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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 13.03.2026

Inhaltlich interessant, in der Umsetzung langweilig

How to Kill Fate (Fate Dilogie, Bd. 2)
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Nachdem im ersten Band das Schicksal bekämpft wurde, geht es in diesem zweiten Band also um die Frage “How to kill Fate”. Das Konzept der Welt, die Logik der Geschichte und der Ereignisse fand ich auch ...

Nachdem im ersten Band das Schicksal bekämpft wurde, geht es in diesem zweiten Band also um die Frage “How to kill Fate”. Das Konzept der Welt, die Logik der Geschichte und der Ereignisse fand ich auch hier überzeugend und ansprechend. Vielleicht zu logisch - denn einige, auch grosse, Twists waren von weither abseh- und durchschaubar. Trotzdem, einige kleine Überraschungen blieben und im Allgemeinen blieb der Plot befriedigen.
Und auch die Figuren und ihre Persönlichkeiten konnten mich weiterhin abholen - insbesondere das Liebespaar Kiana und Tyron wirken weiterhin glaubwürdig in ihrer gemeinsamen und individuellen Entwicklung. Es war einigermassen interessant zu verfolgen, wie sich ihre Liebe und vor allem das Verständnis für diese, weiter entwickelten und diskutiert wurde.
Diskutiert - das ist hier leider der Hacken. Es scheint, die Autorin wollte wirklich sicher gehen, dass die Message bei den Leser:innen ankommt. Also ist das Buch überladen mit inneren Monologen und intellektueller Auseinandersetzung mit den Ereignissen. Manchmal fühlt es sich nach Wiederholung an. Manchmal, als würde die Autorin mich für blöd halten. Aber meistens unterbricht es vor allem den Erzählfluss und verlangsamt die Handlung bis zum Punkt, dass mir langweilig wurde und ich queer lesen musste.

“How to kill Fate” ist an sich eine spannende und überzeugende Geschichte, die auch von ihren starken und definierten Hauptcharakteren lebt. Sie schwächelt aber in der statischen und belehrenden Umsetzung.

Ich bedanke mich bei netgalley und beim Ueberreuter Verlag für das Rezensionsexemplar. Meine Meinung bleibt natürlich und wie immer trotzdem meine eigene.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 13.03.2026

Willkommen im globalen Dorf!

Liefern
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Im Roman “Liefern” liefert Tomer Gardi einen interkontinentalen Einblick in die Welt der Lieferdienste. Überall etwas anders und doch ist das Prinzip und System auf der ganzen Welt das gleiche. Die Massen ...

Im Roman “Liefern” liefert Tomer Gardi einen interkontinentalen Einblick in die Welt der Lieferdienste. Überall etwas anders und doch ist das Prinzip und System auf der ganzen Welt das gleiche. Die Massen verlangen nach Essen - bequem, schnell, an die Tür. Der Markt mit einer Monsterindustrie geantwortet, in der jene, die keine Alternative haben, einmal mehr unter prekären Arbeitsbedingungen das globale Bedürfnis nach Bequemlichkeit befriedigen. Fast Food next Level.
Und hier punktet Gardi mit seinem Buch - er gibt der gesichtslosen Massenware Arbeitskraft, die vor unserer Tür auftaucht und wieder in der Anonymität verschwindet, eine Geschichte, Motive, Identität und ein Gesicht. Er benennt das System der Ausbeutung dahinter, zeigt, wie Menschen zu einer Nummer von vielen werden und weshalb. Vielleicht denken wir das nächste Mal darüber nach, bevor wir für den gerade erhaltenen Service eine Bewertung abgeben. Darüber, was ein einfacher Klick für einen anderen Menschen bedeuten kann. Darüber, dass dieser Lieferant auch ein Mensch ist - keine Maschine! -, der in und mit seinen Umständen lebt. Und vielleicht überkommt uns auch etwas Nachsicht mit den verrückten Kamikazefahrern, die von Nachfrage und Industrielogik getrieben, auf den Strassen buchstäblich unseren Weg kreuzen. Message delivered!
Gelungen ist Gardi auch der Textfluss - leicht getrieben, eine Kaskade an Schwadronieren und Fokus in einem, eine faszinierende Mischung aus Alltag und Aussergewöhnlichkeiten. Es war schwer, das Buch zur Seite zu legen, wenn ich mal drin war. Es hat mich allerdings nicht gerufen, wenn ich es nicht in der Hand hatte. Dafür gab es zu viele Teile, die für mich zu wenig in die Hauptthematik reingepasst haben. Glatzköpfige Männer auf ihrer Suche nach Erlösung, eine verliebte Studentin in Indien, eine Mutter, die ihren verlorenen Sohn nicht loslassen kann - sie waren für mich eher Ablenkung, haben mit ihrer Ausführlichkeit zu weit vom Fokus und dem Grund abgelenkt, weshalb ich dieses Buch eigentlich interessant fand.

