Cover-Bild Eigentlich wollte ich das nicht schreiben
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22,00
inkl. MwSt
  • Verlag: pola
  • Themenbereich: Belletristik - Belletristik: zeitgenössisch
  • Genre: Romane & Erzählungen / Sonstige Romane & Erzählungen
  • Seitenzahl: 432
  • Ersterscheinung: 29.06.2026
  • ISBN: 9783759600530
Freya Bromley

Eigentlich wollte ich das nicht schreiben

| Berührendes Debüt über Familie, Verlust und das Recht, eigene Geschichten zu erzählen
Nele Junghanns (Übersetzer), Sophie Wölbling (Übersetzer)

Ausgerechnet der plötzliche Tod ihrer Schwester Darina gibt Nola den Anstoß, endlich ein Buch zu schreiben. Leser:innen feiern ihre radikale Offenheit - doch die Familie fühlt sich bloßgestellt. Zwischen Trauer, Wut und Sprachlosigkeit wächst die Distanz. Ein Jahr später soll Darinas Asche auf einer abgelegenen Insel verstreut werden. Nola will nicht kommen. Doch als ein Filmdeal optioniert wird und kurz darauf eine anonyme Beschwerde beim Verlag eingeht, steht ihr Ruf auf dem Spiel. Entschlossen stellt sie sich ihrer Familie - und der Frage, wem Erinnerungen gehören, wenn sie einmal zu Geschichten geworden sind.

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Lesejury-Facts

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 05.07.2026

Geschwisterliebe

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Nola verarbeitet den Tod ihrer Schwester Darina mit einem Memoire. Ihre Familie war und ist wenig begeistert, dass sie die persönlichsten Familienerinnerungen nach außen trägt, gaben aber ihr Einverständnis. ...

Nola verarbeitet den Tod ihrer Schwester Darina mit einem Memoire. Ihre Familie war und ist wenig begeistert, dass sie die persönlichsten Familienerinnerungen nach außen trägt, gaben aber ihr Einverständnis. Nun, fünf Jahre nach Darinas Tod, steht der Verkauf der Filmrechte an, was durch eine anonyme Beschwerde an den Verlag torpediert wird. Als die Eltern zu einem Gedenkwochenende einladen, will Nola erst nicht teilnehmen, so groß ist die Distanz in ihrer Familie geworden, aber wo kann sie besser herausfinden, wer da gegen sie interveniert.
„Eigentlich wollte ich das nicht schreiben“ von Freya Bromley in wenigen Worten zusammenzufassen, ist unmöglich, denn der Roman handelt von so vielen Themen gleichzeitig, wobei keines der Wichtigen ins Hintertreffen gerät. Da ist die Trauer um den Verlust einer Schwester; schwierige Familiendynamiken, die durch Geheimnisse und starke Persönlichkeiten befeuert werden; Geschwisterliebe und romantische Liebe und wodurch diese beeinflusst wird und zu guter Letzte schenkt uns Freya Bromley einen ungeschönten Einblick ins Schaffen einer Schriftstellerin. Mich hat der Roman absolut abgeholt und begeistert. Ich prophezeie, dass ich ihn ein weiteres Mal lesen werde und bin mir sicher, dass ich noch weitere Nuancen und Feinheiten entdecken werde.
Nicht nur die Charaktere sind toll gezeichnet, haben alle ihre Eigenheiten, die nie in Klischees rutschen und Fleisch auf den Knochen, was sie wunderbar realistisch werden lässt, auch die Dynamik in der Familie ist nachvollziehbar und spannend gestaltet. Zusätzlich hat die Sprache mich beeindruckt. Freya Bromley setzt eindrückliche und passende Metaphern, gezielt und nicht geizig. Da hat sich für mich genau das richtige Maß gefunden. Ich konnte in die Geschichte eintauchen wie schon lange nicht mehr und das bei Thematiken, die nicht leicht zu verdauen sind.
„Eigentlich wollte ich das nicht schreiben“ ist ein besonderer Roman, der nachhallt und sich einen großen Platz in meinem Herzen verdient hat. Ich freue mich, ihn irgendwann ein weiteres Mal zu lesen.

