Profilbild von stefan182

stefan182

Lesejury Star
offline

stefan182 ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit stefan182 über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 21.04.2025

Ein vielschichtiger Horrorroman

Orakel
0

Inhalt: Auf einem Blumenfeld zwischen Katwijk und Noordwijk erscheint das Wrack der jahrhundertealten „Orakel“. Wie sie dort hingekommen ist: ein Rätsel, das kaum gelöst werden kann. Denn: Wer durch die ...

Inhalt: Auf einem Blumenfeld zwischen Katwijk und Noordwijk erscheint das Wrack der jahrhundertealten „Orakel“. Wie sie dort hingekommen ist: ein Rätsel, das kaum gelöst werden kann. Denn: Wer durch die Luke des Schiffs steigt, verschwindet spurlos. Daher versucht der niederländische das Auftauchen der „Orakel“ zu verschleiern. Doch bald wird klar: Die Auswirkungen des Auftauchens der „Orakel“ sind schwer kleinzuhalten…

Persönliche Meinung: „Orakel“ ist ein Horrorroman von des niederländischen Schriftstellers Thomas Olde Heuvelt. Erzählt wird die Handlung aus einer Vielzahl von Perspektiven: Menschen, die eher zufällig auf die „Orakel“ treffen, kommen ebenso zu Wort wie Geheimdienstmitarbeiter. Ankerperspektiven sind dabei Robert Grim, ein Ermittler für Übernatürliches, der das Geheimnis der „Orakel“ lüften möchte, sowie Luca, ein 13-jähriger Junge, der die „Orakel“ entdeckt. Die Handlung, die sich über 650 Seiten erstreckt, ist sehr vielfältig und voll mit Überraschungen, sodass ich hier nur zwei Wegmarken festhalten möchte: Einen Schwerpunkt bildet Mystery/Horror: Vieles – insbesondere um die „Orakel“ – ist rätselhaft und unerklärlich; mehrfach finden sich handfeste Horrorszenen mit besonderen Wesen, die Thomas Olde Heuvelt sehr stark beschreibt. Daneben bildet ein Coming of Age-Plot einen weiteren Schwerpunkt. Luca muss aus bestimmten Gründen innerhalb kurzer Zeit erwachsen werden, wobei mir hier besonders die Darstellung der ersten Liebe gefallen hat. Auch das Setting der Handlung fand ich klasse: Oft sind Horrorromane ja in den USA angesiedelt. Dies ist hier anders, was ich sehr erfrischend fand: Der Roman spielt quasi vor der Haustür und die niederländischen Küstenorte sowie die Nordsee werden anschaulich beschrieben. Insgesamt ist „Orakel“ ein wendungsreicher, anschaulich geschriebener Horrorroman mit interessanten Figuren sowie Handlungsorten.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 18.04.2025

Ein emphatischer Roman über eine besondere Freundschaft

Alte Sorten
0

Inhalt: Sally ist wütend – insbesondere auf ihre Eltern, die sie mit Fragen zu ihrem Äußeren bedrängen. Um diesen zu entgehen, verlässt sie ihr Elternhaus. Auf ihrer Flucht kreuzt sich ihr Weg mit Liss, ...

Inhalt: Sally ist wütend – insbesondere auf ihre Eltern, die sie mit Fragen zu ihrem Äußeren bedrängen. Um diesen zu entgehen, verlässt sie ihr Elternhaus. Auf ihrer Flucht kreuzt sich ihr Weg mit Liss, einer Einzelgängerin, die allein einen Bauernhof bewirtschaftet. Liss bietet Sally an, eine Zeit lang bei ihr zu bleiben – und während die beiden der Arbeit auf dem Land nachgehen, fasst Sally Vertrauen zu Liss. Bis Sally einen Blick in Liss‘ Vergangenheit wirft…

