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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 16.02.2026

ein Roman mit einer tieferen Botschaft als zuerst gedacht

Der unsichtbare Elefant
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In einer renommierten Anwaltskanzlei in Düsseldorf stürzt Thomas Siebenmorgen in den Tod auf ein wertvolles Kunstwerk. Maria, eine Kollegin, beobachtet die Szene und ist sich sicher, dass Thomas es sich ...

In einer renommierten Anwaltskanzlei in Düsseldorf stürzt Thomas Siebenmorgen in den Tod auf ein wertvolles Kunstwerk. Maria, eine Kollegin, beobachtet die Szene und ist sich sicher, dass Thomas es sich mit dem Selbstmord anders überlegt hat, da er wieder auf das Geländer greift. Doch was hat den Anwalt zu generell dazu getrieben. Viktor kommt als Mitarbeiter der Krisenintervention und betreut nun Maria und dann Thomas Eltern. Parallel dazu wird auch ein Anwalt der Kanzlei mit Untersuchungen beauftragt.

In kurzen Kapiteln wird aus wechselnden Blickwinkeln die Geschichte aufgerollt. Präzise ist der Roman in große Abschnitte unterteilt – Causa, Instruktion und Conclusio, passend zu einem Setting im Rechtsmilieu.

Einerseits wird in der in der Anwaltskanzlei ermittelt und andererseits begleitet man verschiedene Personen im Umgang mit der Trauer um den Tod von Thomas. Warum hat der Anwalt daran gedacht sich umzubringen und wer trägt die Schuld an diesem Unglück. Es zeigt sich, dass die glamouröse Anwaltskanzlei doch auch so einige Abgründe hat. Wie man vielleicht vermuten mag, herrscht großer Konkurrenzkampf und auch ein hohes Arbeitspensum.

Doch auch im Familienleben herrscht nicht nur eitel Wonne wie es die adrette Kleinstadtidylle vermuten lässt. Überall zeigt sich ein unsichtbarer Elefant im Raum, wie die Redewendung die gleichzeitig Buchtitel ist, so schön formuliert. Etwas über das nicht gesprochen wird, das aber dennoch für alle greifbar ist – nämlich die Auswirkung der Familiengeschichte auf nachfolgende Generationen. Speziell Handlungen und Erfahrungen aus dem Zweiten Weltkrieg prägen hier die Generation um Thomas, auch wenn diese Generation nicht alles direkt erzählt bekommen hat.

Sehr gelungen fand ich auch, wie der Autor es versteht die verschiedensten Personen wie Trauerbegleiter, Kollegin, den Aufklärer aus der Anwaltskanzlei und so etliche Schulkollegen von Thomas in Handlungssträngen miteinander zu verknüpfen. Die Geschichte zieht immer weitere Kreise. Man nimmt die Charaktere sehr authentisch wahr und merkt wie berührt sie von der Geschichte des toten Anwalts sind und wie sehr sie über ihr eigenes Leben nachdenken.

Ein Roman, der sich grundsätzlich leicht liest, allerdings viel mehr transportiert als man zu Beginn denkt.

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Veröffentlicht am 10.02.2026

Spannung in der Unwetterkatastrophe

Grenzfall – Ihr Grab in den Fluten
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In der Grenzregion Karwendel geht ein heftiges Unwetter nieder – so stark, dass Bäche über die Ufer treten und etliche Vermisste gemeldet werden. Minütlich werden die Meldungen mehr und die Polizei in ...

In der Grenzregion Karwendel geht ein heftiges Unwetter nieder – so stark, dass Bäche über die Ufer treten und etliche Vermisste gemeldet werden. Minütlich werden die Meldungen mehr und die Polizei in beiden Ländern ist gefordert. Während Alexa Jahn auf der deutschen Seite voll gefordert ist, ist Chefinspektor Bernhard Krammer in Österreich nach einer Verletzung noch nicht voll dienstfähig. Schließlich wird in einer Schlucht ein Toter entdeckt. Doch es ist nicht ein Opfer des Unwetters, sondern wurde ermordet.

Auch wenn dies bereits der sechste Band einer Reihe um das Ermittlerduo Jahn und Krammer ist, lässt er sich auch gut ohne Vorkenntnisse lesen.

Die Sprache ist wie für Anna Schneider typisch flüssig, detailreich lebhaft. Man bekommt im Unwetter richtig gehende Beklemmungen und bekommt die Gefährlichkeit gut transportiert. Der Spannungsbogen baut sich langsam und sukzessive auf, von einem Prolog der einen passenden Vorgeschmack liefert, landet man in einer Region, in der das Unwetter immer größeren Schaden anrichtet. Stündlich steigt die Gefahr und diese wird auch transportiert. Die Spannung durch den Fund der Leiche tritt erst spät auf, ab Mitte des Buches. Allgemein werden einige Einzelfälle präsentiert und man rätselt als Leser über die Zusammenhänge. So wie auch bei den immer wieder eingestreuten Briefen einer Mutter. Die Ermittlungen bzw. die Auflösung war für mich zwar logisch, allerdings auch etwas abrupt.

