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Veröffentlicht am 31.08.2025

Eine Pionierin

In uns der Ozean
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Rachel Carson will eigentlich nur eines: Ans Meer und dort forschen. Doch eine familiäre Tragödie verhindert das und Rachel muss nach Hause zurückkehren und Geld verdienen. Zuerst in einer Behörde, in ...

Rachel Carson will eigentlich nur eines: Ans Meer und dort forschen. Doch eine familiäre Tragödie verhindert das und Rachel muss nach Hause zurückkehren und Geld verdienen. Zuerst in einer Behörde, in der sie bald für den Beitrag einer wöchentlichen Radiosendung zuständig wird und bald auch als freie Journalistin, die gut verständliche Beiträge über Naturthemen schreibt. Und schließlich als Autorin, die mit ihren Büchern über das Meer bekannt wird.

Eines Tages fällt ihr ein toter Vogel vor die Füße, kurz nachdem ein Laster die am Straßenrand stehenden Bäume mit DDT behandelt hat. Ein Zufall? Sie wird von Vogelschützern kontaktiert und bald fängt sie an zu forschen, was es mit diesem Gift auf sich hat. Dabei nimmt sie den Kampf ihres Lebens auf und macht sich gerade in der amerikanischen Chemieindustrie unbeliebt.

Theresia Graw lässt uns Rachel durch ihr Leben begleiten. Das Buch ist in der Ich-Perspektive geschrieben und so lernt man Rachel und ihr Gefühle und Beweggründe schnell kennen. Sie ist eine Frau, die sich ihr Leben lang an der Natur erfreuen konnte und der nichts mehr ein Gräuel war als die unnütze Vernichtung von Leben.

Die Autorin schafft es uns die Liebe zur Natur und zum Schreiben, die Rachel ausgemacht hat spüren zu lassen. Dabei erfahren wir, wie es dazu kam, dass Rachel Carson zur Begründerin der amerikanischen Umweltbewegung wurde. Ihr Buch „Der stumme Frühling“ macht der Bevölkerung in einfachen Worten klar, dass das Töten vermeintlich nutzloser Insekten dazu führt, dass das Gleichgewicht der Natur zusammenbricht. Wir erleben hier den Beginn des Verbots von DDT, dem Insektenvernichtungsmittel, das in den 40er bis 70er Jahren des letzten Jahrhunderts als das Allheilmittel gegen Mücken und andere Schädlinge galt. Die Nebenwirkungen wurden klein geredet, unabhängige Studien gab es nicht, es kam zu ungeklärten Todesfällen nicht nur in der Tierhaltung.

Rachel wird in ihrem Kampf gegen die Windmühlen der amerikanischen Chemieindustrie von Freunden, Wissenschaftlern und Naturfreunden unterstützt. Besonders Dorothy ist ihr als enge Freundin und evtl. auch mehr eine wahre Stütze. Hier gelingt es der Autorin auch die gesellschaftlichen Verhältnisse der USA der damaligen Zeit zu zeichnen. Rachel, die als unverheiratete Frau das Geld für ihre Familie verdienen muss erlebt es immer wieder, wie sie nicht für voll genommen wird und ihr die Intelligenz abgesprochen wird. Besonders als sie erkrankt zeigt sich, Dass alleinstehende Frauen zur damaligen Zeit schlicht weg im Stich gelassen wurden. Die Ärzte sprechen wenn nur mit den Ehemännern über schwerwiegende Erkrankungen, alleinstehende Frauen werden nicht adäquat behandelt.

So zeigt die Autorin mit diesem Buch gleich mehrere wichtige Themen auf, die auch heute noch wichtig sind und nicht als gegeben hingenommen werden dürfen.

Mich hat das Buch sehr berührt. Rachel war eine großartige Frau, die mit ihrem Leben ein großes Vorbild ist. Ihr Engagement für die Umwelt hat viel in Bewegung gebracht. Ich kann dieses Buch nur empfehlen, es ist definitiv eines meiner Jahreshighlights!

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Veröffentlicht am 29.08.2025

Kampf um England

Rabenthron
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England 1013. König Ethelred, der Unberatene, hat es immer wieder mit Wikingerüberfällen zu tun, die das Land verwüsten. Doch anstatt die Dänen aus dem Land zu jagen zahlt er hohe Tribute und trotzdem ...

