Funken zu oft erloschen
Ich habe „Ambrosia“ von Katie Kento erst deutlich nach dem Hype gelesen, sodass ich bei „Missing Page“ jetzt doch eher in der frühen Phase dabei sein wollte, um nicht zu viele andere Meinungen von anderen ...
Ich habe „Ambrosia“ von Katie Kento erst deutlich nach dem Hype gelesen, sodass ich bei „Missing Page“ jetzt doch eher in der frühen Phase dabei sein wollte, um nicht zu viele andere Meinungen von anderen mitzubekommen. Gerade bei zweiten Büchern, wo das erste so gut war, da ist es immer schwierig, sich erneut zu beweisen und wenn man dann zusätzlich noch von anderen Stimmen beeinflusst ist, dann wird es ganz schwierig.
Ich habe auch diesen Jugendthriller wieder per Hörbuch konsumiert. Diesmal hatte ich die Stimme von Hannah Schepmann und ich fand es gut, dass hier eine andere Stimme als bei „Ambrosia“ gewählt wurde, weil so auch bei doch geringem Abstand beim Hören Robyn und Toni jeweils eigenständig bleiben konnte. Die Stimme von Schepmann ist mir auch schon sehr vertraut und ich höre sie immer wieder gerne. Für „Missing Page“ hat sie gut gepasst und ich hatte nichts zu meckern. Auch wenn also stimmlich der Teppich ausgerollt war, so muss ich doch leider sagen, dass mich das zweite Werk von Kento nicht gut bei der Stange halten konnte. Dabei fand ich viele Ideen des Buchs eigentlich richtig gut. Das wäre zum einen, dass Kento sich hier der klassischen Whodunnit-Struktur und Agatha Christie annähert, denn wir haben von Anfang an einen klar definierten Personenkreis und am Ende gibt es eine finale Aufklärrunde, bei der alle zusammen sind und wo Hauptfigur Toni sich als Hobbyermittlerin beweisen kann. Ich empfinde das keinesfalls als abgekupfert, weil die Struktur eine Erfolgsformel ist und inhaltlich immer wieder neu ausgestaltet werden kann.
Mir gefiel auch, dass wir uns in so einer Metawelt zu Büchern befanden. Buchliebhaberin und Autorin Katie Kento konnte sich hier ausleben und auch wir als Leserschaft konnten einiges wieder entdecken oder zumindest ganz viel Buchliebe vermittelt bekommen. So war der Schreibwettbewerb ein interessanter Kontext, all die Referenzen zu Büchern waren super, auch die verschiedenen Genres, wie man sich ihnen als Autor nähert. Das war alles vom Papier her echt gut. Und trotzdem hat die Geschichte mich erst am Ende überzeugt, als wirklich alle zusammen sind und alle Puzzlestücke zusammenfinden. Da war die Spannung hoch und ein Dominostein nach dem anderen fiel, sodass ich gebannt alles wissen wollte. Aber warum funktionierte das vorher nicht?
Es ist in Thrillern immer herausfordernd, wenn man Geheimnisse bewahren will und gleichzeitig aber etwas anbieten will, worüber Emotionalität entsteht. Bei mir ist mit den Figuren nicht wirklich was entstanden. Ich muss zwar auch eingestehen, dass Katie Kento fortan von mir lieber gelesen statt gehört werden sollte, denn bei ihrem Figurenrepertoire ist Lesen sicherlich hilfreicher, alles zu sortieren und richtig einzuordnen. Aber es war nicht nur Überforderung, wer ist wer, sondern auch dieser Abstand, weil da kaum Figuren waren, die mir etwas gegeben haben. Es gab zwischendurch auch immer wichtige Zwischenereignisse und da habe ich gemerkt, dass mich da das Interesse doch mal wieder mehr packte, aber dann wurde es wieder eher belanglos und ich war wieder am wegdriften. Aber mir ist klar, dass all das Beschriebene kaum als handwerkliche Nachlässigkeit zu sehen ist. Obwohl eigentlich so viel an Zutaten drin war, was mich sonst verlässlich packt, so hat es hier nicht funktioniert und warum das so war, konnte ich für mich leider auch nicht restlos klären.
Fazit: „Missing Page“ ist für mich im Vergleich zu „Ambrosia“ schwächer. Eigentlich hat mich von der Ausgangslage genug überzeugt, aber der Funke wollte immer nur kurzfristig übersprungen, dann wurde es zu zäh. Aber das Ende war echt gut, denn es hat wieder bewiesen, dass Kento am Ende immer raushauen kann. Den Endspurt zu können, ist ein riesiger Bonus.