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Veröffentlicht am 17.05.2026

Ein richtiger Epos!

This Is Going To Hurt
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Schreibstil:
Und schon sind wir gleich zu Anfang an dem Punkt, an dem sich wahrscheinlich die Geister scheiden, denn der Schreibstil ist schon seeehr besonders. Nicht, weil er schlecht ist, sondern weil ...

Schreibstil:
Und schon sind wir gleich zu Anfang an dem Punkt, an dem sich wahrscheinlich die Geister scheiden, denn der Schreibstil ist schon seeehr besonders. Nicht, weil er schlecht ist, sondern weil er alt klingt. Geradezu altmodisch. Ich musste mich jedenfalls erstmal daran gewöhnen und habe mich dann etwas ins Jahr 1923 versetzt gefühlt (ich glaube, weil ein Yellowstone-Spin-off dann spielt). Ein kleines Beispiel: „Mein Geist ist benommen, gleichwohl empfinde ich jedes Geräusch dieser Nacht in einer Intensität, die durch das Adrenalin, welches meinen Körper durchbrandet, verursacht wird.“ (bei 3%). Versteht ihr, was ich meine? Ich habe mich eigentlich nicht daran gestört, sondern fand es ganz atmosphärisch, allerdings muss ich auch gestehen, dass der Schreibstil an einigen Stellen für Distanz sorgte und Emotionen so vielleicht manchmal durch eine Art Filter weitergegeben wurden.

Die Geschichte – wenn der Cowboy zum Geburtshelfer wird

Alles, was der Schreibstil vermittelt, findet sich irgendwie auch in der Geschichte wieder. Zwar spielt es in einer modernen Welt, aber Jordan wirkt trotzdem etwas aus der Zeit gefallen: unschuldig, etwas naiv, an das Gute glaubend. So ist es nicht weiter verwunderlich, dass sie ihr Kind mitten auf einer Landstraße bekommt, weil sie auf dem Weg zu dem Vater ihres Kindes ist, der sie seit einem halben Jahr ghostet. Klingt jetzt erstmal ganz wild und nach einer Geschichte, die vielleicht vor Klischees nur so trieft. Tatsächlich aber ist das Ganze nur die Grundbasis und Jordan hatte ich schnell verziehen, dass sie erst so naiv ist. Denn durch sie bekommt die ganze Dynamik der Geschichte erst so richtig Raum.

Bleiben wir also bei den Fakten: Erzählt wird nahezu abwechselnd aus den Perspektiven von Miles und Jordan, das Setting ist hauptsächlich die Whispering Maples Ranch von Miles, auf der er Jordan aufnimmt. Und das ist dann auch schon Teil des Problems, das die Handlung trägt: Familienfehden.

Ich habe mich wirklich komplett wie in einem alten Western gefühlt (oder was ich dafür halte). Eine Geschichte, in der die Cowboys einen rauen Umgangston haben, Aufgaben erledigen müssen, die keineswegs angenehm sind, mit totem Vieh zu tun haben, irgendwie Geld verdienen und sich dann noch gegen andere Rancher durchsetzen müssen. Dazu kommen dann noch Fehden und Differenzen zwischen den Ranchern, Familienbande, die für Tumult und Rivalität sorgen und viele viele unausgesprochene Worte. Ich empfand es als total authentisch und war sofort von der Geschichte gefangen. Während andere Cowboy-Romances ja doch eher romantisieren und sich auf den Spice und die Smalltown Vibes konzentrieren, spielt sich hier alles auf dem Hof ab und alles bleibt wunderbar authentisch.

Slow Burn vom Feinsten – nicht jede Geschichte lebt vom Spice

Es gibt diese Geschichten, in denen es Liebe auf den ersten Blick ist und dann die, bei denen es Anziehung auf den ersten Blick ist. Hier ist keins davon der Fall, denn beide Hauptfiguren haben zu Anfang der Geschichte ganz andere Dinge im Kopf. Sie wissen nur, dass sie einander sympathisch finden und vertrauen.

Zu Miles fand ich sehr gut, dass man ihn nicht nur durch seine Taten und sein Verhalten Jordan gegenüber kennenlernte, sondern vor allem auch durch die anderen Bewohner:innen der Ranch, die ihn schon lange kennen und zu beurteilen wissen. Was ich sagen kann: Miles ist total hilfsbereit, sehr empathisch, hat ein sehr gutes Herz und kämpft für das, was ihm und den Menschen, die er liebt, wichtig ist. Dabei stellt er sich selbst oft zurück. Sein eigenes Glück liegt brach, aus verschiedenen Gründen. Beides wird Teil der Geschichte und durchaus thematisiert, was ich ebenfalls sehr gut fand. In vielen Gesprächen und Gedankengängen wird hier alles brav aufgearbeitet und vor allem setzen sich die Figuren alle aktiv damit auseinander, sodass die Geschichte viel Tiefe bekam.

Jordan ist überhaupt nicht typisch für eine Protagonistin, denn sie ist viel ruhiger. Auch sie stellt sich nicht in den Mittelpunkt, ist aber auch anfangs einfach total verloren, sodass sie gar nicht an sich selbst denken kann. Es geht darum, sich um ihr Kind zu kümmern und das in all dem, was um sie herum passiert. Miles hat da unheimlich geholfen, um sie besonders anfangs zu verstehen, denn ja, direkt nachdem man ein Kind bekommen hat, können die Gefühle verrückt spielen.
Ich mochte Jordan aber irgendwie auf Anhieb, da sie sich nicht bemitleidet, sondern versucht, das Beste aus der Situation zu machen und dabei keineswegs zur Nutznießern wurde. Sie tastet sich vorsichtig an alles heran, lässt ihre Gefühle zu Miles nur vorsichtig entstehen und ihre Naivität legt sie ziemlich schnell ab.

