Profilbild von Sioux

Sioux

Lesejury Star
offline

Sioux ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Sioux über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 18.09.2020

Wenn er doch nur etwas mutiger gewesen wäre...

Truly
0

Zur Info: Dies ist der erste Band einer Trilogie, die allerdings Einzelgeschichten von Protagonisten erzählt, die sich untereinander alle kennen.

Klappentext:
Andie kann es nicht erwarten, ihr Studium ...

Zur Info: Dies ist der erste Band einer Trilogie, die allerdings Einzelgeschichten von Protagonisten erzählt, die sich untereinander alle kennen.

Klappentext:
Andie kann es nicht erwarten, ihr Studium zu beginnen und ihre beste Freundin wiederzusehen. Nach einem chaotischen Start findet sie endlich ein Zimmer. Mit ihren neuen Mitbewohnern versteht sie sich gut, nur Cooper gibt ihr Rätsel auf. Er ist für Andie da und hilft ihr, wo er kann, gleichzeitig ist er abweisend und hält sie auf Distanz. Andie will wissen, was dahintersteckt und wer Cooper wirklich ist. Aber sie merkt schnell, dass manche Geheimnisse tiefere Wunden hinterlassen als andere …

Das Cover:
Ich bin ein totaler Fan von weißen Covern. Sie vermitteln einfach pure Eleganz meiner Meinung nach. Gerade, wenn die Elemente drauf schlicht gehalten werden. So ist es auch bei „Truly“. Der Titel wird hier zum Hingucker gemacht und das gelingt in der Farb- und Schriftauswahl wirklich sehr schön. So bleibt „Truly“ schlicht und dennoch eine kleine Besonderheit.

Der Schreibstil:
Für mich war es das erste Buch von Ava Reed. Ich hatte schon viel über ihren Schreibstil gehört, konnte mich aber bisher nicht selbst davon überzeugen. Jetzt war es also so weit. Und ich bin begeistert! Die Autorin schreibt wunderschön. Sehr bildlich und detailliert und, ich kann es nicht besser in Worte fassen, ruhig. Sie lässt sich einfach an einigen Stellen sehr schön viel Zeit, um es vernünftig zu erzählen, an anderen schafft sie es dann mit wenigen Sätzen etwas zusammenzufassen, sodass es auch mal springt, man sich aber nicht fühlt, als hätte man etwas verpasst. Da kann ich das „Zeitmanagement“ nur loben!
Zusammenfassend kann ich also sagen, dass sich ihr Stil sehr leicht und schnell lesen ließ.

Meine Meinung:
Wenn ich mich frage, wie ich ein Buch beginnen würde, dann kommt mir als erstes der Gedanke eines Neubeginns, einer entscheidenden Veränderung im Leben des Protagonisten. Genauso ist es hier. Andie zieht in die Stadt, zu ihrer Freundin June, zu ihrer Uni, an der sie endlich ihr Studium beginnen will.
Den Einstieg fand ich somit wenig originell, dennoch lese ich es immer gerne, weil von der Protagonistin eben schon so viel Neugierde und Spannung auf das Neue ausgeht.
Schwer fiel mir dagegen ein wenig, Andie einzuschätzen. Einerseits wirkte sie recht selbstbewusst mit ihrem gesunden Körpergefühl, der Aussage, sie trage, was sie wolle und ihrem bestimmten Auftreten gegenüber ihrem Bruder. Schnell merkt man aber, dass ihre beste Freundin June hier den Typ des taffen Mädels einnimmt. Andie ist dagegen eher schüchtern, hält sich aus schwierigen Situationen heraus, möchte niemanden verletzen oder mit Worten angehen. Die beiden bilden somit eine tolle Mischung, die sich über die Handlung hinweg sehr schön trägt und so mancher Szene Pfiff verleiht.

So habe ich Andie dennoch schnell sympathisch gefunden und war einfach immer wieder von ihrer Stärke beeindruckt, denn sie zieht so einiges durch, was ich mich vermutlich nie getraut hätte.

Dieses Gleichgewicht von Schüchternheit und Sturheit, nennen wir es mal so, in Andie hat die Autorin sehr schön zum Ausdruck gebracht, sodass es auch authentisch wirkte. Gemocht habe ich außerdem, dass Andie mit beiden Beinen fest in der Realität steht und sich nichts vormacht. So lesen wir hier nicht von einer Protagonistin, die sich blind und naiv in die Schwärmerei in einen geheimnisvollen Typen stürzt, sondern eher eine sehr vernünftig wirkende Andie, die auch den Schlussstrich sieht und ihn ziehen kann. Das hat mir wirklich sehr gefallen.

Einzig wirklich schwierig an Andie, und das hat auch viel mit der Handlung zu tun, fand ich, dass es lange unklar blieb, warum sie so unbedingt an dieser Uni studieren will. Dadurch fand ich einige Szenen manchmal etwas zu einfach gelöst. Eben weil ich lange keine Ahnung hatte, worum es Andie eigentlich ging.

Cooper ist dagegen eine ganz andere Liga. Auch aus seiner Sicht wird erzählt, das hat es aber nicht unbedingt besser gemacht. Zuerst einmal zum Guten: ich fand es toll, dass er erst gar nicht will, sie nicht verlieben will und noch dazu eine Vergangenheit hat, die dies auch sinnvoll begründet. Er kontrolliert seine Wirkung auf andere sehr genau, um seine Mauern nicht einstürzen zu lassen. Das war in seinen Parts wirklich gut dargestellt. Zudem hat er natürlich ganz dem Klischee nach ein gutes Herz. Er kann Andie nicht verletzen, hilft ihr, obwohl er es nicht will. Ihr wisst schon. Gestört hat mich an Cooper aber, dass ich im Gegensatz zu Andie bei ihm keine Entwicklung festgestellt habe. Andie wird stärker mit der Zeit. Die Geschehnisse rund um die Uni lassen sie härter, selbstbewusster und bestimmter werden. Cooper dagegen braucht immer von außerhalb Anstöße, um irgendeine Veränderung zu erreichen. Klar, man erkennt sein Wesen und verliebt sich wie Andie in ihn. Aber er ist wohl eher der Typ, den man immer anstarrt, der sich aber nichts anmerken lässt und einen nie anspricht, sodass man sich dann irgendwann einen anderen sucht.

Und gerade wenn ich dachte: jetzt springt er über seinen Schatten, jetzt ist er mutig, jetzt steht er zu seinen Gefühlen, irgendwas, damit die Spannung sich in dieses kribbelnde Gefühl auflöst,passierte nix. Oder Mase musste einspringen. Der Kerl ist übrigens super. Ich habe ihn total in mein Herz geschlossen. Leider stellt er Cooper damit in einen noch schlechteren Kontrast…

Die Geschichte war nichts so ganz Neues. Aber das erwartet man ja auch nicht. Ich fand es toll, dass es hier alles noch ein Tickchen mehr schief läuft als in anderen Büchern und gleichzeitig aber auch ein Tickchen besser, denn da ist ja Mase und überall andere Menschen, die hinter Andie stehen. Gut fand ich auch, dass Andie ein paar kleine Macken hatte, die sich in der Handlung in liebevollen Details widergespiegelt haben. Die Situation um ihre Mutter war gut, um das mit der Uni und auch um ihr Zuhause aufzuhängen. Manchmal hätte ich mir allerdings gewünscht, dass Andie da ein bisschen mehr drüber spricht bzw. es noch verarbeitet.

Was die Liebesgeschichte angeht,, kann ich sagen, dass alles seltsam erfrischend vor sich geht. Eben weil Andie einerseits natürlich ziemlich schnell Cooper verschossen ist und sie sich aber nix anmerken lassen will. So wie das eben ist. Aber es gibt hier viele Szenen, in denen Andie über ihren Schatten springt und mit dem Offensichtlichen herausplatzt, Dinge ganz richtig interpretiert oder eben auch mal die Konsequenzen aus etwas zieht. Das war für mich tatsächlich am ausschlaggebendsten für die Spannung. Und die hält wirklich das ganze Buch über. Cooper bekommt zum Glück erst ganz am Ende seinen größten Einsatz und so ist alles davor gar nicht so schlimm, was seine Feigheit betrifft.

Mit dem Ende war ich dann fast zufrieden. Aber Hauptsache sie sind glücklich bis an ihr Lebensende. (Nein, das ist kein Spoiler -> New Adult)

Fazit:
Eine nette Collegegeschichte, die von einer interessanten Protagonistin und einem etwas feigen Protagonisten erzählt. Dafür gibt es aber sehr tolle Nebenfiguren, die ich wahnsinnig lieb gewonnen habe. Die Spannung ist trotz das es manchmal etwas stockt immer da und die Liebesgeschichte hat auf beiden Seiten Tiefe, aber auch erfrischende Momente durch die Protagonistin.

Es gibt 3 von 5 Sterne von mir.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 17.08.2020

Authentische Geschichte über eine Lebensfreundschaft

Die Mädchen aus der Firefly Lane
0

Klappentext:
Im Sommer 1974, zum Sound von Fleetwood Mac und Abba, lernt die Außenseiterin Kate die schöne, aufregende Tully kennen, die alles zu haben scheint, was ihr fehlt. Aus den sehr unterschiedlichen ...

Klappentext:
Im Sommer 1974, zum Sound von Fleetwood Mac und Abba, lernt die Außenseiterin Kate die schöne, aufregende Tully kennen, die alles zu haben scheint, was ihr fehlt. Aus den sehr unterschiedlichen Mädchen werden Freundinnen, die weder Tullys Karrierestreben noch Kates Entscheidung für Kinder und Familie trennen kann. Jahrelang umschiffen Tully und Kate die Klippen jeder engen Freundschaft – Eifersucht, enttäuschte Liebe – und halten zueinander. Bis zu jenem Tag, als ein Verrat ihr Vertrauen auf die Probe stellt …

Zum Inhalt: „Gegensätze ziehen sich an.“, diesen Satz kennt wohl jeder. Das aus diesen Gegensätzen eine beste Freundschaft werden kann, die über 30 Jahre währt, davon erzählt das vorliegende Buch.

Zum Schreibstil: Die Geschichte beginnt in der Gegenwart mit dem Zerwürfnis der beiden Freundinnen und blickt dann zurück zu den Anfängen. Schnell ist der Leser in der Handlung drin, wird mitgerissen und erkennt sich wieder in einer der zwei Protagonistinnen.
Der Schreibstil ist schnell und flüssig. Er gliedert sich in vier einzelne Lebensabschnitte, die sehr schön durch bekannte Musikstücke dieser Zeit eingeführt werden und damit eine gewisse Grundstimmung heraufbeschwören.
Es war wieder sehr schön, sich einfach von Kristin Hannah mitnehmen zu lassen. Sie hat eine Art zu schreiben, die einen sehr nah an das Geschehen heranbringt, was mir sehr gefällt.

Zu den Charakteren:
Beliebt oder graue Maus, zielstrebig und selbstbewusst oder nett und unscheinbar? Tulli und Kate können unterschiedlicher nicht sein, zwei junge Teenager, die nur die Einsamkeit verbindet.
Doch dieses Band schafft es, dass die zwei sich gegenseitig durchs Leben helfen. Aus Tulli wird die Karrierefrau, die von ihrer Mutter unbedingt gesehen werden möchte, dies aber bei aller Berühmtheit nicht schafft. Sie beneidet Kate um ihre Familie und die familiäre Geborgenheit. Wie unglücklich und einsam sie ist, das weiß nur sie allein.

Aus Kate wird die Mutter, das Organisationstalent, die für alle immer aufopferungsvoll da ist und die Wogen wieder glättet, wenn es gefordert ist. Sie bewundert Kate für die Selbstverständlichkeit mit der sie alles erreicht. Nur sie weiß, dass hinter Kates Perfektion eine verletzliche Seele steckt. Wie verletzlich sie selbst ist, ihre Ängste, als Frau nur die zweite Wahl zu sein, erkennt niemand.

Beide Protagonistinnen sind Extreme, leicht überzogen. So bieten sie viele Identifikationsangebote. Mit wem man sich nun identifiziert, ist natürlich von einem selbst abhängig. Durch die Überzogenheit gibt es aber viele Situationen und Gefühle, mit denen ich mich identifizieren konnte. Das macht die Geschichte sehr wirklich und wirkte einnehmend.
Kate war aber letztlich etwas stärker, denn bei Tulli hatte ich das Gefühl, dass sie irgendwo im Mittelteil immer schwächer wurde. Während Kate sich weiterentwickelt und stärker wird, auch wenn es langsam geschieht, so bleibt Tulli schlicht wie sie von Anfang an war. Das war etwas enttäuschend, weil sie sowieso schon nicht ganz so sympathisch für mich war und Kate immer wieder eingrenzt.

Ansonsten kann ich über die Charaktere sagen, dass Kristin Hannah hier zwei Frauen geschaffen hat, die eine sehr eindrückliche Freundschaft beschließen. Gerade, weil sie so unterschiedlich sind, gab es natürlich mehrere Reibungspunkte und die Geschichte war so sehr weit in ihren Themen und Problematiken im Lebensverlauf gefasst.


Zur Handlung:
So eine Freundschaft – gerade in der Zeit als Teenager – kennt jeder von uns und so ist auch die Handlung nach einiger Zeit vorhersehbar und wirkt manchmal etwas langatmig erzählt. Der Leser verfolgt die Reise durch die eng miteinander verknüpften Lebensphasen der beiden Mädchen. Mit Spannung wird die Wendung erwartet, die Rückkehr in die Gegenwart und die Beantwortung der Frage: Was hat 30 Jahre Freundschaft beendet?

Gefallen hat mir auch die Problematik der Teenie-Phase bei den eigenen Kindern und wie Tully und Kate damit umgehen. „Man kann tun, was man will, die Kinder machen einem doch alles nach.“ Aber erkennen wir das? Es ist interessant, dies in seiner Ausführlichkeit an diesen Figuren zu sehen, deren Leben wir ja komplett mitverfolgen.
Besonders schön war es dabei, dass alle Situationen so nah am Alltag waren, an dem, was Mütter tagtäglich erleben. Also keine aus der Luft gegriffenen Situationen, sondern Situationen, die sich durch ihre Authentizität auszeichnen.
Das ist für mich eine Stärke der Autorin. Ihre Geschichte sind meist so aus dem Leben gegriffen, dass sie real wirken. Als könnten sie so passiert sein. Das machen unter anderem auch die vielen Details in ihren, und auch in dieser Geschichte.

Das Ende: Die Beantwortung der Frage hat mir Tränen in die Augen getrieben. Auf einmal war es so emotional. Egal, was ihr anfangs erwartet habt, es kommt ganz anders. Es hat die Geschichte für mich perfekt abgerundet, denn die Tragik des Endes hat die Ereignisse auf den Punkt gebracht. Noch einmal wird einem bewusst, was Freundschaft bedeutet und vor allem, was Freundschaft zwischen diesen beiden Frauen bedeutet.

P.S. Mit dem Nachwort gibt uns Kristin Hannah noch eine nicht unwesentliche Botschaft, scheinbar aus einem persönliches Bedürfnis heraus, mit auf den Weg und bestärkt so ihre Moral der Geschicht‘.

Fazit:
Der Schreibstil von Kristin Hannah war wieder wunderbar, sodass es sich super lesen ließ und mich voll mitgenommen hat. Die beiden Protagonistinnen sind etwas überdramatisiert. Es ist wohl ein Merkmal der Autorin, dass sich Drama an Drama hängt während des Handlungsverlaufs. Es ist aber auch etwas, was ihre Geschichten immer sehr besonders und einnehmend macht und mir durchaus gefällt. Hier war es interessant, das Leben der beiden zu verfolgen und dabei immer wieder an den Alltag erinnert zu werden.
Zwischendurch fand ich es immer mal wieder etwas langatmig und auch von Grund her etwas vorhersehbar, aber das haben die Emotionen zum Ende hin wieder wett gemacht.

4 von 5 Sterne von mir.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 10.08.2020

Super Idee, tolle Umsetzung!

Stolen 1: Verwoben in Liebe
0

Klappentext:
Wenn der erste Junge, den du küsst, deine Seele stehlen will, dann läuft etwas gewaltig schief. So wie bei Abby Woods. Sie hat schon viele Fehler begangen. Diese haben sie nach Darkenhall ...

Klappentext:
Wenn der erste Junge, den du küsst, deine Seele stehlen will, dann läuft etwas gewaltig schief. So wie bei Abby Woods. Sie hat schon viele Fehler begangen. Diese haben sie nach Darkenhall geführt, eine Londoner Schule, die sich rühmt, auch aus den unbezähmbarsten Schülern bessere Menschen zu machen. Als sie dort dem charismatischen Tristan und seinem geheimnisvollen Bruder Bastian begegnet, begeht sie einen noch viel größeren Fehler. Sie stiehlt Bastians Ring, nicht ahnend, welche Kraft sie damit entfesselt. Denn die Tremblays sind keine gewöhnlichen Schüler, und der Ring kein einfaches Schmuckstück. Abby gerät in große Gefahr und sie muss erkennen: Einen Tremblay küsst man nicht.

Zur Info: Dies ist der erste Band einer Trilogie.

Cover:
Ich liebe liebe liebe den Buchschnitt, dieser limitierten Auflage! Er ist hellblau-weiß gemustert, ähnlich eines Aquarellverlaufs und ein totaler Hingucker. Man könnte es mit Schlieren vergleichen. Diese finden sich auch auf dem Cover. Dort werden sie jedoch noch dunkler, bis hinein ins schwarze. Es ist einfach wunderschön. Und auch im Buch ziehen sich die Schlieren in die Überschriften der Kapitel. Wenn ihr das Buch gelesen habt, werdet ihr verstehen, zu was dies analog ist. Diesen Zusammenhang finde ich richtig cool. Ich mag es immer, wenn das Cover (und hier einfach alles) Bezug auf den Inhalt nimmt.

Schreibstil:
Die Geschichte ist ganz im Stil eines Jugendbuches geschrieben würde ich sagen. Es lässt sich durch den unkomplizierten Schreibstil sehr schön flüssig lesen.
Ich musste mich einzig ein wenig daran gewöhnen, dass die Protas oft laut mit sich selbst sprechen:)
Gut fand ich zudem, dass die Kapitel nicht klassisch auf eine Perspektive beschränkt wurden. Stattdessen werden innerhalb der Kapitel durch ein Grafikzeichen fließend die Perspektiven zwischen den Hauptprotagonisten gewechselt. Auffällig ist hier, dass Abby aus der Ich-Perspektive erzählt, was einen sehr persönlichen Eindruck von ihr ermöglicht, Bastian aber personal im „er“ erzählt. Das schafft Distanz und lässt ihn trotz der persönlichen Perspektive unnahbarer wirken. Abby ist also Hauptperson. Das hat mir sehr gut gefallen, weil der Fokus so auf Abby blieb und gleichzeitig beschleunigen die Perspektivwechsel die Story und sorgen für Spannung.

Meine Meinung:
Ich habe schon lange kein Buch mehr gelesen, in dem ich im ersten Moment so sehr „drin“ war. Der Prolog ist schon einmal sehr geheimnisvoll und erzeugt mächtig Spannung im Hinblick auf die eigentliche Geschichte. Zudem macht er das Motiv der Geschichte sehr deutlich. Ich musste während des Lesens immer wieder daran denken, was für mich ein deutliches Zeichen dafür ist, dass es beim Leser genau die richtigen, spannungssteigernden Denkanstöße liefert.

Abby als Hauptprotagonistin fand ich sehr cool und interessant. In ihrer ersten Szene wird quasi der Grundstein für ihr Wesen gelegt, sodass man alles, was später über sie gesagt wird, schon richtig (wahr vs. falsch) zuordnen kann. Das fand ich super, weil ich so von Anfang an das Gefühl hatte, dass sie mir vertraut ist, dass ich sie kenne. Zudem hat es Abby einfach sympathisch gemacht.
Im weiteren Verlauf der Geschichte mochte ich Abby für ihre coole Art, die nur gelegentlich ins Wanken gerät. In vielen Situationen reagiert sie genau passend auf die beiden Jungs. Das macht die Dynamik zwischen den Dreien einfach genial, denn hier haben wir mal keine Protagonistin, die „schwach, sensibel, schüchtern“ usw. ist. Stattdessen ist Abby recht stark und selbst die Jungs wundern sich immer wieder über ihr Wesen. Es macht sie zu einer echt coolen Hauptprotagonistin.
Spannend fand ich dann im Bezug auf Abby auch, wie das Thema der Story an ihr in allen Facetten behandelt wurde. Ich versuche jetzt mal nicht zu spoilern und sage, dass ich es gut fand, dass Bastians „Kraft“ an ihr in Frage gestellt, bestätigt und anschaulich wird und dass wir all dies auch in ihrem Wesen erkennen. Der Zusammenhang zwischen Thema und Abby ist einfach grandios gelungen. Es wird uns allen bewusst, wie es auch das Innerste, die Gefühle beeinflusst.
Im Verlauf der Handlung ist das Interessante an ihr, dass sie sich nicht so wie gewohnt langsam öffnet, sondern eher das Gegenteil der Fall ist, äußere Umstände es dann aber auf andere Art herbeiführen. Ich kann hier nicht so ganz drauf eingehen, weil es wieder spoilern würde, aber es ist ein bisschen, als hätte man einen Eisblock, der im Kühlraum gelagert wird. Ab und an kommt dann aber doch ein Flammenwerfer vorbei und der hat es in sich. Sowohl im Hinblick auf Abbys Gefühle als auch auf Wendungen und Höhepunkte der Story.

Bastian lernen wir als ersten bereits im Prolog kennen. Tatsächlich müssen wir dann innerhalb der Geschichte aber einige Zeit auf ihn warten und auch dann, bleibt er eine geheimnisvolle, zerrissene Gestalt. Auch bei ihm sind sein Charakter und das Thema der Geschichte eng miteinander verbunden. Es werden jede Menge Fragen aufgeworfen und gleichzeitig ziert er sich nicht wie einige andere „geheimnisvolle Badboys“. Vielleicht, weil er keiner ist? Ich fand ihn im Kampf mit seiner Kraft jedenfalls sehr spannend und interessant und fand auch, dass dies gut in die Lovestory eingebunden wird. Es geht hier nicht so langsam, aus gegebenen Grund aber auch nicht zu schnell voran.
Seine Figur generell ist recht tragisch und ich bin super gespannt, wie er sich in den weiteren Bänden noch entwickeln wird. Ebenso wie bei Abby kann ich mir bei ihm vorstellen, dass da noch viel Eis schmelzen kann.

Letzter in diesem Trio und nicht zu vergessen ist Tristan. Den man dann wohl klischeehaft als Sunny-Boy einordnen müsste. Erst war ich ihm gegenüber sehr kritisch eingestellt, weil Abby ihn als sehr arrogant und selbstsüchtig beschreibt. Im Verlauf der Geschichte lernt man seinen Humor und seine locker Art aber schätzen. Zudem wird er zu einem treuen Freund für Abby, der stets das Gegenteil zu Bastian darstellt. Die beiden könnten vom Wesen her nicht unterschiedlicher sein, dennoch werden beide gleichermaßen ernst, wenn es um das eigentliche Thema der Geschichte geht und das fand ich gerade bei Tristan sehr cool. Er verliert so ein bisschen seine Klischeehaftigkeit und bekommt mehr Griff. Die Frage ist natürlich: Für wen von den beiden sollte man sich entscheiden?

Den Handlungsverlauf der Geschichte fand ich sehr gut gewählt. Es ist durchweg spannend und man fliegt nur so durch die Seiten. Anfangs ist da die Spannung, um was es eigentlich geht und dann wird das Buch immer mehr zu einem Abenteuerroman, in dem die drei Hinweisen folgen und den Bösewicht aufhalten wollen. Dadurch, dass es zwischendurch auch Perspektiverzählungen der „Bösewichte“ gibt, weiß man an einigen Stellen etwas mehr als die Protas und verfolgt fiebernd, wie sie der Wahrheit immer näher kommen. Die Hinweise fand ich dabei sehr gut ausgearbeitet und verteilt, sodass man alles gut nachvollziehen konnte und es dennoch nicht voraussehbar wurde. Zudem sorgte die Verstrickung von Abby in die Geschehnisse dafür, dass auch Dramatik aufkam.

Wenn ich die Geschichte nun mit anderen Büchern vergleiche, dann ist alles natürlich etwas einfacher gehalten. Eben so, dass man als Leser sehr gut mitkommt und nicht zu viel gleichzeitig passiert. Das macht eben ein Jugendbuch aus und so habe ich es auch genossen. Einige versprechen sich hier vielleicht etwas mehr, aber für mich stimmte die Mischung aus Liebesgeschichte, Abenteuer und Drama und viel Spannung einfach.

Das Ende macht Lust auf mehr. Es verläuft ziemlich offen, sodass man unbedingt wissen will, was nun als nächstes passiert. Vor allem, weil auch hier wieder nicht nur ein Handlungsstrang verhandelt wird. Stattdessen bleiben gleich mehrere Stränge offen zurück und ich bin gespannt darauf, sie weiter verfolgen zu können.

Fazit:
Für mich ein sehr gelungenes Jugendbuch mit einer originellen Idee, die auch sehr gut mit den Protagonisten verschlungen ist. Die Lovestory war wunderbar, weil sie im genau richtigen Tempo voranschreitet und tolle Gefühle in die Geschichte bringt. Abby war mir gleich sympathisch und Bastian und Tristan haben definitiv Potential für ein „Welchen Bruder würdest du nehmen?“-Special.
Der Schreibstil begleitet die im Jugendbuchstil aufgebaute Geschichte sehr schön flüssig und leicht lesbar.
Ein Buch, dass ich jedem empfehlen kann, der gerne Jugendbücher mit Fantasyelementen liest. Eine Dreiecksliebesgeschichte gibt es zwar so gesehen auch, allerdings ist sie nicht so tragisch dramatisch aufgebaut wie in manch anderen Büchern. Das fand ich zwar super, ist dann aber wohl nicht das, was man den Lesern mit dieser Vorliebe empfehlen kann.
UND ein weiterer Pluspunkt dieses Buches: Es ist einfach mega schön!

Von mir gibt es 5 von 5 Sterne.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 29.07.2020

Liebe für unendlich. Mit all ihren Emotionen.

All Your Kisses
0

Klappentext:
Als Rune Kristiansen nach Blossom Grove, Georgia, zurückkehrt, hat er nur eins im Sinn: herausfinden, warum Poppy ihn von einem Tag auf den anderen aus ihrem Leben verbannt hat. Und das, obwohl ...

Klappentext:
Als Rune Kristiansen nach Blossom Grove, Georgia, zurückkehrt, hat er nur eins im Sinn: herausfinden, warum Poppy ihn von einem Tag auf den anderen aus ihrem Leben verbannt hat. Und das, obwohl sie ihm versprochen hatte, bis in alle Ewigkeit auf ihn zu warten. Zwei Jahre lang hat Poppys Schweigen Rune jeden Tag aus Neue das Herz gebrochen, doch als er ihr nach all der Zeit das erste Mal wieder gegenübertritt, weiß er augenblicklich, dass der schlimmste Schmerz ihnen erst noch bevorsteht.

Cover:
Ich liebe das Cover. Es erinnert mich an die Farbexplosion bei einem Holi-Festival. Doppelt schlicht gelungen würde ich sagen. Ein echter Hingucker im Bücherregal. Ob man es nun lieber bunt oder dunkel mag.

Schreibstil:
Es ist mein erstes Buch von Tillie Cole und ich bin total überrascht, dass die Autorin nicht längst zusammen mit Emma Scott und Brittainy C. Cherry erwähnt wird, denn sie schreibt ebenso emotional wie die beiden und wagt sich an die unschönen Themen. Die Emotionen waren einfach wunderbar greifbar und immer wieder setzte sie geschickt Wiederholungen und Ergänzungen ein, die den ganzen Text miteinander verbanden. Das passte super zu der Liebe zwischen Rune und Poppy, denn ihre Liebe ist schließlich immer da und bleibt die Haupthandlung.
Man stellt sich hier also darauf ein, etwas ausführlicher von Gefühlen zu lesen. Dennoch zaubert die Autorin mit dieser Ausführlichkeit auch ein paar Längen ins Buch, die man entweder genießt oder als störend empfindet.

Meine Meinung:
Wenn die ersten Seiten dich schon verzaubern, wie willst du dann dem Charme des Buches über die Handlung hinweg widerstehen?
Die Zeitspanne dieses Buches ist eng bemessen, umso schöner, dass die Autorin es schon zu der Zeit anfängt, in der die Protagonisten fünf Jahre alt sind. Es fängt an mit den Kirschblüten, einem Mädchen und einem Jungen und dem Schwur auf beste Freundschaft. Von diesem anfänglichen Moment an habe ich die Leichtigkeit bestaunt, die die beiden in ihrer Beziehung an den Tag legen. Anstatt ihre Zeit mit zweifeln zu verschwenden, sich zu hintergehen und anzulügen, vertrauen die beiden sich einfach und halten zueinander. Immer. Und sie geben dem anderen einfach keinen Grund, an sich zu zweifeln. Das fand ich super schön, weil es so ungewohnt war und einfach unkompliziert. Es hat die Liebe zwischen den beiden betont und sie beständiger gemacht.
Mit acht Jahren bekommt Poppy schließlich ihr Glas der tausend Jungsküsse. Wer das vorher erschienene Ebook-Cover kennt, wird es sich vorstellen können.
Ich fand es war eine wundervolle Idee, die schnell zum eigentlichen Thema der Handlung wird. Noch dazu ebnet das Glas und sein Hintergrund das spätere Geschehen.
Die junge Poppy ist schön, lieblich, voller Lebensfreude und lässt sich diese von kaum jemandem nehmen. Durch den Tod ihrer Oma wird sie allerdings bereits an das Leben nach dem Tod herangeführt und erhält hier eine Weisheit, die sie die restliche Story hinweg älter erscheinen lässt als sie wirklich ist.

Rune dagegen verhält sich mehr seinem Alter entsprechend. Nachdem er zurückkehrt, kommt bei ihm endlich der Teenager durch. Eine Phase, die durch die Liebe zu der besonnenen Poppy verschoben worden zu sein scheint.
Erst nach seiner Rückkehr wurden die beiden für mich zu Individuen. Vorher waren es Poppy und Rune. Eine Einheit. Fast schon unwirklich. Nun sind die beiden mehr erkennbar. Das hat es für mich genau zum richtigen Zeitpunkt gerettet, denn ansonsten hätte ich die Handlung wohl als zu seicht, zu einfach (im Sinne von zu glücklich) empfunden.
Ich will nicht spoilern, aber beide verändern sich, weil auch ihr Leben, ihre ganze Weltanschauung sich auf einmal verändert.
Und genau das wird dann auch problematisiert. Rune der zerbrochene Bad Boy trifft auf eine Poppy, die völlig abgeklärt durchs Leben geht. Das sorgt für Spannungen, die die Geschichte immer wieder lebendiger machen und gleichzeitig die hochemotionalsten Szenen heraufbeschwören. Als Leser versteht man Rune dabei wohl am besten. Er ist derjenige, der unsere Gefühle im Prinzip spiegelt und ganz „normal“ auf die Situation reagiert. Ihn begleitet eine unheimliche Tragik, die den Leser komplett durchflutet.
Poppy betrachten wir aus seiner Sicht, obwohl aus beiden Perspektiven erzählt wird. Ihr kommen wir Leser nie so nah, denn ihre Vorstellungen und Lebensweisheiten resultieren aus einer Erfahrung, die wir nicht so recht nachvollziehen können. Einerseits, weil ihr religiöser Glaube nur am Rande erwähnt wird und andererseits, weil wir auch nie richtig die Gelegenheit bekommen, sie zu durchschauen. Sie ist einfach so.
Ich persönlich fand ihren Charakter aber einfach unheimlich interessant und habe sie gerne beobachtet, ebenso wie Rune sie beobachtet. Die Autorin hat ihr eine faszinierende Ausstrahlung verpasst, die einen in ihren Bann zieht.

Der Handlungsverlauf ab dem siebzehnten Lebensjahr der beiden, der den größten Teil der Geschichte ausmacht, besteht eigentlich nur aus einem Abschied. Teilweise gab es ein paar Längen, aber ansonsten ließ es sich wirklich sehr sehr schön lesen. Die Liebe der beiden findet sich in jedem Wort, in jeder Situation und in jeder Aufmerksamkeit. Besonders toll fand ich, dass Poppy Rune neu kennenlernt und er sich dann ganz von alleine weiterentwickelt, einfach weil er mit Poppy konfrontiert wird. Es war alles authentisch und dennoch haben sich die beiden gegen die harte Realität aufgelehnt und ihre ganz eigene erschaffen, die nichts verleugnet, aber auch nichts schlimmer macht, als es ist. Diese Art in den Tag hineinzuleben, mit dem wichtigsten Menschen an seiner Seite ist es, was die Story ausmacht. Ich fand es wundervoll.

Tja und das Ende. Wer bei diesem Buch eine actionreiche Spannung erwartet oder überhaupt einen großen Spannungsverlauf, der wird enttäuscht sein. Eigentlich weiß man schon vor der Hälfte des Buches, wie es weiter- und ausgehen würde. Aber der Fokus der Geschichte liegt eben auf etwas anderem. Liebe soll hier begreiflich gemacht werden. Und das wird sie auch. Das Ende ist dabei nicht aufzuhalten und so tragisch und zugleich wunderschön wie es nur ging. Der Epilog setzt dem Ganzen ein Topping, das die Geschichte perfekt abrundet.

Fazit:
„All Your Kisses“ ist eine wunderschöne Geschichte, die beim Leser sämtliche Emotionen auslöst. Es ist kein fröhliches Buch, aber auch kein trauriges. Einfach ein Buch, dass von der wahren Liebe zwischen zwei Menschen erzählt und das auf die vertrauensvollste und tragischste Art, die ich je erlebt habe.
Nicht jede Geschichte muss vor Spannung strotzen, Actionmomente enthalten und benötigt Drama. Manchmal reicht es auch, eine Liebesgeschichte zu erzählen, die eine unendliche Liebe erlebbar macht. Mit allen Momenten des Vertrauens, der Aufmerksamkeit, der Zweisamkeit und Hingabe.

5 von 5 Sterne von mir.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 24.07.2020

Spannend, super verstrickt, aufregend und mega erzählt

Four Dead Queens
0

Klappentext:
»Sei schnell und noch schneller wieder weg«, das ist das Motto von Keralie Corrington, Taschendiebin aus Quadara. Im Regierungsbezirk von Quadara stiehlt sie dem Boten Varin Erinnerungschips ...

Klappentext:
»Sei schnell und noch schneller wieder weg«, das ist das Motto von Keralie Corrington, Taschendiebin aus Quadara. Im Regierungsbezirk von Quadara stiehlt sie dem Boten Varin Erinnerungschips – ein begehrtes Gut auf dem Schwarzmarkt. Allerdings muss sie feststellen, dass es sich keinesfalls um leere Chips handelt: Unfreiwillig wird sie Zeugin, wie Quadaras vier regierende Königinnen ermordet werden. Keralie und Varin werden unfreiwillig zu Spielbällen einer weitreichenden Verschwörung. Zusammen versuchen sie, den Strippenziehern zu entkommen und deren Pläne zu vereiteln.

Der Schreibstil:
Die Autorin schreibt sehr schön flüssig und interessant. Ich war sofort voll in der Geschichte drin. Besonders gefallen hat mir, wie eindrücklich sie Erinnerungen mit der Gegenwart verwob und so auch den Clue der Geschichte gut einbinden konnte. Es war wirklich sehr angenehm zu lesen.

Meine Meinung:
Aus dem Klappentext weiß man: Keralie wird Zeugin der Morde an den vier Königinnen. Für mich schonmal ein totaler Antrieb ganz zu Anfang des Buches, weiter und weiter zu lesen. Dazu kommt, dass Keralie total cool wirkt. Und damit meine ich „cool“ in dem Sinne, wie man es eigentlich verwendete: gelassen, gefasst und einfach sie selbst. Ich mochte sie sofort. Sie weiß um ihre Stärken und hat einen eigenen Kopf, der sie mir sehr sympathisch gemacht hat.
Die Spannung wird nun erhöht, indem nicht nur aus der Perspektive von Keralie, sondern auch aus der der vier! Königinnen erzählt wird. Die erste Königin wird erst dann ermordet. Wo befinden wir uns also in der Geschichte? Was ist Vergangenheit und was Gegenwart? Was vielleicht Zukunft? Mit diesen Gedanken, die beim Leser entstehen, spielt die Autorin wunderbar. So ist die ganze Geschichte in vier Teile aufgeteilt. Jeweils mit noch mehr Perspektiven, die die Geschichte weitreichender und umfassender werden ließen.

Alle Teile waren dabei verschieden gut gelungen wie ich finde. Im ersten Teil zum Beispiel verläuft die Geschichte noch etwas schleppend. Man weiß nicht ganz wohin es führt, während andere Szenen wiederum unerträglich spannend und actionreich waren. Sie dient wohl erst einmal dazu, die Protagonisten und auch die erzählte Welt kennenzulernen. Denn obwohl es ganz fantasylike irgendwo in einer Parallelwelt zur Frühen Neuzeit angesiedelt zu sein scheint, gibt es auch Technologien, die diesen Eindruck stören (vielleicht ähnlich wie bei Panem). Daraus wiederum entstehen Menschen und Dinge, die wir uns heute noch nicht einmal vorstellen können. Ich fand diese Kombination sehr interessant und innerhalb der Geschichte logisch, nachvollziehbar und gut ineinandergefügt.

Keralie und Varin sind ein tolles Gespann. Ich in sehr froh, dass die Autorin sich bei ihrem Begleiter für einen aus Eonia (das sind die aus dem unemotionalen Landteil) entschieden hat. Es ist einfach wunderbar zu sehen, wie Keralie ihn mehr und mehr mit ihrer Art ansteckt und verzaubert und er immer mehr auftaut. Er beschwört zudem auch bei Keralie eine andere Seite herauf. Ich fand es wirklich schön, sie so in ihrer ganzen Vielschichtigkeit kennenzulernen. Das hat mir Keralie einfach noch greifbarer gemacht und dabei war sie das schon von Anfang an.
Mit Keralie lernt man einfach die perfekte Heldin für solch eine Geschichte kennen. Und perfekt meine ich hier nicht im Sinne, dass sie keine Ecken und Kanten hat, sondern dass sie einfach super passt. Mir hat es gefallen, dass sie ihre festen Prinzipien hat, die sie stets befolgt. Sie hat aber auch schon einiges durchgemacht und sich eine harte Schale zugelegt. Dazu ist sie eine Diebin und hat gelernt, so zu leben und so zu sein. Während des Handlungsverlaufs entwickelt sie sich toll. Ich mochte es sehr, wie sie sich entwickelt hat. Sie hat gelernt, ihren eigenen Wert zu erkennen und konnte alle ihre Fähigkeiten in einem ganz anderen Kontext verwenden. So ist es für sie wohl das schönste Happy End, dass ihr voriges Leben nicht „umsonst“ war.

Die nächsten Teile werden nun immer spannender, obwohl ich gestehen muss, dass es zwischendurch immer mal Phasen gab, in denen ich mich fragte, was für eine Handlung ich eigentlich gerade lese. Ich konnte mich durch die Geschichte tragen lassen, aber es passiert dann einfach manchmal nichts Großes. Die Autorin arbeitet zu einem Großteil auf der Spannungsebene einfach mit ihren Perspektivwechseln. Gerade zwischen den einzelnen Teilen gibt es große Umschwünge. Jedes Mal wieder muss man sich das Bild, das man sich von der Geschichte gemacht hat (also mit dem, was schon passiert ist, passiert und passieren wird) neu zusammenstecken. Das hat es total interessant gemacht. Immer wieder habe ich mich gefragt, wie es am Ende zusammenpassen wird. Wie funktioniert es, obwohl doch Vergangenheit und Zukunft ineinander übergegangen zu sein scheinen? Tja, macht euch auf einen ziemlich genialen vierten Teil gefasst, denn der hat alles übertroffen. Zwar hatte ich zwischendurch eine leichte Ahnung wie es ausgehen könnte (oder eher was als nächstes passieren würde), diese wurde aber immer wieder von neuen Ereignissen begraben. Letztlich ist es dann doch so gekommen und auch wieder nicht. Die Autorin hat einfach noch einen drauf gesetzt und noch ganz zum Schluss einen Clue eingebaut, der mich wirklich überrascht hat. Er hat die Geschichte rein von der Logik und Interessantheit der Story perfekt abgerundet. Wenn ich meckern müsste, dann nur daran, dass es mir ganz zuletzt vielleicht ein ganz klein wenig zu schnell ging.

Fazit:
Also, ich will erst einmal allgemein sagen, dass mich die Idee dieses Buches total geflasht hat, denn es ist interessant, spannend und innovativ. Die Geschichte ist hier fast zweitrangig, obwohl man das so auch nicht sagen kann. Aber die Erzählperspektive hat sie einfach zu etwas Besonderem gemacht und sehr viel Spannung erzeugt. Die Aufteilung in vier Teile hat mich als Leser immer wieder zum Nachdenken gebracht. Es war fast wie ein Rätselspiel. Großes Lob an die Autorin für die Nachvollziehbarkeit und die schönen Verstrickungen. Ich liebe es, wenn Fantasybücher komplex und gut durchdacht sind. Meine einzige Kritik ist, dass mir zwischendurch immer mal wieder etwas Handlung gefehlt hat. Da hat die Autorin sich wohl ein wenig zu viel auf die Beschäftigung durch die Denkprozesse des Lesers gestützt. Zum Ende hin kam es einem dann zu schnell vor, weil vorher alles so langsam passierte.
Aber das ist nur ein kleiner Kritikpunkt. Als begeisterte Fantasyromanleserin kann ich es total empfehlen!

Es gibt 4 von 5 Sterne von mir.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere