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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 28.03.2026

tiefgehender als man anfänglich vermutet

Real Americans
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1999 trifft Lily Chen, Tochter chinesischer Einwanderer auf einer Weihnachtsfeier ihrer Firma in New York Matthew. Im Gegensatz zu ihr – die als unbezahlte Praktikantin für ein Medienunternehmen arbeitet- ...

1999 trifft Lily Chen, Tochter chinesischer Einwanderer auf einer Weihnachtsfeier ihrer Firma in New York Matthew. Im Gegensatz zu ihr – die als unbezahlte Praktikantin für ein Medienunternehmen arbeitet- ist Matthew wohlhabend und sehr erfolgreich in seiner Arbeit. Nach etwas durcheinander treffen sie sich einige Jahre später wieder und Lily erfährt, dass Matthew nicht nur erfolgreich ist, sondern auch aus einer bekannten und reichen Familie stammt, die unter anderem ein Pharmaunternehmen betreibt.

Jahre später, lebt Nick, Sohn von Lily mit ihr auf einer abgelegenen Insel nahe von Seattle. Er kennt seinen Vater nicht, und nutzt die neuen technischen Möglichkeiten ihn aufzuspüren. Ohne es zu ahnen, stößt er dabei auf etliche Geheimnisse.

Wie schon aus dem Klappentext ersichtlich ist, wird der Roman in verschiedenen Abschnitten bzw. Blickwinkeln aufgetischt, die aber auch verschiedene Zeitebenen darstellen. Man begleitet Lily, Nick und schließlich noch Großmutter May im Jahr 2030 auf ihren Spuren und Erinnerungen in den jeweiligen Jahren. All dies eher episodenweise, wodurch man sich manchmal fragt was zwischen diesen Episoden passiert ist und andererseits teilweise auch sehr detailliert in diesen jeweiligen Episoden. Während des Lesens fragt man sich eine zeitlang, wohin die Geschichte damit gehen möchte. Im Rückblick relativiert sich dies und wird auch schlüssig. Teilweise fand ich dennoch, dass die Erzählung unnötige Längen aufwies.

Die großen Themen des Buches sind wohl der sagenhafte „amerikanische Traum“, die Frage was einen Amerikaner ausmacht, Klassendenken und Klassenunterschiede und schließlich (auch wenn sich dies zu Beginn nicht gleich erschließt) Gentechnik und die Möglichkeit das Erbgut zu verändern. All dies ist natürlich gesellschaftlich relevant – nicht nur für Amerika.

Auf Grund dessen, kann ich das Buch durchwegs empfehlen, auch wenn es keine kurze Lektüre für zwischendurch ist.

Veröffentlicht am 26.03.2026

wie man durch eine Ermittlung im heißen Sizilien stolpert

39 Grad Mord
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Das Leben als Krimiautorin ist nicht immer einfach – was tun, wenn man einen Roman abliefern soll, aber unter einer Schreibblockade leidet. Noch dazu hat man den gesamten Vorschuss schon verjubelt. Manchmal ...

Das Leben als Krimiautorin ist nicht immer einfach – was tun, wenn man einen Roman abliefern soll, aber unter einer Schreibblockade leidet. Noch dazu hat man den gesamten Vorschuss schon verjubelt. Manchmal hat man Glück und wird von seinem Lektor nach Sizilien geladen, um dort bei heißen Temperaturen den Roman voranzubringen. Doch man muss auch die Umgebung erkunden, und so trifft die Schriftstellerin Hannah Krause-Bendix auf ein schwedisches Ehepaar. Nach der Übernachtung in deren Villa, wird am nächsten Tag die Hausherrin tot aufgefunden und der Mann ist verschwunden. Hannah selbst ist verkatert und wird ob der Umstände rasch zur Tatverdächtigen. So ermittelt sie rasch in ihrem eigenen Fall.

