Volkskultur trifft Hochkultur
Meine Meinung
Dem Autor ist mit „Letzter Landler“ die Fortsetzung seiner Reihe rund um den Bezirksinspektor Franz Gasperlmaier im Ausseerland bestens gelungen. Der neue Fall mit dem Gasperlmaier wurde ...
Meine Meinung
Dem Autor ist mit „Letzter Landler“ die Fortsetzung seiner Reihe rund um den Bezirksinspektor Franz Gasperlmaier im Ausseerland bestens gelungen. Der neue Fall mit dem Gasperlmaier wurde von mir bereits inniglich herbeigesehnt und das Warten darauf hat sich gelohnt.
Der Gasperlmaier ist und bleibt ein Original und entspricht in so vielem der österreichischen Seele eines braven Mannes. Er macht sich Gedanken um seine Lieben und will auf jeden Fall, dass es ihnen so gut wie möglich geht. Seiner Ehefrau Christine ist Franz liebevoll zugetan, auch wenn sie diejenige ist, die zu Hause den Ton angibt. Mit dem in der Nähe lebenden Sohn, der Schwiegertochter und den beiden Enkelkindern, der Tochter und deren Gattin, die immer öfter den Weg zurück von Wien ins Elternhaus finden, wo sie im oberen Stockwerk des gasperlmaierschen Hauses eine Einliegerwohnung hergerichtet haben, ist die Familienidylle nahezu perfekt. Zusätzlich kommen die Schwiegereltern aus Kanada für einige Wochen zu Besuch und so ist das Privatleben gut gefüllt. Die Lektüre fühlte sich für mich wie ein Heimkommen in die Familie Gasperlmaier an.
Dass der Gasperlmaier öfter über seinen traditionsbeschwerten Schatten springen muss, nimmt er besonders der Familie zuliebe gerne in Kauf. Er stellt sich mit heroischem Gleichmut allen Neuerungen, sei es nun technischer oder gesellschaftlicher Art, und versucht sie, auch wenn er manches nicht so ganz versteht, in seinen Alltag zu integrieren oder zumindest zu akzeptieren.
Der Gasperlmaier ist kein taffer, cooler Ermittler, doch gerade das macht ihn so sympathisch. Er ist tief verwurzelt in seinem Ausseerland und glaubt prinzipiell an das Gute im Menschen. Einem gschmackigen Essen und einem Bier ist er nicht abgeneigt und ab und an ein Schnapserl mit seinem Nachbarn Altmann darf auch nicht fehlen.
Herbert Dutzlers Schreibstil gefällt mir als Fan der Reihe nach wie vor sehr. Er verpackt den Kriminalfall mit Leichtigkeit in eine kurzweilige und humorvolle Geschichte, die durchaus auch kritische Themen wie z. B. sexuelle Übergriffe, Drogenmissbrauch und sexistisches Verhalten behandelt. Es überschlugen sich die Ereignisse und eine Vielzahl an möglichen Verdächtigen machte es mir nicht leicht, zu erraten, wer nun für die Toten verantwortlich sein könnte. Sobald ich meinte, den oder die ÜbeltäterInnen ausgemacht zu haben, ergab sich durch eine neue Wendung wieder ein ganz anderes Bild. So blieb der Roman spannend bis zum Schluss und zur Auflösung des Falles.
Der Autor schaffte es mit seinen detailreichen Schilderungen der Umgebung und der Charaktere, dass ich mich direkt selbst in der Kulisse des Ausseerlandes und mitten in den Ermittlungen sah. Die österreichisch gefärbte Ausdrucksweise seiner ProtagonistInnen macht das Buch zu einem liebenswerten Stück Heimatkunde. Auch die Seitenhiebe auf den Innviertler Landler und das Mühlviertel als Heimat seines Polizeikollegen Kevin fand ich amüsant.
Für mich war es ein großartiges Lesevergnügen und ich wünsche dem Gasperlmaier, dass seine Kollegin Manuela bald aus der Elternkarenz in die Dienststelle zurückkehrt und er in alter Manier seinen treuen LeserInnen eine Fortsetzung der Reihe präsentieren kann.
Mein Fazit
Wer auf der Suche nach einem spannenden Krimi mit viel österreichischem Lokalkolorit und einem äußerst bodenständigen und sympathischen Ermittler ist, dem sei "Letzter Landler" von Herbert Dutzler wärmstens empfohlen. Ein herrliches Lesevergnügen und darum von mir eine absolute Leseempfehlung!