Cover-Bild Sommerrauschen
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24,00
inkl. MwSt
  • Verlag: DuMont Buchverlag
  • Themenbereich: Belletristik - Belletristik: zeitgenössisch
  • Genre: Romane & Erzählungen / Sonstige Romane & Erzählungen
  • Seitenzahl: 272
  • Ersterscheinung: 16.06.2026
  • ISBN: 9783755800392
Christiane Adlung

Sommerrauschen

Roman
Fünf Häuser auf Stelzen – das Sommerquartier einer Handvoll Familien im Médoc. Seit ihrer Kindheit verbringt Judith jeden August hier. Surfen im Atlantik, Baden im See, Abziehtattoos auf der sonnengebräunten Haut. Und damals immer an Judiths Seite: ihre kleine Schwester Lola und Natascha, das Mädchen aus dem Nachbarhaus. Jahre später bewohnt Judith, mittlerweile eine erfolgreiche Bildhauerin, mit ihrem Mann Robert und ihren Zwillingstöchtern allein das Eckhaus. Lediglich Oda, Judiths egozentrische Mutter, kehrt nach dem Tod des Vaters ebenso hierher zurück. Doch auch wenn das Haus wieder mit Menschen gefüllt ist, die schmerzlichen Lücken, die in Judiths Leben klaffen, zeigen sich hier am deutlichsten. Als das leer stehende Nachbarhaus verkauft werden soll, ist Robert direkt interessiert. In Judith jedoch rütteln diese vier Wände und ihre Geschichten tief liegende Erinnerungen wach. Und als Natascha plötzlich in Begleitung ihres Mannes Simon auftaucht, sind all die Gefühle, die Judith seit jenem Sommer vor vierzig Jahren zu verdrängen versuchte, schlagartig wieder da.

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 17.06.2026

Aus Stein wird Stimme

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Es gibt Bücher, die erzählen. Und es gibt Bücher, die freilegen.
Sommerrauschen gehört für mich zu den Büchern, die nicht gelesen, sondern Schicht für Schicht berührt werden wollen. Ein Roman, der nicht ...

Es gibt Bücher, die erzählen. Und es gibt Bücher, die freilegen.
Sommerrauschen gehört für mich zu den Büchern, die nicht gelesen, sondern Schicht für Schicht berührt werden wollen. Ein Roman, der nicht drängt, nicht erklärt und kaum jemals laut wird – und gerade dadurch eine besondere Intensität entwickelt.
Im Zentrum steht Judith, Bildhauerin, Tochter, Schwester, Mutter. Und vor allem jemand, die über Jahrzehnte gelernt hat, um einen bestimmten Kern ihres Lebens herum zu existieren. Die Rückkehr einer Person aus der Vergangenheit setzt nichts Spektakuläres in Bewegung. Kein dramatischer Umschlag, kein großes Enthüllen. Stattdessen beginnt etwas viel Schwierigeres: Erinnerungen verändern ihre Form. Das, was verborgen war, wird nicht plötzlich sichtbar, sondern kristallisiert sich langsam heraus.
Dieses Buch folgt dabei einem Rhythmus, der Aufmerksamkeit verlangt. Es liest sich nicht nebenbei. Jeder Absatz wirkt gesetzt, jede Erinnerung scheint bewusst nicht vollständig ausgesprochen. Die Sprache arbeitet mit Zwischenräumen, mit Andeutungen, mit einem Vertrauen darauf, dass Lesende selbst Formen erkennen können. Sie erinnert tatsächlich an Bildhauerei: nichts wird hinzugefügt – etwas wird abgetragen, bis sichtbar wird, was längst da war.
Besonders eindrucksvoll fand ich, wie Vergangenheit hier nicht als abgeschlossenes Ereignis erscheint, sondern als Material, das ein Leben unmerklich weiter formt. Das verborgene Schicksal steht nicht als dramatische Enthüllung im Raum, sondern als etwas, das Beziehungen, Entscheidungen und Selbstbilder über Jahrzehnte leise mitgestaltet hat.
Und dennoch bleibt dieser Roman nicht bei Schmerz oder Verlust stehen. Sein eigentliches Thema scheint mir etwas anderes zu sein: die vorsichtige Annäherung an die eigene Gestalt. Das Erkennen, dass Frieden nicht bedeutet, unversehrt zu sein, sondern aufzuhören, gegen die eigene Geschichte anzuleben.
Ein besonderes Buch. Kein schnelles Weglesen. Sondern eines, das Konzentration fordert und dafür eine stille, sehr nachhaltige Form von Schönheit hinterlässt.

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Veröffentlicht am 16.06.2026

Ich bin begeistert.

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Judith sitzt auf den Stufen der Veranda und trinkt Espresso. Sie blickt auf die verschlossenen Läden des Nachbarhauses. Natascha und sie trafen sich jeden Sommer in den Ferien und wurden beste Freundinnen. ...

Judith sitzt auf den Stufen der Veranda und trinkt Espresso. Sie blickt auf die verschlossenen Läden des Nachbarhauses. Natascha und sie trafen sich jeden Sommer in den Ferien und wurden beste Freundinnen. Wie viele Tage sie am Strand verbrachten, auf die Flut warteten und sich ihre Wünsche erzählten. Mit der freien Hand verscheucht sie ihre Gedanken und ist sich der Albernheit ihrer Geste bewusst.

Sie müsste arbeiten. Ihre Kuratorin ruft sie in immer kürzeren Abständen an, ob sie dem Direktor schon erste Zeilen für den Katalog vorlegen dürfe. Judith vertröstet. Am Nachmittag soll es regnen, das wäre die Gelegenheit, erste Entwürfe zu Papier zu bringen. Vielleicht.

Sie steht auf, geht ins Haus und stolpert über Zeitschriften und achtlos hingeworfene Sandalen. Hier Ordnung zu schaffen scheint niemand im Stande. Virginia Woolf liegt aufgeschlagen auf dem Tisch. Ihre beiden Mädchen, gerade sechzehn geworden, haben neue Interessen entwickelt. Abends liegen sie vor dem Kamin, dem Herzstück des Hauses und lesen sich gegenseitig vor. Sie reden und lachen so wie Natascha und sie damals. Alles wiederholt sich.

Auf der Ablage steht die kleine Dose aus Guatemala, sie erinnert sich nicht, wie die hierhergekommen ist. Sie öffnet sie und sieht die gewickelten Figuren aus Papier, denen Lola in den Sommern ihre Sorgen anvertraute und unter das Kopfkissen legte. Ihre Schwester ist zehn Jahre jünger als sie. Judith hatte sie ihre ersten Schritte machen sehen. Sie fühlte sich zuständig, wollte ihren Vater entlasten, der oben seine Bücher schrieb und die Mutter, die keine Mutter sein wollte. Sie wünschte, Lola würde herkommen, ihre trüben Gedanken vertreiben, sie kann das, aber sie wird nicht kommen.

Fazit: Die Autorin Christiane Adlung hat mich vollkommen eingenommen. Ihre Protagonistin fährt jeden Sommer mit ihrem Mann, ihren beiden Töchtern und ihrer Mutter in ihr Sommerquartier an die Atlantikküste. Das alte Ferienhaus trägt ihre Familiengeschichte, die sie erinnert. Mit enormem Feingefühl entwickelt die Autorin einen psychologischen Plot, der Judiths Befürchtungen, nicht die zu sein, für die sie sich ausgibt, erklärt. Allmählich entblättert sie die Gründe für die Sprengkraft in der Beziehung zwischen Mutter und Tochter. Als Natascha nach Jahrzehnten wieder Judiths Leben betritt, ist das Gefühlschaos in Judith riesig, denn Natascha kennt Judiths Geheimnis. Am Ende fast jeden Kapitels schlägt sie mich erneut in ihren Bann, indem sie meine Erwartungen mit einem „Cliffhanger“ weckt.

In diesem Sommer sollte das alles enden. S. 58

Die Sprache finde ich großartig:

Die Musik war zu laut, die Leute mit ihrem Lachen, ihrer Kleidung, ihrem elaborierten Code in jene herablassende Arroganz gehüllt, die Intellekt beanspruchen wollte. S. 56

Ich hätte einfach elitär geschrieben und damit die ganze Stimmung verschenkt.

