Krass. Einfach krass.
Dieses Buch ist so, so, so krass und hat mich so tief berührt, verstört, aufgewühlt und ehrlicherweise auch ein wenig zerstört.
Gleich der Einstieg in die Geschichte hält uns vor Augen, dass Sally anders ...
Dieses Buch ist so, so, so krass und hat mich so tief berührt, verstört, aufgewühlt und ehrlicherweise auch ein wenig zerstört.
Gleich der Einstieg in die Geschichte hält uns vor Augen, dass Sally anders ist und in ihrer eigenen Welt lebt. Was anfänglich noch beinahe makaber lustig erscheint, entpuppt sich bald als äußerst tragische Story. Nicht nur wir lernen Sallys grauenhafte Geschichte peu à peu kennen, auch Sally lernt sich selber kennen. Und je mehr wir von der schrecklichen Backgroundstory erfahren, desto schlüssiger wird, warum Sally so abgekoppelt von ihren Gefühlen ist. Und so ambivalent Sally auch sein mag, fühle ich doch so sehr mit ihr und verstehe sie erschreckend gut- Doch genau das wird mir beim weiteren Lesen zum Verhängnis, weil ich es nicht mehr schaffe, eine Distanz zu dieser Geschichte von schwerstem Missbrauch und den Folgen für ganze Generationen aufrecht zu halten und davon völlig ungeschützt überrannt werde.
Die Handlung entwickelt sich rasch zu einem regelrechten Thriller, denn wir als Leser erfahren in Rückblicken unsägliche Dinge. Das Lesen fühlt sich streckenweise an, wie sich durch ein Dornengestrüpp zu kämpfen. Kaum ist der erste Schock verdaut, steigert sich das Grauen und Leid ins Unermessliche. Zwischendurch ist es für mich kaum auszuhalten, und insbesondere eine Figur der Vergangenheitsebene bringt mich an meine Schmerzgrenze, und doch konnte ich gleichzeitig das Buch nicht mehr aus der Hand legen.
Am Ende des Romans bin ich emotional ausgelaugt, ernüchtert, verstört und entsetzt, und ich habe Redebedarf. Aber dieses Buch hat etwas mit mir gemacht, und der Nachhall ist immens. Ein klug aufgebauter Roman, sprachlich perfekt an die Gegebenheiten angepasst und durch die hohe Realitätsnähe ehrlich erschütternd.