube ich hätte das Buch entweder direkt liegengelassen und mich über das Cover nur gewundert, oder ich hätte erst recht danach gegriffen, einfach um zu sehen was das soll.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 04.08.2025

Mord im Schlafwagen

Der blaue Express
0

Millionär Rufus van Aldin liebt und verwöhnt seine Tochter Ruht, sein neuestes Geschenk für sie sind sagenumwobene russische Rubine, die ihren Besitzern Unglück bringen sollen. Als Ruth mit dem legendären ...

Millionär Rufus van Aldin liebt und verwöhnt seine Tochter Ruht, sein neuestes Geschenk für sie sind sagenumwobene russische Rubine, die ihren Besitzern Unglück bringen sollen. Als Ruth mit dem legendären Blauen Express nach Nizza fährt nimmt sie die Juwelen, gegen den Rat ihres Vaters mit und prompt geschieht ein Unglück.

Im achten Kriminalroman der Autorin ermittelt Hercule Poirot, wie auch in "Mord im Orientexpress" in einem legendären Zug, den es auch tatsächlich gegeben hat. Aufmerksame Agatha Christie Leser werden in dem Fall auch die ein, oder andere Übereinstimmung im Szenenaufbau erkennen, einige Details hat die Autorin später in dem berühmteren Werk wieder verwendet und sogar das fiktive Örtchen St Mary Mead, in dem Miss Marple lebt findet Erwähnung.

Poirot ermittelt in gewohnter Manier, selbstverliebt und sehr von sich überzeugt. An seiner Seite diesesmal die junge Katherin Grey, die gleich mehreren Männern den Kopf verdreht. Der Fall ist natürlich wieder sehr verzwickt, als Leser hat man die Wahl zwischen gleich mehreren Motiven und Tätern, lange weiß man nicht, geht es um die Juwelen, um verschmähte Liebe, um Eifersucht, oder ganz etwas anderes. Einzig Poirot scheint hier den Durchblick zu behalten.

Der Beginn des Buches erinnert mich stark an einen Spionageroman und das ist eigentlich nicht so mein Fall. Schnell ändert sich dieser Eindruck allerdings und den Leser erwartet ein recht typischer Agatha Christi Krimi, undurchschaubar, verworren, voller Hinweise, die aber einzig Hercule Poirot richtig zu lesen vermag. Natürlich gibt es am Ende die obligatorische Auflösung, auch hier vielleicht nicht zu einhundert Prozent nachvollziehbar, aber gut konstruiert.

Mich konnte der Krimi angenehm überraschen, sicher gibt es Bessere von der Autorin, aber auch deutlich Schlechtere.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 30.07.2025

Tod eines Kindes

Emmelie
0

Nach dem Tod ihres Sohnes entfremden sich Julia und ihr Mann immer mehr voneinander und Julia nimmt sich eine Auszeit in ihrer alten Heimat. Als die Rückkehr ansteht beschließt sie nicht mit ihrem Mann ...

Nach dem Tod ihres Sohnes entfremden sich Julia und ihr Mann immer mehr voneinander und Julia nimmt sich eine Auszeit in ihrer alten Heimat. Als die Rückkehr ansteht beschließt sie nicht mit ihrem Mann in die USA zurückzufliegen, sondern sich ein neues Leben aufzubauen und ihre Familie hilft tatkräftig bei der Eröffnung einer eigenen Anwaltskanzlei. Der erste Klient lässt nicht lange auf sich warten, ihre Schulfreundin Marina sucht sie auf und bittet sie den Gerüchten um den Tod ihrer Tochter Emmelie ein Ende zu setzen und so der Familie endlich Frieden zu schenken.

Sylke Hörhold verbindet im ersten Fall um die Anwältin Julia Eisler gleich mehrere bedrückende Themen, so geht es um um den Verlust des eigenen Kindes, Seitensprung, Trennung, Alkoholmissbrauch, psychische Probleme und einiges mehr. Hier wäre sicher eine Triggerwarnung angebracht. Mit Julia liefert sie zudem eine Figur, die eigentlich denkbar ungeeignet für die Aufarbeitung der Geschehnisse um Emmelies Tod ist, hat sie doch schließlich den eigenen Verlust noch nicht verarbeitet. Als Anwältin müsste man da vielleicht sogar von Befangenheit sprechen, die Autorin lässt ihre Figur das ganze allerdings fast als Therapie durchlaufen, als eine Art Trauerbewältigung mit all ihren positiven und eben auch negativen Auswirkungen.