Ihre Beziehung zueinander ist geprägt von vielen ungeklärten Situationen, die erst nach und nach aufgeräumt werden müssen. Die Liebe entsteht langsam und ist dadurch umso tiefer und dankbarer. Man merkte richtig, wie gut die beiden zusammenpassen und wie viel sie sich in all den Geschehnissen gegenseitig geben.

Die Coltons – eine zerissene Dynastie

Das Hauptthema dieser Geschichte ist neben der Lovestory, die sich viel Zeit nimmt, auf jeden Fall alles rund um die Familie Colton. Jeden davon lernen wir kennen. Ezra Colton, der Patriarch, seine beiden Söhne, einer nicht besonders pflichtbewusst, der andere leider psychisch labil, und dann Miles und die im Koma liegende Raelynn. Alle hängen irgendwie zusammen, teilen eine Geschichte und zwischen ihnen allen liegen viele ungesagte, aber auch schlecht gemeinte Worte. Wenn ihr an Todesblicke, entsperrte Flinten, Viehdiebstahl und die Weiterführung der Blutlinie denkt, dann seid ihr genau in der Bubble, in der sich alles rund um die Familie Colton abspielt. Ich fand es grandios gemacht. Ich konnte die Zerrissenheit jeder einzelnen Figur deutlich wahrnehmen, habe mit ihnen gelitten und gebangt und war den Tränen nahe, als alles ans Licht kam.
Diese Familiengeschichte hatte Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft und wurde so erzählt, dass es eindringlich, aber niemals langweilig war. Quasi ein Epos auf 450 Seiten. Das muss man erstmal schaffen.

Fazit:
Das hier ist eine Cowboy-Romance, die diese Betitelung eigentlich nicht verdient, weil es so viel mehr ist. Es ist eine absolut atmosphärische, tiefgreifende Geschichte voller Emotionen, die mich voll erreichen und mitreißen konnten. Das Buch war durchweg spannend, die Figuren alle (und damit meine ich auch die Nebenfiguren) liebenswert bzw. authentisch und die eingegliederte Familiendynastie verband alles geradezu zu einem Epos. Ich kann das Buch allen empfehlen, die bereit sind, für echte Cowboy Vibes und den Fokus nicht nur auf der Lovestory haben wollen.

Von mir gibt es 5 von 5 Sterne.

Vielen Dank an Netgalley.de und den Verlag für das Rezensionsexemplar!

3 Gründe, weshalb du dieses Buch lesen solltest:

Echte Cowboy-Vibes statt nur Country-Ästhetik
Wunderschöne Slow-Burn-Liebesgeschichte
Eine Familiensaga voller Spannung und Emotionen


Liebe Grüße
Tomke

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 17.05.2026

Super authentisch und nachfühlbar!

Worst Date Ever (Knisternde RomCom von der erfolgreichen Autorin Kasie West)
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Schreibstil:
Ich habe gelesen, dass es das erste Erwachsenenbuch der Autorin ist. Interessant, denn tatsächlich fand ich, dass der Schreibstil perfekt zu der Protagonistin, die glaube ich 27 im Buch ist, ...

Schreibstil:
Ich habe gelesen, dass es das erste Erwachsenenbuch der Autorin ist. Interessant, denn tatsächlich fand ich, dass der Schreibstil perfekt zu der Protagonistin, die glaube ich 27 im Buch ist, passte. Locker und flüssig, manchmal etwas selbstironisch, oft humorvoll und vor allem sehr sehr authentisch. Genau so, wie die Figuren miteinander redeten, kenne ich es auch aus meinem Alltag. Kein Dialog fühlte sich gestelzt an, die Dating-App-Anschreiben passten auch perfekt. So schuf die Autorin ein Setting, dass sich für mich sehr nachvollziehbar anfühlte.
Was ich rein vom Format etwas anstrengend fand, war, dass die Chatdialoge nicht als solche gekennzeichnet waren. Sie standen einfach ohne Anführungszeichen im Text. Aber vielleicht lag das auch nur am Ebook und zumindest im Print ist es nicht so.

Die Geschichte – Träumerin auf der Suche nach ihrem Weg und dem Perfect Match

Ich habs geliebt, dass das Buch mit dem „Worst Date Ever“ begann und dann aber einen riesigen Zeitsprung macht. Denn ganz ehrlich: dass man jemanden nach einem schlechten Date, das über eine Dating-App zustande gekommen ist, nochmal sieht, ist unwahrscheinlich. Das will man gar nicht. Aber da ist ja eine gewisse Anziehung, die irgendwie gepasst hat. Das Element, dass die Protagonistin Margot das Date letztlich doch nicht hat vergessen lassen. Es wurde nur aus ihrer Perspektive erzählt und so war es nach all den Pleiten irgendwie sehr verständlich, dass Oliver ihr immer wieder in den Sinn kam. Vor allem, weil er ihr immer wieder angezeigt wird. Und ja, auch das passiert ganz natürlich, wenn man so nah beieinander wohnt. Meine Strategie ist nicht ohne Grund, mich von Matches aus meinem unmittelbaren Umfeld fern zu halten. Allerdings wohne ich auch in einem Dorf. Da kennt jeder jeden.

