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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 23.06.2017

unbedingt Lesen

Der letzte Überlebende
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Sam Pivnik ist ein Überlebender des Holocaust. Der Titel „Der letzte Überlebende“ war für mich doppeldeutig zu sehen. Zum einen gehört er zu den immer weniger werdenden Menschen, die die Nazizeit noch ...

Sam Pivnik ist ein Überlebender des Holocaust. Der Titel „Der letzte Überlebende“ war für mich doppeldeutig zu sehen. Zum einen gehört er zu den immer weniger werdenden Menschen, die die Nazizeit noch persönlich erlebt haben. Das liegt einfach daran, dass es schon sehr lange her ist. Sam ist 1929 geboren. Zum anderen ist er in seiner Familie einer der letzten Überlebenden – und auch in dieser Geschichte einer, der immer wieder dem Tod von der Schippe springen kann. Das Buch ist eine sehr schwere Kost und doch ist es hervorragend zu lesen, denn der Autor ist trotz allem nicht oder nicht mehr verbittert sondern immer mutig und zuversichtlich. Er schöpft seine Kraft aus der Liebe seiner Eltern, aus den vielen kleinen schönen Erlebnissen seiner Kindheit. Und er hat einen unerschöpflichen Vorrat an Optimismus, der das Buch trotz aller Gräuel durchdringt.

Ich denke, auch wenn es ein trauriges und deprimierendes Thema ist, worüber Pivnik hier schreibt, so sollte es unbedingt so oft wie möglich plastisch und aus den Erfahrungen der Überlebenden erzählt werden. Und man sollte diese Bücher lesen. Immer wieder. Damit wird das Bewusstsein dafür geschärft und vielleicht kann es verhindern, dass wir als Nation und als Menschen jemals wieder in so einen Abgrund schauen müsssen.

Dicke Leseempfehlung von mir.

Veröffentlicht am 04.08.2017

sperrige Geschichte

Der Dichter der Familie
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Gregoire Delacourt war mir bereits von seinem Vorgängerroman „Die vier Jahreszeiten des Sommers“ bekannt und ich war gespannt auf das neue Buch „Der Dichter der Familie“. Es ging mir mit dieser Geschichte ...

Gregoire Delacourt war mir bereits von seinem Vorgängerroman „Die vier Jahreszeiten des Sommers“ bekannt und ich war gespannt auf das neue Buch „Der Dichter der Familie“. Es ging mir mit dieser Geschichte leider so, dass ich doch etwas anderes erwartet hatte. Noch im Nachhall zu französischen Romanen wie z.B. „Der Hut des Präsidenten“ hatte ich auf eine Sommerlektüre gehofft. Aber die Geschichte passt viel besser in einen dunklen Herbstmonat oder zu einem Abend am Kaminfeuer. Es ist tragisch und traurig wie der „Dichter der Familie“ Edouard schon als Kind auf seine Rolle festgelegt wird und daran über die Jahre zu zerbrechen droht.

Als kleiner Junge hat er ein reizendes Gedicht verfasst und Eltern und Großeltern sind begeistert und versteifen sich darauf, dass darin seine Berufung liegen würde und aus ihm ein großer Dichter und Poet werden wird. Aber Edouard kann diese Hoffnungen nie erfüllen und versteift sich nun seinerseits in Vorstellungen, wie sein Privatleben und sein beruflicher Erfolg sein sollten und trifft deshalb eine falsche Entscheidung nach der anderen, sucht nach dem Glück und der Erfüllung und findet beides nicht.

Ich habe erst im Nachhinein erfahren, dass es wohl das Erstlingswerk des Autors ist, welches jetzt nachträglich ins Deutsche übersetzt wurde. Mit solchen nachträglichen Veröffentlichungen habe ich schon öfter Schwierigkeiten gehabt. Hier habe ich zwar gespürt, dass der kurze und geschliffene Schreibstil des Autors durchschimmert aber er ist noch nicht ganz ausgereift. Außerdem bin ich unschlüssig, was mir das Büchlein sagen will. Soll man seine Pläne nicht zu hoch stecken? Soll man zufriedener sein auch mit den kleinen Dingen? Oder geht es tatsächlich darum die ganz alltäglichen Tragödien zu zeigen, die in einer Familie passieren können und die verhindern können, dass man in den richtigen Tritt kommt?

Ich bin ein zutiefst positiver und optimistischer Mensch. Außerdem schätze ich die von mir erreichten Ziele und traue nicht jeder verpassten Gelegenheit nach. Edouard war für mich ein sperriger und teilweise sogar unsympathischer Charakter. Seien Art ging mir gehörig gegen den Strich. Aber andererseits, auch das muss eine fiktive Person erst mal schaffen. Von mir nur eine bedingte Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 02.08.2017

unterhaltsam

Nothing Like Us
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Lena träumt von einer Karriere als Köchin. Ihr größter Wunsch erfüllt sich, als sie im großen West-Hotel ein Praktikum in der Küche bekommt. Zuerst muss sie aber mal Putzen und Vorräte sortieren, was sie ...

