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Veröffentlicht am 16.10.2021

Kriegserklärung

Flame & Arrow, Band 1 - Drachenprinz
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Kaylee ist eine mega Fae-Kriegerin, die ihr ganzes Leben lang trainiert, wie man Drachen tötet. Aidan ist ein Drachenprinz, der sein ganzes Leben lang zuschaut, wie sein Vater regiert. Als die Fae den ...

Kaylee ist eine mega Fae-Kriegerin, die ihr ganzes Leben lang trainiert, wie man Drachen tötet. Aidan ist ein Drachenprinz, der sein ganzes Leben lang zuschaut, wie sein Vater regiert. Als die Fae den Drachen ein Angebot machen, das sie nur ablehnen können und es so aussieht, als könnte ein Krieg entstehen, schicken sowohl die Fae-Königin als auch der Drachenkönig die beiden an ein College. Dort sollen beide herausfinden, was ... ach ... ehrlich? Keine Ahnung. Das ganze Buch ergibt so was von keinen Sinn, das tat schon weh.

Also, es gibt Drachen, die aber eigentlich immer als Menschen rumrennen. Dann gibt's die Fae, das sind die krassen Drachentöter, die alles abschlachten, was bei drei nicht auf dem Baum ist. Zumindest die Heldin des Buches ist so. Dann sind die Fae der Meinung, wenn sie anderen quasi einen Pferdekopf ins Bett legen, ist das für die anderen ein mega Angebot. Und wenn die anderen das nicht ganz so sehen, ist das ein Grund für einen Krieg. Dann gibt's noch ein paar Hexen, die eigentlich mit einem Schnips ihrer Finger die ganzen kriegerischen Auseinandersetzungen verhindern könnten, machen die aber nicht, weil ... isso. Dass da irgendwelche Völker existieren in der Neuzeit, die noch Könige und Königshöfe und das Benehmen aus dem Mittelalter haben: isso.

Dann die Logik: Ja, wenn es zum Krieg kommt, dann schicke ich meinen Thronfolger mal eben an ein College. Damit wir nicht alle an einem Platz herumlungern. Klar. Ich würde ja vielleicht jemanden, der mir am Herzen liegt und der auf jeden Fall überleben muss, in einen Bunker stopfen oder á la 100 ins Weltall schießen oder so. Aber auf ein College schicken, wo alles offen und kaum zu bewachen ist? Muss man erstmal auf die Idee kommen. Klasse Strategie.

Auch der Teaser ist mega: Vertraut sie ihm, verliert sie ihr Herz. Vertraut er ihr, verliert er sein Leben. Echt krasses Risiko für das Mädel. Andererseits muss einen Grund geben, warum der Drachen als Prinz Valium angelegt wurde. Er war so dermaßen gechillt, dass einem beim Lesen die Augen zuklappten. Dasselbe habe ich dann auch mit dem Buch getan.

Veröffentlicht am 12.10.2021

Morde und Mysterien

Ansuz – Das Flüstern der Raben (1)
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Anne ist eine Waise, die vom System enttäuscht ist und keinen Menschen traut. Sie kennt es auch nicht anders, als dass andere sie hassen, verachten und sogar misshandeln möchten. Doch mit dem Eintritt ...

Anne ist eine Waise, die vom System enttäuscht ist und keinen Menschen traut. Sie kennt es auch nicht anders, als dass andere sie hassen, verachten und sogar misshandeln möchten. Doch mit dem Eintritt in die Oberstufe ändert sich alles. Nicht nur, dass plötzlich Leute auf sie zukommen und ihre Freunde sein möchten, sie erfährt mit einem Mal, dass es Dinge zwischen Himmel und Erde gibt, von denen sie nie gewagt hätte zu träumen. Zum Beispiel, dass Dinge aus der nordischen Mythologie wahr sind - und sie zwischen vielen Fronten steht. Und dann ist da auch noch ein Mörder, der Mädchen umbringt und ihnen eine Rune in die Haut ritzt, und Anne bekommt das Gefühl, dass dieser Mörder auch hinter ihr her ist, haben diese Mädchen doch eine große Gemeinsamkeit mit ihr ...

Wow, das ist ja mal so ein 800-Seiten-Buch, das erst mal beinahe Furcht einflößt. Doch dann fängt man an zu lesen und schon steckt man mitten in der Provinz in Dänemark, dort, wo sich eigentlich nur Hase und Fuchs gute Nacht sagen - und offensichtlich halb Asgard. Anne ist keine typische YA-Protagonistin, auch wenn sie auf gewisse Weise auserwählt ist. Sie ist mürrisch, abweisend und misstrauisch, und das nicht, um besonders cool herüberzukommen, sondern aus Erfahrung. Das kann manchmal anstrengend werden, war jedoch so gut wie nie abwegig. Die anderen Charaktere des Buches waren durchaus interessant angelegt und bis auf den mir auf den Sack gehenden Bad-BoySchrägstrichLoveInterest sehr coole und mehrschichtige Personen, die ich mochte oder auch nicht, aber die gut ankamen.

Manche Dinge haben mich geärgert: Wie ständig über Annes Kopf hinweg entschieden wurde oder das dumme Verhalten des LoveInterests. Aber trotzdem hat mich dieses dicke Buch derart mitnehmen und faszinieren können, dass ich mich auf 800 Seiten nicht eine Minute lang gelangweilt habe und jetzt am liebsten gleich den nächsten Band hinterherlesen möchte. 4,5/5 Punkten.

Veröffentlicht am 05.10.2021

Opa un

Malvina Moorwood (Bd. 2)
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Malvina könnte es so gut haben. Erst vor kurzem haben Tom und sie das Schloss der Familie Moorwood gerettet, doch jetzt fallen ihr gleich zwei bedenkliche Sachen auf: Sowohl Tom als auch ihr Papa ... gehen ...

Malvina könnte es so gut haben. Erst vor kurzem haben Tom und sie das Schloss der Familie Moorwood gerettet, doch jetzt fallen ihr gleich zwei bedenkliche Sachen auf: Sowohl Tom als auch ihr Papa ... gehen fremd. Tom trifft sich einfach mit Agatha, der blöden Ziege und Papa - wer zum Teufel ist das überhaupt? Und dann wird bei den Ausgrabungen zum Pool eine Leiche ... okay, ein Skelett gefunden. Und Opa steht plötzlich unter Mordverdacht, war er doch der Einzige, der vor über 40 Jahren hier gelebt hat. Opa haut ab. Malvina bekommt mal wieder Nachrichten aus dem Jenseits. Tom ist skeptisch. Und Mama will wegziehen? Da muss sie natürlich etwas unternehmen, um den guten Ruf der Familie wieder herzustellen ...

Wie schon Teil 1 ist auch dieses Buch wieder ein amüsantes Kinderabenteuer mit Malvina, der manchmal zickigen kleinen Schlossbewohnerin und Tom, dem Sohn des tomatenwitzeerzählenden Polizeichefs. Hier ist Malvina um einiges weniger manipulativ und daher liebenswerter und Tom ist einfach ... Tom. Der beste Freund, den sich nicht nur Schlossbewohner wünschen können, ist er doch clever und loyal. Bei diesem Abenteuer gab es wieder viele Rätsel zu lösen, wobei man oft hinter den Schlussfolgerungen der Kinder hinterherstolperte. Nichtsdestotrotz war es spannend, unterhaltsam und mit jeder Menge Eastereggs versehen, über die sich wahrscheinlich nur Erwachsene amüsieren, aber sei's drum. Irgendwann gehört die Zielgruppe auch zu der bedauernswerten Spezies der Erwachsenen. Der Schluss weist bereits auf das dritte Abenteuer der beiden hin, das mein Vorlesekind und ich ebenfalls auf keinen Fall verpassen möchten.

Veröffentlicht am 01.10.2021

Grenzen erfahren

Eis. Abenteuer. Einsamkeit
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Wenn man Richard Löwenherz heißt, hat man wahrscheinlich keine Wahl: Man muss König oder Abenteurer werden. Und da es mit Königen in diesem Land recht rar gesät ist, bleibt nur der Abenteurer übrig. Richard ...

Wenn man Richard Löwenherz heißt, hat man wahrscheinlich keine Wahl: Man muss König oder Abenteurer werden. Und da es mit Königen in diesem Land recht rar gesät ist, bleibt nur der Abenteurer übrig. Richard ist dafür der König der Abenteurer, denn er sucht sich immer die absoluten Grenzerfahrungen aus. Mit diesem Buch nimmt er uns mit in den Winter Sibiriens, ins tiefste Jakutien, dorthin, wo es Straßen gibt, die nur in Eis und Schnee befahrbar sind. Und das tut er, fahren und ERfahren. Mit einem Fatbike, über 80 Kg Gepäck und jeder Menge Motivation, Erfahrung von vorherigen Reisen und einem Mindset, in dem Aufgeben nicht zum Wortschatz gehört, macht er sich auf eine atemberaubende Reise.

Ich habe bis vor ein paar Jahren selbst noch gern Radreisen (natürlich um 1000 Prozent harmlosere und ungefährlichere) gemacht, also war klar, dass mich so ein Abenteuer reizt: wenn auch nur im Warmen sitzend, Tee trinkend, Lebkuchen essend. Der "lonely traveller" nimmt uns in seinem Reisebericht mit: erzählt uns nicht nur von der unfassbaren Kälte in diesem Land, sondern auch von der rauen und unwirtlichen Gegend, vom Werchojansker Gebirge, von dem Gefühl, wie es ist, nicht nur allein Wind, Eis, Schnee und Wetter zu trotzen, sondern auch dem Gefühl, auf einem zugefrorenen Fluss - später sogar auf dem Meer - zu fahren. Es kommt zu gefährlichen Situationen, einfach weil diese Bedingungen so unwahrscheinlich hart sind. Und es kommt auch zu faszinierenden Begegnungen mit den Leuten, die so unwahrscheinlich herzlich sein können. Dazu zeigt uns der Autor Bilder und Fotos, die zum Träumen oder Frieren einladen und gibt Informationen zu Land, Leuten und Reisen. Es macht einfach Lust auf mehr - auf mehr Abenteuer im Leben, auf mehr Bücher dieser Art und vielleicht, ganz vielleicht springt ein Funke über und man macht sich Gedanken über seine eigene, nächste (Rad)Reise.

Veröffentlicht am 26.09.2021

Der alte Tom

Der Tod und das dunkle Meer
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1634. Die Ostindienkompanie ist so ziemlich die mächtigste Gesellschaft der Welt. Als von Batavia aus sieben Schiffe in See stechen, um nach Amsterdam zu segeln, sind nicht nur viele Hoffnungen und Träume, ...

1634. Die Ostindienkompanie ist so ziemlich die mächtigste Gesellschaft der Welt. Als von Batavia aus sieben Schiffe in See stechen, um nach Amsterdam zu segeln, sind nicht nur viele Hoffnungen und Träume, sondern auch Musketiere, Adlige, Matrosen und ein Gefangener an Bord: Sammy Pipps, der berühmteste Ermittler seiner Zeit liegt in Ketten, obwohl er kurz zuvor noch für den Generalgouverneur Haan etwas Wertvolles zurückgebracht hat. Doch damit ist es nicht getan. Etwas Böses, Grausames hat sich hereingeschlichen, etwas, das alte Verbrechen wieder ans Licht zieht, Rache üben und Unheil bringen will. Schon nach kurzer Zeit sterben Leute und passieren teuflische Dinge. Und Arent Hayes, der sonst immer als Assistent und Bodyguard des berühmten Detektivs fungiert hat, muss zusehen, diesen Fall allein zu lösen, sonst stirbt nicht nur Sammy, sondern alle an Bord könnten ihr Leben verlieren.

Wow, wow, wow. Was für ein großes Kino Turton hier auffährt. Ich mochte ja seinen Erstling schon ziemlich gern, aber hier hat er noch mal eine Schippe drauf gepackt und er bittet nicht darum, uns ins dunkle Meer mitzunehmen, er packt uns, egal, ob wir schreiend und strampelnd dagegen angehen. Er und sein Teufel, der alte Tom, zeichnen das Teufelszeichen auf unsere Hände und Stirnen, flüstern uns des Nachts ungehörige Dinge ins Ohr, versprechen, verführen und verleiten. Mit einem Ruck befindet man sich auf einem Holzschiff des 17. Jahrhunderts, ist mitten unter den brutalen Gesellen, die dort arbeiten und für weniger als eine Handvoll Gold nicht nur sich selbst, sondern auch des Teufels Großmutter verkaufen würden. Die Adligen sind keinen Hauch besser, kriegen nie genug, intrigieren, verachten, verurteilen. Frauen werden als Untertanen angesehen, die jederzeit verschachert werden können, und sollte sich eine als schlau erweisen, ist sie bestimmt eine Hexe.

Turton nimmt sich Zeit für die Geschichte, er hastet nicht durch, er setzt uns in ein 3-D-Kino und zeigt uns die Decks, die Tagelage, die Prügeleien der Matrosen. Dennoch hatte ich nicht eine Sekunde lang das Bedürfnis, das Buch weglegen zu wollen. Die Ideen, die Umsetzung, diese Homes-und-Watson-Paarung des 17. Jahrhunderts hatten mich am Haken, so sicher, als hätte es Captain Hook auf mich abgesehen. Vielleicht sollte ich eine Warnung aussprechen: Dieses Buch ist nichts für Leute, die sich nicht mehr als drei Personen merken können. Sie ist nichts für Zartbesaitete oder diejenigen, die ein klares Happy End erwarten. Auch Ungeduldige kommen wohl nicht auf ihre Kosten. Allen jedoch, die sich auch gern mal Zeit für eine Entwicklung nehmen, die sich gern in eine Zeit oder Geschichte hineinziehen lassen, die kein Problem damit haben, Charaktere im Gedächtnis zu behalten und auch zuzuordnen, all denen sage ich: Schiff ahoi! Segelt los, meinen Segen habt ihr!