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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 10.09.2022

Ohne Humor ist alles nichts

Bullauge
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„Letzte Ehre“ hatte ich mit Freude gelesen und auch „Bullauge“ hat mich nicht enttäuscht. Das Buch gliedert sich in zwei Teile: Im ersten Teil geht es um den Polizisten Kay Oleander, der bei einem Einsatz ...


„Letzte Ehre“ hatte ich mit Freude gelesen und auch „Bullauge“ hat mich nicht enttäuscht. Das Buch gliedert sich in zwei Teile: Im ersten Teil geht es um den Polizisten Kay Oleander, der bei einem Einsatz zwar ein Auge, aber nicht den Humor verliert.
Im zweiten Teil steht dann Silvia Glaser, genannt Via, im Fokus. Seit einem Fahrradunfall braucht sie einen Gehstock. Dafür gibt sie der Polizei die Schuld - und sinnt auf Rache. Hat sie deshalb auf der Demo die Flasche geworfen, durch die Kay verletzt wurde? Außerdem scheint sie Kontakt zu haben, zu Rechtspopulisten mit fragwürdiger Gesinnung.
Friedrich Anis Schreibstil ist gewöhnungsbedürftig. „Bullauge“ ist kein klassischer Whodunnit. Denn bei Ani stehen die Figuren im Mittelpunkt. Menschen, die aus der Welt gefallen sind. Auf den ersten 200 Seiten passiert fast nichts, aber Dranbleiben lohnt sich. Der Autor setzt in seinem Roman eher auf die leisen Töne. Nichtsdestotrotz ist am Ende nicht nur ein Mord geklärt.

Fazit: Ein echter Slow Burner. Politisch und aktuell.

Veröffentlicht am 08.09.2022

Perfide Spiele

SCHNEE
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SCHNEE ist mein erstes Buch der Autorin und sicher nicht das letzte. Denn es hat mir richtig gut gefallen. Doch worum geht es?
Kolbeinn hat sein Elternhaus verkauft. Die Käuferin macht einen seltsamen ...


SCHNEE ist mein erstes Buch der Autorin und sicher nicht das letzte. Denn es hat mir richtig gut gefallen. Doch worum geht es?
Kolbeinn hat sein Elternhaus verkauft. Die Käuferin macht einen seltsamen Fund: ein Kinderschuh mit dem Namen Salvör. Hatten er und sein Bruder Hjörvar, der auf einer abgelegenen Radarstation tätig ist, womöglich eine Schwester?
Danach lernen wir Jóhanna kennen. Sie arbeitet bei der Rettungswacht und wird, zusammen mit Þórir aus Reykjavík, zu einem Einsatz in die Berge geschickt, um nach einer vermissten Gruppe zu suchen: Zwei Paare und der/die Bergführer*in.
In einem weiteren Handlungsstrang sind Rückblicke eingestreut: Lónsöræfi - in der letzten Woche. Sie schildern die Erlebnisse der vier Freunde aus Reykjavík im isländischen Hochland, in Dunkelheit und Schneestürmen.
Yrsa Sigurðardóttir hat ihren Thriller düster, atmosphärisch und packend in Szene gesetzt. Mysteriöse Dinge geschehen. Nichts ist, wie es scheint. Niemand ist, wer er zu sein scheint. Alles hängt mit allem zusammen.
Besonders gefallen hat mir die Grenze zwischen Mystischem und der Realität. Was ist wahr und was ist nur das Ergebnis unserer Fantasie? Im hellen, aber hektischen Alltag unserer städtischen Realität glauben wir die Antwort zu wissen. Aber wie sieht es aus, wenn wir in der Einsamkeit der Natur oder in den dunklen Bereichen unseres Daseins auf uns selbst zurückgeworfen werden? Bis wohin sind wir Herr unserer Gefühle, unserer Ängste und Befürchtungen?
Das Ende überrascht und schockiert.

Fazit: Ein Thriller so düster wie die isländische Landschaft im Winter. Klasse!

Veröffentlicht am 06.09.2022

Alles hat seinen Preis

Freiheitsgeld
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Andreas Eschbach ist einer meiner Lieblingsautoren. Bücher wie NSA, Todesengel, Ein König für Deutschland und Ausgebrannt zählen zu meinen absoluten Favoriten. Und auch „Freiheitsgeld“ habe ich mit großer ...

Andreas Eschbach ist einer meiner Lieblingsautoren. Bücher wie NSA, Todesengel, Ein König für Deutschland und Ausgebrannt zählen zu meinen absoluten Favoriten. Und auch „Freiheitsgeld“ habe ich mit großer Freude gelesen. Worum geht es?
Europa im Jahr 2064. Die Digitalisierung ist weit fortgeschritten, Roboter erledigen die meiste Arbeit, während ein bedingungsloses Grundeinkommen, das sogenannte Freiheitsgeld, dafür sorgt, dass niemand arbeiten muss, wenn er nicht will. Wer es sich leisten kann, lebt in Gated Communities abgeschirmt vom Rest der Bevölkerung.
Eines Tages wird der ehemaligen Bundeskanzler und spätere EU-Präsidenten Robert Havelock, der knapp dreißig Jahre zuvor das System des Freiheitsgelds in der Europäischen Union eingeführt hatte, tot aufgefunden, angeblich Selbstmord. Kurz zuvor wurde der Journalist Günter Leventheim ermordet, der einst als sein größter Gegenspieler galt. Gibt es einen Zusammenhang?
Ulf Pfenning und sein junger Kollege Ahmad Müller von der Abteilung Gewaltverbrechen ermitteln und geraten in eine unglaubliche Verschwörung.
Totale Überwachung und Kontrolle. Aber auch viel Gutes, Bäume pflanzen etc. Begeistert haben mich vor allem die Abschnitte des Buches, in denen Andreas Eschbach Wissen vermittelt. Spannend, unterhaltsam und bestens recherchiert. Auch mit Gesellschaftskritik spart der Autor nicht.
Andreas Eschbach erweist sich wie in seinem Was-wäre-wenn-Roman „NSA“ erneut als Meister der politischen Utopie. Hochaktuelle Themen treffen auf einen spannenden Kriminalfall.

