Bathseba und David
Inspiriert von der zweiten Strophe von Leonhard Cohens „Halleluja“ und/oder dem elften Kapitel des zweiten Buchs Samuel erzählt Ruben Laurin sehr frei die Geschichte von Bathseba und König David.
Er beginnt ...
Inspiriert von der zweiten Strophe von Leonhard Cohens „Halleluja“ und/oder dem elften Kapitel des zweiten Buchs Samuel erzählt Ruben Laurin sehr frei die Geschichte von Bathseba und König David.
Er beginnt weit vor der biblischen Erzählung und lässt Bathseba David als Jugendliche begegnen. Bathseba verliebt sich sofort in den jungen Hirten, der ihre Gefühle zu erwidern scheint. Aber Bathseba ist Uriah versprochen, der den Brautpreis bereits gezahlt hat. Uriah ist hier nicht nur ein unerschrockener Krieger, sondern vor allem ein brutaler Ehemann. Bathseba kann David nicht vergessen, auch weil er inzwischen König geworden ist und somit allgegenwärtig. Und sie versucht alles, um ihn zu verführen – mit Erfolg.
Ruben Laurin erzählt die Geschichte der beiden in unterschiedlichen Zeitperspektiven, die nicht immer auf den ersten Blick erkennbar sind. Eine Hinweis zu Beginn der jeweiligen Kapitel wäre hilfreich.
Die Protagonisten sind lebendig gezeichnet und gut vorstellbar. Zu Beginn wird Bathseba als eine selbstbewusste junge Frau dargestellt, die sich zu behaupten versucht. Dann jedoch erscheint sie eher selbstsüchtig und berechnend, was mir teilweise etwas überzogen vorkommt. Auch David wird nicht nur positiv dargestellt, was ich sehr viel realistischer finde. Seine eingestreuten Lieder sind sehr poetisch und zeigen seinen tiefen Glauben. Auf der anderen Seite ist er aber auch König und handelt als solcher, wobei er zumindest in einem Fall etwas über das Ziel hinausschießt.
Sehr gut haben mir die kurzen Kapitel gefallen, die den drei Teilen jeweils vorangestellt wurden. Hier wird der Leser/die Leserin direkt einbezogen. Eine schöne Idee.
Eine Karte von Palästina zu der damaligen Zeit, ein Personenverzeichnis und ein Glossar runden den Roman ab. Und selbstverständlich ist die zweite Strophe des Cohens-Songs vorangestellt. Ein Nachwort verweist auf weitere Autoren, die sich diesem Stoff angenommen haben und gibt weitere Einblicke bzw. Erläuterungen.
Fazit: eine Geschichte, die mich gut unterhalten hat und die ich gern gelesen habe. Wer allerdings die Nähe zum Bibeltext erwartet, dürfte enttäuscht werden.