Wie auch in den Vorgängerbänden ist auch hier das Ermittlungsduo sehr charmant und authentisch. Alexa Jahn kämpft von Beginn an mit der Anzahl an Anrufen und Problemen. Man merkt die innere Zerrissenheit und Verzweiflung nicht ausreichend Hilfe zur Verfügung stellen zu können. Bernhard Krammer, Alexas Vater, durchleuchtet Alexas neuen Partner und zeigt damit seine fürsorgliche Seite. Aber auch er bekommt auf der österreichischen Seite bald mit einer Gruppe junger Abiturenten in Not zu tun.

Für mich ein würdiger sechster Band der Reihe, der für mich allerdings vor allem durch die detaillierte atmosphärische Schilderung des Unwetters getragen wird.

Veröffentlicht am 10.02.2026

Die Rache eines gefangenen Bauern im dreißig Jährigen Krieg

TINTE und SCHWERT, Sonderedition
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Im Bachthal, einem kleinen Ort im Umfeld zu Würzburg, wächst Jacob als katholischer Bauernsohn auf. Durch Förderung des örtlichen Pfarrers lernt er lesen und schreiben, und soll eine Ausbildung zum Priester ...

Im Bachthal, einem kleinen Ort im Umfeld zu Würzburg, wächst Jacob als katholischer Bauernsohn auf. Durch Förderung des örtlichen Pfarrers lernt er lesen und schreiben, und soll eine Ausbildung zum Priester beginnen. Doch im letzten Sommer vor Beginn, wird Jacob im Zuge eines Überfalls verschleppt und Teil eines Söldnertrupps, der nach Böhmen unterwegs ist. Heinrich von Hohenfels ist der skrupellose Kommandant dieses Trupps der sich als Söldner General Mansfeld anschließen möchte. Auch in seiner Zeit als Schanzknecht bei der Belagerung der Stadt Pilsen schwört Jacob Rache an seinen Angreifern und Mördern seiner Familie. Eine schwierige Aufgabe mit vielen Hindernissen.

Der Autor erzählt die Geschichte im Großen und Ganzen aus drei Blickwinkeln – man folgt Jacob, Heinrich von Hohenfels und General Mansfeld auf ihren Erlebnissen um die Zeit Belagerung der Stadt Pilsen. Während Mansfeld und Heinrich von Hohenfels ihrem Charakter grundsätzlich sehr treu bleiben und beständig handeln, wenn auch nicht sehr sympathisch, macht Jacob die größte Entwicklung durch. Von einem unscheinbaren, aber talentierten Bauernjungen, der von anderen Burschen drangsaliert wird, gewinnt er Kraft durch den Wunsch Rache auszuüben. Ist er von seinen Erfahrungen, dem Glauben und seiner Herkunft geprägt, erfährt er auch auf Grund des Dienstes als Schanzknechts und der rauen Realität des Krieges eine Verwandlung. Seine bisherigen Glaubenssätze und Moralvorstellungen kommen in Wanken. All das sehr glaubwürdig.

Natürlich ist die Geschichte um Jacob erfunden, jedoch ist diese glaubwürdig in ein geschichtliches Netz eingebunden. Beschreibung der Zeit und der Situation im Lager sind detailliert und dürften auf Grund gründlicher Recherche des Autors so gut fundiert sein, wie sie scheinen. Auch werden manche Situationen exemplarisch für so viele Einzelschicksale sein.

Generell wird die Geschichte sehr dicht und atmosphärisch erzählt. Die Sprache ist der Zeit und den handelnden Personen angepasst. Die eher kurzen und nicht zu komplexen Satzkonstruktionen erlauben eine gute Lesbarkeit und sorgen auch für gewisses Tempo. Nichts wird beschönigt und so wird der Leser auch mit Brutalität im Krieg und im Rundherum konfrontiert.

Etwas kompliziert war es für mich, da ich wenig Ahnung vom militärischen Hintergrund hatte. Grundsätzlich war dies allerdings nicht hinderlich für den Lesefluss und man lernt dadurch ja auch. Auch die Zahl an Personen, vor allem Militärs und Befehlshabern, ist doch groß und sorgte ab und an für Verwirrung bei mir. Eine Orientierungshilfe bietet hier die Liste an historischen Personen im Anhang.

Das Buch ist definitiv zu empfehlen, wenn man einen historischen Roman dieser Zeit sucht, der nichts geschönt, sondern realistisch darstellt. Spannend ist er auch, weil es erst der Auftakt einer Serie ist.

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Veröffentlicht am 09.02.2026

Roman? Psychologischer Thriller?

The Exes
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Natalie hat einen sehnlichen Wunsch – sie wünscht sich eine perfekte Familie. Doch irgendwie läuft immer etwas schief und sie landen auf der Liste ihrer Exmänner. Mit James soll nun alles anders werden ...