Fazit: Origineller Mix aus Fakten und Fiktion. Ein typischer Eschbach!

Veröffentlicht am 05.09.2022

Hart. Schonungslos. Brutal.

Die Blutliste
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„Die Blutliste“ von Rainer Löffler ist bereits der 4. Fall für den Stuttgarter Fallanalytiker Martin Abel. In Sachen blutiger Grausamkeit hat der Autor versucht, bisherige Maßstäbe zu toppen. Ist ihm das ...

„Die Blutliste“ von Rainer Löffler ist bereits der 4. Fall für den Stuttgarter Fallanalytiker Martin Abel. In Sachen blutiger Grausamkeit hat der Autor versucht, bisherige Maßstäbe zu toppen. Ist ihm das gelungen? Auf jeden Fall!

Ein unheimliches Setting, nachts auf einem Kölner Friedhof. Friedhofswärter Jan Willner macht eine grausige Entdeckung: Das Grab der neunzehnjährigen Sonja Maurer ist leer, dafür befindet sich dort eine männliche Leiche.

Nackt, gehäutet und gepfählt. Wer ist der Tote? Und wer ist der Täter? Fallanalytiker Martin Abel wird nach Köln beordert, um die Ermittlungen zu unterstützen.

Sonja wurde vergewaltigt und ermordet - und nun wurde ihre Leiche geraubt. Handelt es sich um ein und denselben Täter? Wo liegt das Motiv?

„Die Blutliste“ ist harte Kost. Die Morde sind extrem grotesk. Was für ein kranker Sch**ß? Das ist einfach nur widerwärtig. Der Täter scheint ein absoluter Freak zu sein. Die Geschichte dahinter jedoch, lässt einen sprachlos zurück.

Immer mal wieder sind Rückblicke in die Vergangenheit aus Tätersicht eingestreut. Sie verleiten zu unterschiedlichen Spekulationen und Deutungen. Nur schrittweise wird enthüllt, wohin das Ganze führen soll. Das ist wirklich gut gemacht.

Über das Wiedersehen mit Abel habe ich mich sehr gefreut. Denn ich mag ihn und seine außergewöhnlichen Fähigkeiten. Doris Stange mag ich natürlich auch. Last but not least hoffe ich, dass Abel seinen Seelenfrieden gefunden hat. Jedenfalls freue ich mich schon auf seinen nächsten Einsatz - und hoffe, dass wir nicht wieder 5 Jahre warten müssen.

Fazit: Definitiv nichts für sanfte Gemüter oder Leute mit einem schwachen Magen. Ihr seid jetzt gewarnt.

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  • Spannung
Veröffentlicht am 04.09.2022

Die Überlebenden

Der Sturm
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The Dry, Ins Dunkel, Zu Staub, hatte ich mit Freude gelesen, aber „Der Sturm“ hat mich nicht überzeugt. Worum geht es?
Die Überlebenden, drei große, eiserne Figuren, die sich auf einem Felsen über dem ...


The Dry, Ins Dunkel, Zu Staub, hatte ich mit Freude gelesen, aber „Der Sturm“ hat mich nicht überzeugt. Worum geht es?
Die Überlebenden, drei große, eiserne Figuren, die sich auf einem Felsen über dem Meer erheben, sind das Wahrzeichen seines Heimatsortes in Tasmanien. Für den 30-jährigen Kieran sind sie ein Symbol, dass auch er ein Überlebender ist. Vor zwölf Jahren hatte er die Insel verlassen, nachdem in einem verheerenden Sturm sein Bruder Finn bei einer Rettungsaktion - seinetwegen? - ums Lebens kam.
Kieran ist mit Mia zusammen und hat mit ihr eine kleine Tochter. Doch kaum ist er zurück, wird Bronte, eine junge Künstlerin, am Strand ermordet aufgefunden. Nicht weit von der Stelle entfernt, an der vor zwölf Jahren schon einmal ein Mädchen verschwand. Offenbar hat Bronte etwas herausgefunden, was während des Sturms wirklich geschah und mit Finns Tod und der verschwundenen Gabby zu tun hat.
Auch nach mehreren Anläufen vermochte die Story mich nicht zu fesseln. Wenn die unnötigen Informationen und nervenraubenden Wiederholungen gestrichen würden, hätte das Buch locker 1/3 seines Inhaltes eingebüßt, wäre dafür aber weniger langatmig und ermüdend.

Fazit: Atmosphärisch, aber nicht so spannend wie die Vorgänger.