Innere Zerrissenheit
Eine gute Frau"Eine gute Frau" spielt im Titel schon auf die Kernfrage des Romans an: Die große Frage, was richtiges/gutes Verhalten ist und ob man überhaupt alles richtig machen kann. Protagonistin ist Helena, Mutter ...
"Eine gute Frau" spielt im Titel schon auf die Kernfrage des Romans an: Die große Frage, was richtiges/gutes Verhalten ist und ob man überhaupt alles richtig machen kann. Protagonistin ist Helena, Mutter von zwei Kindern, Ehefrau und Berufstätige. Neben ihrem normalen Alltag stellt sie sich nicht nur kurz die Frage, ob ihr Handeln momentan richtig oder gut ist, sondern gerät darüber hinaus immer wieder in ihr Gedankenkarussel. Dabei spielen vor allem die Themen Klimakrise, Gleichberechtigung, Geschlecht und Nachhaltigkeit eine große Rolle. Auslöser für einen Familienstreit ist eine Flugreise nach Mallorca, die Ehemann und Vater Jonas für die gesamte Familie geplant hat, für die Helena sich jedoch überhaupt nicht begeistern kann. Wer fliegt denn heutzutage noch und darf man überhaupt noch fliegen?
Ich mochte sowohl die Thematik als auch den Schreibstil sehr gern. So haben die Leser*innen ausschließlich Zugang zu Helenas Gedankenwelt und erleben das Verhalten der anderen Figuren auch nur aus Helenas Perspektive bzw. mit Helenas Wissen. Ihre Art, alles zu hinterfragen, unsicher Gespräche führen und alltägliche Entscheidungen immer wieder durchgehen, fand ich nachvollziehbar und authentisch. Ab einem gewissen Zeitpunkt hat sich Helena jedoch sehr verzettelt und ich konnte einige Handlungen und Äußerungen nicht mehr nachvollziehen. Gerade das Ende ließ mich dann leider überrascht und irgendwie unbefriedigt zurück - da hätte ich mehr Potential gesehen und mehr erwartet.
Allerdings bleibt so auch die Frage unbeantwortet, was eine "gute Frau" ist, also demnach passte es dann doch.