Märchenhafter Perspektivwechsel
In ihrer Novelle “Dornenhecke” erzählt T. Kingfisher das Märchen von Dornröschen neu. Hier geht es nicht darum, die schlafende Prinzessin zu erwecken. Im Gegenteil. Es ist Krötlings Aufgabe, die lästig ...
In ihrer Novelle “Dornenhecke” erzählt T. Kingfisher das Märchen von Dornröschen neu. Hier geht es nicht darum, die schlafende Prinzessin zu erwecken. Im Gegenteil. Es ist Krötlings Aufgabe, die lästig eifrigen Prinzen genau davon abzuhalten. Und das aus gutem Grund.
Seit “Wie man einen Prinzen tötet” ist T. Kingfisher für mich die Königin der Märchenadaptionen. Mit "Dornenhecke" hat sie diesen Titel verteidigt. Stilistisch trifft sie genau diesen sanften, erzählerischen Ton, der, zusammen mit einer Prise naiver Unschuld, diese entrückte Märchenatmosphäre erzeugt und zum Schwelgen einlädt. Dazu schafft sie es verblüffend und überzeugend zugleich, klassische Märchenelemente aufzugreifen und diesen eine neue Perspektive zu verleihen. Besonders aber lebt auch diese Novelle von den Charakteren. Auch sie folgen den klassischen Rollen - füllen diese aber mit ihren Unzulänglichkeiten und Eigenheiten auf ganz neue Weise und überaus sympathisch aus.
“Dornenhecke” ist ein wunderbar schräges, herzerwärmendes Abenteuer - sowohl spannend und würdevoll, wie auch leise und absurd. Kingfisher hat es geschafft, etwas Altbekanntes völlig neu aufzulegen, ohne das Vertraute zu opfern.
Ich bedanke mich beim Crosscult Verlag für das Rezensionsexemplar. Meine Meinung bleibt natürlich und wie immer trotzdem meine eigene.