Liebe in Corona-Zeiten: humorvoll und auch interessant
Mit Abstand verliebtHinter Juli Rothmund verbirgt sich das Autoren-Duo Julia Becker und Roland Rödermund. Die beiden haben ein Buch über Liebe in Corona-Zeiten geschrieben, in der zwar auch auf einige schlimme Ereignisse ...
Hinter Juli Rothmund verbirgt sich das Autoren-Duo Julia Becker und Roland Rödermund. Die beiden haben ein Buch über Liebe in Corona-Zeiten geschrieben, in der zwar auch auf einige schlimme Ereignisse wie Italien Bezug genommen wird, das aber nie Panik oder trübe Stimmung macht. Vielmehr ist es ein Buch, das uns die ganze Corona-Pandemie-Anfangszeit ein wenig zurück in Erinnerung bringt, etwas was wir teils selbst erlebt haben und auch etwas Mut machen will und auch auf Nachbarschaftshilfe hinweist. Und ja, auch ich dachte darüber nach das Fitness-Studio zu kündigen bzw. die Mitgliedschaft einzufrieren. Und habe dann auch eine Entscheidung getroffen.
Im Buch geht es um Lennard & Jella, die sich im Februar 2020 kurz vor Pandemie-Beginn auf einer Party kennenlernen. Die Handlung ist fiktiv und findet auch an tatsächlich existierenden Schauplätzen statt. Die Figuren sind frei erfunden. So hoffentlich auch Jellas Vermieter Ralf, der wohl vor Corona wohl schon einen Putztick hatte, jetzt aber wohl wirklich „einen an der Waffel hat“. Und der in der 2er-WG für alle Räume nur 1 Person erlaubt und lieber per Lieferdienst statt im Supermarkt einkaufen möchte. Jella möge ihm bitte sagen, was sie braucht, er würde auslegen und ihr dann eine Rechnung stellen.
Das Buch ist recht humorvoll geschrieben, mein persönliches Highlight war das Kuschelinstitut einer Freundin von Jella. Das lieber doch nicht ans Gesundheitsamt vermieten, solange man gerade nicht damit arbeiten darf. Denn die fühlen sich dann doch zu wohl und würden nicht wieder gehen
In einer Nebenhandlung spielt die 5jährige Fanny, die Tochter von Lennards alleinerziehender Nachbarin. Die ist echt süß und er zeichnet für sie Bilder. Zum Beispiel wie das Virus eingesperrt ist im Zoo und Besucher mit Abstand es betrachten – wie die wilden Tiere im Zoo. Dort arbeitet Lennards Freund Memo und als Zoo-Freund kann ich mir auch vorstellen, dass manche Tiere die Besucher wirklich vermissen. Im Buch heißt es, dass für die Tiger die fehlenden Besucher so wirken, als ob der Fernseher kaputt ist. Und dass die Pfleger in Teams aufgeteilt sind, hab ich auch aus mehreren Zoos gehört.
Vor manchen Kapiteln, die vom 22. Februar (es folgt der 03. März) bis 22. Juni 2020 spielen, gibt es Ticker-Meldungen des Tages bzw. der Tage davor. Über manche kann man nur den Kopf schütteln: Das Bezirksamt Berlin-Neukölln rät, das Ablecken von Oberflächen wie Türklinken auf erforderliches Maß zu reduzieren. Ich musste das zweimal lesen und die Quellenangabe prüfen. Ansonsten ist es eine kleine Chronik ausgewählter Ereignisse und stellenweise auch ganz interessant. So bei der Meldung über die US-Studentin, die Masken mit transparenten Aussparungen entworfen hat, damit schwerhörige und stumme Menschen weiter von den Lippen lesen können.