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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 05.10.2025

Literatur und Kriegsberichterstattung in tragischen Details

Der brennende Garten
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Das künstlerisch wirkende Cover gefällt durch die farblich intensive Farbgebung der Umarmung zweier Menschen, jedoch gibt es noch keinen Hinweis auf den kämpferischen historischen Hintergrund des Romans. ...

Das künstlerisch wirkende Cover gefällt durch die farblich intensive Farbgebung der Umarmung zweier Menschen, jedoch gibt es noch keinen Hinweis auf den kämpferischen historischen Hintergrund des Romans. Erst der deutsche Buchtitel Der brennende Garten lässt Vermutungen hinsichtlich Krieg und Terrorismus anklingen. Die Szenerie spielt von 1981 bis 2009 in Jaffna und Colombo, Sri Lanka. In fünf Teilen geht es um die Entwicklung zum blutigen Bürgerkrieg zwischen der sri-lankischen Regierung und den sogenannten Tamil Tigers (LTTE, Liberation Tigers of Tamil Eelam). Diese militante Organisation kämpfte ab 1983 für einen unabhängigen Tamilenstaat im Norden und Osten der Insel. Auch die 16-jährige Sashi leidet mit ihrer tamilischen Familie und Freunden unter der Diskriminierung durch die singhalesisch dominierte Regierung und gerät in ihrem Kampf über drei Jahrzehnte um Unabhängigkeit, Gerechtigkeit und Identität in ein gefährliches Chaos von Gewalt und Tod. Die Ich-Erzählerin Sashi erwähnt aber auch kurz die Rolle der dortigen Religionen mit ihren Tempeln, die Vielfalt an kulinarischen Köstlichkeiten, ihre Teekultur und interessante Architektur. Dennoch nicht als Wohlfühlroman konzipiert beschreibt Sashi als angehende Ärztin und Schwester den zunehmenden politischen Fanatismus und den Verlust zweier Brüder und ihres Freundes. Der Schreibstil ist direkt, erschütternd und schmerzhaft.
Der Roman vermittelt ein tieferes Verständnis für die komplexe Geschichte Sri Lankas und ihrer 15 % an tamilischer Bevölkerung – ein Projekt über 14 Jahre.

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Veröffentlicht am 03.10.2025

Was wirklich zählt: Freundschaft

Der Donnerstagsmordclub und der unlösbare Code (Die Mordclub-Serie 5)
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Das Buchcover dieser 5. Folge hat erneut einen hohen Wiedererkennungswert. Joyce Meadowcroft als Ich-Erzählerin und Elizabeth Best immer noch als trauernde Ex-Geheimdienst-Mitarbeiterin in der Seniorenresidenz ...

Das Buchcover dieser 5. Folge hat erneut einen hohen Wiedererkennungswert. Joyce Meadowcroft als Ich-Erzählerin und Elizabeth Best immer noch als trauernde Ex-Geheimdienst-Mitarbeiterin in der Seniorenresidenz von Coopers Chase stoßen anlässlich der Hochzeit von Joanne, der Tochter von Joyce, erneut auf einen dringlichen Notruf mit Bombenattacke und Bit-Coins in der Welt von Cold Storage. Während das Duo Joyce Elizabeth in ihrem typischen Miteinander schwächelt, tummeln sich neue Figuren um diese vier Senioren, was zu vielen Nebenschauplätzen und Handlungssträngen führt, teils zu langatmig und spannungsarm. Neben der bunten Palette von freundschaftlich miteinander verbundenen Charakteren findet man dieses Mal einen Drogenhändler, einen Anwalt und einen Lord, eingebunden in das rätselhafte Auffinden sechsstelliger Zugangscodes. Natürlich gefällt der unterhaltsame Schreibstil, teils humorig menschlich, teils ironisch. Thematisiert werden Trauerbewältigung, Freundschaft, Vereinsamung und Verarmung - verbunden mit der Botschaft, dass der Besitz von viel Geld auch belastend sein kann.

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Veröffentlicht am 28.09.2025

Eine fiktive private Highschool in den USA – lebendig porträtiert.

The Academy
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Dieser Campus-Roman spielt im ländlichen New England der USA, in einem privaten Highschool-Internat mit besonderem Blick auf die Schülerschaft der fünften und sechsten Stufe. Weitere Personen der Schulverwaltung ...

Dieser Campus-Roman spielt im ländlichen New England der USA, in einem privaten Highschool-Internat mit besonderem Blick auf die Schülerschaft der fünften und sechsten Stufe. Weitere Personen der Schulverwaltung und Lehrkräfte tragen zum spannenden Schulalltag bei. Wie das Internatsleben mit seinen Vorschriften und Verboten gehandhabt wird, ist lebendig greifbar. Während eine e-mail von Cinnamon Peters an ihren Freund Webber »Dub« Austin mit Verweis auf ein Dokument (das erst am Morgen der Abschlussfeier geöffnet werden sollte) in diesem Band bisher ungeöffnet bleibt, werden andere Geheimnisse um das zweitbeste Ranking der Tiffin Academy, um den Geheimclub Priorities oder um die bösartig entlarvenden Push-Mitteilungen auf Zip Zap spannungsvoll aufgeklärt. Die Traditionen z.B. während des 1. Einzugstages, zum First Dance, zum Tiffinpalooza, bei Familienwochenenden oder zum Kringle gefallen. Dass für einen prominenten Schüler Extraregeln gelten, verblüfft. Thematisiert werden außerdem Lehrer-Schüler-Affären, Suizid, Bulimie, Außenseitertum, die 1. große Liebe und sexuelle Erfahrungen, das generelle Verbot hasserfüllter Sprache, Zulassungsentscheidungen der acht Ivy-League-Universitäten zum Ivy Day. Von September bis zum Mai des nächsten Jahres wird z.B. auch die wechselnde Jahreszeit mit ihrer Farbenpracht in der umgebenden Natur mit einbezogen. Die Charakteren treten authentisch auf, der Schreibstil betont den respektvollen Umgang miteinander, ob jung oder älter.
Ein inspirierender Schulbetrieb voller Twists und Turns.

