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Veröffentlicht am 21.07.2024

Lustig, spannend, New Adult-Liebe!

Unlock My Heart. Golden-Heights-Reihe, Band 1 (humorvolle New-Adult-Romance für alle Fans von Stella Tack)
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Schreibstil:
Manchmal weiß ich überhaupt nicht, was ich unter diesem Punkt schreiben soll, weil der Schreibstil schlicht „normal“ ist. Ich konnte es gut lesen, es hat Gefühle transportiert, es war nicht ...

Schreibstil:
Manchmal weiß ich überhaupt nicht, was ich unter diesem Punkt schreiben soll, weil der Schreibstil schlicht „normal“ ist. Ich konnte es gut lesen, es hat Gefühle transportiert, es war nicht zu ausufernd oder zu kurz erzählt. Hier aber kann ich sagen, dass ich den Schreibstil geliebt habe, denn er ist unheimlich unterhaltend. Immer wieder musste ich aufgrund der schlagfertigen Antworten der Protagonisten schmunzeln, aufgrund der Vergleiche lachen und aufgrund des lockeren Tons die eigentlich schon viel zu müden Augen wieder aufreißen, um doch noch weiterzulesen. Locker lesbar trifft es hier nicht mal annähernd. Es machte einfach Spaß, das Buch zu lesen!

Meine Meinung:
Ich muss gerade kurz schmunzeln, denn es ist schon mein drittes Poor vs. Rich-Buch, das ich jetzt innerhalb kürzester Zeit hintereinander lese. Natürlich könnte ich jetzt Vergleiche anstellen, aber das möchte ich gar nicht. Stattdessen geht es mir um die Geschichte von Lexie und Logan.

Es war gleich super einfach reinzukommen. Abwechselnd wird aus den Perspektiven der beiden erzählt und beide haben mich schon neugierig gemacht, denn beide haben ein Geheimnis. Lexies liegt in der Vergangenheit und führt in der Gegenwart dazu, dass sie Ausweise fälschen muss, Logans dagegen ist ein akutes Geheimnis, das er erst einmal weder mit Lexie noch mit uns Leser:innen teilt. Auch bei Lexie wissen wir nicht ganz exakt, was ihr Hintergrund ist und so müssen wir uns erstmal auf die Situation einlassen und mitnehmen lassen.

Das geht super leicht, denn die beiden haben ziemlich schnell eine Mission, die sie zusammen bewältigen wollen. Ein dynamisches Duo quasi, bestehend aus zum einen Lexie. Lexie, die arm ist, keine Eltern hat, mehrere Jobs mit ihrem Studium unter einen Hut bringen muss und in ihrem Leben schon mehrmals mit dem Gesetz in Konflikt geraten ist. Logan dagegen ist reich und ziemlich unzufrieden mit sich und seinem Leben. Er benimmt sich ziemlich oft arrogant und nicht gerade galant anderen gegenüber und erhält das typische Klischee eines reichen Schnösels.

So will auch Lexie ihn sehen. Ein Klischee prallt geradezu auf das andere. Statt jetzt aber in einen Streit zu geraten, sich klischeetypisch zu verhalten und zu verurteilen, gehen die beiden relativ offen aufeinander zu. Für Logan ist das alles zunächst einmal Mittel zum Zweck. Es ist ihm also egal, was Lexie in seiner Freizeit tut. Und auch Lexie kommt Logan mit seinem vielen Geld gerade recht. Schon nach dem ersten Gespräch aber merken die beiden, dass sie mit ihren Vorurteilen haushalten müssen. Und so beginnen sie, sich kennenzulernen.

Sowieso fand ich Logan hier extrem stark, denn er zeigt, wie unzufrieden man quasi selbstverschuldet mit sich sein kann, ohne es überhaupt so wahrzunehmen. Es ist ein Abwägen zwischen äußerem und inneren Druck und Zwang. Dem, was andere von ihm erwarten und dem, was er glaubt, was andere von ihm erwarten. Bei ihm wird sehr deutlich, wie sehr das Auseinanderdriften kann und wie schnell man sich mit sowas unter Druck setzen bzw. komplett die Orientierung verlieren kann. Und das, obwohl sein Weg so klar gezeichnet schien. Das fand ich super gemacht.

Ich fand das wirklich gut gemacht, denn einerseits sind beide recht verschwiegen, gerade Lexie, und gleichzeitig merken sie schnell (und auch wir Leser:innen merken es), dass sie einander vertrauen können. Also teilen sie Gedanken und Gefühle miteinander und vertrauen sich immer mehr und mehr an.
Lexie und Logan würden mir sicher widersprechen, aber ich würde hier schon fast von Liebe auf den ersten Blick sprechen. Es dauert nur ein wenig, weil anfangs selbst die Namen ein Geheimnis sind. Eine eher schlechte Grundlage für eine Beziehung — aber kein Grund, diese zu verhindern.