Vergangenheit und Gegenwart wechseln sich kapitelweise ab. Der Schluss hat mich umgehauen. Mit ihrer französischen Stimmfarbe gießt sie Geschichte und Technik in eine Form, die mich absolut begeistert hat. Das ist perfekte Literatur, ohne den Anspruch zu erheben.

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Veröffentlicht am 08.07.2026

Wenn ein Sommer seine Schatten bis in die Gegenwart wirft

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Anfangs erfordert der Einstieg in den Roman "Sommerrauschen“ von Christiane Adlung etwas Geduld. Judiths Erzählstil ist ungewöhnlich und unkonventionell. Für mich war spürbar, dass sie die Tochter eines ...

Anfangs erfordert der Einstieg in den Roman "Sommerrauschen“ von Christiane Adlung etwas Geduld. Judiths Erzählstil ist ungewöhnlich und unkonventionell. Für mich war spürbar, dass sie die Tochter eines Autors ist. Sie erzählt nicht einfach eine Geschichte, sondern wählt ihre Worte mit Bedacht – poetisch, mit viel Feingefühl und einer unterschwelligen Traurigkeit. Obwohl mich dieser besondere Ton schon in der Leseprobe angesprochen hat, brauchte ich einige Seiten, um in der Geschichte anzukommen, die Dynamik von Judiths Familie zu erfassen und die Figuren einordnen zu können.

Dann entwickelte die Geschichte einen Sog und entführte mich immer wieder in die Sommer der Familie im französischen Médoc am Atlantik. Dabei wechselt sie gekonnt zwischen Gegenwart und Vergangenheit. Als Judiths Freundin aus Kindertagen zum ersten Mal ebenfalls dorthin zurückkehrt, gerät vieles noch mehr ins Wanken. Über allem schwebt die Frage, welches ins Schweigen gehüllte Geheimnis Judith vor ihrer Familie verbirgt. Das Verhältnis zu ihrer distanzierten Mutter Oda ist von Spannungen geprägt, gleichzeitig zeigen sich erschreckende Parallelen zwischen den beiden. Seit ihrer jüngeren Schwester Lotta etwas Unaussprechliches widerfahren ist, trägt Judith eine tiefe Angst in sich, die sich auch auf den Umgang mit ihren fast erwachsenen Töchtern auswirkt. Sie bewegt sich oft wie eine Beobachterin durch ihr eigenes Leben, geprägt von depressiven Phasen und den Schatten der Vergangenheit. Diese emotionale Distanz machte es mir anfangs schwer, eine enge Verbindung zu ihr aufzubauen. Gleichzeitig fand ich genau das faszinierend.

Was diesen Roman für mich so mitreißend macht, ist die Erkenntnis, dass Verdrängung nur begrenzt funktioniert. Die Vergangenheit lässt sich nicht dauerhaft wegschließen: Sie bleibt ein Teil von uns. Das Familiengeheimnis zieht sich durch die gesamte Geschichte und hat mich bis zur letzten Seite gefesselt. Als Leserin stellte ich unweigerlich zahlreiche Vermutungen an. Eine meiner frühen Theorien schien sich zum Ende hin tatsächlich zu bestätigen, bevor mich die Autorin mit einer geschickten Wendung noch einmal überraschte. Die endgültige Auflösung berührte mich und schloss den Roman für mich stimmig ab.

Fazit: Ein lesenswerter Roman, der psychologisch facettenreich zeigt, wie Vergangenheit und Schuldgefühle ein Leben prägen.

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Veröffentlicht am 01.07.2026

Eine zögernde Umarmung des Jetzt

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Bei diesem Roman handelt es sich definitiv nicht um eine leichte 0815 Sommerlektüre wie sich zunächst aufgrund des Covers oder des Klappentexts vermuten lässt.

Denn der Schreibstil ist auf alle Fälle ...

Bei diesem Roman handelt es sich definitiv nicht um eine leichte 0815 Sommerlektüre wie sich zunächst aufgrund des Covers oder des Klappentexts vermuten lässt.

