Eine schlau konstruierte Geschichte
Das Fest„Das Fest“ ist mein erstes Buch von Lucy Fricke und ich war sehr begeistert. Sie schafft es meisterinnenhaft, subtile Botschaften ohne viele Schnörkel zu vermitteln.
Überwiegend habe ich das Buch als ...
„Das Fest“ ist mein erstes Buch von Lucy Fricke und ich war sehr begeistert. Sie schafft es meisterinnenhaft, subtile Botschaften ohne viele Schnörkel zu vermitteln.
Überwiegend habe ich das Buch als Hörbuch gehört und fand es von Bettina Hoppe wirklich großartig eingesprochen. Sie gibt den Figuren Lebhaftigkeit und macht ihre Unterscheidung voneinander leichter. Denn, und das wäre mein einziger Kritikpunkt, im Text selbst arbeitet Fricke zwar mit direkter Rede, jedoch ohne Anführungszeichen, was die Unterscheidung von Erzählstimme und Dialog nicht immer leicht macht.
Abgesehen von meiner formellen Kritik war ich jedoch vom Inhalt hin und weg! Jakob ist von seinem 50. Geburtstag alles andere als begeistert, blickt pessimistisch in die Zukunft und möchte dem Tag am liebsten keinerlei Aufmerksamkeit schenken. Seine Freundin Ellen sieht das jedoch anders und so reisen wir an Jakobs Seite in seine Vergangenheit ohne uns aus der Gegenwart wegzubewegen.
Die geschickte Erzählweise hat mir in ihrer Verschränkung von Vergangenem und Gegenwärtigem richtig gut gefallen. Die Sprache ist schörkellos und klar, transportiert jedoch subtil ganz viel. Während Jakobs Körper regelrecht tragikomisch innerhalb eines Tages rasant verfällt, wächst er auf mentaler und sozialer Ebene fast über sich hinaus. Die Handlung ist schlau konstruiert, alles wirkt organisch und doch manchmal auch auffällig schicksalhaft. Alle Figuren sind glaubhaft, vielschichtig und in ihrer Aufrichtigkeit herzerwärmend. Außerdem geht es in der Geschichte nicht nur um Jakob, was ich besonders am Ende einen schönen Twist fand.
Fricke schenkt uns hier eine sehr kurzweilige Geschichte rund um Vergebung, Zwischenmenschliches im Allgemeinen und Liebe im Speziellen. Der Roman ist auf seine besondere Art inspirierend, ohne dabei das Leben zu romantisieren. Er kommuniziert stattdessen ganz klar: Das Altern ist von Veränderungen geprägt, die Angst machen können, aber gemeinsam besser auszuhalten sind.