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Sioux

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 24.11.2020

Eine gute Mischung!

Unvergesslich
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Schreibstil:
Roni Loren schreibt super chillig. Besser kann ich es nicht zusammenfassen. Der Schreibstil ist ruhig, bedächtig und spart nicht mit Wörtern, dennoch ließ es sich sehr gut lesen, weil stets ...

Schreibstil:
Roni Loren schreibt super chillig. Besser kann ich es nicht zusammenfassen. Der Schreibstil ist ruhig, bedächtig und spart nicht mit Wörtern, dennoch ließ es sich sehr gut lesen, weil stets nur das erzählt wird, was für uns Leser auch von Interesse ist. Die Autorin hat einfach eine Art, ihre Geschichte hier ein wenig zu kürzen, da ein wenig zu überspringen und schon ist man durchgehend gut unterhalten, weil es stets spannend bleibt.

Meine Meinung:
Ehrlich gesagt war ich im ersten Moment von Liv total frustriert. Sie wurde in der ersten Szene so klein und kaputt, streng und uninteressant beschrieben, dass ich gar nicht so recht wusste, was ich mit ihr anfangen sollte. Und dann kam auch schon Finn und es wurde schnell ziemlich klar, in was für einer Situation die beiden sich befinden.
Die Story hat diesen Einstieg gebraucht, denn ab dann entwickelt sich Liv weiter und weiter. Ebenso wie Finn. Sie sind anfangs so am Boden, dass sie kaum noch Lebensfreude empfinden.
Statt dies nun weit auszuführen und alles umso elendiger zu machen, sorgt die Autorin sogleich für einen tollen Umschwung. Es ist ziemlich klar, was nun passieren wird, gleichzeitig ging es aber auch so flott und unkompliziert vonstatten, dass meine Erwartungen einfach zurückgelassen wurden. Das ist ein wirklich großer Pluspunkt der Geschichte: Die Protagonisten machen oft genug etwas, was man so NOCH nicht erwartet hätte.

Bei all dem bleibt aber auch die Tiefe nicht zurück. Ich fand es echt schön gemacht, wie die beiden recht viel nachdenken, um alles realistisch zu halten und nicht in irgendeine Traumwelt abzugleichen, gleichzeitig aber auch spontan sind und man als Leser somit nicht frustriert Seite um Seite zähneknirschend liest. Zudem war es auch für mich als Leser eine gute Stütze. Man schwelgt ja gerne mal in dem traumhaften Leben der Protagonisten und möchte am liebsten gar nicht, dass das Paar sich mit ernsten oder nicht so schönen Themen beschäftigt. Es ist dann allerdings alles andere als authentisch und zielführend für ein Ende, bei dem man sich wünscht, man verabschiedet ein paar, das in einer Welt bestehen kann.

Als alles erst so richtig in Gang kam, mochte ich beide Protagonisten sehr gerne. Liv ist sehr viel aufregender, als es am Anfang den Eindruck macht. Man lernt sie während des Handlungsverlaufs auf zweierlei Arten kennen: einmal die junge Liv, die aufmüpfig und mutig war und dann die ältere Liv, die im Kern immer noch etwas davon hat und es jetzt wieder hervorholt, eigentlich aber viel ruhiger geworden ist.
Die Story wird anfangs durch etwas angeschoben, dass Liv praktisch dazu zwingt, sich zu ändern. Es hätte also sehr langweilig vorhersehbar ablaufen können, tut es aber nicht. Liv findet ihren eigenen Weg und geht dabei sehr diskret vor, sodass man als Leser plötzlich da steht und denkt: da ist die alte Liv ja wieder!

Finn dagegen war schwächer. Man merkt, dass sie aus einer Feder stammen: beide machen sich viele Gedanken und geben leicht nach, sind ehrlich. Leider ist es aber auch so, dass man sehr wenig über Finns Gefühle erfährt. Seine Gedanken drehen sich anfangs sehr darum, dass er quasi einem Trauma unterlegen ist. Dies wird aber später überhaupt nicht mehr richtig aufgegriffen und auch nicht problematisiert wird. Dabei hätte es durchaus Auswirkungen auf den Handlungsverlauf gehabt.

In ihrer Beziehung war es mir dann zudem vielleicht ein bisschen zu viel Sex oder vielmehr die Beschreibung davon. Ich hätte es schöner gefunden, wenn man da eher noch etwas mehr über die beiden erfahren hätte. Das wäre aber ein Bonus gewesen. Ich hatte nicht das Gefühl, dass die Protagonisten zu leer blieben oder ähnliches. Positiv möchte ich zudem betonen, dass ich es super fand, dass die Protagonisten sich in ihren Gefühlen so sicher waren und auch über die Jahre hinweg nichts geleugnet oder ignoriert haben. Es ist immer schön, wenn man von einer unkomplizierten, ehrlichen, vertrauensvollen Liebe lesen kann.

