Super authentisch und nachfühlbar!
Schreibstil:
Ich habe gelesen, dass es das erste Erwachsenenbuch der Autorin ist. Interessant, denn tatsächlich fand ich, dass der Schreibstil perfekt zu der Protagonistin, die glaube ich 27 im Buch ist, ...
Schreibstil:
Ich habe gelesen, dass es das erste Erwachsenenbuch der Autorin ist. Interessant, denn tatsächlich fand ich, dass der Schreibstil perfekt zu der Protagonistin, die glaube ich 27 im Buch ist, passte. Locker und flüssig, manchmal etwas selbstironisch, oft humorvoll und vor allem sehr sehr authentisch. Genau so, wie die Figuren miteinander redeten, kenne ich es auch aus meinem Alltag. Kein Dialog fühlte sich gestelzt an, die Dating-App-Anschreiben passten auch perfekt. So schuf die Autorin ein Setting, dass sich für mich sehr nachvollziehbar anfühlte.
Was ich rein vom Format etwas anstrengend fand, war, dass die Chatdialoge nicht als solche gekennzeichnet waren. Sie standen einfach ohne Anführungszeichen im Text. Aber vielleicht lag das auch nur am Ebook und zumindest im Print ist es nicht so.
Die Geschichte – Träumerin auf der Suche nach ihrem Weg und dem Perfect Match
Ich habs geliebt, dass das Buch mit dem „Worst Date Ever“ begann und dann aber einen riesigen Zeitsprung macht. Denn ganz ehrlich: dass man jemanden nach einem schlechten Date, das über eine Dating-App zustande gekommen ist, nochmal sieht, ist unwahrscheinlich. Das will man gar nicht. Aber da ist ja eine gewisse Anziehung, die irgendwie gepasst hat. Das Element, dass die Protagonistin Margot das Date letztlich doch nicht hat vergessen lassen. Es wurde nur aus ihrer Perspektive erzählt und so war es nach all den Pleiten irgendwie sehr verständlich, dass Oliver ihr immer wieder in den Sinn kam. Vor allem, weil er ihr immer wieder angezeigt wird. Und ja, auch das passiert ganz natürlich, wenn man so nah beieinander wohnt. Meine Strategie ist nicht ohne Grund, mich von Matches aus meinem unmittelbaren Umfeld fern zu halten. Allerdings wohne ich auch in einem Dorf. Da kennt jeder jeden.
Margot – Meet-Cute im Chaos von Vorzeigeschwester und Psychoboss?
Margot gefiel mir total gut. Ich konnte mich irgendwie sofort mit ihr identifizieren, auch wenn ich nicht ganz so ziellos durchs Leben gehe. Aber gleichzeitig war es eben sehr nachvollziehbar, dass sie ihre Träume hat, dass sie sich unter Druck gesetzt von ihrer erfolgreichen Schwester fühlt und dass sie eben nicht einfach mal eben so komplett für sich einstehen kann. Gerade, wenn es der erste Job ist, ist das noch total schwierig. Das Selbstbewusstsein muss man erstmal sammeln. Und so konnte ich verstehen, weshalb sie nicht so für sich kämpfte, wie ihr Umfeld das von ihr erwartete.
Es gibt aber noch mehr Margot. Denn sie ist auch lustig, chaotisch ordentlich, sehr familiär, äußerst gut in ihrem Job und mit Menschen und sehr begeisterungsfähig. So war es für mich leicht, sie zu mögen und ihren Fortschritt zu verfolgen. Im Zusammenspiel mit Oliver mochte ich an ihr besonders, dass sie sich bewusst zum kommunizieren entscheidet (oder manchmal auch dagegen). Sie ließ die Tipps ihres Umfelds nicht einfach an sich abprallen, sondern nahm sie sich zu Herzen und versuchte, sie für sich passend umzusetzen. So war die Frage nach einem neuen Job vielleicht gar keine, wenn sie in sich hinein horchte.
Miles – Green Flag oder emotional kompliziert?
Dadurch, dass man nur aus Margots Perspektive las, war Oliver die undurchschaubare Komponente der Geschichte. Man lernte ihn als freundlichen Typen mit Vergangenheit kennen, der einen guten Job und ein stabiles Leben hat. Was aber immer wieder die Handlung beeinflusste, war, dass Oliver etwas nicht passte, er es aber nicht direkt gesagt hat. Stattdessen merkte Margot nur, dass irgendwas anders war und musste ihm dann quasi wieder hinterherrennen, um es rauszubekommen.
Fairerweise muss man sagen, dass Margot ihn aber lange Zeit auch so mit ihrem Leben belagert, dass er vielleicht noch gar nicht das Gefühl hatte, sie seien schon auf der Ebene. Ich persönlich fand auch dieses Verhalten irgendwie nachvollziehbar. Ja, kommunizieren ist der goldene Weg, aber wenn ich mit Ängsten aus meiner Vergangenheit zu tun habe und mein Gegenüber auch noch nicht ganz so gut kenne, dann ist es meiner Meinung nach vollkommen verständlich, wenn man sich dann erstmal in sich selbst zurückzieht.
Ansonsten mochte ich seinen Humor, habe im Vergleich zu Margot gleich erkannt, dass er gut zu ihr passt und fand es interessant, wie er einerseits Nähe suchte, gleichzeitig aber auch Distanz wahrte. So gab er Margot den nötigen Raum, um sich mit all ihren Problemen auseinanderzusetzen, während er selbst da etwas blass blieb und sich eigentlich nur durch sie entwickelt. Der Fokus lag also definitiv auf Margot. Wer da mehr Tiefe erwartet, bekommt sie an dieser Stelle also nicht. Für mich persönlich hat es so gepasst.
Slow Burn mit Spice und richtig guter Gesprächsdynamik
Die Anfänge der Story zwischen Oliver und Margot funktionieren über Chatnachrichten, dann über Telefonate. Das Tolle ist, dass die beiden absolut lustig zusammen sind. Sie haben den gleichen Humor, greifen Insider-Witze immer wieder auf und erschaffen sie natürlich zuerst gemeinsam. Ich finde es immer cool, wenn die Protagonisten so eine einzigartige persönliche Ebene haben, auf der sie kommunizieren.
Die Beziehung zwischen den beiden ist spicy, ansonsten aber Slow Burn. Es knistert gewaltig, während die Geschichte etwas brauchte, um ihr richtiges Ziel zu finden. Ich mochte aber die Einblicke in die Literaturbranche und wie auch Margots Familie und der Zukunftsdruck, der sie begleitete, stets präsent waren. Ein bisschen sind das ja auch typische Gründe, weshalb man sich auf Dating-Apps rumtreibt: man versucht jemanden zu finden, weil jemand fehlt. Entweder, weil man wirklich Nähe vermisst oder (und das ist in dem Alter, bei der Familie und bei den vielen Jahren, die Margot es schon probiert) weil die Gesellschaft es so proklamiert. Dazu liest sie noch die ganzen Liebesromane, in denen immer irgendwann „der Richtige“ gefunden wird. Man gerät in Zugzwang. Möchte jemanden finden. Margot wollte unbedingt ein Meet-Cute, wie sie es nannte. Eine Situation, in der man zufällig einem Fremden begegnet und sich daraus resultierend verliebt. Damit wird hier auch das Motiv von Vorstellung vs. Wirklichkeit aufgegriffen und auch das fand ich total interessant und nachvollziehbar für eine Frau in dem Alter. Es war einfach alles so nah am Alltag, dass ich auch die Geschwindigkeit des Handlungsverlaufes nicht als zu langsam empfand. Einfach nur als realitätsnah.
Für mich hatte die Geschichte einfach die richtige Mischung aus authentischen Erfahrungen und Entwicklungen, Spice und Liebe und Feelgood-Vibes und Humor. Auch das Ende hat das nochmal bestätigt, indem die Wendung zwar da war und natürlich ein zu lösendes Problem stellte, gleichzeitig aber auch die Entwicklung der Figuren aufnahm. Somit war es nicht allzu dramatisch und hat der Geschichte keinen Abbruch getan.
Fazit:
Eine wirklich schöne RomCom mit authentischen Figuren, realitätsnahen Beschreibungen und schönen Einblicken in die Literaturbranche (perfekt für uns Bookies). Den Humor fand ich super, das Knistern zwischen den Protagonisten ebenfalls und ihr Meet-Cute sowieso. Slow Burn, aber mit Spice. Eigentlich kann man es immer so machen^^
Einfach eine schöne Geschichte für zwischendurch, die für mich genau die richtige Portion Tiefe hatte, dabei aber locker leicht blieb.
Von mir gibt es 5 von 5 Sterne.
Vielen Dank an den Verlag und Netgalley.de für das Rezensionsexemplar!
3 Gründe, weshalb du dieses Buch lesen solltest:
Authentische Dating-App-RomCom mit echtem Alltagsgefühl
Humorvolle Slow-Burn-Romance mit Spice
Perfekt für Bookies & Romance-Fans
Liebe Grüße
Tomke