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Veröffentlicht am 24.01.2021

Internatsgeschichte, die die Ansätze leider so gar nicht nutzt

Killing November
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Das Cover finde ich an sich gut gelungen. Ich mag die Zweiteilung, die es so aussehen lässt, als wäre der Buchdeckel halb abgerissen und als würde die erste Seite des Buches mit der deutlichen Aufforderung ...

Das Cover finde ich an sich gut gelungen. Ich mag die Zweiteilung, die es so aussehen lässt, als wäre der Buchdeckel halb abgerissen und als würde die erste Seite des Buches mit der deutlichen Aufforderung Killing November dahinter zum Vorschein kommen. Allerdings gefällt mir nicht, dass das Cover über Novembers Gesicht mit Kratzern ‚verziert‘ ist, weil das Buch so eher mitgenommen aussieht. Auch der Buchrücken ist in meinen Augen nicht so gelungen, ich glaube ich hätte es hier besser gefunden, wenn er schlicht schwarz mit roter Schrift gewesen wäre, dennoch passt das Cover im Großen und Ganzen hervorragend zum Inhalt.

Die Story an sich klang für mich erst einmal interessant: November versteht überhaupt nicht, warum ihr Vater sie nach einem Einbruch bei ihrer Tante plötzlich auf ein seltsames Internat schickt. Die Schüler hier haben keine normalen Unterrichtsfächer, sondern werden in Schwertkampf, Giftkunde oder Lügen unterrichtet. Auch ihre Mitschüler sind ganz anders als Novembers Freunde in ihrer Heimat, dem ländlichen Pembrock. Alle scheinen etwas im Schilde zu führen, jederzeit bereit sich gegenseitig bloßzustellen oder anzugreifen. Außerdem wird ihr eingeschärft, niemals über ihre Heimat oder ihre Familie zu reden, nicht einmal mit ihrer zugeknöpften Mitbewohnerin Layla. Nach und nach erkennt Nova, dass es sich bei der Schule um eine Ausbildungsstätte für alte Familien eines geheimen Ordens handelt und dass nicht jeder, der Neuen wohlgesinnt ist. Als dann noch einer der Schüler getötet wird, spitzt sich die Lage zu und November gerät ins Kreuzfeuer, bei dem plötzlich jeder der nächste sein könnte, der stirbt…

Ich hatte mich riesig darauf gefreut, endlich mal wieder eine coole Internatsgeschichte zu lesen, wurde aber leider enttäuscht. Der Schreibstil ist allerdings wirklich gut, man fliegt nur so durch die Kapitel und kann sich meistens wirklich gut in die Story hineinziehen lassen.

Allerdings harkt es bei dieser dann leider an einigen Stellen. Zu Beginn des Buches hat man nur eine grobe Ahnung, in welche Richtung sich diese entwickeln wird und man wird auch einfach nicht aufgeklärt. Da kommt November an einem völlig fremden Ort zu sich, weil sie scheinbar im Flugzeug betäubt wurde und dann gehen alle einschließlich der Lehrer davon aus, dass sie ja weiß, wie es an der Schule läuft und wem sie was sagen bzw. nicht sagen darf. Da Nova zu Beginn ebenfalls keine Ahnung davon hat, was denn überhaupt vor sich geht, war es für mich zunächst noch vollkommen okay, nicht direkt alles zu erfahren, aber es dauerte mir deutlich zu lange bis man zumindest grundlegende Informationen bekommt und selbst diesen kann man oft nicht wirklich trauen. Das ist es nämlich worum es in einem Großteil der Gespräche zwischen den Schülern geht, dass man einander und eigentlich auch sonst niemandem trauen darf. Das hat mich zunehmenden Verlauf des Buches immer mehr genervt. Ich habe nach einigen Erklärungen durchaus verstehen können, warum die Schüler sich sträuben, November irgendwelche Informationen zu geben, schließlich müssten sie dazu selbst etwas preisgeben und in ihrer Welt kann das den Tod bedeuten, denn alle kommen aus sehr alten Familien, die einem geheimen Orden angehören, sich aber auch immer wieder gegenseitig bekriegen, wofür jedes noch so kleine Familiengeheimnis benutzt werden könnte. Bis man aber diese kleinen Infos hat, ist bestimmt schon ein Drittel des Buches rum und man irrte ebenso wie November ein bisschen planlos durch die Schule. Wenn man dann wenigstens spannende Unterrichtseinheiten hätte miterleben können, hätte mich das ein bisschen entschädigt, aber leider kamen die mir einfach zu kurz. Zwar wurde der ein oder andere Schultag grob geschildert, aber man konnte zu keinem Zeitpunkt in eine Art Alltag eintauchen, weil direkt wieder irgendwas passiert, das wichtiger ist. Das Problem war zudem, dass mir die grundlegende Story nicht spannend genug war. Da wird jemand ermordet, den man zuvor nicht einmal kurz kennengelernt hat und alles entwickelt sich auf Annahmen, die man als Leser nicht erhält, sodass das Miträtseln um den Mörder nicht so richtig gelingt. Auch die Auflösung zum Schluss war mir zu klischeehaft, zu platt und teilweise auch zu unlogisch, weil manche Handlungen und Erklärungen für mich einfach nicht nachvollziehbar waren.