Margot – Meet-Cute im Chaos von Vorzeigeschwester und Psychoboss?

Margot gefiel mir total gut. Ich konnte mich irgendwie sofort mit ihr identifizieren, auch wenn ich nicht ganz so ziellos durchs Leben gehe. Aber gleichzeitig war es eben sehr nachvollziehbar, dass sie ihre Träume hat, dass sie sich unter Druck gesetzt von ihrer erfolgreichen Schwester fühlt und dass sie eben nicht einfach mal eben so komplett für sich einstehen kann. Gerade, wenn es der erste Job ist, ist das noch total schwierig. Das Selbstbewusstsein muss man erstmal sammeln. Und so konnte ich verstehen, weshalb sie nicht so für sich kämpfte, wie ihr Umfeld das von ihr erwartete.

Es gibt aber noch mehr Margot. Denn sie ist auch lustig, chaotisch ordentlich, sehr familiär, äußerst gut in ihrem Job und mit Menschen und sehr begeisterungsfähig. So war es für mich leicht, sie zu mögen und ihren Fortschritt zu verfolgen. Im Zusammenspiel mit Oliver mochte ich an ihr besonders, dass sie sich bewusst zum kommunizieren entscheidet (oder manchmal auch dagegen). Sie ließ die Tipps ihres Umfelds nicht einfach an sich abprallen, sondern nahm sie sich zu Herzen und versuchte, sie für sich passend umzusetzen. So war die Frage nach einem neuen Job vielleicht gar keine, wenn sie in sich hinein horchte.

Miles – Green Flag oder emotional kompliziert?

Dadurch, dass man nur aus Margots Perspektive las, war Oliver die undurchschaubare Komponente der Geschichte. Man lernte ihn als freundlichen Typen mit Vergangenheit kennen, der einen guten Job und ein stabiles Leben hat. Was aber immer wieder die Handlung beeinflusste, war, dass Oliver etwas nicht passte, er es aber nicht direkt gesagt hat. Stattdessen merkte Margot nur, dass irgendwas anders war und musste ihm dann quasi wieder hinterherrennen, um es rauszubekommen.
Fairerweise muss man sagen, dass Margot ihn aber lange Zeit auch so mit ihrem Leben belagert, dass er vielleicht noch gar nicht das Gefühl hatte, sie seien schon auf der Ebene. Ich persönlich fand auch dieses Verhalten irgendwie nachvollziehbar. Ja, kommunizieren ist der goldene Weg, aber wenn ich mit Ängsten aus meiner Vergangenheit zu tun habe und mein Gegenüber auch noch nicht ganz so gut kenne, dann ist es meiner Meinung nach vollkommen verständlich, wenn man sich dann erstmal in sich selbst zurückzieht.

Ansonsten mochte ich seinen Humor, habe im Vergleich zu Margot gleich erkannt, dass er gut zu ihr passt und fand es interessant, wie er einerseits Nähe suchte, gleichzeitig aber auch Distanz wahrte. So gab er Margot den nötigen Raum, um sich mit all ihren Problemen auseinanderzusetzen, während er selbst da etwas blass blieb und sich eigentlich nur durch sie entwickelt. Der Fokus lag also definitiv auf Margot. Wer da mehr Tiefe erwartet, bekommt sie an dieser Stelle also nicht. Für mich persönlich hat es so gepasst.

Slow Burn mit Spice und richtig guter Gesprächsdynamik

Die Anfänge der Story zwischen Oliver und Margot funktionieren über Chatnachrichten, dann über Telefonate. Das Tolle ist, dass die beiden absolut lustig zusammen sind. Sie haben den gleichen Humor, greifen Insider-Witze immer wieder auf und erschaffen sie natürlich zuerst gemeinsam. Ich finde es immer cool, wenn die Protagonisten so eine einzigartige persönliche Ebene haben, auf der sie kommunizieren.

Die Beziehung zwischen den beiden ist spicy, ansonsten aber Slow Burn. Es knistert gewaltig, während die Geschichte etwas brauchte, um ihr richtiges Ziel zu finden. Ich mochte aber die Einblicke in die Literaturbranche und wie auch Margots Familie und der Zukunftsdruck, der sie begleitete, stets präsent waren. Ein bisschen sind das ja auch typische Gründe, weshalb man sich auf Dating-Apps rumtreibt: man versucht jemanden zu finden, weil jemand fehlt. Entweder, weil man wirklich Nähe vermisst oder (und das ist in dem Alter, bei der Familie und bei den vielen Jahren, die Margot es schon probiert) weil die Gesellschaft es so proklamiert. Dazu liest sie noch die ganzen Liebesromane, in denen immer irgendwann „der Richtige“ gefunden wird. Man gerät in Zugzwang. Möchte jemanden finden. Margot wollte unbedingt ein Meet-Cute, wie sie es nannte. Eine Situation, in der man zufällig einem Fremden begegnet und sich daraus resultierend verliebt. Damit wird hier auch das Motiv von Vorstellung vs. Wirklichkeit aufgegriffen und auch das fand ich total interessant und nachvollziehbar für eine Frau in dem Alter. Es war einfach alles so nah am Alltag, dass ich auch die Geschwindigkeit des Handlungsverlaufes nicht als zu langsam empfand. Einfach nur als realitätsnah.