Persönliche Meinung: „Alte Sorten“ ist ein Roman von Ewald Arenz, der von einer besonderen Freundschaft erzählt: derjenigen zwischen der jungen, stürmischen Sally, die vor der Welt der Erwachsenen flüchtet, und der ruhigen, arbeitsamen Liss, die von der Dorfgemeinschaft gemieden wird. Erzählt wird die Handlung wechselweise aus den personalen Perspektiven der beiden Protagonistinnen. Beide werden sehr dreidimensional dargestellt: Ihre Sorgen, Ängste und Hoffnungen, kurz: ihre komplexen Gefühlswelten, werden emphatisch, tiefgründig und zugleich leichtfüßig dargelegt, sodass man unweigerlich mit den beiden Protagonistinnen fiebert und leidet (insbesondere die Beschreibungen von Sallys teilweise eruptionsartigen Gefühlsausbrüchen haben mich beeindruckt). Sehr hat mir auch die Zeichnung des Lebens auf dem Bauernhof gefallen: Wie bereits angeklungen, arbeiten Sally und Liss häufig auf dem Land, was einen breiten Raum des Romans einnimmt. Diese Arbeiten erzählt Ewald Arenz wunderschön poetisch, sodass die Lektüre eine entschleunigende Wirkung hat. Insgesamt ist „Alte Sorten“ ein einfühlsam erzählter, emotionaler Roman über eine ungewöhnliche Freundschaft.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 18.04.2025

Ein spannender und abwechslungsreicher Thriller

Dorn. Hotel der Angst
0

Inhalt: Simon Dorn lebt in dem verlassenen Hotel seiner Vorfahren in Bad Gastein. Die alte Pracht ist noch zu erahnen, doch das Gebäude zerfällt zusehends. Hinter jedem der Hotelzimmer versteckt sich ein ...

Inhalt: Simon Dorn lebt in dem verlassenen Hotel seiner Vorfahren in Bad Gastein. Die alte Pracht ist noch zu erahnen, doch das Gebäude zerfällt zusehends. Hinter jedem der Hotelzimmer versteckt sich ein Geheimnis: ungeklärte Mordfälle, die Dorn versucht mit seiner Kontaktperson bei der Polizei zu lösen. Doch diese hat sich im jüngsten Fall verrannt, versucht, den Serientäter, der seinen Opfern Kronen auf die Stirn ritzt, eigenständig zu stellen – mit tödlichen Folgen…

Persönliche Meinung: „Dorn – Zimmer 103“ ist ein Thriller von Jan Beck. Es handelt sich um den Auftakt einer neuen Reihe um das Ermittlerduo Simon Dorn und Lea Wagner. Dementsprechend hat der Thriller zwei Schwerpunkte: die Ermittlungen im Fall um den „Kronenmörder“ und die Vorstellung der neuen Protagonisten. Zuerst zum eigentlichen Fall: Dieser ist rätselhaft, fesselnd und durchdacht konstruiert; der Twist am Ende war für mich nicht vorherzusehen. Kurz: Er hätte für mich nicht besser sein können. Auch die Figuren fand ich interessant, wobei hier besonders Simon Dorn heraussticht: Er ist verschroben, besitzt eine ganz eigene Art zu ermitteln und ist gewissermaßen Gefangener des Hotels. Gewisse Aspekte seiner Vergangenheit bleiben noch nebulös, allerdings bin ich mir sicher, dass dies in den Folgebänden aufgeklärt wird. Nicht ganz so tiefenscharf wie Dorn ist Wagner gezeichnet. Hier vermute ich aber auch, dass Wagner in den Folgebänden weiter ausdifferenziert wird. Erzählt wird die Handlung aus einer Vielzahl von Perspektiven: Dabei kommen neben den Hauptperspektiven Dorn und Wagner u.a. Opfer, Täter sowie weitere Ermittlerfiguren zu Wort. Durch die häufigen Perspektivwechsel ist die Handlung schön abwechslungs- und temporeich. Der Schreibstil von Jan Beck ist anschaulich und sehr flüssig zu lesen, sodass man nur so durch die Seiten des Romans fliegt. Insgesamt ist „Dorn – Zimmer 103“ ein spannender Thriller und ein vielversprechender Reihenauftakt.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 01.04.2025

