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Veröffentlicht am 14.04.2026

Eindrücklich, intensiv und ehrlich - wenn alles aus der Bahn geworfen wird

Alle glücklich
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Familie Holtstein hat nach außen ein gutes und zufriedenes Leben. Mutter Nina arbeitet halbtags in einer Arztpraxis, Vater Alexander ist Oberarzt mit Leib und Seele im Krankenhaus. Tochter Emilia geht ...

Familie Holtstein hat nach außen ein gutes und zufriedenes Leben. Mutter Nina arbeitet halbtags in einer Arztpraxis, Vater Alexander ist Oberarzt mit Leib und Seele im Krankenhaus. Tochter Emilia geht aufs Gymnasium und ist gerade das erste Mal verliebt, Sohn Ben studiert und wohnt noch zu Hause. Doch jedes Familienmitglied hat sein eigenes Geheimnis, das es zu hüten gilt. Langsam bahnen sich Risse an, die immer größer werden und die bald nicht mehr jedes Familienmitglied für sich allein kitten kann.

Ich habe bereits "Die Nacht der Bärin" der Autorin gelesen und war restlos begeistert. Auch das neue Buch der Autorin lohnt sich wieder einmal zu lesen.
Die Geschichte der Familie wird aus den vier verschiedenen Perspektiven der Familienmitglieder beschrieben, womit man immer mittendrin im Geschehen ist und die Gedanken und Gefühle perfekt zum Ausdruck kommen. Die kapitelweise abwechselnden Sichtweisen bringen eine sehr gute Dynamik in das Geschehen, die Figuren sind authentisch und realistisch dargestellt. Oft dachte ich beim Lesen, dass ich mit fast jeder Figur irgendwie mitfühlen kann, man fühlt das Unausgesprochene auf jeder Seite und wie jede Figur ihre eigenen Sorgen zu lösen versucht. Dabei verlieren sich die vier immer mehr als Familie aus den Augen und driften weiter auseinander. Die Risse innerhalb der Familie kommen schleichend, wir als Leser sehen sofort, was im Argen liegt, aber nach außen sind sie bis zuletzt die Vorzeigefamilie.
Ab und zu gab es ein paar Längen im Buch, die aber gut zur Geschichte passen, einzig das Ende konnte mich nicht wirklich überzeugen, hier hätte ich mir eine bessere Einbindung in die vorige Geschichte gewünscht, da es für mich sehr abrupt kam.

"Alle glücklich" ist ein intensives, leises Buch, das von seinen authentischen Charakteren lebt und nah an der Realität von vielen Menschen spielt. Es zeigt, wie schnell das Leben aus den Fugen geraten kann. Von mir gibt es eine klare Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 10.04.2026

Fantasievoll, magisch und spannend - Jugendbuch über die Macht der Worte

Die Goldene Schreibmaschine
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Emily lebt bei ihren Großeltern, da ihre Eltern beruflich in Dubai wohnen. Sie ist ein freundliches, aufgewecktes, aber auch eher zurückhaltendes Mädchen, das mit seinem Ordnungssinn oft ein Außenseiter ...

Emily lebt bei ihren Großeltern, da ihre Eltern beruflich in Dubai wohnen. Sie ist ein freundliches, aufgewecktes, aber auch eher zurückhaltendes Mädchen, das mit seinem Ordnungssinn oft ein Außenseiter ist. Aber mit ihren Freunden Charly und Frederick blüht sie auf. Emily liebt es zu lesen und ist meist in der Anna-Amalia Bibliothek anzutreffen, wo auch ihre Oma arbeitet. Als sie dort durch Zufall ein Buch mit einem goldenen Füllfederhalter entdeckt, entpuppt der sich als Schlüssel für eine geheime Bibliothek mit einer goldenen Schreibmaschine. Damit kann sie Bücher umschreiben und auch die Welt verändern. Doch auch ihr hinterhältiger und böser Lehrer Herr Dr. Dresskau ist hinter dem Schlüssel und der Schreibmaschine her - er hat jedoch nichts Gutes damit im Sinn. Emily muss alles versuchen um zu verhindern, dass Dr. Dresskau sie findet.

Sowohl Cover und Klappentext haben mich angesprochen und eine spannende und kindgerechte Geschichte versprochen. Die Idee und Ausgangslage ist toll, jeder, der gerne liest, hat sich sicherlich schon mal gefragt, was passieren würde, wenn man ein Buch umschreiben könnte. Die Umgebung, Situationen und Orte werden wunderbar detailliert beschrieben, vor allem die Bibliothek kann man sich direkt als magischen Ort vorstellen. Auch die Charaktere werden gut beschrieben, aber vor allem Dr. Dresskau ist für mich zu klischeehaft und übertrieben dargestellt. Er ist mehr als gemein zu seinen SchülerInnen, sodass ich mich oft gefragt habe, warum niemand seiner KollegInnen oder Eltern einschreitet. Er verkörpert den bösen Lehrer, der skrupellos um sein eigenes Wohlergehen und Anerkennen besorgt ist. In einem Film kann ich mir ihn als Figur sehr gut vorstellen, im Buch war es für mich zu übertrieben dargestellt. Dass er die Welt später zu seinem Gunsten verändert, war vorherzusehen, aber ich denke, dass die Zielgruppe nicht den Bezug zur NS-Zeit herstellen kann, der hier aufgegriffen wird.
Auch hätte ich mir noch mehr Aufenthalte und Beschreibungen in der geheimen Bibliothek gewünscht, diesem magischen Ort, an den man beim Lesen selbst gerne reisen würde. Dem Autor gelingt es, eine besondere Atmosphäre zu schaffen und auch die Charaktere treffend zu beschreiben.

"Die Goldene Schreibmaschine" ist ein tolles Jugendbuch, dass die Magie der Worte perfekt vermittelt und zeigt, dass Zusammenhalt und Freundschaft immer das Wichtigste sind.

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Veröffentlicht am 08.04.2026

Wirr, verstörend und absurd - konnte mich leider gar nicht erreichen

Es war nicht anders möglich
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Martina ist Mitte dreißig, lebt in Berlin und ist arbeitslos. Sie lebt in den Tag hinein und verbringt viel Zeit in verschiedenen Kneipen, wo sie meist mehr Alkohol trinkt, als ihr gut tut. Als ihr Vater ...

Martina ist Mitte dreißig, lebt in Berlin und ist arbeitslos. Sie lebt in den Tag hinein und verbringt viel Zeit in verschiedenen Kneipen, wo sie meist mehr Alkohol trinkt, als ihr gut tut. Als ihr Vater stirbt, an den sie kaum Erinnerungen hat und der sich kaum gekümmert hat, als er sie und ihre Mutter verließ, stürzt Martina in ein Loch, das sie versucht, zu erklären. Wie konnte das alles so weit kommen, fragt sich Martina.

Das Cover hat mich erstmal neugierig gemacht und auch der Klappentext versprach eine tiefgründige Geschichte - ich konnte mir der Geschichte allerdings gar nichts anfangen.
Martina erzählt aus der Ich-Perspektive und man ist live "in" ihren Gedanken. Was spannend und aufschlussreich sein könnte, ist schon von Beginn an verwirrend und verstörend. Am Anfang wird noch Martinas Schmerz über den Verlust ihres Vaters deutlich und wie sie versucht, dies aufzuarbeiten. Auch die Kneipengespräche mit Bekannten und Fremden waren teilweise gut zu lesen, stellen sie die Belanglosigkeit und das Vorbeiziehen der Gedanken gut dar. Martina als Erzählerin ist vor allem anstrengend, sie beschreibt ihre wirren Gedanken, die keinem Muster folgen und sehr oft fehlte mir der rote Faden, alles wirkt zusammenhanglos. Sie versinkt zunehmend in Alkohol und Drogen, zwischendurch liest man Briefe an ihren toten Vater, am Ende landet sie in der Psychiatrie. Eine wirkliche Handlung gibt es nicht, irgendwann habe ich mich nur noch durch die Geschichte "gequält". Auch die Ausdrücke und Gedanken, die Martina mitteilt, sind teilweise mehr als eklig und verstörend.

Der Schreibstil ist meist experimentell und anders, inhaltlich konnte mich die Geschichte überhaupt nicht abholen. Der Klappentext ist für mich irreführend geschrieben, eine Suche und Auseinandersetzung mich sich selbst konnte ich nicht entdecken, der Wahrheit ist Martina auch nicht begegnet. Von mir gibt es leider keine Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 02.04.2026

Spannender und beängstigender Thriller über eine mögliche Zukunft mit KI

Der Tower
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Die junge Galeristin Nova wohnt in Berlin und steht gerade an einem Wendepunkt in ihrem Leben: sie hat ihren Job verloren, ist von ihrem Partner getrennt und muss nun auch noch aus ihrer Wohnung ausziehen. ...

Die junge Galeristin Nova wohnt in Berlin und steht gerade an einem Wendepunkt in ihrem Leben: sie hat ihren Job verloren, ist von ihrem Partner getrennt und muss nun auch noch aus ihrer Wohnung ausziehen. Als Influencerin schlägt sie sich so durch bis sie ein Angebot bekommt, das sich zu gut anhört um wahr zu sein: sie darf ein Jahr lang mietfrei im exklusiven Pramtower wohnen, einem hochmodernen und luxuriösen Neubau-Wohnkomplex mitten in Berlin. Nova zieht ein und anfangs scheint es wie das Paradies auf Erden - bis seltsame Dinge in dem Tower passieren und sie herausfindet, dass ihre Vormieterin unter ungeklärten Umständen dort gestorben ist. Sie ahnt nicht, dass sie da bereits in großer Gefahr schwebt.

Ich hatte vom Autor zuvor noch nichts gelesen, werde das aber nachholen, denn dieser Thriller hier hat mich begeistert. Die meisten Kapitel sind aus der Ich-Perspektive Novas geschrieben, womit man als Leser auch nur so viel erfährt, wie Nova selbst weiß und immer miträtseln kann. Sofort wird eine kaum greifbare und unheimliche Atmosphäre erzeugt, denn man merkt beim Lesen schnell, dass mit dem Gebäude und seinen Bewohnern etwas nicht stimmt. Was sich auch als Albtraum entpuppen wird, ist Kim, die Künstliche Intelligenz, die im kompletten Gebäude präsent ist und zusätzlich zur immer bedrohlicheren Stimmung beiträgt. Nova selbst wirkte auf mich oft naiv und manipulierbar, man spürt aber auch ihre Verzweiflung und Not, weil sie ihre Wohnung verloren hat. Auch die Nachbarn und Freunde als Nebenfiguren werden sehr gut und authentisch beschrieben.
Der Autor baut hier sehr gekonnt einen Spannungsbogen auf, der konstant oben gehalten wird und sich bis zur letzten Seite immer weiter steigert. Das Ende ist mehr als interessant und ungewöhnlich gestaltet und hat mich positiv überrascht, wenngleich noch ein paar Fragen offen geblieben sind.

"Der Tower" hat mich begeistert immer weiter lesen lassen, die Situation spitzt sich immer weiter zu, was einen beim Lesen nicht mehr loslässt. Spannend bis zu letzten Seite und perfekt für Thriller-Fans!

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Veröffentlicht am 01.04.2026

Besondere Geschichte zweier Außenseiter und ihr Weg aus der Isolation - intensiv und hoffnungsvoll

Der andere Arthur
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Der ehemalige Literaturprofessor Dr. Arthur Opp führt ein sehr zurückgezogenes Leben in seinem Haus in Brooklyn. Da er extrem adipös ist, verlässt er das Haus so gut wie gar nicht mehr und bringt nur den ...

Der ehemalige Literaturprofessor Dr. Arthur Opp führt ein sehr zurückgezogenes Leben in seinem Haus in Brooklyn. Da er extrem adipös ist, verlässt er das Haus so gut wie gar nicht mehr und bringt nur den Müll nach draußen. Als ihn seine ehemalige Studentin Charlene kontaktiert, mit der er lange Zeit in engem Briefkontakt stand, eröffnet sie ihm, dass sie einen 17-jährigen Sohn, Kel, hat. Kel selbst träumt von einer Sportlerkarriere und tut alles dafür, ein Sportstipendium zu bekommen. Aber Charlene ist krank und bittet Arthur deshalb, Kel zu helfen. Arthur selbst schämt sich wegen seiner Erscheinung und beginnt, sein Leben Stück für Stück umzukrempeln.

Von Liz Moore hatte ich bereits "Der Gott des Waldes" gelesen und war restlos begeistert. Und auch "Der andere Arthur" kann durchaus mithalten und hat mich begeistert.
Die Geschichte wird abwechselnd in längeren Kapiteln aus Arthurs und Kels Ich-Perspektive geschrieben. Beide sind Außenseiter, zwar in unterschiedlichen Lebenssituationen, aber sie eint, dass sie einsam und isoliert leben. Während Arthur ein gutes Leben genießt, ein Haus und genügend Geld zur Verfügung hat, lebt Kel am Existenzminimum. Arthur sucht sich eine Putzhilfe nach Charlenes Anruf und Yolanda kommt nun regelmäßig und bringt sowohl im Haus als auch in Arthurs Leben Ordnung hinein. Sie ist ein wunderbar gezeichneter Charakter, der zwar eine Nebenrolle hat, aber unglaublich einfühlend und authentisch dargestellt wird. Generell sind alle Figuren detailreich und ehrlich beschrieben, jede und jeder hat sein Päckchen zu tragen und auch die jeweiligen Lebenssituationen sind tragisch, aber auch authentisch beschrieben.

Der Schreibstil passt zu den jeweils erzählenden Charakteren und ist lebendig und bildhaft. Die Tragik und Reichweite der Situationen und Figuren kommen hervorragend rüber und auch wenn man die Richtung des Romans ahnt, entwickelt er sich doch anders, als ich es eingeschätzt hatte. Der Roman zeigt sehr gut, wie schnell eine Person in Einsamkeit und gesellschaftliche Isolation rutschen kann, aber auch Wege, wie man sich langsam wieder einem zufriedeneren Leben nähern kann und mithilfe von anderen einen Weg zurück ins Leben findet. Zu keiner Zeit ist der Roman zu deprimierend, vielmehr zeigt er die Lichtblicke und Hilfsangebote auf, die man sich nur trauen muss anzunehmen. Ein kleiner Kritikpunkt sind für mich die Längen, die es vor allem in Kels Kapitel gab und das Ende, bei dem es für mich noch offene Fragen gab.

"Der andere Arthur" ist eine besondere Geschichte, die mich hoffnungsvoll zurückgelassen hat und durchaus mit dem Bestseller "Der Gott des Waldes" mithalten kann. Von mir gibt es eine Leseempfehlung!

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