Eine Geschichte, wie Pergament. Rau, alt und erzählt Geschichte
Was ich vor dem Lesen dieser Geschichte nicht wusste? Sie beruht auf wahren Begebenheiten und wurde durch eigene Fiktion der Autorin ergänzt. Während des ganzen Lesens hatte ich das Gefühl eine intelligente ...
Was ich vor dem Lesen dieser Geschichte nicht wusste? Sie beruht auf wahren Begebenheiten und wurde durch eigene Fiktion der Autorin ergänzt. Während des ganzen Lesens hatte ich das Gefühl eine intelligente und ausgereifte Geschichte zu lesen. Aus jedem Satz liest man die genaue Recherche der Autorin heraus. Hannah Kent hat den Geist Islands und der damaligen Zeit in Worten eingefangen und vermittelt nebenbei interessante Fakten.
Diese Geschichte macht es einem unmöglich schnell zu Lesen, Zeilen zu überfliegen und nicht an den Seiten zu haften. Jeder Satz ist ein Juwel. Die Autorin schreibt so besonders, metaphorisch und einprägsam. Beschreibungen, wie „ihre Hand fühlt sich an wie Pergament“ statt „ihre Hand ist rau und faltig“ oder „die Sonne erstreckt sich langsamer als sonst, als wäre sie müde“, um die verkürzten Tage im Herbst zu beschreiben, machen dieses Buch zu einem besonderen Leseerlebnis.
Ich wurde völlig eingefangen von ihrer Art zu schreiben und ihrer Erzählung rund um Agnes. Auch weiterhin wurde es mir leicht gemacht, diese Geschichte zu lesen mit der angenehmen Art der Protagonistin. Agnes ist bodenständig, arbeitstüchtig, ruhig und durch ihr Leben gezeichnet.
In jeder Situation habe ich mit ihr gefühlt und sie für ihre Stärke bewundert. Doch wurde auch schnell meine Neugier geweckt und ich habe begonnen mir eine Reihe an Fragen zu stellen. Wie konnte es zu einer Anklage bei so einer Frau kommen? Was muss wohl Geschehen sein? Welche Erfahrungen haben sie im Leben geprägt? Durch Außenperspektiven, Gedankeneinblicke bei Agnes oder mit Hilfe von Erzählungen der Vergangenheit bekommt der Leser Schritt für Schritt ein klareres Bild von ihr.
Agnes ist aus meiner Perspektive, eine mehr als nuanciert dargestellte Hauptfigur. Doch auch weitere Charaktere wurden greifbar beschrieben. Insbesondere die Familie, die Agnes beherbergen sollten, wurden mit all ihren Ängsten, aber auch Alltagssorgen und ihrer Empathie, vielseitig in Worten eingefangen.
Auf den letzten Seiten des Buches gibt es eine Ausführung der recherchierten, wahren Begebenheiten sowie der fiktiven Elemente oder Details zu den eigenen Interpretationen der Autorin. Dieser Abschluss rundete die für mich unfassbar tolle Leseerfahrung perfekt ab.
Fazit:
Einfach nur Wow! Ich bin so unglaublich dankbar ein so grandios geschriebenes Stück Geschichte gelesen zu haben. Hannah Kent ist Schriftstellerin der Extraklasse. Der Umgang mit Worten und die Darstellung der Charaktere, meisterte sie hier mit Links.
(Es sei betont, dass dieses Buch fiktive Elemente beinhaltet und eindeutig als Unterhaltungsliteratur geschrieben wurde. Nicht als geschichtliche Lernlektüre o.ä.)