In diesem Kennenlernprozess habe ich an dieser Geschichte besonders die offenen und schlagfertigen Dialoge zwischen den beiden geschätzt. Sie sind von Anfang an sehr ehrlich zueinander, teilen den gleichen Humor, lachen deshalb viel und bestärken sich in ihrer Persönlichkeit. Denn so stark und selbstbewusst beide anfangs auch wirken mögen, so haben sie ihre eigenen Probleme und teilweise große Ängste, die es zu besiegen gilt. Gerade Logan ist orientierungslos, hat Angst vor den Erwartungen, fühlt sich unter Druck gesetzt und findet keinen richtigen Weg für sich und sein Leben. Mithilfe der Situationen, die die beiden miteinander erleben, zeigt sich ihm und uns mithilfe von Lexie, wie er eigentlich ist und was er eigentlich will. Er zeigt also eine tolle Entwicklung eines Selbstfindungsprozess.
Lexie dagegen muss lernen zu vertrauen und auch mal etwas aus der Hand zu geben. Es ist schön zu lesen, wie sie sich gegenseitig stützen und ihre Schwächen ausgleichen und das, obwohl sie so jung sind.

Die Background-Story hat neben der Liebesgeschichte für zusätzliche Spannung gesorgt. Man fragt sich die ganze Zeit, was Lexie tun wird. Was passieren wir, wenn ihr Vater zurückkommt. Ob er zurückkommt. Es ist auch eine Portion Nervenkitzel dabei, denn sie hatte es bisher nicht leicht im Leben und es könnten echt üble Typen auftauchen. Was letztlich passiert, kann ich euch natürlich nicht verraten, nur so viel, dass es sehr gut zum Rest der Geschichte passte. Ihre und Logans Welt fügte sich zusammen, sie konnten beide zeigen, wie sich ihre Entwicklung auf ihre Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft auswirkt.

Das alles schloss sich am Ende zu einem Kreis, der ein würdiges Ende für diese Geschichte bewirkte. Ich fand es super, wie alle Figuren nochmal mit involviert waren, wie die beiden ein „wir“ sahen und es auch wollten.

Fazit:
Alles in allem ist dies eine super unterhaltsam erzählte, lockere Geschichte über zwei Protagonisten, die einige Probleme zu bewältigen haben. Das brachte viel Tiefe in die Story, ohne überladen zu wirken. Gleichzeitig war es super spannend, weil man nicht nur mit der Liebesgeschichte mitfiebert, sondern auch die Thrillelemente aus Lexies Vergangenheit für Spannung sorgen und die beiden allgemein eine große Entwicklung durchmachen. Das alles war super authentisch und realistisch aufgegriffen und hat mir rundum gefallen.

5 von 5 Sterne von mir.

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Veröffentlicht am 21.07.2024

Absolutes Wohlfühlbuch, noch besser als Band 1!

Part of Your World
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Schreibstil:
Ich bin total schnell in die Geschichte gesogen worden, denn der Schreibstil ist unheimlich einnehmend und schlagfertig. Zudem ist er bildgewandt und die Autorin schafft es immer, die richtigen ...

Schreibstil:
Ich bin total schnell in die Geschichte gesogen worden, denn der Schreibstil ist unheimlich einnehmend und schlagfertig. Zudem ist er bildgewandt und die Autorin schafft es immer, die richtigen Worte zu finden. So werden ernste Szenen unheimlich tiefgreifend und andere Szenen sprühen nur so vor Liebe.
Eine Besonderheit des Schreibstils ist außerdem, dass einige Easter Eggs zu Disneymotiven eingearbeitet wurden und die Autoren auch eigene Motive geschaffen hat, die sich hier zeigen. Dazu gehört auch, dass sie die Location der Geschichte, Wakan, geradezu zu einer Figur gemacht hat. Das war nicht nur interessant, sondern auch mal was Neues und gut gemacht. Für mich passte es perfekt zur Story und hat die richtige Portion „Magie“ hineingebracht, ohne es unglaubwürdig klingen zu lassen.