Letztlich ist die Thematik dieses Buches wieder keine leichte. Finn und Liv haben etwas in der Vergangenheit durchgemacht, dass über die einfachen Teenieprobleme hinausgeht. Es hat sie bis in die Gegenwart geprägt und lange ihr Leben beeinflusst. Die Geschichte zeigt deshalb sehr schön, was letztlich wichtig im Leben ist und wie Zeit einfach verstreichen kann, ohne sie wirklich zu nutzen. Dazu passte der Stil der Geschichte mit den vielen Gedanken und dennoch spontanen Handlungen sehr gut.

Sehr gespannt bin ich nun auf die nächsten Bände der Reihe, denn die anderen drei vorgestellten Frauen wirkten alle sehr cool und interessant. Ich würde gerne noch erfahren, was ihre Geschichten sind, denn auch sie müssen wie Liv ihre Vergangenheit mit ihrer Gegenwart zusammenbringen. Nicht jeder hat einen Finn, der irgendwie immer zu einem hält.

Fazit:
Eine schöne Geschichte, die sich super gut lesen lässt und sich ziemlich realistisch mit dem Leben auseinandersetzt. Die Protagonisten mochte ich mit ihrer spontanen und doch überlegten Art recht gerne. Zudem war der Verlauf der Story nicht ganz so voraussehbar, wie man es vielleicht denken würde und gerade auf den letzten Drücker noch ein super Kniff in die Geschichte kommt. Mir hat das Buch im Großen und Ganzen sehr gut gefallen. Ich habe nur Finns Gefühle bzw. seine Problematik ein wenig als Leerstelle gesehen, was zu meiner Bewertung führt.

Von mir gibt es 4 von 5 Sterne.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 22.11.2020

Ein vielschichtiger Roman, der Aufmerksamkeit verdient!

Bad At Love
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Schreibstil:
Die Auffälligkeiten am Schreibstil sind tatsächlich etwas, was ich mir aufschreiben muss, um es nicht zu vergessen. Einfach, weil man sich meist an einen Schreibstil gewöhnt und einige Merkmale ...

Schreibstil:
Die Auffälligkeiten am Schreibstil sind tatsächlich etwas, was ich mir aufschreiben muss, um es nicht zu vergessen. Einfach, weil man sich meist an einen Schreibstil gewöhnt und einige Merkmale letztlich nicht mehr auffallend sind. Es gibt hier jetzt also einen Einstiegs- und einen Ausstiegseindruck:)
Zuerst zu letzterem: Ich mochte den Schreibstil der Autorin echt gerne. Wie ich es schon aus „Never too Late“ kenne, schreibt die Autorin recht detailliert, aber auch frisch und direkt. Viele Sätze stehen nicht so da, wie man sie erwarten würde. Ich kann es nicht besser beschreiben. Aber vielleicht kennt ihr diese Geschichten, in die ihr reingezogen werdet, weil die Sätze ineinander- und dahinfließen, wie ihr es von zahlreichen anderen Geschichten gewöhnt seit. Morgane Moncomble schreibt nicht so. Mir persönlich gefällt dies total, weil es irgendwie aufregender ist. Weiter kann ich die Autorin auf jeden Fall im Hinblick auf das Niederschreiben von Emotionen loben. Es hat mir sehr gefallen, wie sie die Gefühle recht unterschwellig, aber dennoch anwesend beschreibt und dem Leser somit die Möglichkeit gibt, selbst ein wenig über die Charaktere nachzudenken.
Zum Einstiegseindruck möchte ich aber auch gerne etwas sagen. Und zwar hatte ich am Anfang den Eindruck, als wäre der Fließtext ziemlich vollgepackt mit verschiedensten Informationen, die Logik erschien mir etwas verquer und die Szenenübergänge waren mir zunächst etwas zu schnell. Dies ist mir aber später nicht mehr negativ aufgefallen. Entweder, weil es nicht mehr Tatsache war oder es zu meinem positiven Eindruck beigetragen hat:)
Kurzum: der Schreibstil war toll!

Meine Meinung:
Man lernt anfangs Azalée kennen und denkt ein wenig, man würde sie schon kennen. Hätte irgendwo schonmal die Geschichte einer solchen Person gelesen. Und vielleicht ist das auch der Fall. Azalée ist jedoch keineswegs eine klischeebesetzte Protagonistin. Sie vereint jede Menge Schmerz in sich, sie ist aber auch eine Alleinkämpferin, eine starke und mutige Frau und jemand, der unheimlich gerne an das Gute glauben möchte, aber nicht immer die Kraft dafür hat. Ich mochte ihre taffe Art sehr gerne, es wurde jedoch auch schnell klar, dass da noch viel mehr, vor allem Zerbrochenes in ihr schlummert. Nach außen hin lässt sie dies aber nicht durchblicken. Stattdessen lernen wir Leser von ihr unheimlich viel über Frauenrechte, Gleichberechtigung, faire Bedingungen und die Stärke, die in jeder Frau, oder wer sich diesem Geschlecht zuordnet, schlummert.
Das Ganze hat die Autorin als einen Podcast gestaltet, der Azalées Kapitel vorangeht und den ich liebend gerne täglich hören würde. Azalée macht dort auf eigentlich ganz normale Dinge aufmerksam, die aber zeigen und aufmerksam darauf machten, dass Gleichberechtigung noch ein Prozess ist.
Die Krönung dieses eingebauten Themas ist, dass es auch in der eigentlichen Geschichte seinen Platz findet. Azalée achtet auch im Alltag auf das, was sie in ihrem Podcast predigt. Dann kriegt Eden schonmal einen drauf oder klein Faith lernt, was Feminismus bedeutet^^

im Laufe der Geschichte entzieht sich Azalée mehr und mehr den Lesern und den anderen Protagonisten. Ihre Entwicklung kommt nicht aus dem Nirgendwo, ist bedingt durch die äußeren Umstände. Sie führt dazu, dass wir sie besser kennenlernen und ist gleichzeitig einzig logisch. So fand ich es gut gemacht und sehr sehr authentisch.

Eden hat es auch nicht leicht, ist aber gleichzeitig vielleicht das passende Gegenteil zu Azalée. Die erste Szene, in denen die beiden aufeinander treffen, ist wirklich göttlich sage ich euch! Und so geht es dann auch irgendwie weiter. Eden ist direkt, selbstbewusst, sehr verantwortungsvoll und zudem aufmerksam, was Azalée zu Gute kommt. Ich fand es toll, wie er sie immer wieder herausgefordert hat, gleichzeitig aber auch immer für sie da war und die beiden nicht viele Worte brauchten, um sich zu verstehen. Dass er eine kleine Tochter hat, hat ihn irgendwie noch feiner gemacht. Er hat da etwas in seinem Leben, dass er beschützt und um das er kämpft und dennoch setzt er sich auch für Azalée ein. Auf jeden Fall ein Protagonist, der zum Book-Boyfriend taugt und der sich in diesem Buch sehr schön gemacht hat.

Die Nebencharaktere in diesem Buch sind recht eng gefasst, denn sie alle nehmen einen relativ großen Teil der Geschichte ein. Ich fand es erst einmal cool, dass alle sehr verschieden waren, dass sie unterschiedliche Geschichten mit Azalée und Eden verbanden und dass sie auch immer mal die Geschichte beeinflussen, indem sie beispielsweise Fehler machen, dennoch aber alle guten Herzens sind. (Sieht man jetzt mal von dem „Bösen“ der Geschichte ab, den ich in diese Ausführungen nicht mit einbeziehe.)
Eine besondere Rolle nimmt hier Azalées Ex-Freund ein, der ebenfalls nicht die Klischees bedient. Ich fand es toll, wie vernünftig die beiden noch miteinander reden und letztlich auch noch gefühlstechnisch verbunden sind. (Was eben so ist, wenn man mal mit jemandem zusammen war.) Er ist zudem ein zusätzlicher Faktor, der die Geschichte spannend macht.

Zur Geschichte allgemein kann ich sagen, dass ich anfangs, vielleicht sogar bis zur Hälfte, das Gefühl hatte, es wird mehr und mehr aus einer Überraschungstüte gezogen. Es kam einfach so viel zusammen. Die Situation ist schon nicht die, die man erwarten würde, dann haben beide Protagonisten viele Geheimnisse und versteckte Gefühle und dann sind sogar noch die Nebenprotagonisten in alles verwickelt. Zum Glück beruhigt sich das aber wieder. Es machte bei mir den Eindruck, als müsste die Autorin erst einmal nach und nach alles auspacken, was sie gerne behandeln möchte und dann geht es erst so richtig los. Dreiviertel des Buches habe ich somit sehr sehr schnell gelesen. Die Beziehung zwischen Eden und Azalée ist aufregend, prickelnd und frisch, es gibt viele Momente zum schmunzeln, noch viel mehr Momente, in denen einen die Gefühle überwältigen und ich fand auch, dass es in einem guten Zeitrahmen voranging. Azalée braucht etwas länger als Eden, um völlig aufzutauen, aber sie hat eben auch Schwereres zu verarbeiten.
Mich hat gefreut, dass jedes Detail verwendet und somit nichts auf der Strecke geblieben ist und ich war sehr verzaubert davon, wie Azalée, die eigentlich keine Kinder haben möchte, mit der kleinen Faith umgeht. Erst noch etwas unsicher und überfordert, letztlich aber super liebevoll. Generell hatte man bei den dreien einfach durchweg das Gefühl, dass da gerade etwas echt Gutes entsteht und zusammenwächst.

Was die Geschichte aber gleichzeitig tragisch macht und ihr wohl das bisschen mehr gibt, was es zu einem sehr guten Buch macht, ist die Problematik, die Azalées Vergangenheit mit sich bringt. Ich darf hier einmal eine Triggerwarnung aussprechen! Ihr könnt euch also vielleicht ungefähr vorstellen, um was es hier geht. Aber das ist nicht alles. Azalée war jahrelang einer unheimlichen psychischen Belastung ausgesetzt, die beim Lesen wirklich ein beklemmendes Gefühl bei mir auslöste. Man muss an dieser Stelle einfach einmal sagen, dass es wirklich wirklich wirklich böse Menschen auf Erden gibt. Und damit meine ich hier nicht die offensichtlich „bösen“ Menschen, die vielleicht auch wissen, was sie tun, sondern vielmehr diejenigen, die nicht daran denken, was sie jemand anderem gerade mit ihren Aussagen und Taten antun.
Der Handlungsverlauf kommt irgendwann an einen Punkt, an dem die Geschichte nicht mehr so zieht. Es plätschert ein wenig, wird vielleicht uninteressant. Erst war ich deshalb total irritiert, bis ich verstanden habe, was da gerade vor sich ging. Die Autorin hat es einfach gut verpackt und uns genauso ahnungslos dastehen lassen wie die anderen Protagonisten. Chapeau!

Das Ende hat mir dann entsprechend sehr gut gefallen. Es ist eine sehr vielschichtige Auflösung, die der Geschichte absolut gerecht wird und mir als Leser definitiv alles geboten hat.

Fazit:
Lasst euch bei diesem Buch nicht von dem Klappentext verwirren. Erwartet nicht etwa eine klischeebehaftete Romanze, die ein paar tragische Momente zu ihrem Inhalt zählt, um der Geschichte Tiefe zu verleihen. Erwartet vielmehr eine vielschichtige Story, die sehr ernste Themen behandelt, eine gehörige Portion Mut und Disziplin vermittelt und von zwei Protagonisten erzählt, die authentisch in all diesem Wirrwarr stehen und die guten Seiten des Lebens zu schätzen wissen. Mit Witz, Charme und Einfühlungsvermögen und Ernsthaftigkeit hat Eden Azalées Herz erobert und so wird die Geschichte auch eures erobern!

5 von 5 Sterne von mir.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 09.11.2020

Tiefgreifend, süß, zart und authentisch

Never Doubt
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Klappentext:
Seit sie ihn zum ersten Mal gesehen hat, ist Bonnie, die Kontrabassistin der Band After Hours, in ihren Bandkollegen Jasper verliebt. Eine gefühlte Ewigkeit ist das nun her, viele Jahre, in ...

Klappentext:
Seit sie ihn zum ersten Mal gesehen hat, ist Bonnie, die Kontrabassistin der Band After Hours, in ihren Bandkollegen Jasper verliebt. Eine gefühlte Ewigkeit ist das nun her, viele Jahre, in denen sie ihre Gefühle für sich behielt, sich für ihre Liebe schämte. Denn Jasper war mit Bonnies bester Freundin verheiratet, bis diese an Krebs starb. Der junge Witwer ahnt nichts von den Gefühlen seiner Bandkollegin, und als alleinerziehender Vater zweier Kinder bleibt ihm kaum Zeit für seine eigenen Bedürfnisse. Doch immer öfter schleichen sich ungewohnte Gedanken in Jaspers Alltag, unterdrückte Sehnsüchte melden sich zurück. Und er merkt, dass er bereit ist. Bereit für eine neue Liebe. Stünde da nicht dieser eine Moment zwischen Bonnie und Jasper, der die Chance auf eine gemeinsame Zukunft zu zerstören droht.

Schreibstil:
Mir gefällt Kathinka Engels Schreibstil sehr gut. Sie schreibt einfach unheimlich flüssig und locker, weiß ihre Protagonisten zu beleben und Emotionen gut darzustellen. Ich konnte das Buch einfach so weglesen. Das ist schon viel wert.

Auch die Aufteilung des Buches fand ich sehr gelungen. Es wird hier aus der Perspektive von Bonnie und aus der von Jasper erzählt. Zudem aber auch in verschiedenen Zeitebenen. Bei sowas bin ich manchmal skeptisch, weil ich es lieber mag, wenn ich die gegenwärtige Geschichte in seiner Gänze erlebe und nicht dauernd in der Vergangenheit festhänge. Ich habe dann immer das Gefühl, es ginge nicht voran. Und manchmal ist das auch so. Nicht so in diesem Buch. Die Kapitel aus der Vergangenheit erzählen ebenfalls aus den Perspektiven beider Protagonisten und sind relativ kurz gehalten. Zudem sind sie nicht chronologisch geordnet, sondern durcheinander. Das belebt auch die Rückblenden ein wenig und trägt dazu bei, dass sie noch effektiver und keineswegs langweilig die Gegenwart bereichern. Ich glaube diese Perspektiv- und Zeitwechsel sind für mich ein kleines Highlight innerhalb dieser Geschichte gewesen, weil ich sie selten so gut gesetzt vorgefunden habe. Jedenfalls nicht in Liebesromanen.