Natalie hat einen sehnlichen Wunsch – sie wünscht sich eine perfekte Familie. Doch irgendwie läuft immer etwas schief und sie landen auf der Liste ihrer Exmänner. Mit James soll nun alles anders werden – doch eine Entdeckung bedroht die Beziehung. James entdeckt, dass die Exfreunde von Natalie nicht einfach so aus ihrem Leben verschwunden sind. Sie haben Natalie nicht nur hintergangen und verletzt und sind daher verschwunden – sie sind alle drei tot. Natalie war außerdem immer in der Nähe. Nun wird es gefährlich, denn James weiß zu viel.

Dieses Werk ist ein Thriller, ja Psychothriller über Beziehungen und ihre Abgründe – aber er enthält auch viele Elemente einer klassischen Charakterstudie. Es streift so viele Themen um Familiendynamiken, Selbstwertgefühl und Selbstreflexion, Machtverhältnisse und der Suche nach Liebe. Auch stellt sich die Frage wie sehr ein unterschiedlicher ethnischer Background und sozioökonomischer Hintergrund eine Beziehung beeinflusst.

Der Roman ist gekennzeichnet durch Erzählungen aus der Ich-Perspektive in kurzen Kapiteln und häufige Rückblicke – in die Zeiten ihrer Kindheit und ihre vorherigen Beziehungen. Eingeleitet ganz pragmatisch mit Kapitelüberschriften – damals und jetzt. Briefe an die Exfreunde lockern die Erzählstruktur auf. Der Einstieg ins Buch ist doch eher gemütlich – ein ausloten. Man denkt, man erhält einen ersten Einblick in Natalies Psyche und nimmt das Gedachte Großteiles als Tatsache hin. Je weiter die Geschichte erzählt wird, desto mehr zweifelt man an den Aussagen von Natalie bzw. an Natalies eigener Wahrnehmung. Durch neue Entdeckungen und Andeutungen, Rückblenden erhöht sich die psychologische Spannung. Kann man der Protagonistin trauen?

Ein Psychologischer Thriller, der große Elemente einer Charakterstudie miteinschließt. Vor allem die Themen toxische Beziehungen und Rachegelüste aber auch familiäre Prägung.

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Veröffentlicht am 09.02.2026

Hinter den Kulissen einer Urlaubsinsel

Heaven's Gate
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Auf einer philippinischen Insel – Surogao – genießt Caruso de facto sein Nichtstun. Als ehemaliger Profi-Surfer, frönt der Deutsche nach wie vor seiner Leidenschaft dem Surfen. Um doch ab und an Rechnungen ...

Auf einer philippinischen Insel – Surogao – genießt Caruso de facto sein Nichtstun. Als ehemaliger Profi-Surfer, frönt der Deutsche nach wie vor seiner Leidenschaft dem Surfen. Um doch ab und an Rechnungen bezahlen zu können ermittelt er dann und wann als Privatdetektiv. Nichtsdestotrotz haben sich Schulden angehäuft und so kommt eine Spanierin, die auf der Suche nach ihrem Sohn ist, gerade recht. Schnell kratzt der Ermittler an der Oberfläche des Surfparadies und taucht in eine Welt ein in den Drogen, Korruption und Gewalt regieren.

Caruso ist als Charakter ein klassischer Antiheld, eine Person, die seine beste Zeit schon hinter sich hat. Gefeiert als Surfer, strandet er nach seiner Karriere auf dieser traumhaften Surferinsel. Doch es ist eben nicht alles so großartig wie es scheint, und auch er muss – wie auch der Leser erkennen – dass der Schein trügt. Noch dazu ist eben auch das Leben im Paradies nicht kostenlos und arbeiten notwendig. So gerät er eher widerwillig zu diesem Auftrag und stolpert eher unbeholfen in diesen Fall. Durch seinen trockenen Humor und den Ecken und Kanten, und eben der Tatsache, dass er eher ungewollt in einen Strudel gelangt, wirkt er authentisch. Auch die Nebencharaktere wie Carmelita, seine Vermieterin und Restaurantbesitzerin sind interessant, geben sie Caruso doch einen guten Gegenpart. Teilweise vielleicht etwas überzeichnet, allerdings bleiben sie einem dadurch gut in Gedanken.

Der Schreibstil ist atmosphärisch, bildhaft und schafft es den Leser an das entschleunigte Tempo einer Ferieninsel anzupassen. Kapitel sind in angenehmer Länge, so dass man leicht am Ball bleibt. Die Beschreibung des Insellebens und das Surfen werden in einer weise mit dem Roman verknüpft, dass es als authentische Betrachtung wahrgenommen wird. Und während man zu Beginn noch bei einem leichten Krimi an einem Urlaubsort ist, landet man schließlich in einer doch viel spannenderen Geschichte.

Von mir gibt es definitiv eine Leseempfehlung vor allem auf Grund des Settings und des eigenwilligen Ermittlers wider willens.

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