„Fliegt, wilde Schwäne“ hat mir gut gefallen, weil Jung Chang ihre eigene Geschichte mit der Geschichte Chinas verbindet. Es geht nicht nur um Politik, sondern auch darum, was diese Politik mit ...
„Fliegt, wilde Schwäne“ hat mir gut gefallen, weil Jung Chang ihre eigene Geschichte mit der Geschichte Chinas verbindet. Es geht nicht nur um Politik, sondern auch darum, was diese Politik mit einzelnen Menschen und Familien macht. Dadurch wirkt das Buch sehr persönlich und nah.
Wer „Wilde Schwäne“ gelesen hat, erkennt vieles wieder. Man kann das Buch aber auch ohne den Vorgänger lesen. Jung Chang erzählt von ihrer Jugend unter Mao, von ihrem Leben in London und davon, wie schwer es war, von ihrer Heimat getrennt zu sein.
Der Schreibstil ist klar und gut verständlich. Das Buch ist informativ, aber nicht trocken. Viele Stellen sind traurig und berührend, wirken aber nicht übertrieben. Man merkt, wie viel Angst, Schmerz, Hoffnung und Stärke in dieser Geschichte steckt.
Gut gefallen haben mir auch die Jahreszahlen, Fotos und persönlichen Erinnerungen. Dadurch kann man die Ereignisse besser einordnen. Man lernt viel über China nach Mao, aber vor allem versteht man, wie sehr politische Veränderungen das Leben einzelner Menschen beeinflussen.
Für mich ist „Fliegt, wilde Schwäne“ ein bewegendes und sehr lesbares Buch. Es kombiniert Familiengeschichte und Zeitgeschichte auf eine eindrucksvolle Weise.
Andreas Eschbach entwirft in "Ins fahle Herz des Sommers" eine Zukunft, die erschreckend nah wirkt. Die Erde ist von extremer Hitze gezeichnet, tagsüber kaum noch bewohnbar, viele Menschen sind an einer ...
Andreas Eschbach entwirft in "Ins fahle Herz des Sommers" eine Zukunft, die erschreckend nah wirkt. Die Erde ist von extremer Hitze gezeichnet, tagsüber kaum noch bewohnbar, viele Menschen sind an einer Seuche gestorben oder längst geflohen. Übrig geblieben sind einzelne Orte, in denen nur noch wenige Menschen versuchen irgendwie weiterzumachen. Genau in so einem Dorf lebt Fausto. Er schlägt sich nachts durch verlassene Häuser, sucht Nahrung und versucht den immer härter werdenden Alltag zu überstehen.
Die große Stärke des Romans ist weniger die eigentliche Handlung als die Stimmung. Diese Welt fühlt sich trocken, leer und still an. Man merkt beim Lesen fast körperlich, wie belastend die Hitze sein muss. Alles wirkt langsam, erschöpft und gleichzeitig ständig bedrohlich. Gerade dadurch entsteht eine sehr intensive Atmosphäre, die einen erstaunlich schnell in die Geschichte hineinzieht.
Richtig interessant wird es mit dem Auftauchen von Valerie. Sie passt nicht richtig in diese Welt und genau das macht sie spannend. Ihr Verhalten bleibt lange rätselhaft und sorgt dafür, dass die unterschwellige Unsicherheit die ganze Zeit erhalten bleibt. Zwischen ihr und Fausto entwickelt sich zwar Nähe, gleichzeitig bleibt aber immer das Gefühl bestehen, dass etwas nicht stimmt.
Das Buch erzählt insgesamt eher ruhig. Wer große Action oder dauernd Wendungen erwartet, wird vermutlich nicht ganz glücklich damit. Vieles läuft langsam ab und manche Fragen bleiben offen. Mich hat das stellenweise etwas gestört, gleichzeitig passt genau diese Ungewissheit aber auch gut zu der trostlosen Welt, die Eschbach zeichnet.
Besonders stark funktioniert die Geschichte als Hörbuch. Matthias Koeberlin liest ruhig und unaufgeregt, genau passend zu dieser bedrückenden Stimmung. Ohne übertriebene Dramatik schafft er es, die Einsamkeit und den dauernden Überlebenskampf glaubwürdig wirken zu lassen.
Kein typischer Spannungsroman, sondern eher eine düstere, nachdenkliche Dystopie, die noch eine ganze Weile im Kopf bleibt.
„Beth is Dead“ nimmt sich einen ziemlich bekannten Stoff vor und dreht ihn einmal komplett auf links. Statt warmem Familienroman gibt es hier einen Kriminalfall, der direkt zu Beginn alles kippt: Beth ...
„Beth is Dead“ nimmt sich einen ziemlich bekannten Stoff vor und dreht ihn einmal komplett auf links. Statt warmem Familienroman gibt es hier einen Kriminalfall, der direkt zu Beginn alles kippt: Beth ist tot, gefunden im Wald nach der Silvesternacht. Ab da geht es nicht mehr um Nostalgie, sondern um die Frage, wer dafür verantwortlich ist.
Ob Unfall oder Mord bleibt lange offen, genau das treibt die Handlung an.
Die Geschichte legt ihre Informationen nicht offen auf den Tisch, sondern arbeitet sich Stück für Stück vor. Man bekommt Einblicke aus unterschiedlichen Richtungen und muss sich vieles selbst zusammenlegen. Das sorgt dafür, dass man automatisch mitdenkt und sich ständig fragt, was wirklich passiert ist und was nur so wirkt. Gerade dieses vorsichtige Freilegen der Hintergründe hält die Spannung über weite Strecken stabil.
Im Zentrum stehen weniger äußere Ereignisse als die Beziehungen innerhalb der Familie. Alte Konflikte, unausgesprochene Vorwürfe und persönliche Interessen schieben sich immer wieder in den Vordergrund. Die Figuren sind dabei nicht darauf ausgelegt, sofort gemocht zu werden. Eher entsteht ein Bild von Menschen, die in einer Extremsituation reagieren und dabei nicht immer nachvollziehbar handeln.
Ganz rund ist das nicht in jeder Phase. Der Einstieg braucht etwas, bis man richtig drin ist, und manche Entwicklungen zeichnen sich früher ab, als sie vermutlich sollten. Trotzdem bleibt man dran, weil das Buch einen klaren Zug nach vorne hat und immer wieder kleine Verschiebungen einbaut, die das Gesamtbild verändern.
Am Ende funktioniert das Ganze weniger über den großen Überraschungsmoment als über den Weg dorthin. Es ist kein Thriller, der permanent auf maximalen Effekt setzt, sondern eher eine ruhig aufgebaute, zunehmend düstere Geschichte, die sich Zeit nimmt, ihre Spannung zu entfalten.
„Noch fünf Tage“ hat eine klare Ausgangslage, ene Sterneköchin wird nach einem Giftanschlag ins Krankenhaus eingeliefert und weiß, dass sie nur noch wenige Tage zu leben hat. Während sie körperlich abbaut, ...
„Noch fünf Tage“ hat eine klare Ausgangslage, ene Sterneköchin wird nach einem Giftanschlag ins Krankenhaus eingeliefert und weiß, dass sie nur noch wenige Tage zu leben hat. Während sie körperlich abbaut, versucht sie herauszufinden, wer das Gift ins Essen gemischt hat. Parallel muss sie regeln, was mit ihrer Tochter passiert.
Das Buch ist sehr eng getaktet, oft mit genauen Zeitangaben. Das funktioniert gut, weil man ständig merkt, dass die Zeit knapp wird. Die Kapitel sind kurz, dadurch liest es sich schnell weg. Man kommt ohne große Hürden durch die Geschichte.
Inhaltlich ist es aber weniger ein klassischer Thriller als eher eine ruhige, stellenweise fast sachliche Auseinandersetzung mit der Situation. Viel passiert im Gespräch oder in Gedanken. Es gibt keine durchgehende Spannung im Sinne von „man kann nicht aufhören zu lesen“, sondern eher ein konstantes Mitlaufen.
Die Einblicke in das Umfeld der reichen Familie und in den Alltag der Protagonistin sind interessant, werden aber teilweise zu detailliert. Vor allem die vielen Beschreibungen von Luxus und Essen wirken irgendwann überflüssig. Auch die Figuren bleiben etwas schwer greifbar, emotional kommt nicht alles an.
Positiv ist, dass die Auflösung nicht direkt absehbar ist. Man wird bis zum Ende nicht eindeutig in eine Richtung geführt.
Insgesamt ein solides Buch, das sich gut lesen lässt, aber nicht wirklich heraussticht. Eher ruhig erzählt, mit einer guten Idee, die nicht ganz ausgeschöpft wird.
Historische Romane über reale Persönlichkeiten haben es nicht leicht. Entweder wirken sie schnell wie trockene Geschichtsstunden oder sie verbiegen die Fakten so stark, dass vom historischen Kern kaum ...
Historische Romane über reale Persönlichkeiten haben es nicht leicht. Entweder wirken sie schnell wie trockene Geschichtsstunden oder sie verbiegen die Fakten so stark, dass vom historischen Kern kaum noch etwas übrig bleibt. „Im Auftrag der Fugger – Teufelsreigen“ versucht einen Mittelweg und schafft es über weite Strecken tatsächlich, die Welt um Jakob Fugger lebendig werden zu lassen.
Im Zentrum steht erneut der mächtige Augsburger Kaufmann, dessen Handelsnetz sich über große Teile Europas spannt. Doch plötzlich geraten seine Geschäfte ins Wanken. Transporte werden überfallen, Boten verschwinden, Gerüchte über finanzielle Probleme machen die Runde. Hinter den Kulissen scheint jemand gezielt daran zu arbeiten, Fugger zu ruinieren. Um der Sache auf den Grund zu gehen, schickt er wieder seine beiden ungewöhnlichen Vertrauten los: Afra und Herwart.
Wer den ersten Band gelesen hat, trifft hier auf vertraute Figuren, deren Geschichte weitergeführt wird. Das hat mir tatsächlich gut gefallen, weil man ihre Dynamik bereits kennt und nun sieht, wie sie sich weiter durch Fuggers gefährliche Aufträge schlagen. Gleichzeitig funktioniert der Roman aber auch ohne Vorwissen, da die wichtigsten Zusammenhänge schnell wieder verständlich werden.
Diesmal rückt außerdem das weit verzweigte Fugger-Netzwerk stärker in den Fokus. Kontore, Handelsrouten und politische Kontakte spielen eine größere Rolle als im ersten Band. Dadurch bekommt man einen besseren Eindruck davon, wie groß der Einfluss dieses Kaufmannshauses tatsächlich war und wie empfindlich selbst ein solches Machtgefüge werden kann, wenn an mehreren Stellen gleichzeitig Druck entsteht.
Was den Roman stark macht, ist die Atmosphäre. Die Welt der Kaufleute und politischen Allianzen wirkt detailreich und glaubwürdig. Man merkt, dass der Autor sich intensiv mit der Zeit beschäftigt hat. Besonders hilfreich sind auch das Figurenverzeichnis sowie ein Glossar und ein Nachwort, das erklärt, welche Elemente historisch belegt sind und wo die Fiktion beginnt.
Für Spannung sorgt vor allem das Ermittlerduo. Afra ist eine eigenwillige Figur, die sich nicht so recht in die Erwartungen ihrer Zeit einfügt, während Herwart eher der bodenständige Gegenpart ist. Zusammen geraten sie allerdings ziemlich oft in brenzlige Situationen. Der Roman setzt stark auf Action, Verfolgungen und überraschende Wendungen. Das sorgt zwar für Tempo, wirkt auf Dauer aber etwas repetitiv und lässt manche Entwicklungen etwas konstruiert erscheinen. Mir waren es einfach irgendwann zu viele Zufälle, was mich schon irgendwann gestört hat.
Trotz dieser Schwächen bleibt der Roman unterhaltsam. Wer Freude an historischen Stoffen hat, sich für die Welt der Fugger interessiert und eine Geschichte mit viel Bewegung und Intrigen sucht, findet hier eine solide Lektüre. Etwas Straffung hätte dem Buch vermutlich gutgetan, aber das historische Umfeld und die lebendige Darstellung der Epoche machen vieles wieder wett. 3 von 5 Sternen.