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Veröffentlicht am 25.03.2026

Schwieriges Thema, humorvoll verpackt

fundamentalös
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Schreibstil:
Ich glaube, ich war noch nie so verwirrt von einem Schreibstil. Nicht, weil er nicht fließend lesbar war, sondern weil er so gar nicht zu dem Thema des Buches passen wollte. Aber vielleicht ...

Schreibstil:
Ich glaube, ich war noch nie so verwirrt von einem Schreibstil. Nicht, weil er nicht fließend lesbar war, sondern weil er so gar nicht zu dem Thema des Buches passen wollte. Aber vielleicht machte auch gerade er das Buch überhaupt lesbar…
Jedenfalls ist der Schreibstil der Autorin sehr interessant gewesen. Er war roh, geradezu plakativ. In einem Ton, der locker und rau Witze riss, die mich jedes Mal haben sehr überrascht, die Augenbrauen hochziehen und gleichzeitig haben schmunzeln lassen, fühlte ich mich wie zwischen Teenagern.
Ich fand das Buch durch den Schreibstil sehr gut lesbar und fand, er bot eine Art Safespace in der Handlung, der von dem eigentlich sehr schwierigen Thema ablenkte. Gleichzeitig war er manchmal aber auch einfach etwas drüber. Das musste man wegstecken können.

Die Geschichte – Kriminologin mit gebrochenem Herzen fliegt in den Irak, um Frauen zu helfen, ohne dass ihr jemand hilft

Hauptprotagonistin und einzige Erzählperspektive ist Nadia. Ich habe schnell in das Buch hineingefunden, denn es geht direkt los: der Flug in den Irak steht an. Und plötzlich ist alles fremd und ungewiss. Nicht nur für die Protagonistin, sondern auch für mich, denn vom Irak habe ich bisher nur aus den Medien gehört und keine Ahnung, was mein Bild von diesem Land ausgemalt wirklich war, aber ehrlich gesagt hatte ich es mir einfach nur grausam vorgestellt. Mit Nadia bekam ich jetzt die Chance, den Irak anders kennenzulernen. Denn: Es gibt dort noch Leben, noch unbeschädigte Areale und noch Menschen, die an der Hoffnung festhalten.
Das fand ich wirklich gut beschrieben in dem Buch. Wie es ist, dort als Ausländerin zu leben. Was Alltag dort bedeutet und wie einschränkend, aber auch privilegiert die UN-Personen dort leben. Man merkte, dass die Autorin wusste, was sie dort beschrieb, weil sie sich einerseits nicht mit rosigen Beschreibungen aufhielt, gleichzeitig aber auch keine Klischees von Kriegslandvorstellungen hervorrief. Natürlich kann ich nicht sagen, ob es da jetzt wirklich so aussieht, oder ob die Autorin letztlich doch ein Fantasiebild geschaffen hat, aber es fühlte sich real an, weil es nichts wollte, sondern lediglich still mitteilte.

So gehörte Korruption dort zum Alltag, genauso wie die Aussichtslosigkeit, die mit der Bürokratie einherging und der sich auch Nadia stellen musste. Generell vergegenwärtigte dieses Buch in vielen Szenen, wie sehr die Arbeit mit Menschen, die keiner so richtig haben will, an allen Ecken und Enden behindert wird und wie sehr sich die Menschen, die für diese kämpfen, dabei selbst aufgeben müssen bzw. sich sonst abschirmen müssen. Das ist eine wichtige Message, die man so oder so aus dieser Geschichte mitnimmt. Ganz unabhängig davon, wie einem das Buch oder die Hauptprotagonistin gefallen hat.

Nadia – verlassen, allein und jetzt im Irak, wo sie eine jüngere Version ihrer selbst trifft

Nadia ist eine dieser Figuren, zu der man eher eine gespaltene Meinung hat. Ich fand sie nie vollständig sympathisch, weil sie auf mich auf den ersten Blick sehr schwach wirkte. Sie trauerte immer noch ihrer Freundin hinterher, machte alles Darauffolgende nur, weil es sich gerade so ergab und stürzte sich dann viel zu schnell in ein Projekt, das wenig mit einem konkreten Ziel, sondern vielmehr mit ihren eigenen Gefühlen zu tun hatte. Dazwischen isst sie Schokoriegel und hat Sex. Sie ist geradezu das Gegenteil von dem, was man von jemandem in ihrer Position erwartete und das machte die Sache irgendwie spannend. Teilweise war sie wenig reflektiert, teilweise deckte sie aber auch Probleme auf, die erst durch ihre „normale“ Sicht auf die Dinge sichtbar wurden. Eine Protagonistin also, die nicht gefallen wollte und sich irgendwo in alldem selbst fand.

Die Auseinandersetzung mit dem ganzen Problem vor Ort war zwar irgendwo Hauptthema dieser Geschichte, gleichzeitig fokussierte sich Nadia aber so sehr auf Sara, in der sie sich selbst wieder erkannte, dass der eigentliche Sinn ihrer Arbeit etwas in Vergessenheit geriet. Manchmal geradezu blockiert wurde. Das war nachvollziehbar beschrieben und passte gut zu Nadias Charakter, hat mich aber auch manchmal etwas enttäuscht, weil ich so gerne mehr über die Frauen dort vor Ort erfahren hätte. So musste ich lange warten, bis die Geschichte auch im Hinblick auf diesen Aspekt endlich Fahrt aufnahm.

Die Fragen hinter der Geschichte – zwischen Setting & Figuren

Denn: Die Perspektiven fehlten mir hier einfach. Es gab Sara, die so gut wie nichts erzählte, dann noch zwei andere und natürlich die Erzählungen der anderen UN-Mitarbeitenden. All dies wurde aber sehr kurz gehalten. Jeder dachte an sein eigenes Wohl und höchstens noch an seine eigene Aufgabe, sodass selten wirklich ernste Gespräche darüber aufkamen, was mit all den anderen Frauen passieren sollte. Wieso sie überhaupt in diese Situation gekommen waren. Ja, mir fehlte einfach etwas die Auseinandersetzung mit der Frage: Wie werde ich zur IS-Braut? Was treibt mich an? Wann bereue ich es? Kommt man da wieder raus?
Auch wenn es sich alles genau so authentisch in die Geschichte eingliederte, fragte ich mich also manchmal nach der Sinnhaftigkeit mancher Szenen oder Figuren. Warum waren sie da, wenn sie doch gar keinen wichtigen Anstoß für die Denkprozesse hinter dem Offensichtlichen lieferten?

Einige der Fragen wurden mehr oder weniger indirekt beantwortet. Und ja, die Hoffnungslosigkeit, die da mitschwang konnte ich gut spüren, aber die Gedanken gingen für mich nicht weiter. Die Botschaft war quasi: Wenn ich keine Muslima bin, kann ich nicht in die Verlegenheit geraten, vom IS rekrutiert zu werden. Und die, die rekrutiert werden, sind auch nur solche, die ein schwieriges oder instabiles Familienverhältnis haben. Aber ist da nicht noch mehr? Ist Manipulation nicht ein großes Thema? Das fehlte mir komplett.
Auch Nadias Auseinandersetzung mit diesem Thema wurde nur sehr knapp gehalten. Es gibt zwar ein paar Rückblicke und Gedankenblitze, aber ziemlich schnell konzentriert sie sich lieber auf anderes, als weiterzudenken. Ich weiß nicht, ob ich da blauäugig bin, aber ich mich selbst hätte die Erkenntnis, dass ich vielleicht fast selbst zur IS-Braut geworden wäre, in eine Sinnkrise geschickt. Ich hätte wissen wollen, warum ich anfällig war, warum ich dem aber nicht nachgegeben habe. Und vor allem, wie man verhindern kann, dass andere Mädchen und junge Frauen sich davon locken lassen.

Untereinander benahmen sich die Figuren wie auf einer Klassenfahrt. Es wurden Scherze gemacht, Witze gerissen, getrunken und Leute in die Pfanne gehauen. Definitiv der Safespace, den die Figuren benötigten, um mit all dem zurecht zu kommen und ja, diese humorvollen Passagen haben die Geschichte definitiv besser verdaulich für mich als Leserin gemacht. Manchmal war es mir aber schon ein wenig zu humorvoll, zu wenig ernst.

Der Handlungsverlauf – Locker bis heiter, frech bis schamlos, spannend bis zum Verlust des Fokus

Das, was mich dann wirklich interessierte (worauf die Geschichte eigentlich auch von Anfang an zulief), passierte erst im letzten Viertel. Da war es dann auch nochmal richtig spannend, wenn auch ziemlich rosarot muss ich sagen. Es gibt eine überraschende Wendung und auch die Ernsthaftigkeit der Situation wird nochmal deutlich, aber ganz am Ende fehlte mir der Bezug zur Realität. Da lief es einfach so aus. I mean: Was hat Nadia jetzt aus der ganzen Geschichte mitgenommen? Wenn ich solche Fragen für mich selbst nach dem Lesen des Buches nicht beantworten kann, dann frage ich mich, wie sehr sie sich wirklich entwickelt hat.

Auch den Erzählstrang mit Rosie fand ich letztlich etwas wild gewählt, weil er so wenig mit der eigentlichen Geschichte und Nadias Entwicklung zu tun hatte. Er war eine Begleiterscheinung, ein Nebenflirren, das hervorkam, wenn Nadia kurz nicht wusste, woran sie sonst denken sollte. Und das betraf noch andere Erzählstränge in diesem Buch, sodass ich mir in Bezug auf diese gewünscht hätte, sie wären entweder nicht erwähnt worden oder hätten mehr Einfluss auf Nadia gehabt.

Fazit:
Diese Geschichte erzählt rau und schamlos mit viel Humor von einem Thema, dass alles andere als das ist. Trotzdem funktioniert es gut miteinander, weil die Geschichte offensichtlich zeigen und nicht direkt urteilen will. Mir war es manchmal etwas zu wenig ernst und ich hätte mir eine Protagonistin gewünscht, die sich tiefer mit den Themen beschäftigt, statt vieles nur anzuschneiden, um es dann fallen zu lassen.
So ließ sich das Buch wunderbar schnell lesen und schafft es, das Thema IS-Frauen in den Köpfen der Leser:innen zu etwas werden zu lassen, was Substanz hat, gleichzeitig eröffnet es aber auch nicht wirklich eine Auseinandersetzung mit dem Thema.

Von mir gibt es 3 von 5 Sterne.

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Veröffentlicht am 25.03.2026

Liebesgeschichte, die All in geht

Casino Durable - All in with the Devil
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Schreibstil:
Den Schreibstil von Carina Benning habe ich wirklich geliebt! Sie schreibt sehr passend zur Geschichte mit vielen raffinierten Details, jedes Wort scheint genau überlegt. So klingen ihre Dialoge ...

Schreibstil:
Den Schreibstil von Carina Benning habe ich wirklich geliebt! Sie schreibt sehr passend zur Geschichte mit vielen raffinierten Details, jedes Wort scheint genau überlegt. So klingen ihre Dialoge wie geschickte Spielpartien, ihre Gedankengänge wie ein Strudel innerer Zerrissenheit, die gar nicht groß beschrieben werden muss, und ihr Setting genauso faszinierend, wie ich es mir immer vorgestellt habe. Ich konnte mich super einfach in die Geschichte fallen lassen und war komplett gefesselt. Nur zum Ende hin übertreibt sie es vielleicht manchmal ein wenig mit den Metaphern und Gedankengängen innerhalb der Liebesgeschichte.

Die Geschichte – Betrügerin betritt das prestigeträchtigste Casino Monacos, um zu verlieren

Mit einem kleinen Zwei- oder Einzeiler vorweg, der Andeutungen auf die Vergangenheit oder Gegenwart macht und direkt aus den Gedanken der beiden Hauptfiguren stammt, beginnt jedes Kapitel entweder erzählt aus der Perspektive von Dawn oder Gabriel. Der Einstieg im Buch fiel mir durch diese erste Andeutung aus dem Zweizeiler und der unmittelbaren Erzählung von Dawns Eintritt ins Durable unheimlich leicht. Ich war sofort verzaubert von dem wirklich gut beschriebenen Setting. Dabei wird gar nicht so sehr der Fokus auf das Aussehen von allem gemacht, sondern vielmehr schafft es die Autorin am Anfang direkt, den besonderen Vibe, den das Casino versprüht, rüberzubringen: teuer, klassisch, elitär, aber auch gut durchdacht, präzise und bewusst fernab der Realität. Es geht ums Spielen, ums Loslassen, aber auch ums Angeben und gesehen werden.

Dawn – Gestaltswandlerin, die sich selbst unter all den Masken verloren hat

Keine Angst, hier wird es jetzt nicht tierisch, das Buch hat keine Fantasyelemente. Mit Gestaltswandlerin ist vielmehr gemeint, dass Dawn eine Künstlerin darin ist, sich zu maskieren. Sich immer wieder in neue Rollen zu versetzen und ihr Äußeres denen entsprechend anzupassen. So kommt Dawn in das Casino und tatsächlich bekommt man auch gleich mit, dass sie ihre ganze Aufmachung erdacht hat, aber Dawn selbst lernt man nicht direkt kennen. Man weiß nur, dass sie Angst hat.

Und das ist dann auch der Kern der ganzen Geschichte: Dawn hat Angst vor jemandem und hat irgendwie den Moment verpasst, je sie selbst ohne Maske zu sein. Das ist jetzt kein Spoiler, sondern wird direkt auf den ersten Seiten klar. Wenn sie jetzt auf euch schwach klingen mag, dann ist das aber gar nicht das, was Dawn ausstrahlt. Denn ihr Hirn denkt unheimlich systematisch. Sie entdeckt Details, die keiner sieht, hat ein unheimlich gutes Gespür für das Spiel und für die Menschen um sie herum. So ist es einfach unglaublich faszinierend und spannend, sie zu verfolgen.

Dazu kommt, dass ihr Charakter nur nach und nach aufgebrochen und sichtbar wird. Dazwischen zeigt sie immer wieder, wie maskieren nicht nur mit dem Färben der Haare zu tun hat, sondern auch damit, zu lachen, wenn man eigentlich heulen möchte. Und das glaubhaft. Also wirklich eine Gestaltswandlerin und für mich eine der faszinierendsten Protagonistinnen, von denen ich jemals gelesen habe.

Die Angst ist aber dennoch nicht zu verleugnen. Sie bringt eine weitere Komponente in die Geschichte, die allem einen fast kriminalistischen, actionreichen Touch verpasst. Denn ein Mysterium bedroht das Durable und Dawn steckt mitten drin. Ich mochte es sehr, wie sie ihre Fähigkeiten nutzte, um dem Casino zu helfen und gleichzeitig immer auf der Hut vor anderen Möglichkeiten war. Man merkte, wie sehr sie und alle um sie herum mit dem Feuer spielten, was die Spannung stets hoch hielt.

Gabriel als Liebhaber – der Inbegriff des Durables: arrogant, verschlossen, allein

Gabriel ist so eine typische Figur, bei der man gleich merkt, dass es da eine sehr harte Schale zu knacken gibt. Trotzdem fand ich ihn überaus sympathisch, denn er zeigte sich mit seinen Brüdern, die definitiv ihre eigenen Bücher verdient haben, denn sie haben soo viel Charakter!, stets sehr freundlich und sensibel. Dawn zeigt er diese Seite natürlich nicht gleich. Für ihn zählt in erster Linie das Durable und dabei vergisst er nicht nur oft sich selbst, sondern übersieht in seiner Arroganz und seinen Traditionen auch Dinge, die ihm eigentlich auffallen könnten. Während Dawn ihr Inneres nach außen kehrt und sichtbar macht im Laufe der Geschichte, muss Gabriel seinen Panzer abwerfen, um richtig sehen zu können. Alles darunter ist eigentlich schon längst edelmütig und liebevoll.

Die Charakterentwicklung bei beiden hat mich so wirklich überzeugt und auch ihre Anziehung zueinander fand ich sehr gut fassbar. Was vielleicht etwas schwierig war und damit mein eigentlicher Kritikpunkt an dem Buch ist, ist, dass die Liebesgeschichte zu sanft zu viel Platz einnahm. Da wohl Gabriel Edelmut gegenüber seinen Brüdern zeigt und stets das Wohl des Durables im Sinn hat, da ist er gegenüber Dawn verständnisvoll und gleichzeitig fordernd, denn die beiden verstehen es, über Probleme zu reden. So ist Vertrauen in ihrer Beziehung tatsächlich kein Problem. Und das fand ich außerordentlich gut gemacht. Nichts mag ich weniger als wenn die Figuren nicht miteinander reden und sich dann infolgedessen kindisch verhalten.
Die Liebesgeschichte hat aber dort ein wenig von ihrer Essenz verloren, wo sie sich zu sehr in Dawn fehlender Nähe zu sich selbst verlor. Immer wieder wurde das Thema aufgewühlt. Und ja, sowas ist ein Prozess, dem ich auch gerne mehrere Seiten gönne, aber zwischendurch verlor es sich dann doch etwas in Wiederholungen und Metaphern, die wie Drumherumgerede wirkten.

Zudem nahm dieser Fokus leider ein wenig den Fokus von den Geschehen im Casino, die mich zuvor noch so fasziniert hatten.

Das Durable in Gefahr – der actiongeladene, überlegte Teil dieser Geschichte

Denn dort, wo es anfangs noch um viele Details geht, Vermutungen angestellt und Hinweise aufgedeckt werden, konzentriert sich der Mittelteil irgendwann nur noch sehr auf Dawn. Gabriel selbst sagt, seine Prioritäten haben sich verschoben und das ist auch alles nachvollziehbar dargestellt, aber gerade in Verbindung mit den ausschweifenden Gesprächen, hat das einfach dazu geführt, dass die Raffinesse etwas verloren ging und sich der Mittelteil etwas zog.
Auch das Ende hat dies dann leider nicht mehr wirklich aufgenommen. Zwar nahm die Geschichte nochmal Fahrt auf, aber sie konnte nicht wieder zu dem ursprünglichen Glanz zurückfinden. Zumal die Auflösung dann relativ einfach war und so viel komplexer hätte sein können.

Trotzdem habe ich das Buch bis zur letzten Seite sehr gerne gelesen, denn die Beziehung zwischen Gabriel und Dawn ist wirklich schön, die zu seinen Brüdern auch und ich fand es auch ganz schön, dass es diese Metaphern überhaupt gab und Dawn und Gabriel in diesem Band wirklich Beziehungsarbeit geleistet haben. So kann ich mir eine Zukunft für die beiden vorstellen und das ist mir persönlich am Ende einer Liebesgeschichte immer sehr wichtig.

Fazit:
Ein sehr cooles Setting, ein Schreibstil, der klug ist und die Liebe im Detail zeigt, schlagfertige, intelligente Hauptfiguren und liebeswerte Nebenprotagonisten – ich war sofort gefangen und habe die Geschichte sehr gerne gelesen. Es gibt sowohl Actionelemente als auch etwas zum Mitdenken, was die Spannung die meiste Zeit über sehr hoch gehalten hat. Im Mittelteil zieht sich die Geschichte etwas, da die Liebesgeschichte sehr ruhig und ausschweifend in ihren Dialogen wird. Dabei verlor sich dann etwas die sonstige Spannung. Am Ende eine solide Geschichte mit vielen Pluspunkten, die ich sehr gerne gelesen habe.

Von mir gibt es 4 von 5 Sterne.

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Veröffentlicht am 24.03.2026

Düster, aber etwas lückenhaft

Where the Devil waits at Midnight
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Schreibstil:
Ich empfand den Schreibstil als sehr passend zur Handlung: düster und eher bedrückend. Teilweise war es deshalb für mich aber auch ein wenig schwerfällig lesbar, weil sich viel Zeit für ...



Schreibstil:
Ich empfand den Schreibstil als sehr passend zur Handlung: düster und eher bedrückend. Teilweise war es deshalb für mich aber auch ein wenig schwerfällig lesbar, weil sich viel Zeit für ausschweifende innere Monologe genommen wurde, die diese Atmosphäre unterstützen sollten. Wer es poetisch mag, liest solche Abschnitte gerne, ich persönlich hätte es aber präferiert, wenn stattdessen anderes detaillierter erzählt worden wäre.
Zudem war ich manchmal etwas verwirrt, was die Tonalität anging. Die Handlung spielt in einem vergangenen Jahrhundert und teilweise ist die Sprache auch daran angepasst, teilweise ist sie aber auch überaus modern. Gerade in den Gedanken von Aubrielle. Ich persönlich hätte es besser gefunden, wenn es mehr durchmischt geworden wäre, sodass es ein einheitliches Bild abgegeben hätte.

Die Geschichte – junges Mädchen wird auf ein Internat zur besseren Erziehung geschickt. Wer dort wartet? Der Pater

Ich habe recht schnell in die Geschichte gefunden, weil sich direkt ab der ersten Seite die dunkle Anziehung dieser Geschichte zeigt. Erzählt wird nämlich aus zwei Perspektiven: die von Aubrielle Thorne, einem 18-jährigen Mädchen aus gutem Hause, und Lucien Graves, neuer Pater in ihrer Gemeinde. Aubrielle findet den Pater ziemlich attraktiv und irgendetwas düsteres geht von ihm aus und schon nimmt die Geschichte ihren Lauf. Bis dahin war ich voll dabei, denn schon früh werden Geheimnisse angedeutet, die den Pater alles andere als koscher erscheinen lassen. Ja, er scheint geradezu zu allem fähig. Manipulation, Mord, vlt. sogar Zauberei?
Das Buch lässt dies anfangs komplett offen und ich fand es sehr spannend, herauszufinden, was in der erzählten Welt alles möglich ist und wie Aubrielle sich dort drin zurechtfinden wird.

Aubrielle – Künstlerin auf der Suche nach ihrem Selbst

Kommen wir zu Aubrielle und für mich damit fast schon ein bisschen zum größten Schwachpunkt des Buches, denn Aubrielle ist alles andere als leicht fassbar. Anfangs noch mysteriös und spannend, empfand ich es irgendwann als sehr schwer, ihr zu folgen, weil ich teilweise gar nicht so richtig wusste, was ich ihr glauben konnte. Dabei ist sie keineswegs eine unglaubwürdige Figur, ich habe nur ihren Charakter nicht richtig verstehen können.

Anfangs ist sie lediglich ein Mädchen, dass nicht von ihrem Vater verheiratet werden will und ihre Sexualität mithilfe ihrer Kunst austestet. Das fand ich für die im Buch angedeutete Zeit sehr spannend und es war ziemlich klar, dass es Probleme machen wird. Es zeigte aber eben auch, dass in Aubrielle mehr steckt, als ihre Familie von ihr erwartet. So weit so gut, das hier ist Dark Romance oder dunkle Begierden erwartet man. Ich war angefixt.

Irgendwann wurde es aber leider schwer, nachzuvollziehen, was wirklich in Aubrielles Kopf los ist. Eine richtige Erklärung zu ihren Bildern bekommt man nicht, sie lässt sich super schnell von anderen Figuren beeinflussen, nimmt dann deren Ansätze auf und wälzt sie durch den Kopf, nur um sie im nächsten Moment bei der nächsten Aussage wieder fallen zu lassen. Dazu kommt dann, dass auch nicht erzählt wird, wie sie beispielsweise malt.
Sie kam mir einfach wie ein Spielball vor, der hin und her geworfen wurde und am Ende doch nur ein Ziel kannte: den Pater. Und auch, wenn das für die Story ja durchaus Sinn machte und ich die Anziehung spüren wollte, so kam sie durch Aubrielle nicht richtig rüber, weil die Wiederkehr zu ihm oft einfach unlogisch war und nicht erzählt wurde. Das ging so weit, dass ich irgendwann gar nicht mehr richtig wusste, wann ich ihr glauben sollte, dass sie etwas mag oder nicht mag oder will oder nicht will.

Was ich an ihr allerdings gut fand, war, dass sie sich intensiv mit dem Thema Manipulation auseinandersetzte. Auch, wenn diese Gedanken manchmal nicht so ganz flüssig in die sonstige Erzählung übergingen, so erschien sie mir dennoch relativ reflektiert, indem sie hinterfragte, was da gerade wirklich mit ihr passierte. Über das Ergebnis ihrer Gedankengänge lässt sich dann streiten.

Lucien – Pater, der im Internat die Hosen anhat

Pater Graves, oder Lucien, ist von Anfang an ein einziges Geheimnis. Er sieht gut aus, scheint alles zu wissen und mitzukriegen, hat eine Autorität, die niemand anzweifelt, egal wie unlogisch manches zu sein scheint, und kennt nur ein Ziel: Aubrielle. Seine Mission konzentriert sich dabei wie im Klappentext zu lesen auf die 7 Todsünden.

Ihn fand ich relativ konstant in seinen Handlungen. Er verfolgt seinen Plan hartnäckig und ohne Rücksicht auf Verluste, geht dabei sehr geplant und heimtückisch vor. Und vielleicht war das auch gleichzeitig das Problem, denn obwohl ich es gut fand, dass er so düster und geheimnisvoll blieb, so konnte ich leider gar keine Sympathie zu ihm aufbauen. Und ja, ich weiß, dass das hier ein Dark Romance-Buch ist und Sympathie vielleicht nicht unbedingt das ist, was man gegenüber dem männlichen Protagonisten empfindet, aber ich meine auch eher diese Faszination, die die Love Interests in DR mit sich bringen. Vielleicht ist das eher das Wort, das es braucht.
Diese Faszination konnte ich auf jeden Fall nicht richtig aufbringen, weil ich fand, dass er zu wenige seiner eigenen Emotionen hat durchblicken lassen. Sein Verhalten wirkte so kalkuliert, kalt und rücksichtslos, dann noch die Andeutungen, dass die Geschichte sich wiederholt, dass ich die ganze Zeit nur dachte: Geht es ihm wirklich um Aubrielle? Und bringt er ihr wirklich bei, stark und sie selbst zu sein, oder will er sie wirklich nur komplett so formen, wie es ihm passt?

Das Buch spielt sehr bewusst auf diese Fragestellung an, was ich dann andererseits, wie oben schonmal erwähnt, wieder gut fand. Aber das änderte leider nichts daran, dass ich einfach nicht wollte, dass die beiden zusammenfinden. Ich wollte viel mehr, dass Aubrielle den feministischen Weg wählt, der hier mehrfach immer wieder angedeutet und bestärkt wird und den sie dann in den entscheidenden Momenten doch wieder zu vergessen scheint.

Ganz nebenbei fand ich außerdem seine Praktik, die 7 Todsünden an ihr abzuarbeiten recht spannend und interessant, allerdings verlor sich das irgendwann einfach, was dann wiederum schade war.

Setting und Handlung – die gar nicht so viel miteinander zu tun haben

Nachdem ich die ersten drei Seiten des Buches gelesen habe, war ich ja sowas von bereit für das außerordentlich ungewöhnliche Setting: i mean ein Internat/Kloster, in der Mädchen „zu guten Frauen“ erzogen werden. Dazu dann die wirklich strengen Regeln, die auf mich ziemlich beeindruckend und abschreckend wirkten. Und dann kommt Aubrielle dahin, die eigentlich gerade erst so richtig entdeckt, was sie will oder eben NICHT.

Der Großteil der Handlung spielt dann auch in diesem Setting und die düstere Stimmung kam definitiv rüber. Die Mädchen dort sind alle mehr oder weniger geprägt von der Umgebung und die Lehrkräfte unterstützen den Charakter des Internats/Klosters durch entsprechendes Verhalten. Entweder, indem sie sich besonders grauenhaft zeigen, oder den Schülerinnen Mut machen, durchzuhalten.

Ganz tatsächlich geht das Setting aber bald ziemlich unter. Ich hätte mir gewünscht, dass zumindest an ein paar Stellen diese Regeln nochmal Anwendung gefunden hätten, dass Aubrielle sich vielleicht wirklich mal mit der Einsamkeit usw., die die Regeln vorschreiben, auseinandersetzen hätte müssen. Stattdessen steht ihr das Setting quasi gar nicht im Weg, sie kann nur nicht weg von dort. Ihre Eltern sieht sie ganz einfach, mit ihrer Zimmernachbarin freundet sie sich gleich an, obwohl Freundschaften usw. verboten sind und ihr teilweise zerstörtes Äußeres wird auch nicht abgemahnt, geschweige denn, dass sie oft in den Gottesdienst müsste.
Das fand ich einfach super schade, weil das Setting so viel mehr hergegeben hätte. Statt poetischer Monologe, wäre ein wenig mehr Alltag ganz cool gewesen, um diesen Ort lebendig und damit irgendwie auch spürbar unerträglich zu machen. So hatte ich eher das Gefühl, das Internat/Kloster beugt sich Aubrielle und Pater Graves ja sowieso.

Was auch schade war, war dass viele Figuren, auf die sie dort trifft, nur ein einziges Mal auftraten. Sie kamen buchstäblich mit Aubrielle ins Gespräch, gaben ihr einen Denkanstoß, den diese dann mitnahm und hin und her wälzte, nur um dann durch die Aussagen der nächsten Person abgelöst zu werden. Da hätte ich es besser gefunden, wenn weniger Figuren aufgetreten wären und Aubrielle mit diesen dann richtig ins Gespräch gekommen wäre, u.a. auch mit ihrer Mitbewohnerin, der sie einfach gar nichts erzählt und zu der sie sich auch nie äußert. Die Figuren wirkten so einfach nur zweckdienlich, nicht authentisch.

Die Handlung begleiten zudem immer wieder Logikfehler oder zumindest auch viele Situationen oder Informationen, deren Herleitung nicht aufgeklärt werden und die sich dann ebenfalls wie Fehler anfühlen. Erst als Aubrielle ein wenig näher an die Wahrheit hinter dem Ganzen kommt, die man schon früh vorausahnen kann, findet die Geschichte einen richtigen Handlungsstrang, der dann auch für Spannung sorgt. Das passiert ab ungefähr Dreiviertel des Buches. Ab dann war ich auch erstmals richtig an die Seiten gebunden.
Spannend fand ich zudem den Erzählstrang mit dem Tagebuch von Aubrielles Lehrerin, der meiner Meinung nach noch viel Potential geboten hätte, aber ich denke, das wird vielleicht noch im zweiten Band aufgenommen. Ich habe hier einfach an vielen Ecken und Enden gemerkt, dass auf ein nächstes Buch hingearbeitet wurde.

Fazit:
Dieses Buch hat definitiv eine schöne düstere Atmosphäre, die zusammen mit den Fantasyelementen eine Geschichte schafft, die einen in eine ganz andere Welt ziehen kann. Ich persönlich war fasziniert von dem Zwiespalt von Manipulation und Anziehung, gleichzeitig fiel es mir aber auch eher schwer, so richtig in die Geschichte abzutauchen. Das lag an einigen Logikfehlern, lückenhafter Charakterisierung und Nebenfiguren, die leider meist nur zweckdienlich, aber nicht persönlich waren. Es ist ein erster Band, der sich nur langsam wirklich spannend aufbaut. Wer über diese Punkte hinwegsehen kann, bekommt hier allerdings eine spicy Geschichte, die sich äußerst verboten anfühlt und damit gänzlich passend zum Genre ist.

Von mir gibt es 3 von 5 Sternen.

Vielen Dank an den Verlag für das Rezensionsexemplar!

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Veröffentlicht am 11.03.2026

Tragisch und doch unterhaltsam

Life's Too Short
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Schreibstil:
Jedes Mal wieder bewundere ich die Autorin für ihren flüssigen Schreibstil, der super locker leicht Emotionen rüberbringt, von denen andere Bücher nur träumen können. Hier ist mir wieder etwas ...

Schreibstil:
Jedes Mal wieder bewundere ich die Autorin für ihren flüssigen Schreibstil, der super locker leicht Emotionen rüberbringt, von denen andere Bücher nur träumen können. Hier ist mir wieder etwas aufgefallen, dass alte Vorstellungen von Männlichkeit noch ein Ding sind, aber ansonsten war es einfach nur wunderschön und sehr schnell lesbar. Besonders mag ich ja immer, wie humorvoll sie alles rüberbringt und welche Chemie zwischen den Figuren besteht.

Die Geschichte – Reisebloggerin mit Pflegekind trifft auf Im-Irgendwann-verlorenen-Anwalt

Erzählt wird aus den Perspektiven beider Hauptprotagonist:in. Das ist die YouTuberin Vanessa Price und der Anwalt Adrian Copeland, die zufällig beide auch noch Nachbarn sind. Die Situation zu Anfang ist Klischee, aber gleichzeitig auch pure Chemie und Humor. Denn treffen zwei Figuren aufeinander, die beide sehr stark in ihrem Charakter sind und keinen Blatt vor den Mund nehmen. Ich war sofort gefangen und hatte überhaupt nicht das Gefühl, voraussehen zu können, wie die Geschichte ablaufen würde. Zumal der tragische Moment schon gleich zu Anfang erwähnt und in die Handlung eingebunden wird und somit keine böse Überraschung, die im Hintergrund schwelt, ist.

Vanessa – Abkehr von der Traurigkeit, Hinwendung zum Leben im Jetzt

Ich glaube, mit dieser Überschrift beschreibt man sie echt schon ganz gut. Ihr könnt euch wahrscheinlich direkt vorstellen, wie sie ihr Leben lebt. Es geht darum, die Momente zu genießen, die guten Kerzen nicht aufzubewahren für den einen Moment, der perfekt ist und der dann nie kommt. Gleichzeitig versucht sie sich nicht darauf zu konzentrieren, was alternativ sein könnte. Denn das ist der tragische Moment, den sie mit in die Geschichte bringt. Diese Lebenseinstellung hat viele wundervolle und lustige Momente in die Geschichte gebracht. Keine Ahnung, wann ich das letzte Mal so begeistert von dem Einfallsreichtum gemeinsamer Aktivitäten der Protagonist:en war oder wann ich das letzte Mal so neidisch auf ein gelebtes Leben war. Meist wird es ja gar nicht richtig geschätzt (wie es anfangs auch bei Adrian der Fall ist).

Ich mochte an ihr als Figur außerdem, dass sie trotz dieser krassen Lebenseinstellung nie aufgesetzt wirkte. Ich nahm ihr ab, dass das eine sehr bewusste Lebensentscheidung war. Ich merkte, wie wichtig ihre Familie ihr ist und wie hilfsbereit sie eigentlich ist. Dazu ist sie emotional einfach sehr schlau. Sie durchschaut die Menschen, vor allem dann, wenn sie es sich selbst nicht eingestehen wollen und sie ist gleichzeitig unheimlich offen dafür, Hilfe in Anspruch zu nehmen. So waren ihre Worte es, die immer wieder Denkanstöße während des Handlungsverlaufs lieferten. Sowohl für die Figuren als auch für mich als Leserin.

Was etwas brauchte, war zu verstehen, wie sie ihrer Familie so bedingungslos helfen konnte. Aber auch da konnte sie mich bald überzeugen, indem sie das Gute in den Menschen nach außen kehrte und uns Leser:innen half, dies an den anderen Figuren zu sehen. So wird der Messievater nicht zu einem ekelhaften Menschen, sondern zu einem, dem man helfen will. Und der Bruder ohne Job mit vielen Ideen im Kopf nicht zu einem Looser, sondern nur zu einem, der seinen Weg noch finden muss. Oder ganz akut die drogensüchtige Schwester nicht zu einer schlechten Mutter, sondern einfach nur zu einer Frau mit einem Problem, das sie ohne Hilfe nicht mehr in den Griff bekommt. Vorurteile ade heißt es hier und das fand ich wirklich schön.

Adrian – Workaholic & Alphamännchen, der immer die Kontrolle braucht, aber ein sehr weiches Herz hat

Und schon treffen wir auf die zweite Figur, die mein Herz im Sturm erobert hat. Adrian ist ein Anwalt wie er im Buche steht. Er arbeitet fast ausschließlich, macht wenig mit Freunden, genießt höchstens mal gutes, geliefertes Essen und hängt nicht besonders an seiner Freundin. Eigentlich ein Klischeetyp, der klingt, als müsste er erst seinen Charakter finden. Allerdings braucht es dafür nur Vanessa, wie Adrian später selbst sagt. Mit ihr hat er wieder atmen gelernt und sich nicht weiter von der Sonne blenden lassen.

So zeigt Adrian, dass er ebenso hilfsbereit und vor allem ein absoluter Familienmensch ist. Ob das nun seine Oma ist, mit der er zu Mittag isst, oder eben Vanessa mit dem Baby (und später dem Hund). Adrian findet eine Aufgabe und all seine vlt. negativ auslegbaren Eigenschaften finden etwas, worauf sie sich fernab der Arbeit konzentrieren können.

Ich mochte an ihm, dass er hinter der Anwaltsfassade echt viele Baustellen hatte, die erst durch Vanessa so richtig aufgedeckt wurden. Dadurch konnten die beiden und vor allem er alleine dann daran arbeiten. Das hat die Geschichte gut voran gebracht und vor allem für kleinere Reibereien gesorgt, die die Spannung weiter aufrecht gehalten haben, ohne dass wirklich dramatische Höhepunkte den Handlungsverlauf künstlich aufgebauscht hätten.

Adrian & Vanessa – haben Romeo & Julia dieses Mal nur ein Jahr?

Schon allein die Kapitelüberschriften in diesem Buch haben mich jedes Mal zum Schmunzeln gebracht, denn sie sind Clickbait-Überschriften nachempfunden. Ganz derer, mit denen Vanessa sich als bekannte YouTuberin öfters abgeben muss. Schön fand ich, dass dieses Thema durch das Baby aber nur am Rande präsent war. Ich mag es zwar authentisch, finde es aber auch etwas anstrengend, wenn das „Starleben“ so einen großen Raum einnimmt. Weil es unweigerlich alles kompliziert und anstrengend macht. Vanessa dagegen macht es einem bewusst, aber sie pausiert hier. Kann einfach ihr Geld nutzen und steht Adrian damit in nichts nach, sodass kein Moneygap zwischen ihnen ensteht.

Während das eine Jahr bei Vanessa klar im Fokus steht, weiß Adrian nicht so wirklich etwas davon und so ist ihre platonische Freundschaft nicht von Zeitdruck oder ähnlichem bedrängt. Stattdessen werden sie ganz natürlich Freunde und genauso natürlich mehr. Ich mochte es, dass es zwar klare Grenzen gab, es aber nicht so dramatisch immer wieder zu Diskussionen oder Misskommunikation führte.

Was ich dagegen etwas kurz gekommen fand, war Vanessa als Mutter. Während Adrian mit dem Baby geradezu aufblüht und sein Leben sich ganz konkret zum Besseren entwickelt, bleibt Vanessa immer etwas zurückhaltend, was die Muttergefühle angeht. Ich hätte mir irgendwie gewünscht, dass das bei ihr noch eine größere Rolle gespielt hätte, gerade, weil sie so familienverbunden ist und sich um alle kümmert.

Fazit:
Eine wirklich schöne, leichte Geschichte, die über Klischees hinwegschreitet, sich aber auch in der Tiefe etwas zurückhält. Das Buch ließ sich super lesen und hat mich gut unterhalten, war aber definitiv nicht das stärkste Buch der Autorin. Ich kann es dennoch empfehlen:)

Von mir gibt es 4 von 5 Sterne

Liebe Grüße

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Veröffentlicht am 11.03.2026

Wenn man viel Spice mag, dann durchaus süß

Heated Rivalry
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Hallo ihr Lieben ❤

die Frage des Tages: Seid ihr dem Hype entkommen oder habt ihr auch schon entweder das Buch gelesen oder die Serie geguckt? Worum es geht? Um „Heated Rivalry“ ein Buch, das von zwei ...

Hallo ihr Lieben ❤

die Frage des Tages: Seid ihr dem Hype entkommen oder habt ihr auch schon entweder das Buch gelesen oder die Serie geguckt? Worum es geht? Um „Heated Rivalry“ ein Buch, das von zwei Eishockeyspielern handelt, die sich ineinander verlieben.

Ehrlich gesagt habe ich das Buch wirklich nur gelesen, weil ich der Faszination auf die Spur kommen wollte. Weshalb ist genau dieses Buch nun im Hype, obwohl es doch eigentlich schon einige Sports Romance Bücher mit Gay Love Story gibt. Also, machen wir uns an eine kleine Analyse.


Schreibstil:

Der Schreibstil der Autorin ist sehr mitreißend und flüssig erzählend. Ich war sofort in der Geschichte drin und konnte mich gut in die Figuren einfühlen. Die Thematik wurde sehr feinfühlig rübergebracht, sodass hier jeder meiner Meinung nach ins Schwärmen geraten kann.



Die Geschichte – Naturtalente auf dem Eis, Feinde vor der Presse, Liebhaber bei Nacht



Erzählt wird fast abwechselnd aus den Perspektiven beider Hauptprotagonisten, der Eishockeystars Ilya Rosanov und Shane Hollander. Das Besondere an den beiden ist wohl, dass ihre Leben komplett gleich sind. Ja geradezu inhaltslos, denn beide spielen Eishockey in der Profiliga und haben keine Zeit und keinen Kopf für andere Dinge. Soweit ich das beurteilen kann, würde ich aber sagen, dass ist völlig normal und soll hier keineswegs ein Kritikpunkt sein. Ihr solltet euch nur darauf gefasst machen, dass hier kein Wunderwerk an Komplexität vollbracht wird fernab der Lovestory:)



Shane Hollander – der schüchterne Eigenbrödler



Shane kennen- und erwachsen werden zu sehen, war wie einen Welpen zu bekommen: Am Anfang aufregend und dann ist man einfach nur noch stolz. Anfangs ist er wirklich zurückhaltend, aber in ihm schlummert auch eine unglaubliche Neugierde. Das führt immer wieder dazu, dass er Sachen tut, die ihm Angst machen, dennoch gibt er vollen Einsatz. Ich denke, dass ist der schönste Charakterzug von ihm. Und auch der, der Ilya auf ihn aufmerksam macht.



Im Laufe der Geschichte lernt Shane so nicht nur zu erkennen, was er mag, sondern auch, was er überhaupt vom Leben will, wie er mit anderen Menschen umgehen, wie er aussehen will. Bei ihm ist quasi alles eine Entwicklung und das fand ich ganz schön gemacht, weil es zeigte, wie anders alles doch verläuft, wenn man dem Sport so zugewandt ist wie er. Und dann noch zusätzlich nicht die Sexualität hat, von der man dachte, das man sie hat.



Ilya Rosanov – der Bad Boy



Ilya ist sehr viel einfacher zu greifen als Shane, weil er sich mehr den Klischees hingibt. Er schläft gerne und oft mit Frauen, geht feiern, hat viele Freunde und ist generell mehr der outgoing Typ. Für mehr Tiefe bekam er eine Backgroundstory, die mit einer schwierigen Familie in Russland zu tun hatte. Definitiv kam diese etwas zu kurz, allerdings hat sie auch so einige Szenen hervorgebracht, die mehr als süß waren. Beispielsweise die, in der er Shane einfach auf russisch ALLES erzählt hat und so seine Sorgen losgeworden ist, obwohl Shane nicht ein Wort verstanden hat. Manchmal hilft es eben, wenn jemand einem einfach nur zuhört.



Ich mochte es außerdem, dass er eine sehr sanfte Seite hatte, die er meist nur Shane zeigte, und die nicht wechselhaft war. Keine emotionale Erpressung, keine Selbstverletzung, einfach nur Ilya, wie er eben ist. Manchmal schalten Figuren ja zwischen sanft und verärgert wild hin und her und schlagen dann wild um sich. Das war hier nicht der Fall.



Eine verbotene Liebe – Outing im Profisport?



Die Lovestory der beiden wird über neun? Jahre glaube ich erzählt. Immer nur in den kurzen Treffen, die sie sich erschleichen. So ist es natürlich sehr kurzlesig und man kommt kurz voran. Man kann es aber nicht ganz beschönigen: es geht echt lange Zeit nur um Sex. Und das auch schon ab ziemlich früh und ohne viele Worte. Zwar merkte man in diesen Szenen, wie die beiden immer mehr dazu fanden, was sie mochten und was sie sich für ihr Leben vorstellen, merkte vielleicht sogar, dass da mehr zwischen den beiden ist, aber eine wirkliche Auseinandersetzung mit der Situation passiert lange Zeit über nicht. Das muss man natürlich mögen, denn es bedeutet in erster Linie viel Spice.



Ich fand es überraschenderweise nicht ganz so abschreckend, wie ich gedacht hätte, und es in anderen Büchern mit so viel Spice schon der Fall war. Das lag vor allem daran, dass der Sex zwischen den beiden sehr viel Vertrauensarbeit ist und man auch immer wieder merkt, dass sie irgendwo die Anpassung an die Gesellschaft aufrecht halten wollen. Wie ihr euch bestimmt vorstellen könnt, ist das Thema Outing hier sehr präsent. Denn gerade im Profisport herrscht immer noch die Vorstellung davon, dass nur heteronormative Männer auf Erden existieren und alles andere den Blick auf den Sport trüben würde. Das ist nicht nur ein Thema, dass sich dann auf die Zuschauenden, die Medien und die Vereinsmanager:innen auswirkt, sondern leider auch auf das Team und die Mitspielenden untereinander. Was einfach super schade und nicht mehr zeitgemäß ist.

Aus diesem Grund aber, halten auch Shane und Ilya daran fest, dass sie nicht einfach mal eben so bekannt geben können, dass sie ein Paar sind.

Ich als Außenstehende kann mir nur so halb vorstellen, was für einen Druck, eine Unsicherheit, ein gespaltenes Verhältnis zur Gesellschaft, dem Team und den Fans aufkommt, mal ganz davon abgesehen von dem Verhältnis zu sich selbst.



Die Autorin geht das Ganze sehr unspektakulär an und lässt es nur indirekt im Raum stehen. Eine direkte Auseinandersetzung mit anderen oder Gerüchte usw. gibt es nicht. Das lässt den beiden natürlich mehr Zeit, für sich selbst rauszufinden, wie weit sie gehen wollen und vor allem wann, nimmt der Geschichte aber natürlich auch ein wenig die Möglichkeit, Komplexität im Zusammenspiel mit Nebenfiguren zu kreieren.

Ich persönlich fand es ganz süß gemacht, ich muss aber gleichzeitig sagen, dass die Geschichte für mich so einfach sehr gleichförmig blieb und ich mich hinterher echt gefragt habe, ob 100 Seiten für die Story nicht gereicht hätten.



Den Hype wert? Warum besonders?



Ob das Buch den Hype wert ist, weiß ich ehrlich gesagt nicht. Ich würde sagen, so viel anders als andere Bücher dieses Genres ist das Buch nicht. Und es ist auch nicht das erste Buch, dass über die Schwierigkeiten von LGTIQA+-Menschen in der Gesellschaft, Vorurteilen diesen gegenüber und im Profisport erzählt und quasi aufklärt. Ich kann mir vorstellen, dass es durchaus eine Art Vorbild schafft, das Mut erzeugen kann. Dies können aber meiner Meinung nach viele authentische Liebesgeschichten aus diesem Feld.



Das einzig Besondere für mich an dem Buch war, dass man die Figuren so gerne mochte, weil es ab Dreiviertel des Buches echt endlich in die Tiefe ging und die beiden sich einfach so unheimlich zart und süß annähern. Es ist ein Herantasten, dass man normalerweise so nicht oft liest, weil sonst (der Gesellschaft geschuldet) nicht so viele Unsicherheiten auftreten. Vieles geschah über Blicke, über zögerliche Annäherung, über unausgesprochene Worte. Das war einfach nochmal eine ganz andere, intensivere Art der Erzählung, die mich richtig in ihren Bann gezogen hat. Und das, OBWOHL es hier zwischenzeitlich eigentlich nur um ungesagte Worte geht. Aber diese können eben nicht nur nicht ausgesprochen werden, weil die Figuren sich nicht trauen, sondern weil sie auf mehreren Ebenen die Tragweite dieser Worte beachten müssen. Und das ist es glaube ich auch, was es für die Community so spannend macht.

Außerdem mochte ich es, dass es bist zum Ende hin authentisch blieb. Kein rosarotes Happy End, sondern eins, dass zu Ilya und Shane mit ihrer Situation passte.



Fazit:

Auch, wenn das Buch mit unheimlich viel Spice daherkommt, habe ich die besondere Anziehung zwischen den beiden super besonders und fand es durch den erst schnellen, sprunghaften Erzählen hin zum langsameren Erzählen sehr spannend zu lesen. Hier gehts definitiv um vorsichtigen Mut, der authentisch und liebenswert dargestellt wurde. Man muss aber mit dem Spice umgehen können.



Von mir gibt es 4 von 5 Sterne.


Liebe Grüße


PS: Ich habe gerade die erste Staffel der Serie beendet und mein Fazit dazu ist im Vergleich: Die besondere Beziehung der beiden zueinander kommt im Buch noch besser rüber, dafür geht es in der Serie aber nicht um ganz so viel Spice, weil noch zwei weitere Figuren sehr viel mehr Raum bekommen. Die beiden wiederum fand ich sehr süß.

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