Zur Geschichte allgemein:
Alexis kannte ich schon aus „Truly Yours“ — hier lernt man sie endlich richtig kennen und ich habe sie sofort gemocht. Die Anfangssituation ist sehr spontan und hält sich nicht mit Erklärungen auf. Stattdessen lernen wir Alexis so in der Handlung kennen und das gefiel mir sofort. Sie ist sehr Leidenschaft, äußerst nett und hilfsbereit, weiß die kleinen Dinge zu schätzen und kann sich gut in andere Menschen hineinversetzen. Und gleichzeitig tappt sie ziemlich unbedarft durch die Welt. Ganz dem Trope Poor vs. Rich entsprechend, prallen hier Gegensätze aufeinander. Statt dass Alexis aber arrogant und über den anderen stehend auf andere zugeht, ist sie offen und herzlich und so konnte man gar nicht anders, als sie zu mögen.

Abwechselnd wird dann auch aus der Perspektive von Daniel erzählt. Auch für ihn ist alles, was anfangs passiert sehr spontan. Während Alexis aber aus ihrer üblichen Welt ausbricht, verhält er sich so, wie er sich immer verhält. Er ist noch herzlicher als Alexis, wenn das denn überhaupt geht. Er kümmert sich um alle, ist gütig und großzügig und sehr bodenständig. Ein Traumprinz wie er im Buche steht quasi, nur ohne Geld. Naja, jedenfalls wenn wir es aus der Sicht von Alexis‘ Freundinnen betrachten, denn eigentlich hat er genug zum Leben und ist ansonsten mit seinem Umkreis, also mit Menschen, die ihn lieben und unterstützen, sehr reich beschenkt.

Das Besondere an den beiden und gleichzeitig eine Gemeinsamkeit: Beide „müssen“ die Ehre und Tradition ihrer Familie weitertragen und opfern dafür vieles.
Es sind also zwei recht gegensätzliche Charaktere, die aber der gleichen Verantwortung unterliegen und beide im Herzen einfach nur gut sind.

So wird aus einer spontanen Gegebenheit eine Liebesgeschichte, die weit weg ist von Slow Burn. Im ersten Moment war ich mir nicht sicher, was ich von einem One-Night-Stand als Einstieg halten sollte. Von einem One-Night-Stand, der noch nichtmal beschrieben wurde. Es wurde aber ziemlich schnell klar, dass Alexis‘ und Daniels Geschichte sich auf einer ganz anderen Ebene abspielt und vermutlich nicht an das Klischee anschließen wollte. Stattdessen ist beiden gleich klar, dass es nicht bei einem Mal bleiben wird.
Das war wirklich das absolut Schönste für mich an der Geschichte: die beiden sind durchgehend ehrlich miteinander und sprechen über alles, auch wenn es ungemütlich wird. Zwar entstehen manchmal immer noch Missverständnisse oder Ängste nehmen die Überhand, aber das ist normal und authentisch. Auf künstliches Drama dagegen wird hier verzichtet, was ich einfach nur großartig fand.

Im Vergleich zu anderen Geschichten dieses Genres werden die Sexszenen hier außerdem stark gekürzt oder nur erwähnt. Also keine ausufernden Bettszenen. Anfangs war das für mich wie erwähnt etwas befremdlich. Ziemlich bald habe ich es jedoch schätzen gelernt, denn so hatten die beiden mehr Zeit, sich und Wakan kennenzulernen, schöne Momente miteinander zu teilen und Gefühle entstehen zu lassen. Ihre Anziehung ist dabei dennoch groß und wird uns Leser:innen auch ohne viele Worte deutlich. Tatsächlich fand ich dieses Umgangsweise am Ende so gut, dass ich gerne bei einigen Büchern die Sexszenen kürzen würde. Denn letztlich ist es doch manchmal auch ganz schön, die eigene Fantasie etwas herauszufordern.

Das Grundproblem der beiden ist es, dass sie aus unterschiedlichen Welten stammen. Und das bald wortwörtlich, denn Wakan liegt zwei Stunden von Minneapolis entfernt. Wenn Alexis zu Daniel fährt, dann verlässt sie ihre eigene Welt und begibt sich in die Herzlichkeit dieses Ortes. So ist es kein Wunder, dass der größte Teil der Handlung dort spielt. Genau wie ich, werdet ihr das lieben. Die Menschen werden alle sehr herzlich und mit vielen Eigenarten beschrieben, es gibt spezielle Dinge, die es nur in Wakan gibt und es passieren erstaunlich viele Situationen in der Stadt, dafür, dass es eigentlich eine Wochenendbeziehung ist. Ich denke, das liegt auch daran, dass einfach mehr Wörter für sowas übrig blieben. Rundum also ein absoluter Wohlfühlort, der euch sofort verzaubern wird!

