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Veröffentlicht am 11.06.2026

Dark Fantasy vom Feinsten

Anathema
2

Schreibstil:

Ich fand, dass besonders der Schreibstil hier den Schaueraspekt gestützt hat. Teilweise war er poetisch, ganzheitlich aber vor allem atmosphärisch. Ich konnte der Geschichte flüssig folgen ...

Schreibstil:

Ich fand, dass besonders der Schreibstil hier den Schaueraspekt gestützt hat. Teilweise war er poetisch, ganzheitlich aber vor allem atmosphärisch. Ich konnte der Geschichte flüssig folgen und war sehr überrascht, dass ich all die Fachworte für Völker und Monster ziemlich schnell zuordnen konnte. Auch sie passen einfach zur Geschichte und haben alles noch unterstützt. Was man beim Lesen schnell merkt: Hier will nichts gefallen. Keine Beschreibung, kein Charakter – es geht komplett darum, eine Geschichte zu erzählen, die das Gegenteil eines Märchens ist.

Die Geschichte – von der Ausgestoßenen zum Schatz

Erzählt wird aus den Perspektiven der beiden Hauptfiguren Maevyth und Zevander. Maevyth hat ein paar mehr Kapitel, beide erzählen aber sehr schön nachvollziehbar. Der Kontrast zwischen den beiden war die ganze Zeit über sehr spannend. Maevyth (Maeve) ist unwissend und neugierig, mutig und schlau, Zevander weiß so ziemlich alles, besonders, was er als nächstes plant zu tun. Dadurch wird die Welt hier einmal durch die Brille des Neulings und einmal durch den Insider beschrieben, was ich sehr schön fand.

Maevyth – Heldin oder todgeweiht?

Maeve hat mir von Anfang an sehr gut gefallen. Sie ist neugierig, mutig und manchmal impulsiv, setzt sich aber auch sehr für die ein, die sie liebt und nimmt alles ernst, aber nie zu ernst. Nur so kann sie sich glaube ich in ihrer Welt, in der sie echt schlecht behandelt wird, halten. Und schon das zeugt von ihrem Charakter, oder? Dass jemand, der immer ausgestoßen und gemobbt wird, keine negativen Gedanken den anderen gegenüber hegt.

Während des Handlungsverlauf wird zudem immer deutlicher, dass Maeve ein einziges Geheimnis ist. Ihre Herkunft und ihre Kräfte sind unerforscht, sowohl von den Figuren um sie herum als auch von uns Leser:innen. So ist sie ein wahres Überraschungspaket, dass immer wieder reaktiv handelt und so wieder etwas offenlegt.

Was ich gut fand, war, dass sie zwar darauf bestand, zurück zu ihrer Schwester zu kommen (durchaus nachvollziehbar), gleichzeitig aber nicht so sehr darauf beharrte, dass sie alles ignorierte. Ich glaube, das hätte mich genervt.

Es war einfach spannend, sie sich entwickeln zu sehen, weil immer mehr ihrer Kräfte und Erkenntnisse über sie deutlich wurden.

Was ich etwas schade fand, war, dass sie in uneinigen Situationen super schnell nachgab bzw. direkt die Schuld auf sich nahm. Das wirkte manchmal, als wolle sie unbedingt gefallen, was aber eigentlich nicht ihrem Charakter entsprach.

Zevander – Assassine, Blutmagier & Königsdiener auf einer Mission

Zevander ist ein Bild von einem Mann. I mean, er ist einfach über zwei Meter groß! Dazu durchtrainiert, ein sehr begabter Magier und reich noch dazu. Eigentlich könnte man meinen, er hätte alles. Tatsächlich aber ist Zevander verflucht und seine Motive sind vielschichtig. Er ist zu oft Marionette gewesen, um allem einfach so entfliehen zu können. So lernt man ihn zunächst als jemanden kennen, der einfach nur Befehle befolgt.

Nach und nach zeigt sich aber auch bei ihm eine deutliche Entwicklung. Es geht immer mehr darum, was er eigentlich will. Was er für das Richtige hält.

Ich war einfach total beeindruckt von ihm und seinen Kräften, gleichzeitig natürlich abgeschreckt davon, wie er andere tötet. Zu keinem Moment aber bezweifelt man seine eigentlichen Motive. Er war von Anfang an gut für mich, weil der Prolog schon einen Teil seiner Geschichte erzählte. Keine Ahnung, wie ich handeln würde, wenn ich in seiner Situation wäre. Aber allein schon die ganzen Stationen in seiner Vergangenheit, die ihm zu dem gemacht haben, der er jetzt ist, war krass und haben mich erzählerisch beeindruckt. Das war dark, mächtig, spannend und bietet auch jetzt nach dem Ende des Buches noch jede Menge Rätselstoff.

Die Welt, in der Monster wirklich böse und Menschen wirklich nicht nett sind

Das Gefühl, dass ich bei dem Setting hatte, war ungefähr das, was man hat, wenn man nachts über einen Friedhof geht und Leuten begegnet, die mit Blut Geister beschwören oder sich die eine Spritze setzen oder laut heulend vor einem frischen Grab sitzen. Einfach alles zusammen. Alle Orte in diesem Setting sind düster und gefährlich, die Nebenfiguren tragen nur ihren Teil dazu bei. Die Monster werden sehr gut vorstellbar beschrieben, ob nun ehemals „menschlich“ oder nicht und auch fernab der Personen gibt es einige Tiere, Bäume und Räumlichkeiten, die einem einfach nur eine Gänsehaut bescheren. Ich habe mich durchweg gegruselt und war fast entsetzt darüber, wie grausam irgendwie alles ist. Sonst hat man ja doch noch irgendwo eine nette Lichtung oder einen Tag, an dem alle einmal durchschnaufen können. Hier nicht. Hier geht es darum, gegruselt zu werden und das hat die Autorin wirklich sehr gut umgesetzt!

Slow Burn, ein langsames Erzähltempo und trotzdem super viel Spannung

Es sind 816 Seiten, macht euch also darauf gefasst, dass Slow Burn hier wirklich Slow Burn ist. Dennoch war die Spannung zwischen Maevyth und Zevander die ganze Zeit über da. Ich fand es richtig gut, wie sie zwar durchweg präsent war und sich auch zuspitzte, ich aber genauso wie die Figuren immer wieder durch andere Handlungsstränge davon abgelenkt wurde. So fühlte es sich nicht wie Folter an, sondern wie ein freudiges Hinfiebern auf etwas. Vielleicht entsteht der Eindruck aber auch, weil alles andere rundherum eher zum Gruseln ist^^

Ansonsten ist das Erzähltempo der Geschichte eher gemäßigt. Selten habe ich einfach so mal 100 Seiten weggeatmet, stattdessen hatte ich eher manchmal das Gefühl, ich müsste das Buch kurz weglegen, um alles zu verarbeiten.

Es ist also kein Buch, durch das man mal eben so fliegt, dafür gibt es aber so einige Plottwists, die alles andere als vorhersehbar waren. Vielmehr bekam man als Leser:in immer wieder kleine Fetzen vom großen Ganzen und hat versucht sie zu kombinieren, nur um am Ende einen Fetzen zu bekommen, der wieder gar nicht dazu passte oder alles nochmal auf den Kopf gestellt hat. Das hat die Geschichte anders spannend gemacht, was ich zur Abwechslung echt mal ganz gut fand. Voraussehbar ist hier einfach nichts.

Warum ich Band 2 lesen will:

Das Ende ist irgendwie happy und irgendwie auch so überhaupt nicht. Mal ganz davon abgesehen, dass super viele Hinweise und lose Handlungsfäden noch offen liegen und ich mir immer noch kein komplettes Bild von allem machen konnte, verändert sich auch nochmal alles. So war ich sehr positiv überrascht von dem Ende. Es ist nicht besonders effekthaschend, aber dennoch sehr wirkungsvoll. Und verspricht, dass der nächste Band gleich mit der Klärung eines großen Geheimnisses beginnt. So hoffe ich jedenfalls.

Fazit:

Ich bin neu in diesem Genre und war sogleich sehr positiv angetan. Die Protagonistin ist mutig und neugierig, gleichzeitig aber auch unwissend und unerforscht. Es gilt nicht nur die Welt kennenzulernen, sondern auch ihre Vergangenheit und Kräfte. Der Love Interest hat mindestens genauso viel Hintergrund. Er ist vielschichtig und einfach interessant. Zusammen sind sie Teil einer Slow Burn Liebesgeschichte, die sich wirklich Zeit lässt, ohne dabei die Authentizität zu verlieren. Die Stärke dieser Geschichte: das Setting, die Atmosphäre, die Plottwists und die Unvorhersehbarkeit. Ich bin sehr gespannt auf Band 2!

Von mir gibt es 4 Sterne.

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  • Thema
Veröffentlicht am 25.05.2026

So wie man sich Pater trifft auf Mafiatochter vorstellt

Piccolina - In Nomine Patris 3
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Schreibstil:
Den Schreibstil der Autorin fand ich ganz passend zur Story. Er ist sehr atmosphärisch, teilweise sehr ausschweifend und machmal auch etwas altbacken. Aber das passte ganz gut zur Thematik. ...

Schreibstil:
Den Schreibstil der Autorin fand ich ganz passend zur Story. Er ist sehr atmosphärisch, teilweise sehr ausschweifend und machmal auch etwas altbacken. Aber das passte ganz gut zur Thematik. Ich mochte es, dass gerade dieser Vibe von Unschuld und Verderbtheit im Hinblick auf den Glauben dadurch gut rüberkam. Was manchmal aber etwas schade war, war dass oft Dinge wiederholt wurden und sich die Story so ziemlich in die Länge zog. Wären einige Wörter gestrichen worden, hätte man wahrscheinlich die Spannung prägnanter gespürt.

Die Geschichte – unsicheres Mädchen sucht Führung bei einem Geistlichen

Erzählt wird aus zwei Perspektiven, wobei die von Rosalia überwiegt. Der Pater, Domenico, kommt nur manchmal zu Wort. Interessant an den Perspektiven ist, dass der Glaube an Gott hier wirklich auf jeder Seite spürbar ist, gleichzeitig aber geschickt an vielen Stellen passend für die aktuelle Situation umgemodelt wurde. Das sprichwörtliche „Worte im Mund herumdrehen“. So habe ich beiden Figuren die ganze Zeit abgenommen, dass sie gläubig sind, gleichzeitig war aber eben auch spürbar, dass sie ihren Glauben auf ihre Art ausleben.

Rosalia – behütete Mafiatochter, deren Gelüste gerade erwachen

Anfangs ist Rosalia wirklich sehr befremdlich. Sie scheint komplett an ihren Glauben verloren und will einfach nur Gott gefallen. Das war schon ziemlich krass, zumal sie dadurch auch unheimlich kindlich erschien. Sie und dadurch auch wir Leser:innen merken aber schnell, dass da etwas in ihr schlummert. Eine sexuelle Neugier, die sich nicht damit befriedigen lässt, zu beten und sich gleichzeitig auch nicht mit dem, was sie in der Bibel liest, vereinbaren lässt. Ein Widerstreit in ihrem Kopf, den man sehr gut nachvollziehen kann anhand ihrer Schilderungen.

Ich war sehr gespannt, wie sie von der absolut Gläubigen zu einer Dark Romance-Protagonistin werden sollte. Irgendwie funktionierte dies aber fast natürlich, einfach weil sie sich als spät erwachende Teenagerin mit dunklen Neigungen entpuppte. Und ich meine: Schmerz, Erniedrigung, ein Machtgefälle, das alles sind Kinks, die nicht an ein bestimmtes Alter geknüpft sind und die deshalb durchaus verständlich auch schon in ihr schlummern konnten. Mit Domenico ist all dies einfach erwacht.

Im Laufe der Handlung hat man super schön mitbekommen, wie sie immer mutiger wurde und dabei auch immer mehr zu sich selbst fand, inklusive herausfand, was sie ersehnte. Dazu kam, dass sie eine curvy person ist, die mit nachvollziehbaren Ängsten kämpfte, die gut aufgefangen wurden. Tatsächlich besser, als ich es von dem Buch erwartet hatte. Domenico geht darauf ein, Rosalia erkennt nach und nach ihren Wert. Ihre Entwicklung ist einfach super schön und authentisch und hat mich sehr beeindruckt im Rahmen all dieser Thematik.

Was mir bei ihr vielleicht noch ein bisschen fehlte, war, dass sie bis zum Ende ein wenig die Mafiatochter geblieben ist. Ein Nepo-Baby, das sich letztlich im gemachten Nest eine eigene Aufgabe sucht, aber mehr auch nicht.

Domenico – Pater, Waise und Auftragsmörder in einem

In Domenico tobte wirklich mehr als ein Sturm. Er hatte einen Auftrag, er hatte eine Ausbildung und er hatte einen Glauben, der ziemlich prägnant war. Ich fand es interessant zu sehen, wie er trotzdem als Charakter Sinn ergab. Es passte alles zusammen und er war sehr viel sensibler, als ich erwartet hätte.
Anfangs ist er bloß der Pater, mehr erfährt man erst später. Tatsächlich wurde er dann erst als ziemlich abgebrüht und voll mafiamäßig beschrieben. Ich fand aber, dass man schon auf den ersten Seiten merkte, wie er auf Rosalia reagierte und was das für seine Zukunft bedeuten würde.

Spannend war einfach, dass er seinen Glauben nutzt, um sich selbst zu geißeln, zu verschleiern und um Rosalia zu „helfen“. Bewusst und unbewusst bestärkte er ihren Charakter und hat sich gleichzeitig selbst Vergnügen bereitet. Es war sehr gut umgesetzt, wie er seine Rolle noch lange Zeit beibehielt und bewusst zwischen Liebhaber und Gottesfürchtigem und dann zusätzlich noch Verräter switchte. Auch, wenn ich fand, dass letztere Rolle etwas kurz bei ihm kam, da er sich wirklich schnell und lange auf Rosalia konzentrierte und nicht mehr so sehr auf den Auftrag.

Als Figur, die das Darke in Rosalia erweckt, es mit ihr zusammen ausübt und selbst darin Befriedigung findet, fand ich ihn echt gut geschrieben. Als Auftragsmörder der Mafia fehlten mir zu ihm noch ein paar Details. Manchmal fühlte es sich an, als solle er nur besonders böse klingen, sei es aber nicht.
Was aber wirklich gut war, war wie sein Gewissen mehr und mehr einsetzte und seine Rollen ganz bewusst in seinem Kopf verschwammen. Wie er mehr und mehr anerkannte, was war und dann hinterfragte, ohne uns Leser:innen direkt mitzunehmen. So blieb die Spannung, gleichzeitig war der Zweifel aber lange genug gesät, um eine Wendung authentisch möglich zu machen.

Ein klein wenig übertrieben klingend war für mich nur zum Ende hin die Intensität seiner Gefühle Rosalia gegenüber. Bei ihr war es genauso. Dadurch, dass die beiden irgendwie gar keinen Alltag zusammen erlebt hatten, sondern nur in dieser Kirche zusammen waren, fühlte es sich so an, als hätten sie einfach nur ihren passenden Sexpartner:in gefunden. Nicht gleich die Liebe des Lebens. Der Epilog hat da aber zum Glück noch einiges aufgefangen.

Die Mafiahierarchie – Rache als größte Sünde

Die Strukturen hinter der Liebesgeschichte passten für mich alle. Im Prinzip geht es darum, dass Rosalias Vater seinen Feind in den Rollstuhl befördert hat und dieser jetzt Rache nehmen möchte. Natürlich wirken alle beteiligten Figuren böse und skrupellos, dazu noch überaus intelligent und berechnend. So muss es im Mafiakontext aber auch sein. Bis zum Ende hin zog sich ein roter Faden, der sich zufriedenstellend auflöste und vor allem Domenicos Geschichte gut mit einband. Ich fand es nachvollziehbar und auch spannend. Allerdings erst ab ungefähr der Hälfte des Buches. Bis dahin muss man sich wirklich durch viel gottesfürchtiges Verhalten und Denken kämpfen. Für mich hätte ruhig vorher schonmal etwas Spannenderes passieren können. Und wenn es nur ein Gespräch zwischen Rosalia und ihrem Vater oder eine Rückblende aus Domenicos Vergangenheit gewesen wäre. Einfach so, dass man schonmal im Hinterkopf gehabt hätte: shit, die beiden haben doch eigentlich gar nicht so viel Zeit dafür.
Aber nun gut, irgendwann wurde es spannender und dann konnte ich das Buch auch gar nicht mehr aus der Hand legen.

Dark Romance – Spice im Style von Rosalia und Pater Domenico

Wenn ihr mich fragt, ob dieses Buch dark ist, dann ist die klare Antwort: ja! Hier bekommt ihr wirklich Spice zu lesen, der nicht jedem gefallen dürfte, aber richtig gut erzählt wurde. Die beiden haben einen speziellen Kink, es geht um Befriedigung in Verbindung mit Schmerzen und für beide hat es eine tiefere Bedeutung, die die beiden verbindet. Es war also alles nicht aus der Luft gerissen, sondern passte perfekt in den Kontext und hat dazu beide noch stärker in ihrem Charakter gemacht. Etwas, dass für mich unbedingt Teil einer Dark Romance sein sollte.

Fazit:
Eine wirklich spicy Dark Romance, die Jungfrau trifft auf Pater wirklich perfekt in Szene setzt und das ganze im Kontext von Mafiaplänen sehr spannend erzählt. Der Schreibstil passte zur Atmosphäre, auch wenn er manchmal etwas langatmig war. Das ganze Gottesgerede muss man abkönnen, es passte für mich aber ebenfalls einfach perfekt zur Story und hat alles noch authentischer wirken lassen. Der Spannungsverlauf hätte für mich noch etwas früher stärker ansteigen dürfen, aber irgendwann war es auf jeden Fall richtig spannend.

Von mir gibt es 4 von 5 Sterne.

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  • Charaktere
Veröffentlicht am 17.05.2026

Ein richtiger Epos!

This Is Going To Hurt
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Schreibstil:
Und schon sind wir gleich zu Anfang an dem Punkt, an dem sich wahrscheinlich die Geister scheiden, denn der Schreibstil ist schon seeehr besonders. Nicht, weil er schlecht ist, sondern weil ...

Schreibstil:
Und schon sind wir gleich zu Anfang an dem Punkt, an dem sich wahrscheinlich die Geister scheiden, denn der Schreibstil ist schon seeehr besonders. Nicht, weil er schlecht ist, sondern weil er alt klingt. Geradezu altmodisch. Ich musste mich jedenfalls erstmal daran gewöhnen und habe mich dann etwas ins Jahr 1923 versetzt gefühlt (ich glaube, weil ein Yellowstone-Spin-off dann spielt). Ein kleines Beispiel: „Mein Geist ist benommen, gleichwohl empfinde ich jedes Geräusch dieser Nacht in einer Intensität, die durch das Adrenalin, welches meinen Körper durchbrandet, verursacht wird.“ (bei 3%). Versteht ihr, was ich meine? Ich habe mich eigentlich nicht daran gestört, sondern fand es ganz atmosphärisch, allerdings muss ich auch gestehen, dass der Schreibstil an einigen Stellen für Distanz sorgte und Emotionen so vielleicht manchmal durch eine Art Filter weitergegeben wurden.

Die Geschichte – wenn der Cowboy zum Geburtshelfer wird

Alles, was der Schreibstil vermittelt, findet sich irgendwie auch in der Geschichte wieder. Zwar spielt es in einer modernen Welt, aber Jordan wirkt trotzdem etwas aus der Zeit gefallen: unschuldig, etwas naiv, an das Gute glaubend. So ist es nicht weiter verwunderlich, dass sie ihr Kind mitten auf einer Landstraße bekommt, weil sie auf dem Weg zu dem Vater ihres Kindes ist, der sie seit einem halben Jahr ghostet. Klingt jetzt erstmal ganz wild und nach einer Geschichte, die vielleicht vor Klischees nur so trieft. Tatsächlich aber ist das Ganze nur die Grundbasis und Jordan hatte ich schnell verziehen, dass sie erst so naiv ist. Denn durch sie bekommt die ganze Dynamik der Geschichte erst so richtig Raum.

Bleiben wir also bei den Fakten: Erzählt wird nahezu abwechselnd aus den Perspektiven von Miles und Jordan, das Setting ist hauptsächlich die Whispering Maples Ranch von Miles, auf der er Jordan aufnimmt. Und das ist dann auch schon Teil des Problems, das die Handlung trägt: Familienfehden.

Ich habe mich wirklich komplett wie in einem alten Western gefühlt (oder was ich dafür halte). Eine Geschichte, in der die Cowboys einen rauen Umgangston haben, Aufgaben erledigen müssen, die keineswegs angenehm sind, mit totem Vieh zu tun haben, irgendwie Geld verdienen und sich dann noch gegen andere Rancher durchsetzen müssen. Dazu kommen dann noch Fehden und Differenzen zwischen den Ranchern, Familienbande, die für Tumult und Rivalität sorgen und viele viele unausgesprochene Worte. Ich empfand es als total authentisch und war sofort von der Geschichte gefangen. Während andere Cowboy-Romances ja doch eher romantisieren und sich auf den Spice und die Smalltown Vibes konzentrieren, spielt sich hier alles auf dem Hof ab und alles bleibt wunderbar authentisch.

Slow Burn vom Feinsten – nicht jede Geschichte lebt vom Spice

Es gibt diese Geschichten, in denen es Liebe auf den ersten Blick ist und dann die, bei denen es Anziehung auf den ersten Blick ist. Hier ist keins davon der Fall, denn beide Hauptfiguren haben zu Anfang der Geschichte ganz andere Dinge im Kopf. Sie wissen nur, dass sie einander sympathisch finden und vertrauen.

Zu Miles fand ich sehr gut, dass man ihn nicht nur durch seine Taten und sein Verhalten Jordan gegenüber kennenlernte, sondern vor allem auch durch die anderen Bewohner:innen der Ranch, die ihn schon lange kennen und zu beurteilen wissen. Was ich sagen kann: Miles ist total hilfsbereit, sehr empathisch, hat ein sehr gutes Herz und kämpft für das, was ihm und den Menschen, die er liebt, wichtig ist. Dabei stellt er sich selbst oft zurück. Sein eigenes Glück liegt brach, aus verschiedenen Gründen. Beides wird Teil der Geschichte und durchaus thematisiert, was ich ebenfalls sehr gut fand. In vielen Gesprächen und Gedankengängen wird hier alles brav aufgearbeitet und vor allem setzen sich die Figuren alle aktiv damit auseinander, sodass die Geschichte viel Tiefe bekam.

Jordan ist überhaupt nicht typisch für eine Protagonistin, denn sie ist viel ruhiger. Auch sie stellt sich nicht in den Mittelpunkt, ist aber auch anfangs einfach total verloren, sodass sie gar nicht an sich selbst denken kann. Es geht darum, sich um ihr Kind zu kümmern und das in all dem, was um sie herum passiert. Miles hat da unheimlich geholfen, um sie besonders anfangs zu verstehen, denn ja, direkt nachdem man ein Kind bekommen hat, können die Gefühle verrückt spielen.
Ich mochte Jordan aber irgendwie auf Anhieb, da sie sich nicht bemitleidet, sondern versucht, das Beste aus der Situation zu machen und dabei keineswegs zur Nutznießern wurde. Sie tastet sich vorsichtig an alles heran, lässt ihre Gefühle zu Miles nur vorsichtig entstehen und ihre Naivität legt sie ziemlich schnell ab.

Ihre Beziehung zueinander ist geprägt von vielen ungeklärten Situationen, die erst nach und nach aufgeräumt werden müssen. Die Liebe entsteht langsam und ist dadurch umso tiefer und dankbarer. Man merkte richtig, wie gut die beiden zusammenpassen und wie viel sie sich in all den Geschehnissen gegenseitig geben.

Die Coltons – eine zerissene Dynastie

Das Hauptthema dieser Geschichte ist neben der Lovestory, die sich viel Zeit nimmt, auf jeden Fall alles rund um die Familie Colton. Jeden davon lernen wir kennen. Ezra Colton, der Patriarch, seine beiden Söhne, einer nicht besonders pflichtbewusst, der andere leider psychisch labil, und dann Miles und die im Koma liegende Raelynn. Alle hängen irgendwie zusammen, teilen eine Geschichte und zwischen ihnen allen liegen viele ungesagte, aber auch schlecht gemeinte Worte. Wenn ihr an Todesblicke, entsperrte Flinten, Viehdiebstahl und die Weiterführung der Blutlinie denkt, dann seid ihr genau in der Bubble, in der sich alles rund um die Familie Colton abspielt. Ich fand es grandios gemacht. Ich konnte die Zerrissenheit jeder einzelnen Figur deutlich wahrnehmen, habe mit ihnen gelitten und gebangt und war den Tränen nahe, als alles ans Licht kam.
Diese Familiengeschichte hatte Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft und wurde so erzählt, dass es eindringlich, aber niemals langweilig war. Quasi ein Epos auf 450 Seiten. Das muss man erstmal schaffen.

Fazit:
Das hier ist eine Cowboy-Romance, die diese Betitelung eigentlich nicht verdient, weil es so viel mehr ist. Es ist eine absolut atmosphärische, tiefgreifende Geschichte voller Emotionen, die mich voll erreichen und mitreißen konnten. Das Buch war durchweg spannend, die Figuren alle (und damit meine ich auch die Nebenfiguren) liebenswert bzw. authentisch und die eingegliederte Familiendynastie verband alles geradezu zu einem Epos. Ich kann das Buch allen empfehlen, die bereit sind, für echte Cowboy Vibes und den Fokus nicht nur auf der Lovestory haben wollen.

Von mir gibt es 5 von 5 Sterne.

Vielen Dank an Netgalley.de und den Verlag für das Rezensionsexemplar!

3 Gründe, weshalb du dieses Buch lesen solltest:

Echte Cowboy-Vibes statt nur Country-Ästhetik
Wunderschöne Slow-Burn-Liebesgeschichte
Eine Familiensaga voller Spannung und Emotionen


Liebe Grüße
Tomke

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Veröffentlicht am 17.05.2026

Super authentisch und nachfühlbar!

Worst Date Ever (Knisternde RomCom von der erfolgreichen Autorin Kasie West)
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Schreibstil:
Ich habe gelesen, dass es das erste Erwachsenenbuch der Autorin ist. Interessant, denn tatsächlich fand ich, dass der Schreibstil perfekt zu der Protagonistin, die glaube ich 27 im Buch ist, ...

Schreibstil:
Ich habe gelesen, dass es das erste Erwachsenenbuch der Autorin ist. Interessant, denn tatsächlich fand ich, dass der Schreibstil perfekt zu der Protagonistin, die glaube ich 27 im Buch ist, passte. Locker und flüssig, manchmal etwas selbstironisch, oft humorvoll und vor allem sehr sehr authentisch. Genau so, wie die Figuren miteinander redeten, kenne ich es auch aus meinem Alltag. Kein Dialog fühlte sich gestelzt an, die Dating-App-Anschreiben passten auch perfekt. So schuf die Autorin ein Setting, dass sich für mich sehr nachvollziehbar anfühlte.
Was ich rein vom Format etwas anstrengend fand, war, dass die Chatdialoge nicht als solche gekennzeichnet waren. Sie standen einfach ohne Anführungszeichen im Text. Aber vielleicht lag das auch nur am Ebook und zumindest im Print ist es nicht so.

Die Geschichte – Träumerin auf der Suche nach ihrem Weg und dem Perfect Match

Ich habs geliebt, dass das Buch mit dem „Worst Date Ever“ begann und dann aber einen riesigen Zeitsprung macht. Denn ganz ehrlich: dass man jemanden nach einem schlechten Date, das über eine Dating-App zustande gekommen ist, nochmal sieht, ist unwahrscheinlich. Das will man gar nicht. Aber da ist ja eine gewisse Anziehung, die irgendwie gepasst hat. Das Element, dass die Protagonistin Margot das Date letztlich doch nicht hat vergessen lassen. Es wurde nur aus ihrer Perspektive erzählt und so war es nach all den Pleiten irgendwie sehr verständlich, dass Oliver ihr immer wieder in den Sinn kam. Vor allem, weil er ihr immer wieder angezeigt wird. Und ja, auch das passiert ganz natürlich, wenn man so nah beieinander wohnt. Meine Strategie ist nicht ohne Grund, mich von Matches aus meinem unmittelbaren Umfeld fern zu halten. Allerdings wohne ich auch in einem Dorf. Da kennt jeder jeden.

Margot – Meet-Cute im Chaos von Vorzeigeschwester und Psychoboss?

Margot gefiel mir total gut. Ich konnte mich irgendwie sofort mit ihr identifizieren, auch wenn ich nicht ganz so ziellos durchs Leben gehe. Aber gleichzeitig war es eben sehr nachvollziehbar, dass sie ihre Träume hat, dass sie sich unter Druck gesetzt von ihrer erfolgreichen Schwester fühlt und dass sie eben nicht einfach mal eben so komplett für sich einstehen kann. Gerade, wenn es der erste Job ist, ist das noch total schwierig. Das Selbstbewusstsein muss man erstmal sammeln. Und so konnte ich verstehen, weshalb sie nicht so für sich kämpfte, wie ihr Umfeld das von ihr erwartete.

Es gibt aber noch mehr Margot. Denn sie ist auch lustig, chaotisch ordentlich, sehr familiär, äußerst gut in ihrem Job und mit Menschen und sehr begeisterungsfähig. So war es für mich leicht, sie zu mögen und ihren Fortschritt zu verfolgen. Im Zusammenspiel mit Oliver mochte ich an ihr besonders, dass sie sich bewusst zum kommunizieren entscheidet (oder manchmal auch dagegen). Sie ließ die Tipps ihres Umfelds nicht einfach an sich abprallen, sondern nahm sie sich zu Herzen und versuchte, sie für sich passend umzusetzen. So war die Frage nach einem neuen Job vielleicht gar keine, wenn sie in sich hinein horchte.

Miles – Green Flag oder emotional kompliziert?

Dadurch, dass man nur aus Margots Perspektive las, war Oliver die undurchschaubare Komponente der Geschichte. Man lernte ihn als freundlichen Typen mit Vergangenheit kennen, der einen guten Job und ein stabiles Leben hat. Was aber immer wieder die Handlung beeinflusste, war, dass Oliver etwas nicht passte, er es aber nicht direkt gesagt hat. Stattdessen merkte Margot nur, dass irgendwas anders war und musste ihm dann quasi wieder hinterherrennen, um es rauszubekommen.
Fairerweise muss man sagen, dass Margot ihn aber lange Zeit auch so mit ihrem Leben belagert, dass er vielleicht noch gar nicht das Gefühl hatte, sie seien schon auf der Ebene. Ich persönlich fand auch dieses Verhalten irgendwie nachvollziehbar. Ja, kommunizieren ist der goldene Weg, aber wenn ich mit Ängsten aus meiner Vergangenheit zu tun habe und mein Gegenüber auch noch nicht ganz so gut kenne, dann ist es meiner Meinung nach vollkommen verständlich, wenn man sich dann erstmal in sich selbst zurückzieht.

Ansonsten mochte ich seinen Humor, habe im Vergleich zu Margot gleich erkannt, dass er gut zu ihr passt und fand es interessant, wie er einerseits Nähe suchte, gleichzeitig aber auch Distanz wahrte. So gab er Margot den nötigen Raum, um sich mit all ihren Problemen auseinanderzusetzen, während er selbst da etwas blass blieb und sich eigentlich nur durch sie entwickelt. Der Fokus lag also definitiv auf Margot. Wer da mehr Tiefe erwartet, bekommt sie an dieser Stelle also nicht. Für mich persönlich hat es so gepasst.

Slow Burn mit Spice und richtig guter Gesprächsdynamik

Die Anfänge der Story zwischen Oliver und Margot funktionieren über Chatnachrichten, dann über Telefonate. Das Tolle ist, dass die beiden absolut lustig zusammen sind. Sie haben den gleichen Humor, greifen Insider-Witze immer wieder auf und erschaffen sie natürlich zuerst gemeinsam. Ich finde es immer cool, wenn die Protagonisten so eine einzigartige persönliche Ebene haben, auf der sie kommunizieren.

Die Beziehung zwischen den beiden ist spicy, ansonsten aber Slow Burn. Es knistert gewaltig, während die Geschichte etwas brauchte, um ihr richtiges Ziel zu finden. Ich mochte aber die Einblicke in die Literaturbranche und wie auch Margots Familie und der Zukunftsdruck, der sie begleitete, stets präsent waren. Ein bisschen sind das ja auch typische Gründe, weshalb man sich auf Dating-Apps rumtreibt: man versucht jemanden zu finden, weil jemand fehlt. Entweder, weil man wirklich Nähe vermisst oder (und das ist in dem Alter, bei der Familie und bei den vielen Jahren, die Margot es schon probiert) weil die Gesellschaft es so proklamiert. Dazu liest sie noch die ganzen Liebesromane, in denen immer irgendwann „der Richtige“ gefunden wird. Man gerät in Zugzwang. Möchte jemanden finden. Margot wollte unbedingt ein Meet-Cute, wie sie es nannte. Eine Situation, in der man zufällig einem Fremden begegnet und sich daraus resultierend verliebt. Damit wird hier auch das Motiv von Vorstellung vs. Wirklichkeit aufgegriffen und auch das fand ich total interessant und nachvollziehbar für eine Frau in dem Alter. Es war einfach alles so nah am Alltag, dass ich auch die Geschwindigkeit des Handlungsverlaufes nicht als zu langsam empfand. Einfach nur als realitätsnah.

Für mich hatte die Geschichte einfach die richtige Mischung aus authentischen Erfahrungen und Entwicklungen, Spice und Liebe und Feelgood-Vibes und Humor. Auch das Ende hat das nochmal bestätigt, indem die Wendung zwar da war und natürlich ein zu lösendes Problem stellte, gleichzeitig aber auch die Entwicklung der Figuren aufnahm. Somit war es nicht allzu dramatisch und hat der Geschichte keinen Abbruch getan.

Fazit:
Eine wirklich schöne RomCom mit authentischen Figuren, realitätsnahen Beschreibungen und schönen Einblicken in die Literaturbranche (perfekt für uns Bookies). Den Humor fand ich super, das Knistern zwischen den Protagonisten ebenfalls und ihr Meet-Cute sowieso. Slow Burn, aber mit Spice. Eigentlich kann man es immer so machen^^
Einfach eine schöne Geschichte für zwischendurch, die für mich genau die richtige Portion Tiefe hatte, dabei aber locker leicht blieb.

Von mir gibt es 5 von 5 Sterne.

Vielen Dank an den Verlag und Netgalley.de für das Rezensionsexemplar!

3 Gründe, weshalb du dieses Buch lesen solltest:

Authentische Dating-App-RomCom mit echtem Alltagsgefühl
Humorvolle Slow-Burn-Romance mit Spice
Perfekt für Bookies & Romance-Fans


Liebe Grüße
Tomke

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 17.05.2026

Spannendes Kammerspiel!

Das Signal
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Schreibstil:
Die Autorin überzeugt mich immer wieder mit ihrem Schreibstil. Er ist prägnant und authentisch, aber auch düster und schnörkellos. Einfach so, dass man sich ganz auf die Geschichte konzentrieren ...

Schreibstil:
Die Autorin überzeugt mich immer wieder mit ihrem Schreibstil. Er ist prägnant und authentisch, aber auch düster und schnörkellos. Einfach so, dass man sich ganz auf die Geschichte konzentrieren kann gleichzeitig hinter jedem Wort eine versteckte Bedeutung vermutet, hinter jedem Satz einen Hinweis auf den Ausgang der Geschichte. Ich konnte das Buch super flüssig lesen und war fast durchgängig sehr gebannt.

Die Geschichte – Viola verliert ein Bein bei einem Unfall, der keinen Sinn ergibt

Erzählt wird aus der Perspektive von Viola, einer 36 Jährigen Künstlerin/Innendesignerin, die im Krankenhaus mit nur einem Bein erwacht und sich an nichts mehr erinnern kann.
Was mir gleich an ihr gefallen hat, war, dass sie sich zu keiner Zeit unterkriegen ließ. Ihre Gedanken zu ihrer Behinderung waren nachvollziehbar. Einerseits ein Schock und eine gewaltige Umstellung, gleichzeitig ist das Leben aber eben nicht vorbei, sondern muss weitergehen. Und das kann es ja auch. Mithilfe von Therapie, Prothesen, Unterstützung im Haushalt usw. ist einiges möglich und Viola ist bereit, zu kämpfen und sich dort, wo es nötig ist, helfen zu lassen, um weitestgehend wieder in die Selbständigkeit zu finden. Das fand ich total nachvollziehbar. Sie ist eine starke Persönlichkeit, warum sollte sie nicht positiv denken dürfen?

Und natürlich ist genau diese persönliche Einstellung der Antrieb, den es braucht, um die ganze Geschichte so problematisch zu machen, wie sie dann letztlich abläuft. Denn: Violas Mann scheint nicht unbedingt ein Fan davon zu sein, dass Viola nicht depressiv im Bett bleibt. Und genau da wurde es total spannend:)

Viola – Starke Protagonistin oder unzuverlässige Erzählerin?

Zwischendurch habe ich immer wieder überlegt, ob ich Viola nicht auch für verrückt halte. Bzw. zumindest nicht ganz „nett“. Sie ist nämlich keineswegs ein einfacher Charakter. Ihre Persönlichkeit ist stark, ihr Antrieb, wieder auf zwei Beinen zu stehen, groß und ihre Beobachtungsgabe ebenfalls. Ich fand es gut, wie sie immer wieder bestärkte, dass sie ihren Mann und ihre Freundinnen wirklich gut kennt und ihr genau deshalb Veränderungen so sehr auffallen. Aber auch abseits von anderen Figuren fallen ihr Veränderungen im Haus auf, sie stellt sich geschickt darin an, Lügen ans Licht zu bringen und lässt sich nicht hinters Licht führen. Ihren innerlichen Widerstreit zwischen den Ergebnissen der Tracker, die sie anwendet, und ihren vorherigen Gefühlen zu ihrem Mann und ihren Freundinnen fand ich dabei richtig gut aufgenommen. Schließlich kann man Gefühle und Liebe nicht einfach abschalten. Gemeinsame Erinnerungen sind nicht plötzlich vergessen, nur weil man Zweifel hegt. Das Bild, dass man vorher im Kopf hatte, muss Stück für Stück auseinandergenommen und neu zusammengesetzt werden und genau das passierte bei Viola. Ich konnte richtig mitverfolgen, wie sie mit sich und ihren Erkenntnissen kämpft. Das fand ich außerordentlich authentisch dargestellt.

Was meine Zweifel an ihrer Person betrifft, so musste ich mich echt ein wenig mit dem Gedanken anfreunden, dass sie Menschen Tracker verpasst. Ich meine: Das ist schon ein ziemlicher Tabubruch, den sie dort begeht, inkl. weiteren, die durch die sichtbaren Standorte möglich wurden. Manchmal kam dann bei mir der Gedanke auf, ob nicht eigentlich Viola das Problem ist. Ob sie nicht diejenige ist, die in diesem Spiel aus Lügen und versteckten Wahrheiten diejenige ist, die am unzuverlässigsten ist. Aber ich denke, genau das machte die Geschichte so spannend. Ich war mir nicht sicher, konnte mir nicht sicher sein. Fast bis zum Ende. Mehr sage ich dazu jetzt einfach mal nicht, aber ihr könnt euch darauf gefasst machen, dass Viola definitiv eine ebenfalls interessante Komponente in diesen Spiel ist.

Das große Geheimnis – und die Spieler:innen im Labyrinth

Habt ihr schonmal so ein Detektivspiel gespielt, bei dem ihr einen Umschlag mit Unterlagen bekommt und dann rekonstruieren müsst, was für ein Verbrechen von wem begangen wurde? Nach und nach geht man dabei die beteiligten Figuren durch, erstellt ihre Profile und versucht herauszufinden, ob sie ein Alibi haben, wie sie mit den anderen verstrickt sind und was ihre heimlichen Motive und sowieso Geheimnisse sind. Tja, ein bisschen so war es hier auch. Der Cast wird vorgestellt und ab dann ist es Viola, die uns bruchstückchenhaft mit Details zu allen füttert, sowie natürlich mit den Informationen, die ihr die Tracker liefern. Person A läuft also immer wieder in dieses Café, Person B hat gesagt, er wäre dort, ist aber tatsächlich ganz woanders hingefahren und Person C, die Haushälterin, verlässt das Haus nicht und behält Viola so stets im Blick. Aber wieso?

So kamen mehrere Komponenten zusammen, die die Spannung steigerten. Einerseits wollte man wissen, was der Ehemann ausheckt, bzw. ob er überhaupt etwas ausheckt. Dann beobachtet man Viola dabei, wie sie versucht, ihre Selbstständigkeit zurückzuerlangen und dabei die Haushälterin/Pflegerin auszutricksen, da diese sie nie allein lässt, und dann gibt es da noch ein paar mysteriöse Gestalten, die im Garten umherschleichen.

Die Geschichte baut sich langsam auf und wird mit immer mehr Informationen, die Viola erlangt, von Seite zu Seite spannender. Es wäre fast ein Kammerspiel, wären da nicht die Tracker. Ich muss sagen, dass ich mich erstmal daran gewöhnen musste, dass es nicht gleich heiß her ging. Die Spannung ist erst eher unterschwellig. Sie liegt in den Vermutungen und nicht direkt in den Handlungen. Sobald ich aber im Sherlock-Modus war und genau wie Viola versucht habe, die Informationen zu kombinieren, wurde es immer spannender.

Das Ende – wenn du erfährst, was du vielleicht gar nicht wissen willst

Was man definitiv irgendwann raushat ist, dass keine einzige Figur in diesem Buch ihre Motive offen vor sich herträgt, Viola eingeschlossen. Somit kam es für mich nicht überraschend, dass das Ende nochmal alles umgeschmissen hat. Und zwar so, wie ich es liebe: Aufregend, actionreich und erhellend. Ein wenig konnte ich mir schon denken, bei anderem bin ich total in die Irre geführt worden. So hat man es doch am liebsten, oder? Und macht euch darauf gefasst, dass gerade zum Ende echt nochmal richtige Thrillerelemente angewendet wurden:)

Fazit:
Mir hat das Buch rundum gefallen! Ja, die Geschichte brauchte ein wenig, um so richtig spannend zu werden, aber der Schreibstil war wie immer super und ich war total an die Seiten gebannt, während sich die Geschichte mehr und mehr aufbaute. Die Unzuverlässigkeit jeder einzelnen Figur, die Thematik an sich und das actionreiche Ende waren einfach mega. Ein Kammerspiel in der modernen Welt, das ein regelrechtes Versteckspiel inszeniert, dazu eine charakterstarke Protagonistin und eine ausgeklügelte Backgroundstory.

3 Gründe, warum du „Das Signal“ lesen solltest:

- Weil der Thriller mit deinem Vertrauen spielt
- Weil die Spannung eher schleicht als explodiert
- Weil Viola eine unglaublich starke Hauptfigur ist

5 von 5 Sterne von mir.

Vielen Dank an Netgalley.de und den Verlag für das Rezensionsexemplar!

Liebe Grüße
Tomke

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