“Liefern” war für mich im Kernthema interessant und fesselnd, hat mich aber an Nebenschauplätzen verloren, die zu breit ausgetreten wurden. Obwohl ich dieses fragmentierte Erzählen grundsätzlich gerne lese, war die Sache hier für mich nicht ganz rund.

Ich bedanke mich bei Vorablesen und dem Tropen Verlag für das Rezensionsexemplar. Meine Meinung bleibt natürlich und wie immer trotzdem meine eigene.

Veröffentlicht am 17.12.2025

Mutter der Monster

The Witch's Heart - Das Verhängnis
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Im Einzelband “The Witch’s Heart - Das Verhängnis” erzählt Genevieve Cornichec die Geschichte der Angrboda, einer Riesin und Hexe der nordischen Mythologie. Sie rückt damit nicht nur eine weibliche Perspektive ...

Im Einzelband “The Witch’s Heart - Das Verhängnis” erzählt Genevieve Cornichec die Geschichte der Angrboda, einer Riesin und Hexe der nordischen Mythologie. Sie rückt damit nicht nur eine weibliche Perspektive ins Zentrum ihrer Neuinterpretation, sondern wechselt auch die Seiten. Denn Angrboda steht nicht an der Seite der Asen, der glänzenden Götter von Asgard. Sie ist eine Aussenseiterin, gejagt und wegen ihrer Gaben begehrt vom Göttervater Odin persönlich. Sie ist eine der Gemahlinnen von Loki und die Mutter der Monster, die während Ragnarök ihren grossen Auftritt haben.

Ich bin keine grosse Kennerin der nordischen Mythologie - die groben Eckdaten und grossen Namen sind alles, worauf ich bei der Lektüre zurückgreifen konnte. Ob Cornichecs Interpretation also akkurat ist, kann ich nicht beurteilen. Für mich fühlte sich die Geschichte inhaltlich aber stimmig an. Die Verweise auf die grossen Ereignisse ausserhalb Angrbodas begrenzter Perspektive brachten Tiefe in die Erzählung und den Eindruck, dass ich hier ein Stück des Grossen Ganzen lese, als würde ein Licht auf ein bis anhin im Schatten gebliebenes Puzzleteil des Kanons geworfen.

Gefallen hat mir auch der Stil der Erzählung. Die Erzählstimme ist weich und ruhig und unaufgeregt - was die Ungeheuerlichkeiten und die Dramatik des Inhalts angenehm kontrastiert. Angrboda ist einfach. Sie beobachtet ihre Umgebung, die Ereignisse und Figuren um sie herum, ihre Beziehungen, ihr Leben, ihre Kinder und sich selbst. Diese Unaufgeregtheit hat ihren Charme und ihre Wirkung, führt aber auch immer wieder zu zähen, langatmigen Abschnitten - und einem Gefühl des Stillstands und der Wiederholung.
Das - und das Fehlen von Kapiteln - machten dieses Buch zu einem merkwürdig entrückten Leseerlebnis. Anstatt eines Soges stellte sich bei mir eher ein Gefühl des zeitlosen Schwelgens (und manchmal Dümpelns) ein. Nicht wirklich unangenehm, aber definitiv ungewohnt. Und eigentlich ganz passend zu dieser Geschichte, in der nie wirklich klar wird, wie viel Zeit eigentlich gerade vergeht.

Angrbodas absurde Geschichte - ihre Beziehung zu Loki, ihr Leben in relativer Einsamkeit, ihre Liebe zu und ihre Sorge um ihre Kinder, aber auch ihr Hadern mit ihrer Situation, ihre Rolle als strukturelle Antagonist und Protagonistin ihres eigenen Lebens, ihre passive Aktivität - hat mich berührt und auf eine unaufgeregte Weise gefesselt. Es war gleichzeitig ein faszinierendes wie auch anstrengendes Leseerlebnis - was rückblickend und metaphorisch eigentlich ziemlich gut zum Inhalt passt.

Ich bedanke mich beim Lübbe Verlag für das Rezensionsexemplar. Meine Meinung bleibt natürlich und wie immer trotzdem meine eigene.

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  • Charaktere
Veröffentlicht am 17.12.2025

Märchenhafter Perspektivwechsel

Dornenhecke
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In ihrer Novelle “Dornenhecke” erzählt T. Kingfisher das Märchen von Dornröschen neu. Hier geht es nicht darum, die schlafende Prinzessin zu erwecken. Im Gegenteil. Es ist Krötlings Aufgabe, die lästig ...

In ihrer Novelle “Dornenhecke” erzählt T. Kingfisher das Märchen von Dornröschen neu. Hier geht es nicht darum, die schlafende Prinzessin zu erwecken. Im Gegenteil. Es ist Krötlings Aufgabe, die lästig eifrigen Prinzen genau davon abzuhalten. Und das aus gutem Grund.

Seit “Wie man einen Prinzen tötet” ist T. Kingfisher für mich die Königin der Märchenadaptionen. Mit "Dornenhecke" hat sie diesen Titel verteidigt. Stilistisch trifft sie genau diesen sanften, erzählerischen Ton, der, zusammen mit einer Prise naiver Unschuld, diese entrückte Märchenatmosphäre erzeugt und zum Schwelgen einlädt. Dazu schafft sie es verblüffend und überzeugend zugleich, klassische Märchenelemente aufzugreifen und diesen eine neue Perspektive zu verleihen. Besonders aber lebt auch diese Novelle von den Charakteren. Auch sie folgen den klassischen Rollen - füllen diese aber mit ihren Unzulänglichkeiten und Eigenheiten auf ganz neue Weise und überaus sympathisch aus.

“Dornenhecke” ist ein wunderbar schräges, herzerwärmendes Abenteuer - sowohl spannend und würdevoll, wie auch leise und absurd. Kingfisher hat es geschafft, etwas Altbekanntes völlig neu aufzulegen, ohne das Vertraute zu opfern.

Ich bedanke mich beim Crosscult Verlag für das Rezensionsexemplar. Meine Meinung bleibt natürlich und wie immer trotzdem meine eigene.

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Veröffentlicht am 03.11.2025

Spannung ohne Tiefgang

Die Buchreisenden - Eine Tür aus Silber und Lügen
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“Eine Tür aus Silber und Lügen” ist der zweite Teil und Abschluss von Akram El-Bahays Dilogie “Die Buchreisenden”. Diese Rezension enthält möglicherweise Spoiler zum ersten Band.

Adam, Elisa, William ...

“Eine Tür aus Silber und Lügen” ist der zweite Teil und Abschluss von Akram El-Bahays Dilogie “Die Buchreisenden”. Diese Rezension enthält möglicherweise Spoiler zum ersten Band.

Adam, Elisa, William und ihr Team aus Buchfiguren machen sich auf die Jagd nach den letzten Sätzen und Büchern, um die silberne Tür zu öffnen - und hoffentlich endlich Jane Archer zu befreien. Es gilt den Sommernachtstraum zu ergattern, das noch unbekannte Buch zu identifizieren und sich dem Vampyr zu stellen. Und die skrupellosen Libronauten sind ihnen dicht auf den Fersen. Die Zeichen stehen auf Action - und die liefert das Buch auch. Rasant und zunehmend atemlos fegen die Protagonisten durch die Handlung, stellen sich ihren Gegnern, enthüllen Geheimnisse, fahren Verluste ein.
Hohes Tempo, hohes Spannungsniveau? Ja, aber dieses pausenlose Rumgehetze von einer (Lebens)Gefahr in die nächste hat mich beim Lesen auch etwas abgestumpft. Wie schon im ersten Band gab es wenige Erholungspausen, in denen sich die Figuren und Leser:innen den Verlusten und Beziehungen widmen durften. Vielleicht sogar noch weniger. Jedenfalls zu wenige für mich. Die Figuren waren mir noch gleichgültiger und/oder unsympathischer als im ersten Band - das hat das Buch für mich eher zu einer Abfolge emotionsloser Actionszenen gemacht, bei denen ich nicht so wirklich mitfiebern konnte. Dafür blieb meine Konzentration an all den kleineren und grösseren Logiklücken und Plotholes hängen, die das Buch leider auch bietet. Auf viele meiner Fragen kann ich mir keine andere Antwort denken als “weils der Plot verlangt”. Und leider haben mich auch die bereisten Welten diesmal weniger abgeholt. Die liebevollen und phantastischen Details und Tiefen waren zu rar gesät und haben durch die Atemlosigkeit der Geschichte zu wenig Platz erhalten.
Und obwohl mir die propagierte moralische Botschaft als solche gefällt, fand ich sie im präsentierten Kontext nicht stimmig sondern aufgesetzt.

‘Eine Tür aus Silber und Lügen‘ rundet die Dilogie temporeich und grösstenteils schlüssig ab, bleibt für mich aber emotional belanglos. Etwas mehr Raum für Figuren und Atmosphäre hätte der Geschichte gutgetan. Wer gerne plotgetriebene Geschichten liest mag hier auf seine Kosten kommen. Für mich war die Handlung zu sehr konstruiert und die Figuren zu flach.

Ich bedanke mich beim Lübbe Verlag für das Rezensionsexemplar. Meine Meinung bleibt wie immer trotzdem meine eigene.

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  • Fantasy