Leider schaffen es auch die Charaktere nicht, das Buch wirklich zu retten. November fand ich zu Beginn des Buches noch recht unterhaltsam und mal etwas anders als typische Jugendbuch-Protagonistinnen. Sie ist einfach freundlich, aufgeschlossen und will am liebsten mit allen befreundet seien. Das fand ich zunächst wirklich noch cool, aber leider hat mich das mit der Zeit echt genervt, weil es einfach so gar nicht zu der Stimmung im Internat passt. Dauernd platzt sie mit irgendwelchen Informationen heraus, von denen ihr dauernd eingetrichtert wird, dass sie sie nicht weitererzählen soll. Ich konnte schon verstehen, wie schwer es ihr fiel, sich dort einzugewöhnen, vor allem weil ihr dabei wirklich niemand hilft, aber ich an ihrer Stelle hätte einfach anders reagiert. Es stört mich einfach, dass sie nie wirklich versucht, ihren Vater zu erreichen oder aus der Akademie zu entkommen, sondern es einfach hinnimmt, dass sie plötzlich das Lieblingsziel aller anderen Schüler zu sein scheint. Auch die anderen Charaktere wissen alles andere als zu überzeugen, sondern bleiben zumeist extrem blass und wirken wie Abziehbilder von den klassischen Figuren aus einem Jugendroman. Ich hatte weder zu Ash noch zu Layla oder Brandon ein klares Bild vor Augen, einfach weil man immer nur eine sehr klischeehafte Idee erhält und nur sehr selten tiefere Einblicke oder Gefühle deutlich werden. Einzig Aarya finde ich gelungener und spannend, einfach weil sie nicht vollkommen eindimensional, sondern ein wenig ambivalent dargestellt wird. Ich fand die meisten Figuren durchaus okay, sie aber keinerlei Gefühle in mir geweckt und das hat es mir schwer gemacht, so richtig mit der Geschichte mitzufiebern.

Alles in allem habe ich einfach viel mehr von diesem Buch erwartet, vielleicht auch weil ich unbedingt mal wieder eine richtig gute Internatsgeschichte lesen wollte. Der Schreibstil ist auch durchaus gut und lässt einen die Geschichte wirklich in einem Zug lesen, leider hat die Story an sich aber immer wieder mit Logikfehler zu kämpfen und handelt für mich viel zu wenig von dem Internatsalltag, was für mich aber einer der Hauptgründe gewesen ist, warum ich das Buch lesen wollte. Auch die Charaktere schaffen es nicht mich, zu überzeugen, sondern bleiben vielmehr blass und oberflächlich.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 11.01.2021

Wieder einmal ein gelungenes Buch von Vi Keeland und Penelope Ward

Park Avenue Player
2

Tatsächlich mag ich das Cover erstaunlich gerne, auch wenn ich normalerweise kein großer Fan von heißen Typen auf dem Titel bin. Hier gefällt mir allerdings die Zweiteilung zwischen einem Typen im Anzug ...

Tatsächlich mag ich das Cover erstaunlich gerne, auch wenn ich normalerweise kein großer Fan von heißen Typen auf dem Titel bin. Hier gefällt mir allerdings die Zweiteilung zwischen einem Typen im Anzug und der Skyline von New York hervorragend. Durch die Farbgestaltung in Gold und Schwarz wirkt es zudem wirklich edel, sodass ich mich echt freue, es in meinem Regal stehen zu haben.

Die Geschichte ist sehr typisch für Vi Keelands und Penelope Wards Romane: Elodie Nachname braucht unbedingt einen neuen Job, schließlich will sie nicht ihr Leben lang dem Privatdetektiv Soren dabei helfen, fremdgehende Männer zu überführen und deren Frauen so Material für eine Scheidung zu liefern. Da kommt ihr die Stellenanzeige für den Job als Nanny für eine schwierige Elfjährige gerade recht. Doch auf dem Weg zum Vorstellungsgespräch hat sie einen kleineren Auffahrunfall und kommt so zu spät zu dem Gespräch. Natürlich entpuppt sich der unfreundliche und arrogante, aber leider auch sehr heiße Unfallgegner als ihr potenzieller Chef Hollis LaCroix. Widerwillig stellt er die attraktive Elodie ein, um auf seine Nichte Hailey aufzupassen, die in ihrem Leben schon viel durchgemacht und deswegen alles andere als ein einfaches Kind ist. Doch während Elodie und Hailey sich direkt gut verstehen, ist das Prickeln zwischen ihr und Hollis nicht zu leugnen, auch wenn er sie immer wieder zurückstößt…

Ich liebe die Bücher von Vi Keeland und Penelope Ward, deswegen habe ich mich unglaublich auf dieses Buch gefreut und ich wurde auch nicht enttäuscht, obwohl Hate Notes die Latte schon sehr hochgelegt hatte. Der Schreibstil ist auch in diesem Buch wieder gewohnt leicht, locker und so fließend, dass man nur so durch die Geschichte fliegt. Es gibt wirklich wenig Autor*innen, deren Schreibstil ich so genial finde, dass ich die Bücher selbst dann lesen will, wenn der Klappentext eher durchschnittlich klingt.