Die andere Welt ist Minneapolis, das Krankenhaus, in dem Alexis arbeitet, und ihre Familie sowie ihre Freunde und ganz wichtig: ihr Ex. Hier kommt die Tiefe ins Spiel, denn Alexis‘ Ex lässt nicht von ihr ab, sondern drängt sie dazu, wieder mit ihr zusammenzukommen — ebenso wie ihre Eltern. Die Situation ist unheimlich belastend für Alexis und wir erfahren viel über ihre Vergangenheit und leider auch noch Gegenwart, das es zu verarbeiten gilt. Es ist der Part, der die Triggerwarnungen erfordert und ich fand es unheimlich gut umgesetzt. Ich konnte alles super nachvollziehen, mich in Alexis hineinversetzen und fand auch, dass ihr Handeln im Umgang mit Daniel dazu passte. Der Turning Point beispielsweise resultiert daraus, dass sie etwas begreift, was sie vorher gar nicht mehr als Problem angesehen hat. Das bewies mir nur, wie exakt und ausführlich sich die Autorin mit dieser Thematik auseinandergesetzt und sie bei Alexis umgesetzt hat.

Die hauptsächliche Figurenentwicklung findet also bei Alexis statt, aber auch Daniel trägt seinen Teil dazu bei und beide zusammen beweisen sehr schön, welche Auswirkungen Liebe haben kann. Ich fand es so schön, wie ihre Beziehung zueinander beschrieben wurde. Wie sie den anderen bedingungslos unterstützen, wie Alexis Parallelen zu ihrem Exfreund suchte und keine fand, weil es geradezu ein Prozess der Befreiung war. Dadurch konnte man sich einfach von der Geschichte treiben lassen, ohne unbedingt die Schwere der Situation die ganze Zeit über ertragen zu müssen und dennoch hat man live miterlebt, wie Alexis ihr Trauma immer weiter verarbeitet hat.

Neben der Haupthandlung und ihren Protagonisten hat mir alles drumherum auch super gefallen. Briana, um die es in „Truly Yours“ geht, taucht hier auf und beweist, was für eine gute Freundin sie ist. Derek, Alexis Bruder, macht neugierig auf einen dritten Band, in dem es hoffentlich um ihn geht, und die anderen Figuren beweisen ihre Vielschichtigkeit durch Probleme, Entwicklungen und ihre Auswirkungen auf die Hauptfiguren.

Das Ende war die perfekte Symbiose. Ich weiß, man will oft nicht das glatte Happy End, aber dafür, dass die Situation der beiden so ausweglos schien, fand ich es einfach nur perfekt. Denn die Autorin hat eine kluge Lösung für das Dilemma gefunden, hat allen ihren Freiraum geschaffen, jeder Figur ihre Entwicklung zugestanden und alle glücklich hinterlassen. Eben so, wie sie es verdient haben. Okay, einer kommt nicht gut dabei weg, aber auch das ist authentisch und mehr als realistisch:)

Mein Fazit:
Ich habe diesen Band noch viel mehr geliebt als Band 1, denn er ist durchweg spannend, verbindet tiefe Traumata mit einer wunderbaren Liebesgeschichte und entführt uns an einen absolut herzlichen Ort mit der richtigen Portion Magie. Der Schreibstil hat all dies nur noch unterstrichen und die Figuren will ich bitte im nächsten Disneyfilm sehen!

5 von 5 Sterne von mir!

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Veröffentlicht am 15.07.2024

Einen Tick mehr Romance hätte ich mir gewünscht

The Story Between Us
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Der Schreibstil:
Anfangs hat mir der Schreibstil ganz schön Probleme bereitet, weil er sehr stockend war und ich kein Gefühl für die Geschichte bekam. Die Erklärungen fehlten an den richtigen Stellen, ...

Der Schreibstil:
Anfangs hat mir der Schreibstil ganz schön Probleme bereitet, weil er sehr stockend war und ich kein Gefühl für die Geschichte bekam. Die Erklärungen fehlten an den richtigen Stellen, die Details waren nicht gegeben und ich hatte das Gefühl, dass einige Dinge immer wieder wiederholt haben. Das blieb dann auch über den gesamten Handlungsverlauf so. Statt dass es richtig voran ging, schien es schon vom Schreibstil her öfters mal auf der Stelle zu treten. Das war eher schade.
Letztlich konnte man die Geschichte aber dennoch einigermaßen flüssig mitverfolgen.

Zur Geschichte allgemein:
Das erste, was mir an Ella aufgefallen ist, war, dass sie teilweise sehr krass und albern agierte. Besonders zu Anfang hat mich das eher irritiert, bzw. abgestoßen, denn ich kannte sie noch gar nicht und konnte daher nicht nachvollziehen, was zu ihrer starken Reaktion führte. Im Verlauf der Geschichte ist das dann zum Glück etwas besser geworden. Ellas sozialer Hintergrund wurde gut aufgearbeitet und man begann sie langsam zu verstehen und richtig kennen zu lernen.
Darce ist das Gegenstück zu Ella. Da wo sie arm ist, ist er reich, wo er gebildet ist, hat sie keine Chance auf Bildung und da, wo er angesehen ist, ist sie dazu verdammt, für immer unter dem Radar zu erscheinen. Jedenfalls ist das das, was uns die Geschichte sehr deutlich und immer wieder vermitteln will. Dennoch ist da diese Freundschaft zwischen den beiden, die in der Kindheit entstanden ist und dann aus anfangs noch nicht näher erklärten Gründen zerbrochen ist. Die Aufklärung dieser Gründe nimmt dann tatsächlich viel Zeit in Anspruch. Es geht erst einmal um ein vorsichtiges Annähern, wobei beide in ihren Emotionen schon sehr stark sind. Ihre Vergangenheit beeinflusst sie und lässt einige Leerstellen für uns Leser:innen. Ich glaube, es wäre gut gewesen, wenn es da ein paar Rückblicke gegeben hätte, denn tatsächlich wissen wir lange Zeit nicht, was damals passiert ist. Wir können es nur erraten und müssen mit Ellas Reaktionen klar kommen. Darce dagegen scheint neben all dem noch andere Probleme zu haben, die ihn sehr belasten und die für mich lange Zeit ebenfalls zu kurz kamen.

Die Geschichte dreht sich um eine Freundschaft, die zu Liebe wurde und vielleicht noch ist. Dadurch, dass wir die Vergangenheit aber lange Zeit nicht kennen und die beiden in der Gegenwart nicht wirklich offen miteinander sprechen, sondern sich mühsam jedes Stück Vertrauen wieder erkämpfen, haben wir keine Chance, das Gefühl zwischen den beiden aufzufangen. Ich habe keine richtige Verliebtheit gespürt, keine Sehnsucht – stattdessen war es Arbeit. Ein langsames Herantasten. Ein: „du schuldest mir was, aber das weißt du ja“. So wird hier zwar sehr authentisch und in kleinen Schritten das Wiederauferstehen einer Freundschaft gezeigt, die richtige Lovestory zum Mitfiebern fehlte mir aber.

Dazu kam, dass Darce‘ Hintergrund tatsächlich sehr groß ist. Während Ella ihre Emotionen und Probleme vor sich her trägt, verschließt Darce sie in sich und spricht mit niemandem darüber. Deshalb bekommen auch wir lange Zeit nicht ganz mit, was ihn so sehr bedrückt. Erst ganz am Ende wird das ein wenig aufgeklärt, was der Geschichte nochmal sehr viel Tiefe gegeben hat, die mich dann an der Stelle auch überzeugen konnte.

Ansonsten betrifft die Arbeit an der Freundschaft und der Liebe auch das Trope „Poor vs. Rich“. Es wird sehr anschaulich, was die Unterschiede bedeuten – vor allem im Denken des jeweils anderen. Das fand ich gut gemacht, denn man merkte deutlich, wie unsensibel sie beide anfangs eigentlich miteinander umgehen, weil sie die Lebenswirklichkeit des anderen nicht richtig verstehen können. Etwas negativ ist mir dabei nur aufgefallen, dass der Fokus sehr lange auf Ella liegt und ihre Probleme deutlich als „schlimmer“ dargestellt wurden. Das waren sie vielleicht auch, aber letztlich war der Stolz bei ihr ein großes Ding und ohne den hätte die Geschichte wohl schon viel früher geendet.

Der Handlungsverlauf war mir also im Großen und Ganzen zu langgezogen, was vor allem die Fortschritte, die die beiden eigentlich zwischendurch machen, schmälerte, denn wir Leser:innen haben sie gar nicht richtig mitbekommen.

Fazit:
Ich bin mit der Geschichte leider nicht so richtig warm geworden. Es plätschert lange ziemlich dahin und zieht sich über den Handlungsverlauf sehr lange. Dazu kommt, dass mir lange die Puzzlestücke zur Spannung fehlten. Man wusste einfach zu lange nicht, was es genau werden sollte und konnte das Meiste nur vage fassen. Zudem blieb mir Darce‘ Geschichte zu schwach und die Gefühle zwischen den beiden glichen eher denen einer Freundschaft. Und das ist dann auch das, was ich hier positiv betonen möchte. Es ist ein sehr schönes Buch über Freundschaft und über den Unterschied zwischen Arm und Reich. In langsamen Schritten wird hier die Annäherung der beiden zueinander erzählt – die Annäherung zweier, deren Vertrauen zerbrochen scheint, obwohl es mal so stark war. Dieser Aspekt des Buches hat mir gefallen. Es war dadurch aber keine klassische Liebesgeschichte.