Hannah als Protagonistin blieb für mich den ganzen Roman über eher eigen, wie man so schön sagt. Sie ist ein sehr direkter Charakter, die auch ab und an den Personen vor den Kopf stößt. Ihr Alkohol-und Zigarettenkonsum sind wohl eher zweifelhaft, schon ob der reinen Menge aber auch der danach getroffenen Entscheidungen. Beratungsresistenz und eine gewisse Portion Unsicherheit kann man dem Charakter wohl auch noch attestieren. Etwas eigen ist auch eine Geschichte aus dem Privatleben um ihre Geliebte, die vor allem im Vorgängerband behandelt wurde. Zugutehalten kann man dem Charakter, dass er authentisch ist und mit allen Ecken und Kanten wohl auch im Alltag auftreten könnte. Auch die Betrachtung auf sich selbst, ist durchwegs auch reflektiert, da selbstironisch.
Die Ermittlungen laufen etwas unbeholfen, wie wenn eine Zivilistin eben plötzlich ermittelt. Zugegeben hätte ich mir bei einer Krimiautorin mehr Struktur erwartet, als schließlich vorkommt. Im Prinzip springt der Zufall einfach sehr oft hilfreich ein, um weiter ermitteln zu können. Manches erscheint etwas konstruiert.

Generell werden im Buch auch etliche Klischees verarbeitet wie eine eher träge Polizei und bei italienischen Settings die oft bemühte Mafia. Man mag dazu stehen, wie man möchte. Gut gelungen, ist es meiner Meinung nach die drückende Stimmung der Situation zu transportieren. Die Hitze und erbarmungslose Sonne liegen schwer auf allem.

Mein Favorit der Autorin ist definitiv der Vorgängerroman 30 Tage Dunkelheit, der für mich schlichtweg unterhaltsamer war. Ich würde dem Roman als kurzweilige Urlaubslektüre dennoch empfehlen, da es trotz allem eine aberwitzige unterhaltsame Geschichte ist.

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Veröffentlicht am 24.03.2026

gelungene Fortsetzung - lassen wir uns wieder durch Neapel treiben

Commissario Gaetano und das letzte Abendmahl
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Commissario Gaetano ermittelt wieder, und zwar wieder in einer bedeutenden Woche im Jahreskreis – Ostern steht vor der Tür. Um die Wogen in der etwas zerrütteten Familie zu glätten hat Commissario Gaetano ...

Commissario Gaetano ermittelt wieder, und zwar wieder in einer bedeutenden Woche im Jahreskreis – Ostern steht vor der Tür. Um die Wogen in der etwas zerrütteten Familie zu glätten hat Commissario Gaetano zu Ostern Urlaub und plant diesen mit seinem pflegebedürftigen Bruder Aniello und seiner resoluten Nichte Carla auf der Familien Tenuta zu verbringen. Derweil fischt man eine Leiche aus dem Hafenbecken und Beppa Bellucci, vormals Streifenpolizistin, sieht sich mit ihrem ersten Fall konfrontiert. Rasch ist auch der Commissario am Fall beteiligt, um zu helfen und auch um aus der familiären Enge zu flüchten.

Wie schon im Vorgängerband taucht man auch hier tief in den Alltag von Neapel ein – nicht alles ist so schön wie die Postkartenidylle der Urlaubsprospekte glauben lassen mag. Es gibt ärmer Regionen, den Wunsch sich aus diesen zu befreien und fortan ein leichteres Leben der betuchten zu führen. Man spürt die Gegensätze von Neapel – traditionelle Fischer kämpfen mit Reichen um ihren Platz und Lebensstil am Hafen. Versucht in all dem Wandel den traditionellen Lebensstil und die Werte hochzuhalten.

Commissario Gaetano ist ein spezieller Charakter, teilweise nicht einfach für seine Kollegen, allerdings auch durch sein Leben in Neapel geprägt. Ein typischer Ermittler mit Ecken und Kanten, den man trotz allem rasch ins Herz schließen kann. Auch er hatte es nicht einfach, wie seine eigene Familiengeschichte zeigt. Exemplarisch steht er wohl für so viele Neapolitaner die es oft nicht einfach haben, in einer ärmeren aber durchwegs reizvollen Region Italiens und dennoch sehr stolz sind.
Der Erzählstil ist angenehm, bildlich und durchwegs humorvoll. Durch all die kleinen Episoden wie z.B. die Fischer am Hafen und die bildhaften Beschreibungen wird man rasch in die typische Atmosphäre Neapels gezogen.

Für mich definitiv ein empfehlenswerter Roman, der die lokalen Besonderheiten gut aufnimmt. Ich freue mich damit umso mehr auf meinen nächsten Neapel Urlaub.

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Veröffentlicht am 22.03.2026

gelungene Fortsetzung - und dennoch nicht kategorisierbar

Die Rätsel meines Großvaters
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Dieser Band schließt vom Prinzip sehr nahtlos an den Vorgängerband, die Bibliothek meines Großvaters an, lässt sich problemlos, aber auch eigenständig lesen.