Lena träumt von einer Karriere als Köchin. Ihr größter Wunsch erfüllt sich, als sie im großen West-Hotel ein Praktikum in der Küche bekommt. Zuerst muss sie aber mal Putzen und Vorräte sortieren, was sie ziemlich nervt. Außerdem trifft sie dort den gutaussehenden Sander, der scheinbar ein fauler Praktikant ist, der sich vor der Arbeit drückt. Sie weiß nicht, dass der junge Mann in Wirklichkeit der Erbe des Hotelbesitzers ist.

Die Ausgangslage ist nicht neu und zugegeben etwas 08/15. Es gibt auch einige Dinge, die ich sehr unrealistisch oder unnötig fand. Warum z.B. MUSS denn die Geschichte in New York spielen? Weder wird sie dadurch spannender noch kann ich mir erklären, wie die kleine Lena sich eine der teuersten Städte der Welt so einfach leisten kann, geschweige denn, wie ausgerechnet eine Deutsche hier ein Praktikum machen darf. Und es gibt natürlich jede Menge Zufälle, die dazu führen, dass sie ewig nicht weiß, wer Sander ist.

Gefallen haben mir die Dialoge. Die sind frech und witzig und Lena lässt sich von Sander nicht unterbuttern. Auch gibt sie seinem Werben nicht gleich auf den ersten 50 Seiten nach, wodurch die knisternde Spannung länger bestehen bleibt. Dass es erst mal zum Bruch kommt, nachdem sie die Wahrheit erfährt, war klar. Und das Ende ist nicht richtig weichgespült, was mir auch ganz gut gefällt.

Fazit: Im Genre Jugend-Liebesroman durchaus lesenswerte Geschichte.

Veröffentlicht am 02.08.2017

durchwachsene Stimmung

Sieh mich an
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Die Autorin Mareike Krügel nimmt uns einen Tag mit ins Leben von Katharina, einer Mutter und Ehefrau in mittleren Jahren, die durch die Entdeckung, dass sie einen Knoten in der Brust ertasten kann, zurückgeworfen ...

Die Autorin Mareike Krügel nimmt uns einen Tag mit ins Leben von Katharina, einer Mutter und Ehefrau in mittleren Jahren, die durch die Entdeckung, dass sie einen Knoten in der Brust ertasten kann, zurückgeworfen wird auf eine intensive Betrachtung ihres Lebens. Während um sie herum das ganz alltägliche Chaos mit der schwierigen Tochter, dem nicht präsenten Ehemann und diversen kleinen und großen Problemen tobt, macht sie sich Listen über all das, was ihr Leben einzigartig oder wichtig macht, über dass was passieren sollte, wenn sie denn einen bösartigen Krebs hätte, über alles und nichts. Sie versucht sich durch den Tag zu hangeln. Sie versucht zu erkennen, welchen Weg sie sich für ihr weiteres Leben vorstellt. Sie versucht einen Sinn in all dem zu suchen und nicht den Verstand vor lauter Angst zu verlieren.

Das Buch ist trotz des gut lesbaren Erzählstils in seiner Thematik anspruchsvoll und tiefgängig. Die ungeduldige Flapsigkeit der Protagonistin ist manchmal enervierend. Teilweise scheint sie fast lethargisch zu sein, dann wieder explosiv und reizbar. Sie ist keine Heldin, die mir wirklich nahe war. Sie kommt irgendwie nie auf den Punkt ihrer Probleme. Ist es die verfahrene Ehe oder die Krankheit oder die Langeweile, die sie aus der Bahn wirft? Und wo strebt sie hin? Mir war nicht klar, worauf die Autorin wirklich hinaus will. Was will sie mir sagen?

Das Buch wird hochgelobt aber mir hat es nur mäßige Spannung beschert.

Veröffentlicht am 02.08.2017

Reise in die Vergangenheit

Sommer unseres Lebens
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Miriam, Hanne und Claude sind zufällige Urlaubsbekanntschaften die vor 25 Jahren alle ihren Geburtstag gemeinsam in Portugal gefeiert hatten. Ihr Versprechen, auch den 50.ten zusammen zu verbringen, müssen ...

Miriam, Hanne und Claude sind zufällige Urlaubsbekanntschaften die vor 25 Jahren alle ihren Geburtstag gemeinsam in Portugal gefeiert hatten. Ihr Versprechen, auch den 50.ten zusammen zu verbringen, müssen die drei nun einlösen. Mit gemischten Gefühlen beginnen sie eine 10-tägige Reise, die sich als ein Abenteuer der besonderen Art entpuppen soll.

Der Roman schwelgt in den Erlebnissen dreien Frauen, in deren Jugendjahren voller Zukunftsplänen und Wünschen. Wie einfach doch alles in der Vergangenheit schien. Aber auch die Gegenwart hat noch Überraschungen für die Frauen parat. So unterschiedlich die drei auch sind. So unterschiedlich ihre Leben bis jetzt auch verlaufen sind. So sind es genau diese Unterschiede, durch die die drei erkennen, was wichtig im Leben ist, wohin die Reise noch gehen soll, was sie gewonnen oder noch nicht ganz verloren haben. Und es entstehen neue Pläne und neue Wünsche und man freut sich auf die nächsten 25 Jahre dieser drei Frauen.

Ein Buch über Frauen für Frauen. Heiter und auch mal wolkig. Schön zu lesen und durchaus mit Anregungen fürs eigene Leben ohne den erhobenen Zeigefinger.