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Veröffentlicht am 26.09.2025

Spannend und sehr interessant durch auch sprachlich gelungene Twists

Fabula Rasa oder Die Königin des Grand Hotels
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Das Cover mit einem mehrarmigen Deckenleuchter - vielleicht ein Lobmeyr-Luster- versetzt den Betrachter zurück in die elegante, wohlbetuchte Welt der Achtzigerjahre. Der Buchtitel FABULA RASA verspricht ...

Das Cover mit einem mehrarmigen Deckenleuchter - vielleicht ein Lobmeyr-Luster- versetzt den Betrachter zurück in die elegante, wohlbetuchte Welt der Achtzigerjahre. Der Buchtitel FABULA RASA verspricht wie in Fabeln, eine moralische Lehre zu vermitteln. Das Szenarium spielt in Wien mit der chronologisch aufgebauten Lebensgeschichte von Angelika Moser als Hauptperson auf einer Erzählebene, die zweite Ebene behandelt zehn Unterhaltungen der Autorin mit dieser verurteilten Protagonistin im Gefängnis. Über einen Zeitraum von den1950-iger Jahren bis 2018 geht es zunächst um ihre finanziell sehr bescheidene Kindheit, dann um ihr ausschweifendes Nachtleben neben ihrem geliebten Buchhalterberuf im renommierten Grand Hotel, um ihr gutes Leben durch jahrzehntelang manipulierte Hotelrechnungen bis zu ihrer Inhaftierung. In drei Akten steigert sich ihr Lebensstil auf der Suche nach Glück, Liebe und Abenteuern in waghalsigere Gefilde der Bilanzfälschung, begleitet von männlichen Charakteren wie z.B. den Hoteldirektor oder Freddy in seinem speziell wienerischen Gemüt. Auch die weiblichen Charaktere sind einfühlsam porträtiert in ihrem jeweiligen Milieu, von der kämpferischen Hausbesorgerin Erna Moser im Gemeindebau bis zur adligen, dekadenten Lizzy beim vornehmen, glanzvollen Opernball. Thematisiert werden auch Probleme alleinerziehender, berufstätiger Mütter mit pubertierendem Sohn, Demenz und Medikation, Traditionen, Überwindung gesellschaftlicher Schranken, missglückte Vaterschaft, Loyalität und Diskretion im Umgang mit Spesenrechnungen, Bitcoin-Business auf weltweiten Krypto-Events etc. Sogar Historisches über Shanghai mit dem Stadtteil »Little Vienna« als letzte Rettung jüdischer Emigranten und mit dem Jewish Refugees Museum ist berücksichtigt. Der Schreibstil überzeugt durch Kreativität, Originalität und Emotion.
Und die Moral von dieser spannenden Geschichte: Wer genug Geld hat und die richtigen Leute kennt, kauft sich frei. Und wer für so jemanden arbeitet, sitzt ein.

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Veröffentlicht am 24.09.2025

Konzentration auf Wichtiges im Leben

Drei Tage im Schnee
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Das minimalistisch gestaltete Cover zeigt eine nächtliche, verschneite Landschaft mit einer schlanken Gestalt. Auch die klare, überwiegend blaue Farbgebung sorgt für ein ruhiges Ambiente. In diesem winterlichen ...

Das minimalistisch gestaltete Cover zeigt eine nächtliche, verschneite Landschaft mit einer schlanken Gestalt. Auch die klare, überwiegend blaue Farbgebung sorgt für ein ruhiges Ambiente. In diesem winterlichen Setting finden sich an einem Wochenende in einer gebuchten Blockhütte nur zwei Protagonisten: die 33-jährige Hannah, zwar beruflich erfolgreich, aber massiv gestresst durch rigides Zeitmanagement und unzufrieden mit sich und ihrem bisherigen Leben. Während dieser 3-tägigen Auszeit tritt ein kleines Mädchen namens Sophie auf in dem hyggeligen Wohlführoman. Mit ihrer kindlichen Kreativität, Spontaneität und Direktheit triggert sie in Hannah viele schöne Kindheitserinnerungen, aber auch Denkprozesse hinsichtlich der Prioritäten in ihrem großstädtischen beruflichen wie privaten Alltag. Der einfühlsame Schreibstil und die bildhaften Geschichten regen zu eigenen Denkanstößen über die wirklich wichtigen Dinge im Leben an.

Eine wohlige Winterlektüre!

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