3 von 5 Sterne von mir.

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Veröffentlicht am 14.07.2024

Konnte mich nicht ganz überzeugen

Corrupt – Dunkle Versuchung
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Zum Schreibstil:

Dies ist jetzt mein zweites Buch der Autorin und ich war mir beim ersten noch nicht ganz sicher, ob es nun die Übersetzung ist oder der Schreibstil an sich. Jetzt bin ich mir jedoch einigermaßen ...

Zum Schreibstil:

Dies ist jetzt mein zweites Buch der Autorin und ich war mir beim ersten noch nicht ganz sicher, ob es nun die Übersetzung ist oder der Schreibstil an sich. Jetzt bin ich mir jedoch einigermaßen sicher. Also: Ich finde, dass die Autorin relativ einfach schreibt. Die Sprache ist nicht sehr verdichtet, es wird oft das Offensichtliche erwähnt, als würde uns nicht zugetraut, dass wir es uns vorstellen könnten. Gleichzeitig wird etwas beschrieben, was gar nicht handlungstragend ist. Also vielleicht etwas unausgewogen und einfach, aber dennoch hat der Schreibstil in Verbindung mit dem Genre seinen Reiz. Durch die Einfachheit der Worte wird das Rohe der Dark Romance meiner Meinung nach noch betont. Große literarische Kunst bekommen wir hier aber natürlich trotzdem nicht gezeigt.

Zur Geschichte allgemein:
Das Besondere an diesem Buch: Es gibt gleich drei POVs. Einmal Erika, dann Michael und dann noch die Vergangenheit, die ungefähr bis zur Hälfte des Buches abwechselnd Kapitel bildet.
Fangen wir bei Erika an: Ehrlich gesagt habe ich etwas Zeit gebraucht, um sie so richtig zu durchschauen. Wie sagt man heute? Sie hat einen Crush auf Michael. Und zwar einen ziemlich heftigen seit der Kindheit. Deshalb konzentriert sie sich in ihren Gedanken tatsächlich oft sehr stark auf ihn und richtet ihr Leben und ihr Tun teilweise auf ihn aus. Anfangs besteht dies vor allem daraus, dass sie eben nichts mit ihm zu tun haben möchte. Für uns Leser:innen ein rätselhaftes Verhalten, denn was ist denn da nun zwischen den beiden?

Michael verrät leider auch nicht mehr. In seiner POV geht es hauptsächlich um düstere Themen. Es geht darum, Rache an Erika zu nehmen und um seine Freunde glücklich zu stimmen. Ihm scheint alles andere egal zu sein. Seine Gefühle bezüglich Erika? Anfangs noch unergründlich. Er bringt also sogleich diese Dark Romance Atmosphäre in die Geschichte und die darf auch etwas verwirrend sein. Ich weiß, dass einige hier schon argumentieren werden, dass Michaels Handlungen und sein Denken nicht logisch scheinen. Er wirkt kalt und herzlos, beinahe unmenschlich und seine Motive bleiben im Dunklen. Aber genau das ist so ungefähr die Definition von Dark Romance. Er macht also quasi alles richtig und erzeugt natürlich Spannung, denn wir wollen wissen: Was ist sein Problem? Wie findet er Erika? Was ist der große Plan? Und so weiter.

Etwas anstrengend geradezu war dann, dass die Gegenwart immer wieder von der Vergangenheit ausgebremst wurde, aus der wir gelesen haben. Das Thema dort: die Devil’s Night. Eine Nacht, in der Micheal und seine Freunde machen, worauf auch immer sie Lust haben, ohne die Gesetze zu achten. Und anscheinend gab es eine Nacht, in der Erika mit von der Partie war…. Diese wird über mehrere Kapitel hinweg erzählt. Es ist also ein extrem zeitdehnendes Erzählen, dass zwar vieles erklärt, was wir für die Gegenwart brauchen, gleichzeitig aber auch so einen kleinen Ausschnitt fokussiert, dass uns einiges entgeht. Das fiel mir vor allem gegen Ende der Geschichte auf, wo die Nacht immer wichtiger wird und es um verletzte Gefühle usw. geht. Diese Gefühle haben wir Leser:innen aber gar nicht richtig spüren können. Das fand ich dann ein wenig schade.

Ansonsten aber war diese Nacht eine tolle Idee und ich mochte es erzähltechnisch, dass sie so ausgedehnt wurde, denn natürlich wollte man wissen, wie es weitergeht und zu welchem Ende sie letztlich kommt. Denn dieses Ende ist schließlich entscheidend für das, was in der Gegenwart zwischen allen steht. Also Spannung pur, die man deutlich an meinem Lesetempo merken konnte.
In der Gegenwart passiert dagegen eher klassischer Kram. Denkt man, denn Michael und seine Freunde mischen sich sehr schnell in Erikas Leben ein. Natürlich rätselt man dann mit, woher das plötzliche Interesse kommt und was ihr Ziel ist. Und man zittert auch mit Erika, denn einerseits will sie nur weg von ihnen und andererseits wird sie von ihnen angezogen wie die Motten vom Licht (wie man so schön sagt). Es ist also fast ein Tauziehen, das dort stattfindet.

Mir hat die Handlung so bis zu Dreiviertel des Buches ganz gut gefallen. Es war spannend, hatte Dark Romance-Elemente und hat uns immer wieder mit Fragezeichen dastehen lassen. Etwas, was dieses Genre auch sehr gut kann und was für mich ein wenig der Reiz daran ist. Das letzte Viertel des Buches war dann für mich allerdings etwas langgezogen und mir fehlte da die Raffinesse, auch das Bildgewandte (man merkte doch nochmal, dass der Schreibstil es hier nicht leisten konnte) und die Nachvollziehbarkeit. Denn auch zum Ende hin fällt nochmal auf, dass ein wenig Vergangenheit fehlt, um die Geschichte und ihre Protagonist:innen so richtig zu verstehen. Das war etwas schade.

Genauso schade fand ich die Lovestory. Denn entgegen meiner sonstigen Dark Romance-Erfahrungen, waren Erika und Michael zwar verliebt und hatten einen großen Besitzanspruch, aber mir fehlte das „Darke“ in ihrer Beziehung ein wenig. Stattdessen wurde wenig galant immer wieder darauf hingewiesen, dass Erika lernen müsse, sie zu wehren und Michael ihr es beibränge. Das geschah aber immer mit Vorankündigung und so offensiv, dass es wenig authentisch wirkte und ihrer Geschichte irgendwie den Love Flow nahm. Schade, denn eigentlich hätte es durchaus was werden können, denn am Ende nimmt die Autorin sogar explizit nochmal Bezug darauf und vervollständigt den Kreis. Die Handlungsstränge kommen also alle zusammen. Allerdings nicht alle ausführlich und erklärend genug, wie ich fand. Auch auf Michael bezogen blieb da einiges einfach gehalten. Das hätte noch besser gemacht werden können.

Fazit:
Erstaunlicherweise hätte ich mir hier mehr Dark Romance gewünscht. Zwar ist hier definitiv was vorhanden und einige von euch werden es schon zu viel finden, aber ich fand es an einigen Stellen einfach etwas unauthentisch und dadurch zählte es dort einfach nicht für mich. Die Handlung war bis fast zum Ende spannend, irgendwann wurde es etwas lang und das Ende dann recht schnell abgehandelt. Die Idee mit der Devil’s Night fand ich super und auch ansonsten gab es viele schöne Momente. Die Lovestory war süß, die Tiefe fehlte eher in den Nebensträngen, was man positiv wie auch negativ werten kann. Einzig der Schreibstil konnte mich hier nicht so ganz überzeugen.

3,5 von 5 Sterne von mir.

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Veröffentlicht am 09.07.2024

Tolle Fortführung mit Powercouple

Coldhart - Deep & Shallow
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Meine Meinung:
Dank Lena Kiefers flüssigem Schreibstil ist man schnell wieder in der Geschichte drin und verfolgt die Protagonisten jeweils aus (fast immer) abwechselnden POVs. Nach dem Cut aus Band 1 ...

Meine Meinung:
Dank Lena Kiefers flüssigem Schreibstil ist man schnell wieder in der Geschichte drin und verfolgt die Protagonisten jeweils aus (fast immer) abwechselnden POVs. Nach dem Cut aus Band 1 ist Eli zu Anfang dieses Buches gar nicht in New York und arbeitet stattdessen als eine Art Detektiv – an seinem eigenen Verbrechen. Und da geht es tatsächlich Schlag auf Schlag. Er verfolgt Spuren, lässt uns gebannt miterleben, wie er jemanden verfolgt usw. Schon hier kann man also sehen, welch kriminalistischen Einschlag das Buch und generell die ganze Reihe hat. Im Vergleich zu WestWell (wenn man diesen denn ziehen möchte) wissen wir hier aber schon, wer der Übeltäter ist und das eröffnet ganz neue Möglichkeiten.

Felicity dagegen bleibt nichts anderes übrig, als ihr Leben einfach weiterzuleben. Auch, wenn ihr sämtliche Lebensfreude abhandengekommen scheint. Das Tolle aber an ihr ist, dass sie nicht mit Gram an Elijah denkt, sondern nach einer vernünftigen Erklärung sucht. So verrennt sie sich nicht in irgendwas und kann noch bedingt logisch denken. Das hat die Geschichte immer wieder sehr gut vorangebracht und ihr letztlich auch die Schärfe genommen, die wir bei einem Paar wie Felicity und Eli gar nicht brauchen. Denn eins sollte in Band 1 deutlich geworden sein: Die beiden lieben sich. Und dann braucht es schon mehr, als ein paar Lügen, um dies zu durchbrechen. Auf künstliche Dramatik wird hier also verzichtet, was ich immer sehr gutheiße.

Der Spannungverlauf ist trotz dessen zu Anfang etwas schwach. Ich habe circa ein Drittel des Buches gebraucht, um sagen zu können: jetzt zieht es richtig. Das lag wohl am meisten mit daran, dass die beiden ziemlich lange getrennt voneinander agieren. Sobald dann das erste richtige Gespräch wieder stattfindet, ist auch die Spannung sofort da und ich habe richtig mitgefiebert.

Obwohl die Grundidee die von Romeo und Julia ist, wird darauf nicht so lange rumgeritten. Die beiden sind sehr daran interessiert, ihren „Fall“ aufzuklären und die Ereignisse kommen Schlag auf Schlag. So geschieht das Annähern beinahe nebenbei und in winzig kleinen Schritten, was ich super fand. Die große Unsicherheit in dem allen ist wohl Felicity, denn sie wurde verletzt und muss nun entscheiden: Kann sie ihm verzeihen? Hättet ihr das Buch jetzt schon gelesen, wüsstet ihr, dass meine Frage nicht ganz unschuldig ist. So aber kann ich euch sagen, dass die beiden in alle Richtungen argumentieren, Verständnis füreinander aufbringen, Eli es keineswegs auf die leichte Schulter nimmt und Felicity sich von allen Seiten viel anhören muss, sie sich aber letztlich für ihren Weg entscheiden. Dafür, was sie fühlen und wie sie sich damit fühlen. Das ist so typisch Eli und Felicity, dass ich es nur loben kann. Ich fand es super, dass sie ihren eigenen Charakter bekommen haben und die Antwort auf einige Fragen einfach lautet: solange es ein Wir gibt. Und nein, von blauäugig kann hier keine Rede sein. Seid unbesorgt!

Ein wesentlicher Unterschied zu WestWell (sorry, ich muss das hier jetzt erwähnen, weil es einige von euch überzeugen wird) ist, dass die beiden schneller ehrlich zueinander sind. Ich habe echt den ersten Teil des Buches die Luft angehalten und gebetet, dass es jetzt nicht ewig so weiter geht. Geht es zum Glück nicht. Und auch die anderen Protagonisten (Helena und Jess, Trish und Logan, Elis Freunde usw.) bekommen ihren Platz in der Handlung. Das Universum „Coldwell“ ist mittlerweile so groß und sie alle sind hier präsent und zeigen uns ihre Beteiligung an dem Leben der anderen. Ihr könnt euch sicher denken, dass ich das großartig fand und nur begrüßen kann.

Und dann sind wir jetzt auch schon am Ende angelangt, denn wenn ich noch mehr schreibe, spoilere ich euch letztlich noch. Also: Das Ende kommt unerwartet. So viel kann ich sagen. Kein riesiger Cliffhänger, aber auch keine easy Regenbogensituation. Der Übergang zu Band 3 wird aller Voraussicht nach flüssig sein und ich bin schon sehr gespannt. Denn ähnlich wie bei Actionenfilmen, in denen der Verbrecher bekannt ist, sieht man manchmal anfangs nicht alles, was hinter diesem steht bzw. was er noch in petto hat. Also wird da wahrscheinlich noch so einiges kommen und auch Eli und Felicity haben noch viel aufzuräumen. Can’t wait!

Fazit:
Eine gelungene Fortsetzung, die zwar etwas brauchte, um mich wieder vollkommen in ihren Bann zu reißen, dann aber wieder mit seinen Protagonisten und der kriminalistisch angehauchten Story punkten konnte. Ich fand es super, dass es nicht ganz so viel hin und her ging und man als Leser:in dadurch fix an ein Vorankommen gelang und nicht so viel auf der Stelle trat. Loved it!

4 von 5 Sterne von mir.

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