Meine Meinung:
Wer Bonnie kennenlernt, wird erst etwas verwirrt sein. Bei Bonnie ist nämlich alles, was irgendwie geht, unterdrückt. Sie versteckt sich, hält sich zurück, schweigt über ihre Gefühle und ist fast den ganzen Tag damit beschäftigt, sich gut zuzureden. Es ist irgendwie ungewohnt, von so vielen aufgestauten Gefühlen zu lesen. Und es entschleunigt die Handlung auch ein wenig. Es ist nämlich natürlich nicht so, dass Bonnie von einem Moment auf den anderen denkt: Ich breche jetzt einfach mal nach dreizehn Jahren mein Schweigen und vergesse all die Gründe, weshalb ich es zuvor nicht aussprechen konnte. So ist es nicht. Und darauf muss man sich ein wenig einstellen.
Mir hat das aber keine Probleme bereitet. Durch die Vergangenheitskapitel, ließen sich ihre Gründe und Gefühle sehr gut nachvollziehen und man war auch nicht so in der anfangs recht ereignislosen Gegenwart gefangen.
Im ersten Moment denkt man vielleicht, dass Bonnie die Schwäche des Buches ist, weil sie relativ unaufregend ist. Was sie aber auch ist, ist selbst aufopfernd, taff, treu und wirklich wirklich cool. Sie hat nur eben mit viel zu kämpfen. Ich konnte sie unheimlich gut verstehen und war gleichzeitig traurig, dass es sie so getroffen hat. Man muss mit ihr einfach etwas Geduld haben, bis man entdeckt, dass alles bei ihr zusammenläuft und sie die emotionalste Person der Geschichte ist.

Jasper ist ein ganz anderes Kaliber. Als Vater von zwei Kindern ist er schon etwas erwachsener. Er kennt große Verantwortung und hat schon so viel erlebt, dass er sich nicht mehr damit begnügt, herumzudrucksen. So ist er sehr direkt und hartnäckig, wenn es drauf ankommt. Im Laufe der Geschichte gibt es mehrere Szenen, aus denen andere Protagonisten ohne irgendeinen Mehrwert auseinander gegangen wären. Jasper lässt es nicht dazu kommen. Er spricht das aus, was der Leser sich denkt, stellt Fragen, ist aufmerksam und lässt sich nicht abschütteln. Dadurch fordert er die verschlossene Bonnie immer wieder heraus und baut ihre Mauen Stein für Stein ab. Zudem ist er jemand, der bewusst das Gespräch sucht. Wenn er an irgendeiner Stelle nicht weiterkommt/weiterweiß oder etwas ungeklärt im Raum steht, geht er hin und spricht es an. Das fand ich super und relativ ungewohnt. Endlich muss man sich mal nicht aufregen oder genervt den Kopf schütteln. Jasper macht das schon und nur deshalb funktionieren er und Bonnie so gut miteinander.

Präsent in Vergangenheit und Gegenwart waren auch die Nebenprotagonisten. Ich fand es echt schön, wie sie die Band zusammenhält, niemanden verurteilt und auch, wie Jaspers Familie mehr und mehr wächst durch Menschen, die er liebevoll kritisch aufnimmt. Hugo, sein Großvater, war eine ganz besondere Nummer. Er hat regelmäßig frischen Wind in die Geschichte gebracht. Weston und Maya (Jaspers Kinder) dagegen, waren für den Zuckerfaktor verantwortlich. Die Szenen mit ihnen sind wirklich zuckersüß.
Wer zudem Band 1 gelesen hat, wird sich freuen, dass Franzi und Link hier auch wieder Platz finden und es bahnt sich da auch schon wieder was Neues an, auf das man gespannt sein darf:)

Vom Handlungsverlauf her, muss ich sagen, dass es eben nicht ganz flott vorangeht. Manchmal hatte man das Gefühl, es liegen doch noch zu viele Schritte vor Bonnie und Jasper und dass sie es wohl in diesem Buch nicht mehr schaffen. Das legt sich aber. Als Bonnie sich mehr und mehr öffnet, die beiden zueinanderfinden, nimmt auch die Geschichte ein wenig an Ereignissen zu. Man darf hier bloß kein Feuerwerk der Emotionen, Action und Spannung erwarten.

Dafür aber viel Tiefe. Viele Seiten hinweg versinken wir in Bonnies Gedanken, die über Dinge nachdenkt, die einem Außenstehenden wirklich unwichtig erscheinen. Es zeigt sich aber letztlich, dass genau das nicht der Fall ist. Sie ist einfach nur recht genau und lässt kein Schlupfloch übrig. Zum Ende hin erzeugt das den Eindruck, dass die beiden sich da etwas für die Ewigkeit schaffen, was ich sehr cool fand. Es wirkt auf mich authentisch, wenn es am Ende nicht abgedreht kitschig, sondern realistisch und überlegt seinen Weg findet.

Fazit:
Eine Liebesgeschichte, die unheimlich frustrierend ist, beim Lesen aber zum Glück nicht so wirkt. Das Buch lässt sich locker leicht lesen, auch wenn es etwas ereignislos beginnt, und ist mit den eingeschobenen Rückblicken sehr interessant gestaltet. Für mich war es mal eine andere Perspektive auf eine Liebesgeschichte, die ich sehr schön fand. Es geht tief und setzt sich einfach mit der Realität auseinander. Zwischendurch finden sich zudem super süße Momente, die mich dahinschmelzen ließen und ich muss Jasper loben: Lange habe ich keinen solch taffen Kerl mehr erlebt, der nicht in die üblichen Fallen von Liebesgeschichten tappt.

Von mir gibt es 5 von 5 Sterne.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 09.11.2020

Ich sage gern: Es ist ein Emma Scott!

Never Doubt
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Schreibstil:
Emma Scott schreibt (zum Glück) wie gewohnt wundervoll emotional und gefühlsecht. Ihre Worte sind immer so gut ausgewählt und kombiniert, dass Sätze entstehen, die man allesamt unbedingt in ...

Schreibstil:
Emma Scott schreibt (zum Glück) wie gewohnt wundervoll emotional und gefühlsecht. Ihre Worte sind immer so gut ausgewählt und kombiniert, dass Sätze entstehen, die man allesamt unbedingt in sein Poesiealbum schreiben möchte. Ich bin jedes Mal verzaubert, wie authentisch und auch zart Emma Scott schreibt. Und dieses Mal hat sie es noch ein wenig übertrumpft, indem sie Shakespeares Worte weise eingesetzt hat, um ihre Protagonisten sprechen zu lassen. Das fand ich wirklich gut eingebaut. Ich hätte nicht gedacht, dass man diese alten Worte so verständlich und sinnvoll in einem modernen Text unterbringen könnte.

Meine Meinung:
Ich bin sehr gut in das Buch reingekommen. Gleich zu Anfang wird im Prolog deutlich, dass Willow ein dunkles Geheimnis hat. Die Spannung steigt. Und dann zieht sie mit ihren Eltern um und man weiß, dass sich nun etwas ändern wird.
Willow war mir dabei vom ersten Moment an sympathisch. Sie ist in einer Situation, zu der ich nicht unbedingt schreiben will, dass es für mich nachvollziehbar ist, aber es ist schon so, dass ich mir vorstellen konnte, dass ihre Reaktion eine logische Reaktion wäre.
So ist Willow anfangs ein ziemlich harter Brocken, den die anderen Protagonisten irgendwie versuchen, zu knacken. Ich mochte an ihr aber sehr, dass sie sich trotz aller Zurückgezogenheit bemüht und in vielen Situationen doch sehr ausgelassen ist.
Man muss sich bei ihr einfach darauf einstellen, dass nicht alles so flott und leicht vorangeht, wie man es vielleicht im Hinblick auf den Fortlauf der Geschichte gerne hätte.

Zweifle an der Sonne Klarheit,
Zweifle an der Sterne Licht,
Zweifle, ob lügen kann die Wahrheit,
Nur zweifle an meiner Liebe nicht!

HAMLET VON SHAKESPEARE (AKT 2 SZENE 2)
Was bei Willow, aber auch bei Isaac sehr gut herausgearbeitet wurde, war, wie das Theaterspiel die beiden beeinflusst. Anstatt uns ihre Gedanken nur zu präsentieren, erleben wir vieles durch das Theaterspiel mit. Ich fand es echt cool und wunderschön, wie ihre Leben mit denen der Figuren verknüpft werden. Vieles wird dadurch einfacher zu verstehen, lässt sich eher fassen und ist auch einfach mit mehr Tiefe versehen. Zudem wird uns Lesern Hamlet dann vielleicht doch noch etwas verständlicher;) Die Autorin arbeitet intensiv das Wesentliche dieses Stücks heraus.

Isaac ist vielleicht ein wenig das Herzstück dieses Romans. Er ist der insgeheime Bad Boy der Schule. Der Leser lernt ihn aber gleich von einer ganz anderen Seite kennen, sodass er für mich stets der sensible, begabte, sympathische, großartige Isaac ist, der sich für andere aufopfert und seiner Leidenschaft nachkommt.
Auf der Bühne hat er eine unglaubliche Präsenz. So wird es zumindest immer beschrieben. Ich konnte es mir gut vorstellen, da die Kapitel aus seiner Perspektive diese unglaubliche Selbstverständlichkeit und Leidenschaft, mit der er auf der Bühne steht, sehr gut beschreiben.
Neben der Bühne ist sein Leben alles andere als leicht und dennoch hat er so viel Liebe zu verteilen und ist ein überaus emotionaler Mensch. Mir hat es zwischendurch das Herz gebrochen, wie das Leben ihm mitspielt. Die Momente auf der Bühne und mit Willow konnten es aber zum Glück wieder heilen. Er macht meinem Theo aus All in wirklich Konkurrenz:)

Ich kannte dieses Mädchen überhaupt nicht, aber dass Willow Holloway mich heute auf der Bühne gesehen hatte, zählte ich zu meinen Geburtstagsgeschenken dazu.
Und zum ersten Mal in meinem Leben fühlte ich mich reich.