Veröffentlicht am 19.06.2026

Durch ihren Roman gerät Nola in Konflikt mit ihrer Familie

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Trotz der interessanten Ausgangsidee konnte ich mich mit dem Buch nicht so richtig anfreunden. Woran es genau lag, kann ich gar nicht eindeutig festmachen. Möglicherweise war es der Schreibstil, der mich ...

Trotz der interessanten Ausgangsidee konnte ich mich mit dem Buch nicht so richtig anfreunden. Woran es genau lag, kann ich gar nicht eindeutig festmachen. Möglicherweise war es der Schreibstil, der mich emotional nicht erreicht hat, vielleicht aber auch die Art und Weise, wie die Inhalte vermittelt wurden. Obwohl die behandelten Themen tiefgründig und bewegend sind, blieb ich als Leserin auf Distanz und fand nur schwer einen Zugang zur Geschichte.

Das bedeutet nicht, dass das Buch schlecht geschrieben ist. Vielmehr hatte ich das Gefühl, dass die Erzählweise und ich einfach nicht zusammengefunden haben. Andere Leserinnen und Leser werden die persönliche und reflektierte Art der Autorin möglicherweise sehr schätzen. Bei mir wollte der Funke leider nicht überspringen.

Insgesamt ist es ein Buch mit einem wichtigen Thema. Für mich blieb das Leseerlebnis allerdings eher durchwachsen, da weder der Stil noch der Inhalt mich dauerhaft fesseln konnten.

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Veröffentlicht am 23.07.2026

Verschiedene Wege, um die Trauer umzuleiten

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Als Nolas Schwester Darina plötzlich im Schlaf stirbt, ist das ein Schock für ihre ganze Familie. Jeder geht auf andere Weise mit dem Verlust und der Trauer um. Nola versucht den Tod ihrer geliebten Schwester ...

Als Nolas Schwester Darina plötzlich im Schlaf stirbt, ist das ein Schock für ihre ganze Familie. Jeder geht auf andere Weise mit dem Verlust und der Trauer um. Nola versucht den Tod ihrer geliebten Schwester zu bewältigen, indem sie ein Buch darüber schreibt.

„Darina sagte immer, man müsse »seinen tierischen Instinkten vertrauen«. Tiere würden die Welt auf eine Weise spüren, die wir längst vergessen haben. Damals habe ich nicht wirklich verstanden, was sie damit meinte. Seit ihrem Tod habe ich oft darüber nachgedacht. Dass ich die Zeichen übersehen habe. Woher ich es hätte wissen können.
Deshalb schreibe ich das hier. Keine Denkschrift oder gar eine Grabrede, sondern nur der Versuch, zu ihr zu sprechen, in einer Sprache, der sie wohl vertraut hätte. Eine Geschichte, erzählt in Tierzeichen. Ein Orakel von allem, was ich nicht auszusprechen wusste, als sie noch hier war. Ich bin zurückgegangen zu den Geschöpfen, mit denen wir aufgewachsen sind. Was sie wussten, und wie nah Darina manchmal an diesem Wissen zu sein schien.
Manche Tiere ahnen Stürme voraus. Andere kehren zu den Grabstätten ihrer toten Artgenossen zurück. Manche weinen, wenn ihnen ihre Jungen weggenommen werden. Sie handeln, ohne dafür Gründe zu brauchen, wohingegen wir unsere Gefühle kleinreden. Als Menschen tun wir alles, um genügend Abstand zu dieser Art von Wissen zu wahren. Wir haben es geschafft, dass Losgelöstheit fortschrittlich wirkt. Wir sagen uns, dass Schmerz etwas ist, das wir bewältigen müssen, nicht würdigen. Doch Trauer ist der Beweis, dass etwas Bedeutung hatte. Dass es wahr war. Sie ist der Preis dafür, mit jemandem gelebt zu haben, den man nie verlieren wollte. Diese Welt gründet darauf, unsere Instinkte zu übergehen. Dieses Buch ist ein Versuch, anders hinzuhören, zu dem zurückzukehren, was ich übersehen habe. Es ist ein Versuch, meine Schwester an den Orten zu suchen, wo der Instinkt lebendig ist.“