Mir war kurzzeitig diese Anhäufung von Unglück, das innerhalb einer kleinen Personengruppe passiert stellenweise fast zu viel. Versteht mich nicht falsch, natürlich dient all dies der Dramaturgie der Geschichte und festigt die Figuren und ihre Handlungen, aber es ist ziemlich frustrierend, wenn da noch was passiert und man als Leser eigentlich schon erahnt wohin das letztlich führt, im Buch aber so gar keiner auch nur ansatzweise in diese Richtung denkt. Wie gerade erwähnt hat man als Leser recht schnell einen ganz konkreten Verdacht, dies tut der untertschwelligen Spannung keinen Abbruch, denn das Buch lebt eben genau von dieser Grundidee. Man bleibt bei der Stange auch wenn man den Täter kennt, einfach weil man wissen will, wissen muss, wann und wie dessen Schuld endlich ans Licht kommt. Das hat die Autorin wirklich gut gelöst.

Dieser Oberlausitzkrimi ist eher von der ruhigen Sorte und das meine ich nicht negativ. Die Autorin braucht hier keine wilden Verfolgungsjagden, oder blutige Schießereien, den die Geschichte trifft den Leser auf der emotionalen Ebene. Weil ein Kind das vermeintliche Opfer ist empfindet man als Leser nicht nur Trauer, sondern auch Unglauben, Wut, Frustration, aber auch Mitgefühl. Mir hat der Reihenauftakt gut gefallen, Julia ist eine sympatische Hauptfigur mit Potential, die sich in den weiteren Büchern aber hoffentlich nicht in ihrer Trauer verliert. Das würde mich auf Dauer wahrscheinlich dann eher abschrecken. Ich bin gespannt.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 30.07.2025

Krimi trifft Mystery

Der Outsider
0

Mitten in einem gutbesuchten Baseballspiel wird der Trainer der Manschaft verhaftet, alle sind entsetzt, jeder glaubt an ein Missverständnis, doch schon bald ändert sich die Stimmung der Leute, denn Coach ...

Mitten in einem gutbesuchten Baseballspiel wird der Trainer der Manschaft verhaftet, alle sind entsetzt, jeder glaubt an ein Missverständnis, doch schon bald ändert sich die Stimmung der Leute, denn Coach Terry wird des brutalen Mordes an dem elfjährigen Frank Peterson beschuldigt. Für den Ermittler Ralph Anderson eigentlich ein recht eindeutiger Fall, aber je länger die Ermittlungen dauern, um so mehr Ungereimtheiten kommen zum Vorschein.

Ich habe mir das Buch direkt nachdem ich die gleichnamige Serie gesehen hatte gekauft und dann irgendwie auf meinem SUB vergessen. Erst nachdem ich eine andere Geschichte, in der Holly Gibney einen Auftritt hatte, gelesen habe, habe ich mich wieder daran erinnert, denn auch in diesem Buch spielt Holly eine wichtige Rolle. Für den aufmerksamen King-Leser ist Holly keine Unbekannte, hatte sie doch bereits einige Abenteuer an der Seite von Bill Hodges in "Mr. Mercedes", "Finderlohn" und "Mind Control" zu bestehen. Hier nun trifft ihre Figur, die bereits das Übernatürliche und Böse kennengelernt hat auf den bodenständigen und unbestechlichen Ermittler, für den nur Beweise zählen.

King vermischt in diesem Buch gekonnt die klassischen Element eines Krimis/Thrillers, mit erst unterschwelligem und später ganz offensichtlichem Grusel/Horror und zeigt so wiedereinmal seine Bandbreite als Autor. Über weite Strecken ist die Geschichte auch eher Kriminalfall und entwickelt sich zugegebenermaßen etwas behäbig, klar, es müssen immerhin über 700 Seiten gefüllt werden und jeder King-Leser weiß, dass der Autor gut kurz kann, aber auch ebenso gut episch erzählen und das tut er hier definitiv. Es dauert etwas, bis er zu Potte kommt, um es salopp auszudrücken, aber mich hat das nicht wirklich gestört. Was ich ihm da schon eher übel nehme, ist das dann fast etwas eilig hingeworfenen Ende. Hier hätte ich mir gerne noch ein paar Seiten mehr gewünscht und ein bisschen bin ich vom Showdown einfach auch enttäuscht, er war mir fast zu plump und für mich hat King hier ein unumstößliches Gesetz im Horrorroman vernachlässigt, aber da würde ich spoilern, wenn ich das näher erläutern würde. Vielleicht tue ich dem Autor auch Unrecht und das Ganze ist Absicht und somit ein Schlupfloch für eine eventuelle Fortsetzung.

Mir hat die Geschichte gut gefallen, ich mag die Mischung der Genre, ich mag die Figuren, ich kann mir aber auch vorstellen, dass Leser hier enttäuscht sind und das Buch als langatmig empfinden. Man muss für das Gesamtkonzept einfach auch offen sein. Lesern, die King noch nicht kennen würde ich das Buch einfach auf Grund seiner Länge eher nicht empfehlen. Für Fans, die akzeptieren, dass King hier etwas gemäßigtere Wege beschreitet ist es ein Muss.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 30.07.2025

Hoffnungslos

Striker
0

Nˋs Leben verläuft recht ereignislos, die meiste Zeit verbringt sie im Kampfsportstudio von Jürgen, ihrem Trainer, bei dem sie sich auf ihren nächsten Kampf vorbereitet und auch selber Kurse anbietet, ...

Nˋs Leben verläuft recht ereignislos, die meiste Zeit verbringt sie im Kampfsportstudio von Jürgen, ihrem Trainer, bei dem sie sich auf ihren nächsten Kampf vorbereitet und auch selber Kurse anbietet, vom Fenster ihrer Wohnung aus beobachtet sie die Obdachlosen vorm Haus, manche Abende verbringt sie bei ihrer Geliebten, einer Politikerin. Eines Morgens entdeckt sie ein Graffiti an der gegenüberliegenden Brandmauer und plötzlich sind die Bilder unter dem Synonym Striker überall in der Stadt für sie sichtbar. Als plötzlich Ivy mit ihren Habseligkeiten im Flur vor Nˋs Wohnung auftaucht und erzählt, sie würde demnächst im Dachgeschoss einziehen, gerät Nˋs Leben etwas aus den Fugen.

Vom Klappentext des Buches war ich sofort angetan, ohne, dass ich direkt gewusst hätte in welche Richtung die Geschichte genau geht. Ich war gespannt. Die ersten Seiten hat diese erwartungsvolle Spannung auch angehalten, allerdings wurde mir die Lektüre recht schnell etwas schwer. Der Schreibstil der Autorin ist sehr direkt, roh, klar und mit einem unverklärten Blick auf das alltägliche Leben mit all seinen Facetten, da wird nichts schöngeredet. Zugegebenermaßen hatte ich das so nicht erwartet, aber ich fand es jetzt auch nicht so schlimm. Was mir das Lesen erschwert hat ist die Art der Autorin die Geschichte zu erzählen, es wirkt manchmal recht wirr, sprunghaft, willkürlich. Als Leser hat man einzig Nˋs sportliche Ambitionen als roten Faden, sonst würde man wohl so manches Mal vom Weg abkommen.

Als Hauptfigur bleibt N für mich leider ebenso wenig greifbar wie Ivy, die aus mir unersichtlichen Gründen Panik und Angst in N auslöst, auch Nˋs Obsession für ihren Kampfsport kann ich nur bedingt nachvollziehen. Generell bleibt N mir bis zum Ende hin eher fremd und ich schaffe es nicht, eine Beziehung zu ihr aufzubauen. Die Grundstimmung des Buches ist für mich fast düster, irgendwie hoffnungslos, perspektivlos, melancholisch, das Buch hätte wahrscheinlich gut zu einem verregneten Nachmittag gepasst. Leider hat das Buch es mir zunehmend schwerer gemacht mich zu fesseln, ich habe schon während der Lektüre angefangen mich zu fragen, was mir die Autorin eigentlich sagen will. Letztlich bleibe ich etwas ratlos zurück.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere