Wenn eine WG plötzlich nach Zuhause riecht
Manchmal kommt ein Buch daher wie diese eine WG Küche um zwei Uhr nachts. Ein bisschen Chaos, ein bisschen Rotwein im Kopf, irgendwo klappert ein Herz und keiner weiß so richtig, wer jetzt eigentlich wen ...
Manchmal kommt ein Buch daher wie diese eine WG Küche um zwei Uhr nachts. Ein bisschen Chaos, ein bisschen Rotwein im Kopf, irgendwo klappert ein Herz und keiner weiß so richtig, wer jetzt eigentlich wen retten soll.
Laute Nächte von Anne Freytag ist kein Roman, der laut brüllt. Der schleicht sich eher an, setzt sich neben dich und fragt irgendwann ganz frech: Na, alles gut verdrängt? Kenni trägt seine Trauer nicht dramatisch vor sich her, sondern eher wie eine Jacke, die viel zu schwer geworden ist. Und genau das hat mich erwischt.
Diese WG in Wien fühlt sich herrlich echt an. Paul, Elif, Julia und Kenni sind keine glatten Romanfiguren, sondern Menschen mit Ecken, Macken und dieser leichten Überforderung, die man Leben nennt. Besonders Elif bringt eine Energie mit, bei der man gleichzeitig grinsen und die Augen verdrehen möchte. So jemand nervt, bis man merkt, dass genau dieses Nerven vielleicht gerade gebraucht wird.
Die Geschichte springt durch Zeiten, Erinnerungen und offene Fragen. Das ist ruhig erzählt, manchmal fast tastend, aber nie kalt. Es geht um Verlust, Freundschaft, Schuld, Liebe und darum, dass das Leben einfach weiterläuft, auch wenn man selbst noch irgendwo am Straßenrand steht und nicht mitkommt.
Ganz ehrlich, an manchen Stellen hätte ich mir etwas mehr Tempo gewünscht. Ein paar Figuren hätten für mich noch mehr Raum bekommen dürfen. Aber die Atmosphäre, die Sprache und diese leise Wucht machen sehr viel wieder gut.
Und dann war da noch die tolle Bloggerbox von Ehrlich & Anders, bereitgestellt zum Buch, inklusive geheimer Mission 🤫 Da fühlt man sich natürlich direkt ein bisschen wie Teil dieser lauten Nacht. Nur ohne Kater. Hoffentlich.
Ein emotionaler, kluger und sehr menschlicher Roman, der nicht alles erklärt, aber vieles spürbar macht.