Aussteiger
Seit ihrem sensationellen literarischen Debüt zählt Cleo Konrad zu meinen Lieblings-Autorinnen. Denn sie verarbeitet zeitgenössische Probleme in ihren fesselnden Psychothrillern, die nicht nur für Gänsehaut-Feeling ...
Seit ihrem sensationellen literarischen Debüt zählt Cleo Konrad zu meinen Lieblings-Autorinnen. Denn sie verarbeitet zeitgenössische Probleme in ihren fesselnden Psychothrillern, die nicht nur für Gänsehaut-Feeling sorgen, sondern auch zum Nachdenken anregen. Deshalb war ich sehr gespannt auf ihren neuen Roman "Home Story." Kann er den hohen Erwartungen standhalten? Wird sie sich selbst übertreffen können?
Kommen wir zur äußeren Aufmachung. Die Farbschnitt-Ausgabe ist ein Hingucker in jeder Buchhandlung. Die Farben sind sehr plakativ, Pink und Gelb fallen direkt ins Auge. Das Cover zeigt ein altes Fachwerkhaus, rundum mit einem dichten Zaun vor neugierigen Blicken geschützt. H? Für mein Empfinden strahlt das Cover eine düstere Stimmung aus, die für böse Vorahnungen sorgt. Wollen die Bewohnerinnen unter sich bleiben? Haben sie etwas zu verbergen? Der Titel spielt geschickt mit den Erwartungen, er weist nicht auf eine wohlwollende Foto-Reportage, sondern auf eine bitterböse Enthüllungs-Story hin, welche die Aussteigerinnen vom Steingruber-Hof in einem möglichst schlechten Licht erscheinen lassen will.
Das Geschehen spielt in der aktuellen Gegenwart, es wird aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet. Es sind sehr viele Personen, die in aller epischen Breite vorgestellt werden. Darunter auch Toni, ein 10jähriges Mädchen, dessen phantasievolle kindliche Wahrnehmung für zusätzliche Irritationen sorgt. Für meinen persönlichen Geschmack wäre hier weniger mehr gewesen. Mir ist es etwas schwer gefallen, mich auf diesen zähen Einstieg in die Lektüre einzulassen. Ich hatte das Gefühl, einzelne Puzzle-Stücke in seinen Händen zu halten, die nach und nach zusammengesetzt werden müssen,, um ein komplexes Bild vor Augen zu haben.
Nach dem schwierigen Start nimmt die Lektüre Fahrt auf. Cleo Konrad setzt nicht auf blutige Action, sondern auf psychologische Spannung. Der abgelegene Steingruber-Hof ist eine Welt für sich, mit misstrauischen Bewohnerinnen, die sich nicht in die Karten gucken lassen. Alle handelnden Personen sind vielschichtig angelegt, man kann sie nicht gleich einordnen, sondern muss ihre Worte und Taten kritisch hinterfragen. Die konkreten Hintergründe erschließen sich nicht sofort.Man ahnt gewisse Zusammenhänge, Gewissheit erhält man ganz zum Schluss.
Mir fällt es etwas schwer, eine faire Beurteilung abzugeben. Verglichen mit den Bestsellern "Tödlicher Podcast" und "Deep Fake", ist das neue Buch etwas schwächer geraten. Dennoch hat es mir gut gefallen, auf seine besondere Art. Wer ruhige, atmosphärische Psychothriller mit komplexen Figuren und unerwarteten Wendungen liebt, sollte es sich nicht entgehen lassen.