England 1013. König Ethelred, der Unberatene, hat es immer wieder mit Wikingerüberfällen zu tun, die das Land verwüsten. Doch anstatt die Dänen aus dem Land zu jagen zahlt er hohe Tribute und trotzdem kommt es immer wieder zu Überfällen. In dieser Zeit begleiten wir Aelfric von Helmsby und Hakon, einen gefangenen Dänen, die ihren Weg an den Hof von Ethelred finden und dort zu treuen Begleitern der Königin Emma werden. Deren Leben ist es auch, das wir am Ende durch das Buch begleiten. Emma war zweimal Königin von England und Mutter von ebenfalls 2 Königen. Eine bemerkenswerte Frau in dieser Zeit, die es leid war sich von den Männern ihrer Umgebung verschachern zu lassen.

Dieses Buch ist zeitlich gesehen der erste Teil der Helmsby Reihe von Rebecca Gablé und bereits der dritte Band der Reihe. Wie bei jedem Buch der Autorin konnte ich es nicht erwarten mit dem Lesen zu beginnen. Schnell war ich wieder in der Welt, in dem die Helmsbys die Lücken der Geschichtsschreibung füllen. Das Buch umfasst den Zeitraum von ca. 40 Jahren und neben Aelfric begleiten wir auch Penda, seinen Sohn. Ich fand es wieder sehr spannend in eine Zeit einzutauchen, mit der ich mich noch nicht so ausführlich beschäftigt habe. Und wie immer habe ich eine Menge gelernt. Emma war mir so noch nicht bekannt und sie war definitiv eine Frau, die das damalige Weltgeschehen geprägt hat. Als Schwester des Herzogs der Normandie wurde sie als junges Mädchen mit dem Angelsachsen Ethelred verheiratet und bekam drei Kinder von ihm. Als Ethelred stirbt, wirbt sein Nachfolger Knut der Große, seines Zeichens Däne und der erbitterte Gegner Ethelreds, um sie. Sie heiratet ihn, hat aber Bedingungen. Dummerweise führen diese Hochzeiten und die Kinder der unterschiedlichen Könige in ihrem Leben und der Geschichte Englands zu heftigen Debatten um die rechtmäßige Thronfolge.

Mir hat dieses Buch wieder sehr gut gefallen. Man gerät in einen Leseflow und möchte gar nicht mehr aufhören. Die Familiengeschichte der Helmsbys nimmt hier ihren Anfang und wird dann in „Das zweite Königreich“ fortgeführt, in dem wir vor allem Aelfrics Urenkel Caedmon und seine Geschwister begleiten. Ich fand es einfach toll dem Lebensweg von Penda und Aelfric zu folgen, jeder anders, doch beide sympathisch. Und da ich gerade so schön im Lesefluss war, habe ich jetzt einen ReRead von „Das zweite Königreich“ begonnen.

Ich kann auch diesen historischen Roman aus der Feder von Rebecca Gablé wieder empfehlen. Es macht einfach Spaß ihre toll recherchierten Bücher zu lesen. Hier wird geschichtliches Wissen ganz nebenbei vermittelt.

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Veröffentlicht am 24.08.2025

toller, einfühlsamer Roman

Say You'll Remember Me
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Samantha wird nach Kalifornien zu ihrer Familie ziehen um diese dabei zu unterstützen, die an Demenz erkrankte Mutter zu pflegen. Als sie vom Tierarzt Dr. Xavier Rush an ihrem letzten Abend das Angebot ...

Samantha wird nach Kalifornien zu ihrer Familie ziehen um diese dabei zu unterstützen, die an Demenz erkrankte Mutter zu pflegen. Als sie vom Tierarzt Dr. Xavier Rush an ihrem letzten Abend das Angebot bekommt mit ihm auszugehen, ahnt sie nicht welchen Einfluss dieser eine Abend auf ihr Leben hat. Den Xavier und sie sind wie füreinander gemacht, doch eine Beziehung scheint unmöglich.

Für mich war dieses Buch das erste von Abby Jimenez. Ich mochte sowohl Xavier als auch Samantha total gerne. Die beiden haben Ziele im Leben, die sie nicht einfach über den Haufen werfen, nur weil sie die Liebe ihres Lebens gefunden haben. Statt dessen kämpfen sie das gesamte Buch darum irgendwie eine gemeinsame Basis zu finden, ohne dass tausende von Meilen zwischen ihnen liegen. Dabei fand ich es toll, wie das Umfeld der beiden sie dabei auch unterstützt.

Der Schreibstil war sehr bildhaft und humorvoll. Ich konnte voll in die Welt der beiden eintauchen und habe mich gefreut sie ein Stück zu begleiten. Die Auseinandersetzung mit dem Thema Demenz im Rahmen dieser Geschichte, hat mich sehr berührt und auch nachdenklich gemacht. Hier hat die Autorin es trotz der Leichtigkeit der Liebesgeschichte geschafft, den richtigen Ton im Umgang mit diesem schweren Thema zu finden. Und auch die schwere Jugend Xaviers und der Umgang mit seinen Eltern fand ich sehr passend umgesetzt.

Ich kann dieses Buch nur empfehlen. Mir hat es viel Vergnügen bereitet und ich werde mal kucken, welche Bücher die Autorin sonst noch geschrieben hat.

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Veröffentlicht am 18.08.2025

Das Lied der Liebe

Das Lied der Rose
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Marian ist in Regensburg Teil eines Klosters und es gibt nichts schöneres für ihn, als mit seinem Gesang Gott zu preisen. Doch als er eines Tages einen jüdischen Arzt versteckt und so vor der Zwangstaufe ...

Marian ist in Regensburg Teil eines Klosters und es gibt nichts schöneres für ihn, als mit seinem Gesang Gott zu preisen. Doch als er eines Tages einen jüdischen Arzt versteckt und so vor der Zwangstaufe rettet, muss er das Kloster verlassen und sein Leben nimmt eine vollkommen andere Wendung als geplant. Er zieht mit eben diesem jüdischen Arzt in Richtung Santiago de Compostela und bleibt am Ende am Hof von Guillaume IX. und seiner Frau Philippa. Dort lernt er Sahar kennen, eine Hofdame maurischer Abstammung, die eine hervorragende Sängerin ist. Im Disput mit ihr lernt er dass Musik nicht nur zum Lob Gottes dienen kann, sondern auch die Menschen im innersten berühren kann.

Julia Kröhn erzählt uns in ihrem Roman die Geschichte des Liebeslieds. Was Bei Eleonore von Aquitanien bereits in voller Blüte steht, beginnt zu Zeiten ihres Großvaters Guillaume IX. erst ganz langsam. Erst ist es seine Frau Phillippa und später er selbst, der den Minnegesang fördert und auch selbst ausübt.

Vor diesem Hintergrund begleiten wir abwechselnd Sahar und Marian, die sich in der Welt des Adels durchschlagen müssen, im Zweifel immer in der Gefahr verraten und verstoßen zu werden. Die Autorin nimmt uns mit in eine Zeit, in der Kreuzzüge an der Tagesordnung waren und wer nicht im heiligen Land Ungläubige abschlachtete, tat dies auf der iberischen Halbinsel, die damals noch und maurischer Vorherrschaft stand. Sie schildert die Landschaften und das Leben sehr bildgewaltig und ich konnte mir alles gut vorstellen. Sowohl Sahar als auch Marian haben mir gut gefallen und ich habe sie gerne durch ihr Leben begleitet.

Wer also historische gut recherchierte Romane mag, ist hier auf jeden Fall richtig. Ich habe mich auf den 720 Seiten kein bisschen gelangweilt.

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Veröffentlicht am 15.08.2025

Bierbrauen in Prag

Das kleine Zuhause in Prag
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Anna freut sich auf ihre Zeit in Prag. Endlich kann sie mehr übers Bier brauen lernen und am Ende vielleicht auch die Grundlage zu ihrer eigenen Brauerei legen. Allerdings muss sie feststellen, dass sie ...

Anna freut sich auf ihre Zeit in Prag. Endlich kann sie mehr übers Bier brauen lernen und am Ende vielleicht auch die Grundlage zu ihrer eigenen Brauerei legen. Allerdings muss sie feststellen, dass sie ausgerechnet mit Leo, ihrem Ex-Mann, dafür zusammenwohnen muss.

Julie Caplin nimmt uns dieses Mal mit nach Prag, eine Stadt in einem Land, in dem das Bierbrauen große Tradition hat. Sie lässt uns an den Schönheiten der Stadt, des Landes und an den kulinarischen Besonderheiten teilhaben.

Das Setting ist sehr schön beschrieben, man kann sich Prag gut vorstellen und auch die Charaktere sind wie immer toll gestaltet. Ich mochte Jan und Michaela, die direkten Nachbarn sehr gerne und auch die beiden Paten, in deren Brauereien Leo und Anna ihre eigenen Versuche im Bierbrauen machen dürfen.

Alles in allem war es wieder ein schönes Buch aus der Reihe der Romantic Escapes. Wer eine schöne Lesezeit mit einer gefühlvollen Liebesgeschichte sucht, ist bei Julie Caplin und ihren Büchern eigentlich immer richtig

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