Unerwartet wird das Buch ein großer Erfolg, was für zahlreiche Konflikte innerhalb ihrer Familie sorgt. Zwischen Wut und Sprachlosigkeit vergrößert sich die Distanz. Als zum ersten Jahrestag von Darinas Tod deren Asche auf einer abgelegenen Insel verstreut werden soll, möchte Nola daher nicht kommen. Allerdings bekommt sie ein Angebot, ihr Buch zu verfilmen, gleichzeitig mit einer anonymen Beschwerde bei ihrem Verlag. Um ihren Ruf zu retten und die fehlenden Einwilligungserklärungen für die Veröffentlichung von ihrer Familie zu bekommen, muss sie sich ihrer Familie stellen. Bei der gemeinsamen Reise geht es vor allem um die große Frage, wem schlussendlich Erinnerungen gehören und wer das Recht hat, diese öffentlich zu machen.

Trotz einiger weniger Längen fand ich den Schreibstil sehr flüssig und einfühlsam. Die Charaktere fand ich sehr gut dargestellt, auch über die verstorbene Darina erfährt man im Rückblick einiges.
Besonders gelungen fand ich den Aspekt, dass jeder unterschiedlich mit Verlust und Trauer umgeht.

„‘Manchmal muss man sich selbst etwas vormachen. Bei meinen Patienten beobachte ich das ständig. Sie kennen die Diagnose. Trotzdem schmieden sie Pläne. Buchen Urlaube. Kaufen Weihnachtsgeschenke. Manchmal müssen wir das tun, um zu überleben.’
‘Das ist was anderes.’
‘Meinst du? Es ist genau das, was wir alle gemacht haben. Mum hat das Haus neu dekoriert. Cillian ging auf eine dreimonatige Sauftour. Connor ist Vater geworden. Du hast ein Buch geschrieben. Wir haben alle Wege gefunden, um die Trauer umzuleiten, irgendwohin, wo man besser mit ihr zurechtkommt. Sich etwas vorzumachen, hat Mum geholfen, es durchzustehen.’“

„Eigentlich wollte ich das nicht schreiben“ ist ein emotionaler Roman über Trauerbewältigung, Familiengefüge und Geschwisterliebe sowie die Frage, wer wessen Geschichte erzählen darf.

Vielen Dank an den pola Verlag & an NetGalley.de für das digitale Rezensionsexemplar! 📚💚

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Veröffentlicht am 16.07.2026

Zwischen Erinnerung und Wahrheit

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Freya Bromleys „Eigentlich wollte ich das nicht schreiben“ ist kein Roman, den man nach der letzten Seite einfach zuklappt und abhakt. Er hinterlässt vielmehr ein Gefühl, das sich nur schwer einordnen ...

Freya Bromleys „Eigentlich wollte ich das nicht schreiben“ ist kein Roman, den man nach der letzten Seite einfach zuklappt und abhakt. Er hinterlässt vielmehr ein Gefühl, das sich nur schwer einordnen lässt, irgendwo zwischen Trauer, Nachdenklichkeit und der Erkenntnis, dass es in Familien selten nur eine Wahrheit gibt.

Ausgangspunkt der Geschichte ist der plötzliche Tod von Nolas älterer Schwester Darina. Um mit ihrem Verlust umzugehen, schreibt Nola ein autobiografisch inspiriertes Buch, das überraschend erfolgreich wird. Als die Filmrechte verkauft werden sollen, gerät jedoch nicht nur ihre Karriere ins Wanken: Eine anonyme Beschwerde beim Verlag stellt das gesamte Projekt infrage und zwingt Nola dazu, erneut die Zustimmung ihrer Familie einzuholen. Ausgerechnet während eines gemeinsamen Wochenendes auf Lundy, wo die Familie Darinas Asche verstreuen möchte, brechen alte Konflikte, unausgesprochene Vorwürfe und lang gehütete Geheimnisse auf.