NEVER DOUBT – EMMA SCOTT (KAPITEL 5)
Im Umgang mit Willow war er wirklich das Beste, was ihr passieren konnte. Emma Scotts Stärke liegt u.a. in den Emotionen und die kommen hier nicht zu kurz. Willow hat sie ein ziemlich schwieriges Thema zugewiesen. Sie ist nicht an einer Bagatelle wie einem Streit mit ihren Eltern zerbrochen, sondern wegen einer viel schlimmeren Sache. (Ich habe mir sagen lassen, an dieser Stelle sollte ich erwähnen, dass für den Roman eine Triggerwarnung ausgesprochen werden muss.) Isaac geht da überaus sensibel mit um und man spürt von Seite zu Seite, wie das Vertrauen zwischen ihnen wächst. Ich hatte nicht einen Moment, an dem ich gedacht habe: Was tut er denn da?! Stattdessen war er die Konstante, die ihr immer stützend zur Seite stand.

Neben jeder Menge Emotionen bietet die Geschichte aber natürlich auch jede Menge Spannung. Es gab keine Längen, keine nervigen Situationen. Jede Szene saß, hatte ihren Sinn und hat die Geschichte vorangebracht. Die Liebesgeschichte der beiden ist wundervoll inszeniert. Vielleicht kann man ein wenig bemäkeln, dass der Anfang beinahe schon zu vertraut war. Ich hatte das Gefühl, Willow kannte Isaac schon von der ersten Minute an in seiner ganzen Persönlichkeit. Das passt einerseits zu der besonderen Ebene, auf der die beiden miteinander kommunizieren. Gleichzeitig war es zunächst aber auch etwas befremdlich.

Harmony ist zur Geschichte passend ein wundervolles Setting. Es erinnerte mich ein wenig an Redwood. Vielleicht etwas amerikanischer in seiner Art. Alle kannten sich, man ging zu Fuß, man kümmerte sich um andere und man liebte sein Heimatdorf. Das ist einfach ein schönes Gefühl beim Lesen:)
Ebenso herzerwärmend sind die Nebencharaktere. Angie und ihre Mum sowie Martin und die anderen Menschen im Theater sind alle super lieb und tragen ihren Teil zur Geschichte bei. Ich fand es super, wie sie die beiden Hauptprotagonisten unterstützen.

Ich nickte langsam. Sie hatte ihm die Worte von jemand anderem gegeben.

´NEVER DOUBT – EMMA SCOTT (KAPITEL 3)
Zuletzt möchte ich noch einmal über das Ende sprechen. Ich war überrascht, wie viel dort doch noch passiert. Willows und Isaacs Welt wird erneut komplett auf den Kopf, ihre Liebe auf die Probe gestellt. Die Geheimnisse werden aufgeklärt. Logisch und angemessen. Wie alles in dem Buch verbunden mit jeder Menge Emotionen.
Wenn ihr es lest, werdet ihr verstehen, dass ich beide Protagonisten am Ende noch ein kleines Stück mehr schätzen lernte. Sie bleiben sich treu und einfach total authentisch. Mir hat es super gefallen.

Fazit:
Emma Scott hat mich mit diesem Buch wieder vollständig von sich überzeugt. Emotionen, gebrochene Charaktere, die so authentisch und echt und wundervoll sind, das herzerwärmende Setting und der wunderbar flüssige und wortgewandte Schreibstil. Ich kann nur loben!
Ich konnte das Buch nicht aus der Hand legen und war sehr fasziniert davon, wie gut die Autorin Shakespeare in ihre Geschichte einflicht.
Ich kann dieses Buch nur empfehlen!

5 von 5 Sterne von mir.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 04.11.2020

Die Perspektivwechsel waren mein Highlight!

Beastmode 2: Gegen die Zeit
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Zur INFO: Dies ist der zweite Band einer zusammenhängenden Dilogie! Es empfiehlt sich also, zuerst den ersten Band (Rezi hier) zu lesen, damit man die Zusammenhänge versteht. Somit folgen im weiteren Verlauf ...

Zur INFO: Dies ist der zweite Band einer zusammenhängenden Dilogie! Es empfiehlt sich also, zuerst den ersten Band (Rezi hier) zu lesen, damit man die Zusammenhänge versteht. Somit folgen im weiteren Verlauf meines Textes SPOILER für jeden, der Band 1 nicht gelesen hat!

Der Klappentext:
Die abenteuerliche Reise von Malcom, Damon, Amanda, Wilbur und Jenny – fünf Jugendliche mit übernatürlichen Fähigkeiten – ist noch nicht zu Ende. Sie stehen kurz davor, das Geheimnis um das mysteriöse Energiefeld im Pazifik zu lüften. Doch dann kommen sie einer ungeheuerlichen Wahrheit auf die Spur, die alles verändert.

Das Cover:
Ich konnte es mir jetzt nicht verkneifen, einmal meine Meinung zum Cover preiszugeben, denn ich finde es genial! Ich liebe es wie schon bei Band 1, dass schwarz hier so edel mit dem Bronzeton (beim ersten war es gold) in Kontrast gesetzt wird. Dazu das Gesicht, dass an die Geschichte anschließt und sich mit dem Cover des ersten Bandes ergänzt, sodass man sie nebeneinander legen/stellen kann. Auf jeden Fall ein Highlight in meinem Regal!