Für mich hatte die Geschichte einfach die richtige Mischung aus authentischen Erfahrungen und Entwicklungen, Spice und Liebe und Feelgood-Vibes und Humor. Auch das Ende hat das nochmal bestätigt, indem die Wendung zwar da war und natürlich ein zu lösendes Problem stellte, gleichzeitig aber auch die Entwicklung der Figuren aufnahm. Somit war es nicht allzu dramatisch und hat der Geschichte keinen Abbruch getan.

Fazit:
Eine wirklich schöne RomCom mit authentischen Figuren, realitätsnahen Beschreibungen und schönen Einblicken in die Literaturbranche (perfekt für uns Bookies). Den Humor fand ich super, das Knistern zwischen den Protagonisten ebenfalls und ihr Meet-Cute sowieso. Slow Burn, aber mit Spice. Eigentlich kann man es immer so machen^^
Einfach eine schöne Geschichte für zwischendurch, die für mich genau die richtige Portion Tiefe hatte, dabei aber locker leicht blieb.

Von mir gibt es 5 von 5 Sterne.

Vielen Dank an den Verlag und Netgalley.de für das Rezensionsexemplar!

3 Gründe, weshalb du dieses Buch lesen solltest:

Authentische Dating-App-RomCom mit echtem Alltagsgefühl
Humorvolle Slow-Burn-Romance mit Spice
Perfekt für Bookies & Romance-Fans


Liebe Grüße
Tomke

  • Einzelne Kategorien
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  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 17.05.2026

Spannendes Kammerspiel!

Das Signal
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Schreibstil:
Die Autorin überzeugt mich immer wieder mit ihrem Schreibstil. Er ist prägnant und authentisch, aber auch düster und schnörkellos. Einfach so, dass man sich ganz auf die Geschichte konzentrieren ...

Schreibstil:
Die Autorin überzeugt mich immer wieder mit ihrem Schreibstil. Er ist prägnant und authentisch, aber auch düster und schnörkellos. Einfach so, dass man sich ganz auf die Geschichte konzentrieren kann gleichzeitig hinter jedem Wort eine versteckte Bedeutung vermutet, hinter jedem Satz einen Hinweis auf den Ausgang der Geschichte. Ich konnte das Buch super flüssig lesen und war fast durchgängig sehr gebannt.

Die Geschichte – Viola verliert ein Bein bei einem Unfall, der keinen Sinn ergibt

Erzählt wird aus der Perspektive von Viola, einer 36 Jährigen Künstlerin/Innendesignerin, die im Krankenhaus mit nur einem Bein erwacht und sich an nichts mehr erinnern kann.
Was mir gleich an ihr gefallen hat, war, dass sie sich zu keiner Zeit unterkriegen ließ. Ihre Gedanken zu ihrer Behinderung waren nachvollziehbar. Einerseits ein Schock und eine gewaltige Umstellung, gleichzeitig ist das Leben aber eben nicht vorbei, sondern muss weitergehen. Und das kann es ja auch. Mithilfe von Therapie, Prothesen, Unterstützung im Haushalt usw. ist einiges möglich und Viola ist bereit, zu kämpfen und sich dort, wo es nötig ist, helfen zu lassen, um weitestgehend wieder in die Selbständigkeit zu finden. Das fand ich total nachvollziehbar. Sie ist eine starke Persönlichkeit, warum sollte sie nicht positiv denken dürfen?

Und natürlich ist genau diese persönliche Einstellung der Antrieb, den es braucht, um die ganze Geschichte so problematisch zu machen, wie sie dann letztlich abläuft. Denn: Violas Mann scheint nicht unbedingt ein Fan davon zu sein, dass Viola nicht depressiv im Bett bleibt. Und genau da wurde es total spannend:)

Viola – Starke Protagonistin oder unzuverlässige Erzählerin?

Zwischendurch habe ich immer wieder überlegt, ob ich Viola nicht auch für verrückt halte. Bzw. zumindest nicht ganz „nett“. Sie ist nämlich keineswegs ein einfacher Charakter. Ihre Persönlichkeit ist stark, ihr Antrieb, wieder auf zwei Beinen zu stehen, groß und ihre Beobachtungsgabe ebenfalls. Ich fand es gut, wie sie immer wieder bestärkte, dass sie ihren Mann und ihre Freundinnen wirklich gut kennt und ihr genau deshalb Veränderungen so sehr auffallen. Aber auch abseits von anderen Figuren fallen ihr Veränderungen im Haus auf, sie stellt sich geschickt darin an, Lügen ans Licht zu bringen und lässt sich nicht hinters Licht führen. Ihren innerlichen Widerstreit zwischen den Ergebnissen der Tracker, die sie anwendet, und ihren vorherigen Gefühlen zu ihrem Mann und ihren Freundinnen fand ich dabei richtig gut aufgenommen. Schließlich kann man Gefühle und Liebe nicht einfach abschalten. Gemeinsame Erinnerungen sind nicht plötzlich vergessen, nur weil man Zweifel hegt. Das Bild, dass man vorher im Kopf hatte, muss Stück für Stück auseinandergenommen und neu zusammengesetzt werden und genau das passierte bei Viola. Ich konnte richtig mitverfolgen, wie sie mit sich und ihren Erkenntnissen kämpft. Das fand ich außerordentlich authentisch dargestellt.

Was meine Zweifel an ihrer Person betrifft, so musste ich mich echt ein wenig mit dem Gedanken anfreunden, dass sie Menschen Tracker verpasst. Ich meine: Das ist schon ein ziemlicher Tabubruch, den sie dort begeht, inkl. weiteren, die durch die sichtbaren Standorte möglich wurden. Manchmal kam dann bei mir der Gedanke auf, ob nicht eigentlich Viola das Problem ist. Ob sie nicht diejenige ist, die in diesem Spiel aus Lügen und versteckten Wahrheiten diejenige ist, die am unzuverlässigsten ist. Aber ich denke, genau das machte die Geschichte so spannend. Ich war mir nicht sicher, konnte mir nicht sicher sein. Fast bis zum Ende. Mehr sage ich dazu jetzt einfach mal nicht, aber ihr könnt euch darauf gefasst machen, dass Viola definitiv eine ebenfalls interessante Komponente in diesen Spiel ist.

Das große Geheimnis – und die Spieler:innen im Labyrinth

Habt ihr schonmal so ein Detektivspiel gespielt, bei dem ihr einen Umschlag mit Unterlagen bekommt und dann rekonstruieren müsst, was für ein Verbrechen von wem begangen wurde? Nach und nach geht man dabei die beteiligten Figuren durch, erstellt ihre Profile und versucht herauszufinden, ob sie ein Alibi haben, wie sie mit den anderen verstrickt sind und was ihre heimlichen Motive und sowieso Geheimnisse sind. Tja, ein bisschen so war es hier auch. Der Cast wird vorgestellt und ab dann ist es Viola, die uns bruchstückchenhaft mit Details zu allen füttert, sowie natürlich mit den Informationen, die ihr die Tracker liefern. Person A läuft also immer wieder in dieses Café, Person B hat gesagt, er wäre dort, ist aber tatsächlich ganz woanders hingefahren und Person C, die Haushälterin, verlässt das Haus nicht und behält Viola so stets im Blick. Aber wieso?

So kamen mehrere Komponenten zusammen, die die Spannung steigerten. Einerseits wollte man wissen, was der Ehemann ausheckt, bzw. ob er überhaupt etwas ausheckt. Dann beobachtet man Viola dabei, wie sie versucht, ihre Selbstständigkeit zurückzuerlangen und dabei die Haushälterin/Pflegerin auszutricksen, da diese sie nie allein lässt, und dann gibt es da noch ein paar mysteriöse Gestalten, die im Garten umherschleichen.

Die Geschichte baut sich langsam auf und wird mit immer mehr Informationen, die Viola erlangt, von Seite zu Seite spannender. Es wäre fast ein Kammerspiel, wären da nicht die Tracker. Ich muss sagen, dass ich mich erstmal daran gewöhnen musste, dass es nicht gleich heiß her ging. Die Spannung ist erst eher unterschwellig. Sie liegt in den Vermutungen und nicht direkt in den Handlungen. Sobald ich aber im Sherlock-Modus war und genau wie Viola versucht habe, die Informationen zu kombinieren, wurde es immer spannender.

Das Ende – wenn du erfährst, was du vielleicht gar nicht wissen willst

Was man definitiv irgendwann raushat ist, dass keine einzige Figur in diesem Buch ihre Motive offen vor sich herträgt, Viola eingeschlossen. Somit kam es für mich nicht überraschend, dass das Ende nochmal alles umgeschmissen hat. Und zwar so, wie ich es liebe: Aufregend, actionreich und erhellend. Ein wenig konnte ich mir schon denken, bei anderem bin ich total in die Irre geführt worden. So hat man es doch am liebsten, oder? Und macht euch darauf gefasst, dass gerade zum Ende echt nochmal richtige Thrillerelemente angewendet wurden:)

Fazit:
Mir hat das Buch rundum gefallen! Ja, die Geschichte brauchte ein wenig, um so richtig spannend zu werden, aber der Schreibstil war wie immer super und ich war total an die Seiten gebannt, während sich die Geschichte mehr und mehr aufbaute. Die Unzuverlässigkeit jeder einzelnen Figur, die Thematik an sich und das actionreiche Ende waren einfach mega. Ein Kammerspiel in der modernen Welt, das ein regelrechtes Versteckspiel inszeniert, dazu eine charakterstarke Protagonistin und eine ausgeklügelte Backgroundstory.

3 Gründe, warum du „Das Signal“ lesen solltest:

- Weil der Thriller mit deinem Vertrauen spielt
- Weil die Spannung eher schleicht als explodiert
- Weil Viola eine unglaublich starke Hauptfigur ist

5 von 5 Sterne von mir.

Vielen Dank an Netgalley.de und den Verlag für das Rezensionsexemplar!

Liebe Grüße
Tomke

  • Einzelne Kategorien
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Veröffentlicht am 17.05.2026

Spannender Kink

Willing Prey
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Schreibstil:
Habe ihn geliebt! Ich bin durch die Seiten geflogen und war erstaunt, wie flüssig es sich lesen ließ. Denn obwohl ich keinerlei Erfahrungen mit dem Kink hatte und ihn erst vielleicht etwas ...

Schreibstil:
Habe ihn geliebt! Ich bin durch die Seiten geflogen und war erstaunt, wie flüssig es sich lesen ließ. Denn obwohl ich keinerlei Erfahrungen mit dem Kink hatte und ihn erst vielleicht etwas befremdlich fand, war es zu keiner Zeit komisch oder abwegig. Die Autorin hat es durch die Beschreibung der Gefühle und der Atmosphäre perfekt geschafft, mich mit ihren Figuren mitzunehmen und mitfühlen zu lassen, sodass es zu keiner Zeit weird war. Ich konnte mich total fallen lassen und einfach gebannt lesen.

Die Geschichte – 30 Tage, ein Wald hinter dem Haus und ein Gehalt, das die Schulden tilgt

Erzählt wird aus den Perspektiven von Shane und Claire. Das war besonders deshalb interessant, weil die beiden lange Zeit absolut unabhängig voneinander agieren und denken und fühlen. Durch die Zeitbeschränkung und die stete Bereitschaft, die von Claire verlangt wird, spielt die Geschichte hauptsächlich auf Shanes Grundstück und hauptsächlich zwischen Claire und Shane sowie seinem Hauspersonal. Das hat die Erzählung natürlich sehr auf den Spice verdichtet. Und dieser lässt auch nicht lange auf sich warten. So nahm die Handlung gleich Fahrt auf und baute sich nicht erst langsam auf. Suchtfaktor also sofort aktiviert.

Claire – Betrogene Lehrerin mit Kink, der alle Sorgen zu nehmen scheint

Claire muss man gar nicht lange kennen lernen, um sie zu mögen. Sie ist unkompliziert, naturverliebt, weiß, was sie will und was sie mag. Sie gibt sich keinen Gedankenstrudeln hin oder verkompliziert Dinge, sondern kennt ihre Schwächen und Vorlieben und agiert sehr strukturiert. Das mochte ich an ihr total, weil sie den Handlungsverlauf so nicht verlangsamt und nichts unnötig verkompliziert hat.

Dafür blieb Platz, um mit ihr zu fühlen, was ihr am Primal Play so gefällt, wie sie Shane immer besser kennen lernt und dabei langsam Gefühle entwickelt und wie sie teils überlegt, teils aber auch gefühlsgesteuert mit ihrem Ex-Freund umgeht. Zu keiner Zeit hatte ich das Gefühl, dass sie überdramatisiert oder irgendetwas total unlogisch angeht. Stattdessen ist sie authentisch und gibt ihre Gefühle an uns Leser:innen weiter.

Was mir außerdem an ihre gefallen hat, war, dass sie keinen Zustand als gegeben ansieht. So entwickelt der Kink sich zwischen ihr und Shane noch weiter. Irgendwie hat mir das auch dabei geholfen, diese sexuelle Vorliebe besser hinsichtlich meiner feministischen Einstellung verstehen zu können. Wäre es nämlich so gewesen, dass es nur darum gegangen wäre, dass der Mann das Sagen hat, wäre das zwar im sexuellen Bereich auch irgendwie in Ordnung gewesen (gemäß dem Falle, er benimmt sich sonst gut), allerdings fand ich es so einfach viel besser. Die beiden sind die ganze Zeit über sehr an Consent interessiert. Es geht nicht nur um ein Safeword, sondern auch darum, dass beide garantiert Spaß an allem haben. Durch die Entwicklungen hin zur Gegenseitigkeit wurde dies noch bestärkt. Ich glaube, genau diesen Content sollte man viel öfters in Dark Romance Büchern betonen, denn genau so wird ein Kink zum Kink und nicht zu einer Machtdemonstration oder einer sexuellen Vorliebe eines Einzelnen. Die beiden machen das hier zusammen. Haben zusammen Spaß. Sind zusammen?

Nur eine Mini-Anmerkung zu Claire: Sie beschreibt sich als totale People-Pleaserin, tatsächlich aber konnte ich das bei ihr nicht wahrnehmen. Ich denke, das bezieht sich auf ihre Zeit VOR Shane. Es gab aber keine Rückblicke oder Erinnerungen oder ähnliches, die das an der Stelle nochmal gezeigt bzw. erlebbar gemacht hätten. Schade eigentlich, denn für ihre Entwicklungskurve wäre es glaube ich ganz cool gewesen, wenn man diesen Wandel mehr mitbekommen hätte.

Shane – scheuer Anwalt, dominanter Jäger oder weirder Stalker?

Das krasseste an Shane: er wird als großer, eher stämmiger, muskulöser Mann beschrieben, der aber schüchtern, zurückhaltend und unsicher ist. Ich habe noch nie einen Love Interest kennengelernt, der so gegensätzlich war und gleichzeitig so authentischen. Denn ja, nicht jeder mit einem Kink muss gleich das oberkrasseste Machomonster sein. Man kann auch so sein wie Shane: jemand, der erst entdeckt, dass dieser Kink zu einem passt und der eigentlich sehr unsicher ist, wenn es darum geht, mit Frauen zu reden. Wenn er nicht gerade in seinem Element draußen im Wald war, dann merkte man diese Schüchternheit total und das fand ich zuckersüß. Er ist der Typ Nerd, den man mit ins Bett nehmen will. Jemand, der sich um alles Gedanken macht, recherchiert, um gut in dem zu sein, was er sich vornimmt und unbeholfen und schweigsam wird, wenn er unvorbereitet angetroffen wird. Es war cool zu sehen, wie sehr er sich um Claire bemüht, obwohl er augenscheinlich ein oberkrasser S**partner ist.

Was seine Figur dann noch spannender machte, war, dass es bei ihm quasi Liebe auf den ersten Blick war und er vielleicht leichte Stalker-Tendenzen zeigte. Zuerst dachte ich in diesem Moment so: oh ha, dass ist jetzt vielleicht doch etwas viel, im nächsten passte es irgendwie total zu ihm und nahm dann zum Glück auch nicht solche Ausmaße an, dass ich es hätte irgendwie mit mir ausmachen müssen. Er war einfach verliebt.

Wenn ein Vertrag endet – was passiert dann?

Die 30 Tage waren wirklich super geschrieben. Es wirkte dadurch authentisch, dass die Bedingungen zwar eingehalten wurden, dass Shanes Leben aber auch nicht einfach pausierte. Er musste dennoch arbeiten und hatte somit nicht jeden Tag Zeit, sie zu jagen. Dadurch konnten viele der Jagden erzählt werden und jedes Mal war ich wieder erstaunt, dass die Autorin es schaffte, die gleiche Prozedur wieder anders spannend zu erzählen. Manchmal ist es Claire, die erzählt, manchmal Shane, manchmal versteckt sie sich, manchmal versucht sie den Spieß umzudrehen, mal dauert sie lang, manchmal kurz und zwischendurch passieren dann noch andere Dinge. Es war echt faszinieren, wie ich jedes Mal mitgefiebert habe.

Schön war aber auch, dass sich schon innerhalb dieser 30 Tage mehr zwischen den beiden entwickelte. Sie redeten, machten sich Gedanken, verbrachten Zeit außerhalb der Jagd miteinander. Alles so, dass es nicht zu viel wirkte, nicht zu vanilla, sondern eben einfach so, dass man merkte, dass die beiden vielleicht noch mehr als ihren Kink teilten.

Dabei ist dann nicht nur Claires Ex-Freund Thema, der sehr nachvollziehbar immer mal wieder zum Thema wird und Gefühle heraufbeschwört, sondern auch Shanes Vergangenheit. Ich fand es gut, dass es irgendwie einen Grund gab, weshalb er so ist wie er ist, trotzdem hätte ich mir irgendwie noch ein paar mehr Details aus dieser Vergangenheit gewünscht. Kann sein, dass sich das für Caine aufgehoben wird, aber für Shane war es dann schade.

So, irgendwann waren die 30 Tage dann aber vorbei und ab dann fand ich es etwas schleppend. Es war süß, keine Frage und es war auch authentisch erzählt, aber es klang ein bisschen wie ein Epilog, nicht wie ein entscheidender Teil der Geschichte. Das Darke ging auf jeden Fall verloren. Ich fand es so zum Abschluss ganz schön, es hat der Geschichte aber definitiv ein wenig der Würze genommen.

Fazit:
Ein Kink, der die Geliebte zur Beute macht, sympathische Figuren, ein flüssiger Schreibstil und jede Menge Spannung. Dieses Buch hat wirklich Spaß gemacht und war super spicy. Zum letzten Viertel hin wurde es etwas süßer, nicht mehr so dark. Wen das nicht stört, wird hier eine wirklich schöne Dark Romance lesen. Mein einziger richtiger Kritikpunkt: ein bisschen mehr Tiefe hätte das Buch noch besser gemacht.

Von mir gibt es 4 von 5 Sterne.

3 Gründe, weshalb du dieses Buch lesen solltest:

- Ein ungewöhnlicher Kink, der überraschend authentisch dargestellt wird
- Spannende Dynamik zwischen schüchternem Nerd & dominantem Jäger
- Spice mit Fokus auf Consent & Gegenseitigkeit


Vielen Dank an den Verlag für das Rezensionsexemplar!

Liebe Grüße
Tomke

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 23.04.2026

Packende Escape-Room-Mystery

Darkly
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Schreibstil:
Die Geschichte ließ sich sehr schön flüssig lesen und wurde die ganze Zeit über von einer düsteren Atmosphäre begleitet. Immer wieder kommen Zweifel auf, Geräusche und Beobachtungen wechseln ...

Schreibstil:
Die Geschichte ließ sich sehr schön flüssig lesen und wurde die ganze Zeit über von einer düsteren Atmosphäre begleitet. Immer wieder kommen Zweifel auf, Geräusche und Beobachtungen wechseln sich ab mit kryptischen Aussagen der Figuren. Für mich eine sehr gelungene Spannung zwischen Setting, Dialogen und Handlung, die mich schnell gefesselt hat.
Zusätzlich interessant ist, dass es zwischendurch Seiten gibt, auf die Rätsel, Zeichnungen, Fotos oder Zeitungsausschnitte gedruckt wurden. Einige davon konnte ich zwar im direkten Handlungsverlauf nicht direkt durchschauen, weil vieles erst viel später relevant wurde, aber sie sorgten auf jeden Fall dafür, die Rätselstimmung hoch zu halten.

Die Geschichte – Verlorene Kinder auf der Suche nach einem verlorenen Jungen im Konstrukt eines verlorenen Spiels

Erzählt wird aus der Perspektive von Dia, einer der sieben Jugendlichen, die auf der Insel der mysteriösen Spieledesignern ausgesetzt werden. Sie ist siebzehn, verhält sich aber nicht so bzw. hat ein gänzlich anderes Leben, sodass sie sich nicht mit den typischen Befindlichkeiten von Jugendlichen in ihrem Alter auseinandersetzt, sondern schnell in andere Gedankenstränge eintaucht. Ihre Beobachtungsgabe ist grandios und schnell beginnt sie, mehr und mehr zu kombinieren, Spuren zu verfolgen und Dinge zu hinterfragen.

Die Handlung ist zunächst etwas wirr, denn man weiß erstmal gar nichts. Es gibt diese besonderen Spiele, die Darklys, und die Designerin dahinter, Louisana Veda. Was mit ihr passiert ist, ist kein Geheimnis, wirft aber Fragen auf. Alles ist höchst mysteriös. Die Jugendlichen bekommen nur einen Happen serviert, der reichlich schwammig und weit hergeholt wirkt. Die Frage nach den Motiven jeder einzelnen Figur im Buch ist stets präsent, dadurch ist man die ganze Zeit im Rätselmodus, denn natürlich möchte man niemandem wirklich glauben.
Ich fand es sehr cool, wie es wirklich von einem Hinweis zum anderen ging und das große Ganze somit ziemlich lange brauchte, um sich zusammenzusetzen. Es fühlte sich ein wenig an, als wäre man in einem Escape Room und müsste den Ausweg finden. Nur in live, denn es treten nicht nur die Mitspielenden auf, sondern auch Statisten, die nicht unbedingt daran interessiert sind, zu helfen.

Die Idee hinter den eigentlichen Darklys blieb im meinem Kopf lange Zeit eher schwammig. Ich konnte mir nicht so richtig vorstellen, wie Spiele, so wie sie dort beschrieben wurden, überall auf der Welt gespielt werden konnten. Und auch am Ende des Buches blieb bei mir die Frage offen, was nun so anders an den Spielen war. Wie sie möglich waren. Denn die Handlung bezieht sich eher auf eine spezielle Art des Spiels, das genauso lebendig geworden ist, wie ich mir die anderen auch vorstellen würde. Vielleicht ist diese wirre Schilderung ein kleiner Hinweis darauf, dass einiges in diesem Buch ziemlich konstruiert wirkte. Es war alles mysteriös und rätselhaft, aber eben auch sehr gewollt. Ich persönlich konnte mich gut fallen lassen, weil die Stimmung und die Figuren das einfach unterstützt haben, aber wer hier ganz genau mitdenkt und hinterfragt, wird über ein paar Ungereimtheiten oder vielmehr Lücken stolpern.

Die anderen Figuren haben mich auch sehr an das Setting eines Escape Rooms erinnert, denn sie alle erfüllen ihre Rolle und bringen auch einen kleinen Teil Charakter mit in die Geschichte, hauptsächlich sind sie aber dafür da, um zu agieren. Um Dia Beobachtungen möglich zu machen und Ergebnisse erschließen zu können. Die kleine Lovestory, die ebenfalls Teil der Geschichte ist, ist genauso sehr Mittel zum Zweck. In anderen Geschichten würde ich das vielleicht bemängeln, aber hier fand ich es super, weil es Dia durcheinanderbrachte und nur so konnte die Spannung noch weiter gezogen werden.

Neben all den unmittelbaren Handlungselementen, die mit dem Rätsel zu tun hatten, bewies die Geschichte auch Tiefe, indem sie Themen wie Machtgewinn und Fankultur aufgriff. Es ging oft und gerne um die Abgründe der Menschen, um die Motive einzelner, um das Böse, dass daraus entsteht, wenn jemand ein Ziel vor Augen hat. Das fand ich zwar gut eingebunden, letztlich blieb aber auch hier irgendwo eine Lücke, sodass ich letzten Endes sagen würde, dass die Geschichte sich zwar um Tiefe bemüht, diese aber zugunsten des Mysteriums nicht gänzlich umsetzen kann.

Das Ende des Buches war ein wenig so, als hätte man die Schatzkiste geöffnet, dann aber bemerkt, dass die Goldmünzen einem das Leben kosten. Der Triumph war kurz, plötzlich war alles anders als gedacht. Ich mochte es, dass es letztlich alles realistisch blieb, musste aber auch feststellen, dass bei mir der Funke nicht ganz übergesprungen war. Die Spannung war auf den ganzen Handlungsverlauf gesehen etwas schwankend und Dia zwar intelligent, aber auch nur begrenzt zugänglich. Ich würde sagen, ein gelungenes Darkly – und das ist hier völlig okay.

Fazit:
Eine Geschichte, die durchweg rätselhaft und mysteriös ist. Die Atmosphäre ist genial, der Handlungsverlauf fast durchweg sehr spannend, manchmal aber auch etwas lückenhaft. Die Idee fand ich super originell und ich habe bis zuletzt nicht durchschauen können, was am Ende auf einmal real war. Ein Buch für Fans von mysteriösen Geschichten, die einem Escape Game nahekommen, in denen die Figuren nicht unbedingt die Handlungsträger, sondern eher Mittel zum Zweck sind.

4 von 5 Sterne von mir.



3 Gründe, weshalb du dieses Buch lesen solltest:

1. Geniale Escape-Game-Atmosphäre

2. Starke, durchgehend mysteriöse Spannung

3. Originelle Idee mit Dark-Academia-Vibes



Liebe Grüße

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