Eine schön erzählte Coming of Age-Novelle

Zweier ohne
0

Inhalt: Seit Ludwig neu in die Klasse von Johann gewechselt ist, sind die beiden beste Freunde. Beide lieben den Rudersport – doch mehrfach müssen sie hinter den rudernden Zwillingen aus Potsdam den zweiten ...

Inhalt: Seit Ludwig neu in die Klasse von Johann gewechselt ist, sind die beiden beste Freunde. Beide lieben den Rudersport – doch mehrfach müssen sie hinter den rudernden Zwillingen aus Potsdam den zweiten Platz im Zweier ohne hinnehmen. Daher fassen sie einen Entschluss. Sie stimmen ihr Leben aufeinander ab, überlegen, was sie wie viel essen, treffen sich häufig, teilen alle Geheimnisse, um selbst im Gleichklang zu existieren – und letztlich wie Zwillinge zu sein.

Persönliche Meinung: „Zweier ohne“ ist eine Coming of Age-Novelle von Dirk Kurbjuweit. Erzählt wird die Handlung aus der retrospektiven Ich-Perspektive des erwachsenen Johann. Dieser zeichnet Stationen seiner Freundschaft mit Ludwig nach, wobei mehrere Coming of Age-Elemente bedient werden: die erste Liebe (körperlich wie seelisch), die Auseinandersetzung mit Gleichaltrigen sowie die Abgrenzung von den Eltern. Eine Besonderheit der Geschichte ist Ludwig: Er ist extremer als Johann, zieht die Zwillingsidee intensiver durch und besitzt einen Hang zum Morbiden (Das Haus, in dem Ludwig wohnt, liegt an einer Brücke, an der sich Fälle von Suizid häufen. Mehrfach findet Ludwig Leichen im Garten und untersucht diese). Dadurch umweht die Figur Ludwig eine rätselhafte Aura, die bis zuletzt nicht völlig aufgelöst wird (was eine große Stärke der Novelle ist). Eine zweite Besonderheit ist der Erzählstil der Novelle. Einerseits wird nostalgisch und wehmütig erzählt; zugleich hat die Erzählung einen lyrischen Ton. Insgesamt ist „Zweier ohne“ eine spannende, schön erzählte Coming of Age-Novelle.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 01.04.2025

Eine schöne Liebeserzählung für zwischendurch

Honigkuchen
0

„Honigkuchen“ ist eine Erzählung von Haruki Murakami. Sie wird von einem allwissenden Erzähler erzählt und dreht sich um die drei Freunde Junpei, Sayoko und Takatsuki, die sich während des Studiums kennengelernt ...

„Honigkuchen“ ist eine Erzählung von Haruki Murakami. Sie wird von einem allwissenden Erzähler erzählt und dreht sich um die drei Freunde Junpei, Sayoko und Takatsuki, die sich während des Studiums kennengelernt haben. Da die Erzählung vergleichsweise kurz ist, möchte ich inhaltlich nicht zu viel vorwegnehmen. Nur: Es handelt sich im Kern um eine Liebesgeschichte. Insbesondere Junpei, ein mäßig erfolgreicher Schriftsteller, ist mit seinen Sorgen, Hoffnungen und Ängsten eine dreidimensional gezeichnete Figur. Die Erzählung insgesamt besticht durch ihren feinen, klaren und ruhigen Ton. Sehr gelungen sind auch die Illustrationen von Kat Menschik, die den Text ergänzen: Diese sind in einem Pop Art-Stil gehalten und zum Einrahmen schön. Insgesamt ist „Honigkuchen“ eine einfühlsame Liebeserzählung für zwischendurch.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere