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Veröffentlicht am 27.06.2019

Ein Dorf und viele Geheimnisse

Das Dorf der toten Herzen
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Als Jacobo seinen Job verliert, zieht er gemeinsam mit seiner Frau Irene und der 13-jährigen Tochter Miriam nach Portocarrero in die südspanische Wüstengegend. In dem Haus von Irenes verstorbener Mutter ...

Als Jacobo seinen Job verliert, zieht er gemeinsam mit seiner Frau Irene und der 13-jährigen Tochter Miriam nach Portocarrero in die südspanische Wüstengegend. In dem Haus von Irenes verstorbener Mutter wollten sie einen Neuanfang wagen. Während Miriam bei einer Freundin übernachtet, werden ihre Eltern in dem Haus von zwei Männern brutal überfallen. Irene wird getötet und Jacobo überlebt schwer verletzt. Chatprotokolle lassen vermuten, dass Miriam die Killer beauftragt hat, ihre Eltern zu töten. Jacobo ist von der Unschuld seiner Tochter überzeugt. Doch welche Rolle spielen die Dorfbewohner?

Gekonnt hat der Autor die Atmosphäre, die über das Dorf und der Geschichte schwebt, verstörend und düster gezeichnet. Ein Ort, wo vieles totgeschwiegen wird, krumme Dinge geschehen und man trotzdem sich abends trifft, als wäre nichts geschehen. Normalerweise lese ich Bücher gern aus verschiedenen Sichtweisen, aber hier kamen zusätzlich noch Rückblenden hinzu, diese Wechsel haben mir manchmal doch etwas zu schaffen gemacht. Eine Verbindung zu den einzelnen Charakteren habe ich nicht gespürt, die Dorfbewohner waren mir nicht sympathisch und manche Handlungen nicht nachvollziehbar.

Der Abschluss war gut geschrieben und konnte mich noch überraschen.

Veröffentlicht am 21.06.2019

Sommerfeldt räumt auf

Todesspiel im Hafen
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Dr. Bernhard Sommerfeldt wurde in Gelsenkirchen von Ann Kathrin Klaasen verhaftet. Nun sitzt er in der JVA Meppen und genießt Promi-Status. Polizei und Justiz halten ihn für schuldig, doch seine Fans sind ...

Dr. Bernhard Sommerfeldt wurde in Gelsenkirchen von Ann Kathrin Klaasen verhaftet. Nun sitzt er in der JVA Meppen und genießt Promi-Status. Polizei und Justiz halten ihn für schuldig, doch seine Fans sind von seiner Unschuld überzeugt. Sommerfeldt hat noch mit einigen Leuten eine Rechnung offen, die ihn reingelegt haben, deshalb will er aus dem Gefängnis fliehen. Mit seinen ärztlichen Kenntnissen fällt es ihm nicht schwer eine Krankheit vorzutäuschen und sein Coup gelingt. Währenddessen läuft der Prozess gegen seine ehemalige Sprechstundenhilfe, der erstaunliches zu Tage fördert, denn Cordula nimmt alle Morde auf sich, doch keiner glaubt ihr.

Dieses ist der letzte Teil der Trilogie um Dr. Bernhard Sommerfeldt. Genau wie in den Vorgängerbänden hat der Autor wieder die ungewöhnlich Erzählperspektive aus der Sicht von Dr.Sommerfeldt gewählt, so dass man sich dem Täter nahe fühlt und teilweise für ihn Verständnis aufbringt. Man fiebert mit, ob Dr. Sommerfeldt es wieder schafft sich dem Arm des Gesetzes zu entziehen. Der Erzählstil hat mir gut gefallen. Klaus-Peter Wolf spielt mit Worten, äußert Gesellschaftskritik und gibt seine Ansichten zur Literatur preis. Wobei mich zum Schluss die immer wieder genannten Konflikte mit seiner Mutter, die sich durch alle Bände ziehen, genervt haben.

Gern hätte ich mir etwas mehr Spannung gewünscht.

Veröffentlicht am 05.06.2019

Zerrissene Familie

Über alle Grenzen
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Das Hörbuch „Über alle Grenzen“ von Hera Lind erzählt die Geschichte der Familie Alexander nach wahren Begebenheiten. Die Handlung wird in zwei Erzählsträngen geschildert.

Die Vergangenheit beginnt Ende ...

Das Hörbuch „Über alle Grenzen“ von Hera Lind erzählt die Geschichte der Familie Alexander nach wahren Begebenheiten. Die Handlung wird in zwei Erzählsträngen geschildert.

Die Vergangenheit beginnt Ende der 1950er Jahre mit der Übersiedlung der Familie Alexander vom Chiemsee nach Erfurt. Hier hat Vater Alexander eine Stelle als Zoodirektor erhalten. Doch dann wird die Mauer gebaut. Sohn Bruno, frisch verheiratet und gerade Vater geworden, flüchtet in einer Kurzschlussreaktion in den Westen. Die ersten Repressalien gegen die Familie Alexander beginnen.

In der Gegenwart wird die Geschichte von Bruno aufgearbeitet, nach langer Suche hat seine Schwester Lotti ihn in einem Pflegeheim gefunden, wo er seit einem Schlaganfall lebt. Lotti holt ihn zu sich und pflegt ihn rührend.

Der Wechsel zwischen Gegenwart und Vergangenheit wird durch genannte Jahreszahlen sehr gut nachvollziehbar. In leicht verständlichen Worten führt uns Hera Lind in die Zeit vor dem Mauerfall zurück. Sie zeigt auf wie die Stasi gearbeitet hat, wenn Menschen sich weigerten in die Partei einzutreten und mit dem Regime unzufrieden waren. Gleichzeitig wird auch spürbar, welche Spuren dieses in der Familie hinterließ. Nach der Republikflucht von Bruno wird die Familie auseinandergerissen und die Geschwister finden sich erst Jahrzehnte wieder.

Die Hörbuchsprecherin Beate Rysopp hat mir ausgesprochen gut gefallen. Mir ihrer Stimme und der richtigen Intonation der Geschichte hat sie es geschafft, Emotionen freizusetzen und der Geschichte Leben einzuhauchen, so dass ich gern zu gehört habe, ohne in Gedanken abzuschweifen.

Mir hat diese deutsch-deutsche Geschichte gefallen, regt zum Nachdenken an und gerät leider viel zu schnell in Vergessenheit.

Veröffentlicht am 02.06.2019

Wenn nicht jetzt, wann dann?

Anfang Sommer – alles offen
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Caro ist mir Olaf seit zwanzig Jahren verheiratet. Beide haben sich im Laufe der Zeit verändert und auseinander gelebt. Der Sommerurlaub steht vor der Tür und soll wie jedes Jahr wieder an die Ostsee gehen. ...

Caro ist mir Olaf seit zwanzig Jahren verheiratet. Beide haben sich im Laufe der Zeit verändert und auseinander gelebt. Der Sommerurlaub steht vor der Tür und soll wie jedes Jahr wieder an die Ostsee gehen. Ein getrennter Urlaub würde der Eheroutine vielleicht mal ganz gut tun. So reist Olaf mit dem Mops Günther an die Ostsee und Caro stürzt sich gemeinsam mit ihrer Freundin Matti in ein Urlaubsabenteuer. Dreißig Jahre später als geplant, begeben sich die beiden Frauen auf eine Interrail-Tour. Auf der Reise lernen sie nicht nur interessante Menschen und wunderschöne Orte kennen, sondern sie werden auch konfrontiert mit überfüllten Zügen, schlechten Unterkünften, einem Überfall und einem Fährstreik. Gleichzeitig wird ihre Freundschaft auf eine harte Probe gestellt.

Mit einer Prise Humor hat Franka Bloom einen unterhaltsamen, kurzweiligen Sommerroman geschrieben, der aber auch den Ernst des Lebens nicht aus den Augen verliert. Der Schreibstil ist locker, leicht und flüssig zu lesen. Gemeinsam mit Caro und Matti konnte ich mich auf die Reise per Interrail begeben und habe die verschiedene Orte wie Amsterdam, Paris, Mailand, Korfu, Thessaloniki, Belgrad und Budapest aus einem anderen Blickwinkel kennengelernt.

Der Roman zeigt auf, dass man sich selbst eigentlich nie verlieren soll und auch mit Ende 40 noch etwas Neues wagen kann.
Eine wunderbare Sommerlektüre für unterhaltsame Lesestunden.

Veröffentlicht am 26.05.2019

Neuanfang

Wo die Liebe hintanzt
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Fritz überrascht seine Frau Karla mit einem verlängerten Wochenende in Cannes zum zwanzigsten Hochzeitstag. Das Gefühl der Verbundenheit aus der ersten Zeit ihrer Beziehung nimmt sie wieder gefangen. Doch ...

Fritz überrascht seine Frau Karla mit einem verlängerten Wochenende in Cannes zum zwanzigsten Hochzeitstag. Das Gefühl der Verbundenheit aus der ersten Zeit ihrer Beziehung nimmt sie wieder gefangen. Doch dann gesteht Fritz ihr, dass er hier gemeinsam mit seinem Freund Lucien eine marode Immobilie gekauft hat. Karla ist nicht begeistert und beide geraten in Streit. Als ein tödlicher Unfall Fritz aus dem Leben reißt, ist Karla untröstlich.

Fünf Jahre später fasst Karla einen Entschluss, sie will sich der Vergangenheit stellen und entscheiden, was mit der Immobilie geschehen soll. Doch erst feiert sie ihren fünfzigsten Geburtstag gemeinsam mit ihrem Sohn Eric, ihrer Freundin Sarah und Lucien in Cannes. Sarah hat sich ein ganz besonderes Geschenk für Karla ausgedacht. In einer Agentur hat sie einen Abend mit einem Eintänzer für Karla gebucht, der einen Abend stilvoll mit ihr tanzen wird. Karla ist entsetzt und lehnt das Geschenk ab. Doch Sarah kann sie überreden und Karla lässt sich darauf ein. Mit dem attraktiven Eintänzer Pascal gleitet Karla über das Parkett und fühlt sich glücklich. Doch wie wird sich das Leben von Karla weiter entwickeln?

Der Roman von Susanne Fülscher lässt sich sehr flüssig lesen. Obwohl es eine leichte Lektüre ist, regen einige Passage auch zum Nachdenken an. Der Schreibstil ist angenehm und mit einer Prise Humor gewürzt, so dass ich das Buch kaum aus der Hand legen konnte. Die handelnden Personen sind gut ausgearbeitet, wirken lebendig und authentisch. Die Geschichte wird aus unterschiedlichen Perspektiven erzählt, überwiegend aber aus Sicht von Karla. Dies ermöglichte, dass man sich in die Charaktere hinein versetzen konnte. Neben den Beschreibungen von Cannes und dem Savoir-vivre haben mir auch die Tanzszenen sehr gefallen, so dass ich Lust bekam mal wieder das Tanzbein zu schwingen.

Trotz der Vorhersehbarkeit der Handlung hat mir diese bezaubernde Sommerlektüre angenehme Lesestunden bereitet.