Kaedes Großvater leidet an einer speziellen ...

Dieser Band schließt vom Prinzip sehr nahtlos an den Vorgängerband, die Bibliothek meines Großvaters an, lässt sich problemlos, aber auch eigenständig lesen.

Kaedes Großvater leidet an einer speziellen Form der der Demenz, der Lewy-Körper-Demenz welche oft mit Halluzinationen einher geht. Im Vergleich zum Vorgängerband hat sich seine medizinische Situation allerdings auch verschlechtert. Dennoch ermitteln Kaede und ihr Großvater in einigen Fällen, denen sie unter anderem auch im Alltag begegnen. Der Großvater schafft es in diesen Situationen seine einzigartigen kombinatorischen Fähigkeiten und auch sein großes Wissen über Kriminalliteratur zu nutzen.

Das Buch vereint einen berührenden Einblick in die Lebensrealität von Demenzkranken und deren Familien mit dem kombinatorischen Ermittlungsgeschick einer Person, die Kriminalromane liebt. Natürlich kommt auch schon auf Grund des Settings ein Japanbezug nicht zu kurz, so dass man leicht in diese Welt eintaucht. So manche Dinge werden da es eine andere Kultur ist, dann doch anders bewertet. Stückweise werden einzelne Fälle präsentiert, die Kaede oder ihr Umfeld betreffen, doch auch hier gibt es wieder eine kleine Überraschung und so mancher Krimi ist näher als gedacht. Schön war es zu sehen, wie die Rahmenhandlung um Kaede, ihren Großvater, Iwata und Shiki weiter geht.

Der Schreibstil, bzw. die Weise, in der das Buch aufgebaut ist, ist sicher etwas gewöhnungsbedürftig, allerdings lohnt es sich definitiv sich darauf einzulassen. Es ist eben viel mehr als ein einfacher Krimi. Wie auch beim Vorgängerband ließ ich mich gerne mittreiben.

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Veröffentlicht am 18.03.2026

Nur nicht untergehen - düster wie das Moor und der Nebel

Moorland. Die Zwillinge
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Kommissarin Malia Gold startet gleich turbulent in ihren neuen Job, sind doch im dichten Nebel im Moorgebiet zwei 18-jährige Zwillinge Nike und Jana nicht von ihrem Ausflug zurückgekehrt. Der Vater meldet ...

Kommissarin Malia Gold startet gleich turbulent in ihren neuen Job, sind doch im dichten Nebel im Moorgebiet zwei 18-jährige Zwillinge Nike und Jana nicht von ihrem Ausflug zurückgekehrt. Der Vater meldet die beiden Vermisst, da man sie auch telefonisch nicht erreicht und eine Suche im Moor bleibt erfolglos, nur ein Fahrrad eines der Mädchen wird gefunden. Schwester Nike taucht etwas später wieder auf, doch Jana bleibt verschwunden. Verstörende Bilder tauchen auf ihrem Tik-Tok-Kanal auf. Erschütterung durchläuft die Gemeinde, wurde doch vor Jahren schon ein anderes Mädchen im Moor gesucht und nie gefunden.

Das Buch wird durch den atmosphärischen und bildhaften Schreibstil des Autors getragen, da er damit die Stimmung im Moor gut einfängt. Man fühlt sich im Geschehen – kalt, düster, neblig, einfach gruselig. Kurze Kapitel bzw. Unterabschnitte, die chronologisch präsentiert werden, halten den Spannungsbogen hoch, denn man bekommt ja alles nur scheibchenweise präsentiert. Nach so mancher Überraschung versucht man noch rasch, den nächsten Abschnitt zu lesen, was ob der Struktur ja leicht möglich ist.

Mit Malia Gold bin ich noch nicht ganz warm geworden, was auch an ihrer etwas kühlen Art liegen mag. Allerdings macht sie für mich einen glaubhaften Charakter aus und ihre eigene Familiengeschichte scheint auch so manches zu bieten haben. Sie ist entschlossen, stark und eben doch vielschichtig, daher hoffe ich auf mehr in den nächsten Bänden, da sie viel Potenzial hat.

Ich freue mich schon auf den nächsten Band der Serie, da ich mir eine weitere spannende Geschichte erwarte. Außerdem bleiben ja noch einige Fragen zur Geschichte der Kommissarin Malia Gold.

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