Erschütternd
Zwei LebenVon Astrid Korten kenne ich bisher nur Bücher aus dem Genre Thriller. Umso neugieriger war ich auf diesen Familienroman auf zwei Zeitebenen, der auf den Erinnerungen ihrer Großeltern und wahren Begebenheiten ...
Von Astrid Korten kenne ich bisher nur Bücher aus dem Genre Thriller. Umso neugieriger war ich auf diesen Familienroman auf zwei Zeitebenen, der auf den Erinnerungen ihrer Großeltern und wahren Begebenheiten aus dem Zweiten Weltkrieg basiert. Mit diesem historischen Roman hat sie eine sehr berührende und emotionale Geschichte erschaffen.
Nora lebt seit zehn Jahren mit ihrer großen Liebe Thomas zusammen. Sie haben einen achtjährigen Sohn, Oliver, arbeiten in derselben Firma und haben erst vor einem halben Jahr endlich geheiratet. Sie fällt aus allen Wolken, als ihr Mann eines Tages die Koffer packt und sich scheiden lassen will. Zur selben Zeit muss sie auch ihre Großmutter Xanna zu Grabe tragen. Nora fühlt sich allein, verlassen und leer. Beim Ausräumen des Hauses findet sie auf dem Dachboden ein altes Holzkästchen mit einem Davidstern, einem schlichten Metallring und einen Ausweis mit einem ihr unbekannten Namen. Auch ihre Eltern wissen keine Antwort auf den Fund, was Nora zum Nachforschen anregt. Nach einem kurzen Trip nach Paris, wo Xanna geboren sein soll, führen die Spuren jedoch nach Belarus. Gemeinsam mit dem Journalisten Andreas Schwarz, der ein Bekannter ihrer Freundin Ella ist und russisch spricht, bricht Nora auf, um mehr über die Herkunft ihrer Großmutter zu erfahren. Was sie dabei jedoch entdeckt, ist schmerzvoll und grausam. Nora ist zutiefst erschüttert und hinterfragt das Schweigen von Xanna - aber es ändert auch die Sicht auf ihr eigenes Leben.
Der Roman wird auf zwei Zeitebenen erzählt. Nora macht sich im Jahr 2013 auf die Suche nach ihren Wurzeln, nachdem sie in der Holzschatulle ihre Großmutter Dinge gefunden hat, auf die sie sich keinen Reim machen kann. Wer war ihre Großmutter wirklich?
In der Vergangenheit blicken wir auf Hannahs Leben in Belarus von 1941-1944. Diese Abschnitte sind erschütternd und obwohl ich schon einiges an historischen Romanen zum Thema Zweiten Weltkrieg gelesen habe, gibt es eine Szene in der Geschichte, wo ich das Buch zur Seite legen und eine Pause einlegen musste.
Der Schreibstil ist fesselnd und die Charaktere sind sehr authentisch dargestellt. Ich konnte mich in sie hineinversetzen und hatte lebhafte Bilder vor meinen Augen.
Nora wirkt anfangs etwas lebensfremd. Sie verschließt die Augen vor der Realität und lebt in ihrer eigenen "Heile-Welt-Blase". Im Laufe des Romans gewinnt sie jedoch an Stärke und findet zu sich selbst.
Hannah ist ein wahnsinnig starker und mutiger Charakter, der mich beeindruckt hat. Der Titel "Zwei Leben - Hinter dem Schweigen" ist sehr passend, denn alles was Hannah damals an Grausamkeiten erlebt hat, lässt sie zurück....muss sie zurücklassen, damit sie nicht komplett daran zugrunde geht. Niemand möchte erleben, was sie durchgemacht hat.
Es gibt leider auch kleine Kritikpunkte, was sich aber nicht auf den Inhalt bezieht. Leider stimmt des Öfteren die Formatierung am Anfang eines Kapitels nicht. Mehrmals steht in der ersten Zeile nur ein Wort und darunter der restliche Teil des Satzes. Es gibt außerdem einige Fehler im Buch, die auf ein schlechtes Lektorat schließen lassen.
Abgesehen davon ist die Geschichte aber wunderbar erzählt und hat mich tief berührt.
Fazit:
Ein Roman über ein erschütterndes Geheimnis und verdrängten Kriegserinnerungen, die oftmals bis heute verschwiegen werden. Nicht umsonst wird die Kriegsgeneration auch "Die stumme Generation" genannt. Ein Roman, den ich gerne weiterempfehle!