Der Schreibstil:
Ich mochte das Buch sehr gerne lesen, weil der Autor einerseits sehr locker und flüssig schreibt, gleichzeitig aber auch sehr komplexe Sinnzusammenhänge vermittelt. Diese Kombination ergibt, dass man als Leser super mitkommt und zudem die gute Lesbarkeit genießen kann. Ein Highlight bei dieser Reihe ist für mich, dass der Autor die Erzählperspektiven sehr schön dynamisch gestaltet. Die Wechsel verziehen sich auch mitten im Kapitel und teilweise über Absätze hinweg zwischen den Perspektiven der fünf Hauptfiguren. Natürlich ist man im ersten Moment dann öfters mal verwirrt und muss sich kurz orientieren, aus welcher Perspektive man nun liest. Aber da der Autor die personale Erzählperspektive nutzt, stößt man schnell auf den Namen und es löst sich auf.
Mir hat das einfach super gut gefallen, weil man so nicht auf Perspektiven wartet, Szenen vielfältig erlebt und die Protagonisten allesamt genug Platz erhalten, sich individuell zu entwickeln und Informationen dem Leser preiszugeben.

Meine Meinung:
Dieses Buch schließt sich nahtlos an den ersten Band an. Die Reise geht weiter und der Plan ist klar. Mir vielleicht etwas zu klar. Ich habe anfangs ein wenig gebraucht, um trotz der actionreichen und spannenden Verwicklungen der Fünf, meine Spannung und Neugierde wiederzufinden. Einfach, weil zunächst erst einmal alles gleichförmig hintereinander weg verläuft. Man weiß, was sie zu tun haben, man weiß, dass sie es schaffen müssen (Zukunftslogik) und dann weiß man, dass sie bei dem nächsten weitermachen werden.
Dennoch war ich irgendwie dabei. Vor allem, weil man als Leser noch irgendwie selbst versucht, hinter die Zeitreise-Logik dieses Buches zu kommen.

Nachdem ich es nun gelesen habe und weiß, was dahinter steckt, kann ich sagen, dass es wirklich gut verständlich und auch weitestgehend logisch ist (so logisch Zeitreise eben für uns sein kann). Die Geschichte entwickelt sich im weiteren Verlauf nämlich immer weiter weg von dem, was man erwartet und dennoch bleibt die Logik bestehen. Man kann das Ende aber irgendwann nicht mehr so sehen, wie es am Anfang der Fall war. Ab dieser Stelle ungefähr, war ich dann auch voll drin und habe mich von der Geschichte mitreißen lassen.
Der Autor hat wirklich viel Vorstellungsvermögen bei seinen Ideen gezeigt, vor allem in der Zukunft, ohne, dass es zu abgedroschen klingt. So konnte man sich gut in alles hineinversetzen und sieht es möglicherweise auch als eine durchaus mögliche Zukunft?

Neben Action bietet die Geschichte zudem viele „echte“ Momente, was ich sehr geschätzt habe. Mit echten Momenten meine ich hier Geschehnisse, die durchaus passieren können, oftmals aber beschönigt werden. Das ist hier nicht der Fall. Die Lage ist ernst und man erlebt sie als Leser auch so. Es schaukelt sich immer weiter hoch, bis es zu einem Ende findet, dass ich nur halb erwartet hatte. Halb vor allem deshalb, weil es neben dem Hauptstrang noch kleinere Stränge/Rätsel gab, die mich als Leser immer wieder zum Nachdenken bewegten und am Ende dann ebenfalls aufgelöst zu werden. Allerdings eben innerhalb der Logik dieses Buches und seiner Theorien, sodass sie sehr innovativ und schlau gelöst waren.

Weiter bieten die unterschiedlichen Erzählperspektiven natürlich auch auf Handlungsebene Stoff für Spannung und auch Gefühle. Jeder der fünf hatte vor dem Abenteuer nicht wirklich eine Ahnung, was er mit seinem Leben anfangen sollte oder zumindest keinen konkreten Plan, der ihr Leben besser macht. Im Verlauf der Geschichte entwickeln sich alle fünf weiter. Sie entdecken ihre Stärken und Schwächen, ihre Gefühle und Ängste. Zudem wachsen sie immer mehr im Team zusammen.
Mir hat es gefallen, wie ihr Privatleben trotz allem nicht zu kurz kommt und der Geschichte somit etwas mehr Tiefe verleiht und den Leser einfach mehr mitfühlen lässt, egal bei welcher Art von Szene.

Das Ende des Buches ist der Geschichte angemessen und befriedigt den Leser auf allen Ebenen. Dadurch, dass der Epilog ein paar Wochen nach vorne springt, sieht man auch die Zukunft der fünf und auch die letzten Zusammenhänge erschließen sich.

Mein Fazit:
Ein solider zweiter Teil, der einzig am Anfang erst wieder zu der Spannung des ersten Bandes zurückfinden musste. Danach aber sorgen Action, Gefühle und eine sehr gut durchdachte Logik für großes Lesevergnügen. Die Perspektivwechsel bringen zudem viel Dynamik in das Buch, sodass es sich super lesen lässt.

Von mir gibt es 4 von 5 Sterne.

  • Cover
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  • Handlung
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