Auf den Spuren von Mao, Cixi und den Schwestern Soong
Die Welt hat lange warten müssen auf die Fortsetzung vom Weltbestseller „Wilde Schwäne“ der Autorin Jung Chang.
„Fliegt, wilde Schwäne“ ist nun erschienen im Mai 2026 mit knapp 400 Seiten und einer Leseprobe ...
Die Welt hat lange warten müssen auf die Fortsetzung vom Weltbestseller „Wilde Schwäne“ der Autorin Jung Chang.
„Fliegt, wilde Schwäne“ ist nun erschienen im Mai 2026 mit knapp 400 Seiten und einer Leseprobe der Neuauflage von „Wilde Schwäne“.
Enthalten sind zahlreiche, teils farbige, Fotos, wie auch im ersten Band und dazu vorn und hinten jeweils die große Landkarte dieses riesigen Landes China. Im neuen Band habe ich den Familienstammbaum vermisst, der sicher für die neuen Leser genauso interessant gewesen wäre, wie früher. Ebenso vermisst habe ich ein Foto von Jung Changs erstem Mann Yee.
Der Roman liest sich sehr flüssig und das hat mir gut gefallen, allerdings hätte ich lieber noch mehr Aktuelles von Changs Familie erfahren. Und weniger von der ständigen Recherche über Mao. Mit ihrem zweiten Mann, dem Engländer Jon Halliday, hat sie die umfangreiche Mao-Biographie: „Mao – Das Leben eines Mannes, das Schicksal eines Volkes“ herausgebracht, die 2007 erschienen ist. Danach wollte sie noch über Cixi schreiben, eine Nebenfrau des Kaisers Xianfeng, später „Kaiserinwitwe“ genannt.
2014 ist dann von Jung Chang „Kaiserinwitwe Cixi: Die Konkubine, die Chinas Weg in die Moderne ebnete“ erschienen. Und Cixi soll auch die elende Quälerei des Füße Bindens endgültig abgeschafft haben. (Siehe hier „Zwei kleine goldene Lilien“ aus Band 1.) Darunter hatte ja noch Changs Großmutter zu leiden. Deren Schwester, Jahrgang 1917, blieb dies dann erspart, weil inzwischen verboten. Zum großen Glück für die Frauen.
2020 erschien dann Jung Changs Buch über die Schwestern Soong, auch über dieses Vorhaben wird im vorliegenden Sachbuch berichtet. Alle diese Werke sind in China verboten, daher auch das Intro: „Für meine Mutter, deren Sterbebett ich nicht besuchen kann.“
Die Autorin ist eine sehr mutige Frau, denn oft genug wurde ihr die Einreise nach China nicht gestattet, bzw. mit strengen Auflagen verknüpft. Teilweise musste sie auch die ständige Reisebegleitung von Aufsehern hinnehmen. Weil sie natürlich u. a. über das Verhältnis ihrer Eltern zur Partei berichtet hatte: „Das Vertrauen meiner Eltern in ihre Partei wurde während der Großen Hungersnot, bei der zwischen 1958 und 1961 etwa vierzig Millionen Menschen verhungerten, schwer erschüttert.“ (S. 24) Des Vaters Kritik an Mao versuchte die Mutter zu verhindern und ihm das Schreiben auszureden, mit dem Argument, dass es bestenfalls sinnlos und schlimmstenfalls selbstmörderisch sei. (S. 31)
Nach Maos Tod änderte sich dann einiges im Land: „Nach Maos Tod gebot Deng Xiaoping dessen verschwenderischer Verteilung von Geld und Lebensmitteln auf Kosten des eigenen Volkes Einhalt.“ (S. 262) So hätte laut der Autorin die o. g. Große Hungersnot zumindest in ihrem riesigen Umfang vermieden werden können, wenn damals nicht so viele Lebensmittel exportiert worden wären. Nach Russland, wenn ich es richtig in Erinnerung habe. Später gibt es hierzu noch ein Zitat auf Seite 301: „Ich war davon ausgegangen, dass sie [gemeint ist hier wieder die Große Hungersnot] größtenteils das Ergebnis von Inkompetenz war, und hatte nicht erwartet, dass sie bewusst in Kauf genommen worden war. Nun fand ich heraus, dass Mao schon im Vorfeld wusste, dass sein Volk verhungern würde, da er vorhatte, die Lebensmittel, die es zum Überleben brauchte, in den Sowjetblock zu exportieren, um Geld für Rüstungstechnologie zu haben.“
Manche Textstellen erscheinen mir fragwürdig, auch wenn ich alles andere als ein Chinaexperte bin, z. B.: „Mit tatkräftiger Hilfe westlicher Apologeten [meint Ideologen] führt Xi China wieder auf den Weg in eine Hölle, wie Mao sie einst schuf – auch wenn es unwahrscheinlich ist, dass er es bis dorthin schafft.“ (S. 310)
Fazit: Leicht und flüssig zu lesen, trotz der teils schweren und grausamen Inhalte, manchmal besser zu hinterfragen. Leider viel Recherche zu Mao etc. und weniger Familie Chang, andersherum wäre es mir lieber gewesen. Bedingt empfehlenswert. Vergebe 3 Sterne.