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Veröffentlicht am 18.08.2025

Eine tragische Entwicklungsgeschichte in spannendem, einfühlsamem Schreibstil.

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In vier Teilen auf zwei Erzählebenen entwickelt sich eine brillant konstruierte Kriminalgeschichte über eine toxische Familienkonstellation. Die Szenerien spielen in Philadelphia, Pennsylvania und auf ...

In vier Teilen auf zwei Erzählebenen entwickelt sich eine brillant konstruierte Kriminalgeschichte über eine toxische Familienkonstellation. Die Szenerien spielen in Philadelphia, Pennsylvania und auf einer Insel im Lake Champlain, Vermont.
Zunächst beginnt der Roman mit einem kurzen Telefonat im Mai 2018 zwischen Ruby Chevalier, 18, in Vermont und ihrer Tante Nessa Garvey in Philadelphia. Der kontrollmäßig auftretende, strenge Vater Lucas Chevalier sorgt durchgehend für ein ungemütliches, beklemmendes Ambiente. Zeitlich nicht chronologisch angeordnet entwickelt sich im Verlauf von zwanzig Jahren um das rätselhafte Verschwinden von Rubys Mutter Deena ein psychologisch straff verdichteter Krimi. Um seltsame Machenschaften und Manipulationen des Vaters und um Nessa´s unentwegte Bemühungen um Aufklärung dieses Vermisstenfalles geht es während dieses langen Zeitraumes. Beide Erzählebenen aus der Perspektive dieser zwei Frauen Ruby und Nessa, mit all ihren unkoordinierten Erinnerungen rund um die Familien, treffen sich im Jahr 2018. Thematisiert werden hauptsächlich männliche häusliche Gewalt und Manipulation bis zur ultimativen Überwachung und Bevormundung.

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Veröffentlicht am 15.08.2025

Der gelungene Auftakt einer Trilogie

Willkommen auf Tuga
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Das Cover, farblich und bildlich eine Südseeidylle repräsentierend, versetzt den Leser leicht in Urlaubsstimmung. Diese tropische Szenerie im Südpazifik wirkt während der Hurrikan-Saison bedrohlich. Wetterbedingt ...

Das Cover, farblich und bildlich eine Südseeidylle repräsentierend, versetzt den Leser leicht in Urlaubsstimmung. Diese tropische Szenerie im Südpazifik wirkt während der Hurrikan-Saison bedrohlich. Wetterbedingt kann der Hafen dann nur saisonbedingt angesteuert werden, was gewissen Einfluss auf das Inselleben hat. Wie sich das Miteinander dortiger Bewohner, einer Mischung diverser Ethnien, abspielt, wird anschaulich beschrieben. In ihrer Abgeschiedenheit und monatelanger Abstinenz von der Außenwelt liegt ihr Fokus auf einem reibungslosen Miteinander, jeder mit all seinen Fähigkeiten. Die Hauptprotagonistin Charlotte Walker, introvertierte Wissenschaftlerin und Tierärztin aus London, plant nicht nur die Erforschung einer seltenen Schildkrötenart einschließlich ihrer Bedeutung für das dortige Ökosystem, für Mensch, Fauna und Flora, sondern sucht auch nach ihrem Vater. Als Tierärztin unterwegs auf der Insel, trifft sie nicht nur auf der Schiffsreise auf Dan, einem gebürtigen Inselbewohner, Mediziner. Die Irrungen und Verwirrungen rund um ihre Liebesgeschichte werden eingerahmt durch das liebenswerte Agieren mehrerer Nebenfiguren, meist sympathisch beschrieben in ihrer Eigenart mit all ihren Geheimnissen.

Nach diesem unterhaltsamen Roman erhofft man sich, mehr über Charlottes Forschungsergebnisse und Vaterfigur, über medizinische Nachsorgeprogramme und über das liebevolle Miteinander der Inselbewohner zu lesen.

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Veröffentlicht am 13.08.2025

Originelles Setting, enttäuschender Schreibstil.

Schlaglicht
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Der 12. jährliche DAUGHTERS OF AMERICA CUP für Frauen U19, 14. – 15. Juli 2020. Die ungewöhnliche Szenerie rund um Bobs schäbigem, abgehalftertem Boxpalast in Reno, Nevada, mit acht boxenden Mädchen zwischen ...

Der 12. jährliche DAUGHTERS OF AMERICA CUP für Frauen U19, 14. – 15. Juli 2020. Die ungewöhnliche Szenerie rund um Bobs schäbigem, abgehalftertem Boxpalast in Reno, Nevada, mit acht boxenden Mädchen zwischen 15 und 18 Jahren ist zunächst interessant. Der deutsche Buchtitel „Schlaglicht“ ist treffender gewählt als der englische Originaltitel „Headshot“, wirft dieser Roman doch sowohl Licht auf Kampfszenen und diverse Techniken, als auch Licht auf seelische Prädispositionen der beteiligten Charakteren. Während zahlreicher Boxrunden vermitteln innere Monologe oder Ticks der Sportlerinnen mehr über deren Ängste, Lebensziele und Traumata. Gesellschaftskritische Themen werden angerissen: z.B. Artemis Victor vs. Andi Taylor „sind gesetzlich gesehen beide noch Kinder. In fast allen der fünfzig Staaten dürfen sie weder ins Militär, noch Alkohol trinken, noch ohne die Zustimmung eines Vormunds eine Abtreibung vornehmen. Und doch befiehlt dieser Sport, diese Simulation des Tötens, dass Andi und Artemis sich nicht als Kinder verstehen, sondern als junge Menschen, die die Macht darüber haben, ihr Schicksal und ihre Siege selbst zu bestimmen.“ Auch Sexismus im Sport wird aufgegriffen: z.B. nur wenige Zuschauer, nur männliche Trainer und Judges. Der bildhafte Schreibstil als Stilmittel gefällt, aber durch zu häufige Wiederholungen von „denkt Rachel“ oder „wie … aussieht“, Bratwurstbeine, Kalbsfleischbeine und Ähnlichem verliert der Inhalt an Dynamik. Dass das typische exaltierte, teenagerhafte Verhalten, so ganz ohne Verliebtheit um Jungen, ohne offene Anfeindungen untereinander auskommt, wirkt etwas unrealistisch.

Insgesamt interessante Charakterisierungen in amerikanischem Boxkampfambiente, jedoch behaftet mit Schreibstilmängeln.

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Veröffentlicht am 10.08.2025

Ein verwirrendes Debüt über Identität, Exil und Zugehörigkeit

Galgenmann
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Die kafkaeske Erzählung beginnt mit einem morgendlichen Anruf anlässlich seines sterbenden Bruders in der afrikanischen Heimat. Der Ich-Erzähler, 55 Jahre alt, sitzt wie angeordnet nach 26 Jahren im Flugzeug ...

Die kafkaeske Erzählung beginnt mit einem morgendlichen Anruf anlässlich seines sterbenden Bruders in der afrikanischen Heimat. Der Ich-Erzähler, 55 Jahre alt, sitzt wie angeordnet nach 26 Jahren im Flugzeug von den USA nach Afrika, ohne sein wichtiges Blutdruckmedikament. Auf der folgenden odysseehaften Reise tauchen Erinnerungen sowohl über die Umstände seines Exils auf als auch über die ihm sehr fremd gewordene Heimat mit unzähligen, fremd gewordenen Familienmitgliedern. Wie ein hilfloser Beobachter, gebeutelt durch die hohe Erwartungshaltung seiner Familie hinsichtlich ihrer finanziellen und bürokratischen Wünsche, erlebt er neben hemmungsloser Übervorteilung auch seltsame, rätselhafte Begegnungen mit zunehmendem Verlust seiner Identität. Nach und nach ist er ohne Geld, ohne Gepäck, ohne seine saubere Bekleidung, ohne seinen Pass und sein Portemonnaie unterwegs - vielleicht in Analogie zum Galgenmann-Spiel. Zeitlich verwirrend sind die TV-Nachrichten aus den USA wie auch seine blockierten Emails an Ehefrau und Bruder. Der Schreibstil mit einigen wiederholten, umständlichen Formulierungen wirkt langweilig, lenkt einfach zu sehr ab von Rassismus, von der politischen und gesellschaftlichen Realität in beiden Ländern.

Kein leicht zu deutendes Debüt.

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Veröffentlicht am 07.08.2025

Ein einfühlsamer Roman über soziale Problematiken in Japan

Oben Erde, unten Himmel
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Die Geschichte der mit sich hadernden, jungen Hauptfigur Suzu Takada und auch die weiterer liebenswürdigen, auch skurrilen Protagonisten berühren in ihrer Besonderheit. Suzu, 25 Jahre alt, als Kellnerin ...

Die Geschichte der mit sich hadernden, jungen Hauptfigur Suzu Takada und auch die weiterer liebenswürdigen, auch skurrilen Protagonisten berühren in ihrer Besonderheit. Suzu, 25 Jahre alt, als Kellnerin gekündigt und geghostet von ihrem Dating-Kontakt hadert mit Depression, Scham- und langfristigen sozialen Angstgefühlen, sog. Hikikomori. Über den Job als Leichenfundortreiniger in Kodokushi-Fällen, dem "einsamen Sterben" als entmenschlichte Form des Todes, erfährt sie neue Lebensfreude und Sozialkontakte. Mit dem Manga Kissa, das in Einzelfällen in Großstädten als Wohnungsersatz genutzt wird, wird ein weiteres wachsendes Phänomen als eine direkte Folge des Zerfalls familiärer Strukturen angesprochen. Diese gesamtgesellschaftlichen Probleme Japans zwischen Desinteresse und Diskretion, zwischen Einsamkeit und Zusammensein, zwischen Leben und Tod stellen eine traurige Bilanz hinsichtlich unserer Mitmenschlichkeit dar.
Mit hilfreichem Glossar wirbt dieses tiefgründige Buch um mehr Nachsicht und gegenseitigem Respekt.

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