Denn der Schreibstil ist auf alle Fälle sehr einzigartig, aber auch gewöhnungsbedürftig und gesamt definitiv am anspruchsvolleren Ende in Wort und Sprachgebrauch. Es hat für mich fast 100 Seiten gebraucht bis ich mich bisschen besser in der Handlung zurecht finden konnte. Die leicht gezwungen wirkende Verwendung von gehobener Sprache lenkte von der eigentlichen Geschichte ab und ich bin nicht sicher, ob ich das bis dahin Geschehene wirklich wiedergeben könnte. Außerdem fand ich einige Themen zunächst verwirrend, wie dass z.B. auf einer Seite steht die Hauptprotagonistin Judith wolle, könne keine Kinder bekommen und schon kaum einen Absatz später ist die Rede von ihren Töchtern.

Aber hier sollte man sich wirklich in Geduld üben und der Entwicklung der Charaktere und Handlung Zeit geben. Man gewöhnt sich an den Stil, gleichzeitig lässt das Geschriebene auch an Intensivität in gewählter Sprache nach und einfachere Sätze werden zunehmend eingeflochten.
Judith bleibt für mich das ganze Buch über leider mit großer Distanz verbunden, vielleicht war es jedoch die Absicht der Autorin sie aufgrund ihrer Vergangenheit charakterlich eher kühl wirken zu lassen. Einzig das Geschehen um den Vater fand ich mit mehr Emotionen verknüpft.
Das Ende war ein wenig vorhersehbar, da etwas anderes zu banal gewirkt hätte und dennoch gab es auch eine wirkungsvolle Entwicklung, die aufwühlende Gedanken verursacht!

Bei der Bewertung war ich mir einige Zeit unschlüssig und doch hat es dann 3,8 Sterne verdient, denn es bleibt stark in Erinnerung und hallt mit seiner sowohl traurigen, als auch potentiell guten Botschaft an die kleinen Verkettungen und ihre großen Auswirkungen auf das Leben nach!

Fazit: Eine gelungene Abwechslung mit anspruchsvoller Sprache, die sich trotzdem schnell gelesen hatte, obwohl ich zu Beginn nicht komplett überzeugt war!

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Veröffentlicht am 29.06.2026

Atmosphärisch, feinfühlig und wunderschön erzählt.

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Die poetische und bildhafte Sprache in diesem Buch hat mich wirklich beeindruckt. Ich muss allerdings zugeben, dass ich ein wenig gebraucht habe, um in die Geschichte hineinzufinden. Doch sobald ich mich ...

Die poetische und bildhafte Sprache in diesem Buch hat mich wirklich beeindruckt. Ich muss allerdings zugeben, dass ich ein wenig gebraucht habe, um in die Geschichte hineinzufinden. Doch sobald ich mich an den besonderen Schreibstil gewöhnt hatte, habe ich jede einzelne Seite genossen.

Sommerrauschen erzählt von Freundschaft, Familiengeheimnissen, Schuld, Verlust und den Spuren, die die Vergangenheit auch nach vielen Jahren noch hinterlassen kann. Im Mittelpunkt steht Judith, die nach langer Zeit an den Ort ihrer Kindheit zurückkehrt. Alte Erinnerungen werden wach und nach und nach kommen Geheimnisse ans Licht, die viele Jahre verborgen geblieben sind.

Besonders schön fand ich, Judith auf ihrem Weg zu begleiten und mitzuerleben, wie sich ihr Leben entwickelt hat. Die Autorin nimmt sich Zeit für ihre Figuren und enthüllt die Wahrheit Stück für Stück, wodurch ich immer neugieriger wurde. Gerade diese ruhige Erzählweise hat für mich den besonderen Reiz des Buches ausgemacht.

Die Atmosphäre hat mich ebenfalls begeistert. Man spürt den Sommer, das Meer und die Erinnerungen, die an diesem Ort in jeder Ecke verborgen zu sein scheinen. Alles wirkt sehr stimmig und die wunderschöne Sprache macht das Lesen zu etwas ganz Besonderem.

Sommerrauschen ist keine laute oder actionreiche Geschichte, sondern eine ruhige, tiefgründige Lektüre, die zum Nachdenken anregt. Wer Familiengeschichten mit Geheimnissen, emotionalen Entwicklungen und einem besonderen Schreibstil liebt, sollte diesem Roman unbedingt eine Chance geben.

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