Besonders spannend fand ich dabei die moralische Fragestellung, die sich wie ein roter Faden durch den Roman zieht: Wem gehören Erinnerungen eigentlich? Darf man seine eigene Geschichte erzählen, wenn sie zwangsläufig auch die Geschichte anderer Menschen ist? Jeder hat Darina anders erlebt, jeder trauert auf seine eigene Weise und jeder empfindet Nolas Buch deshalb unterschiedlich. Gerade weil Erinnerungen immer subjektiv sind, gibt es hier kein eindeutiges Richtig oder Falsch, nur verschiedene Perspektiven, die nebeneinander bestehen. Bromley zeigt eindrucksvoll, wie kompliziert diese Gratwanderung zwischen persönlicher Wahrheit und familiärer Verantwortung sein kann.

Nola selbst dürfte als Hauptfigur nicht jedem sofort sympathisch sein. Sie spricht Konflikte selten direkt an, zieht sich zurück und verarbeitet ihre Gedanken lieber schreibend als im Gespräch. Für mich machte genau das sie glaubwürdig. Nicht jeder Mensch ist in der Lage, Gefühle offen auszusprechen, erst recht nicht, wenn er in einer Familie aufgewachsen ist, in der vieles unausgesprochen bleibt.

Der Roman erzählt dabei erstaunlich ruhig. Wer eine klassische Familiengeschichte mit großen Wendungen oder einer klaren Auflösung erwartet, wird vermutlich enttäuscht sein. Vielmehr lebt das Buch von Gesprächen und Erinnerungen.

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Veröffentlicht am 01.07.2026

Wenn Erinnerungen plötzlich allen gehören

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Man merkt diesem Roman schnell an, dass es ihm nicht darum geht, möglichst viele Wendungen einzubauen. Stattdessen stehen die Figuren und ihre Beziehungen im Mittelpunkt. Für mich war genau das die größte ...

Man merkt diesem Roman schnell an, dass es ihm nicht darum geht, möglichst viele Wendungen einzubauen. Stattdessen stehen die Figuren und ihre Beziehungen im Mittelpunkt. Für mich war genau das die größte Stärke des Buches.

Nola verarbeitet den plötzlichen Tod ihrer Schwester, indem sie darüber schreibt. Aus diesem Manuskript wird überraschend ein Bestseller. Während viele Leser ihre Offenheit bewundern, fühlt sich ihre Familie bloßgestellt. Plötzlich steht nicht mehr nur der Verlust im Raum, sondern auch die Frage, ob man gemeinsame Erinnerungen überhaupt allein erzählen darf oder ob sie allen gehören, die sie erlebt haben.

Besonders gut gefallen hat mir, wie die Autorin Passagen aus Nolas Buch in die eigentliche Handlung einbaut. Dadurch bekommt man nach und nach ein besseres Gefühl für ihre Schwester und versteht gleichzeitig, warum dieselben Erlebnisse innerhalb der Familie so unterschiedlich gesehen werden. Dieses Spiel mit verschiedenen Blickwinkeln hat den Roman für mich deutlich interessanter gemacht.

Am meisten berührt hat mich aber die Art, wie Trauer beschrieben wird. Mein kleiner Bruder ist vor knapp zwei Jahren völlig unerwartet gestorben. Deshalb haben sich viele Gedanken und Reaktionen für mich erschreckend echt angefühlt. Trauer ist oft nicht vernünftig. Man klammert sich an Erinnerungen, stellt sie gleichzeitig infrage oder ärgert sich über Dinge, die von außen völlig belanglos wirken. Das Buch versucht gar nicht, dafür eine Lösung zu finden, sondern zeigt einfach, wie unterschiedlich Menschen mit demselben Verlust umgehen können.

Ganz ohne Kritik komme ich aber nicht aus. Manche Kapitel waren mir etwas zu ausführlich und hätten ruhig gestrafft werden können. Dadurch hat sich die Geschichte zwischendurch gezogen. Wer einen Roman sucht, in dem ständig etwas passiert, wird hier vermutlich nicht ganz glücklich.

Mich hat das Buch trotzdem überzeugt, weil es keine einfachen Antworten gibt. Es regt dazu an, über Familie, Erinnerungen und die Verantwortung nachzudenken, die entsteht, wenn persönliche Erlebnisse öffentlich werden. Genau diese Fragen sind mir nach dem Lesen noch eine ganze Weile im Kopf geblieben.

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