Die Charaktere habe ich eigentlich ab den ersten Kapiteln in mein Herz geschlossen. Elodie wirkt manchmal vielleicht ein wenig naiv, sie ist aber eine unglaublich wahrherzige und emotionale Person, die ihre Gefühle immer sehr klar und offen zum Ausdruck bringt, was sie schon alleine dadurch für sich einnimmt. In letzter Zeit war ich zunehmend davon genervt, dass in vielen Young Adult Romanen Lügen und unehrliche Figuren eine große Rolle spielen, sodass ich es hier extrem gut fand, wie deutlich Elodie immer wieder formuliert, was sie sich von Hollis wünscht, auch wenn dadurch die Gefahr besteht, dass sie ihn damit verschreckt. Auch Hollis mag ich durchaus, obwohl ich seine Wandlung zum Ende hin mir eine Spur zu plötzlich, zu abrupt finde. Klar ist er zu Beginn des Buches ein sehr kühler, sehr arroganter Typ, der sich vor allem emotional von den Menschen um sich herum distanziert. Vielleicht gerade deswegen mochte ich wie sehr ihn Elodie immer wieder aus der Reserve locken kann und wie er schließlich auch seiner Nichte Hailey gegenüber offener wird. Ich fand vor allem die Schlagabtausche zwischen Elodie und Hollis immer wieder unglaublich unterhaltsam und musste das ein oder andere Mal grinsen.

Auch wenn mir das Buch und vor allem der Schreibstil wirklich gefallen haben, fand ich die Story bis zum letzten Drittel ein bisschen flach. Das lag vor allem daran, dass ich nach Hate Notes nicht nur ein lockeres, unterhaltsames Buch erwartet habe, sondern eben ein bisschen Mehr: Ein bisschen mehr Tiefe und ein bisschen mehr Emotionen, das fehlte mir im ersten Teil des Buches schon sehr. Zum Glück hat das Ende mich wieder vollkommen versöhnt, weil es doch eine Wendung gab, die ich so nicht vorhergesehen habe. Diese hat mich emotional total abgeholt und das Buch letztlich doch nicht zu einem netten Buch mit hervorragenden Schreibstil, sondern zu einer sehr unterhaltsamen Geschichte, die genug emotionale Tiefe aufweist, das sie einem auch langfristig im Gedächtnis bleibt.

  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Gefühl
Veröffentlicht am 11.01.2021

Gute Sport-Romance-Story, der es vielleicht ein bisschen an Tiefe fehlt

The Brooklyn Years - Was niemand erfährt
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Ich mag das Cover des gedruckten Buches wirklich gerne, weil es nicht nur hervorragend zu dem ersten passt, sondern auch weil es wirklich schön aussieht mit seiner Eisflächenoptik. Das Cover des eBooks ...

Ich mag das Cover des gedruckten Buches wirklich gerne, weil es nicht nur hervorragend zu dem ersten passt, sondern auch weil es wirklich schön aussieht mit seiner Eisflächenoptik. Das Cover des eBooks allerdings überzeugt mich nicht so wirklich, weil es so aussieht wie jeder andere Young Adult Roman im Moment.

Die Geschichte fand ich definitiv interessant: Patrick O’Doul ist der Kapitän der Brooklyn Bruisers und lebt wie kein anderer für diesen Verein. Doch das ist nicht immer leicht, erwartet doch jeder von ihm, dass er sein Team als Enforcer auch mit seinen Fäusten verteidigt. Doch gerade dieses Kämpfen zermürbt ihn zunehmenden und auch eine Sportverletzung macht ihm mit jedem Spiel mehr zu schaffen. Deswegen kommt er nicht darum herum, sich in Behandlung bei der Physiotherapeutin Ariana Bettini zu begeben und obwohl er es wegen seiner schwierigen Vergangenheit hasst, berührt zu werden, fühlt er sich bei der attraktiven Frau mit jeder Behandlung wohler. Zwischen den beiden fliegen bald die Funken, doch eine Beziehung ist das letzte, was Ari will, schließlich kommt sie gerade erst aus einer toxischen Ehe und genau die könnte eine Gefahr für Patricks Karriere werden…

Ich habe schon die Ivy Years-Reihe und den ersten Teil der Brooklyn-Years gelesen und mich schon alleine aus diesem Grund sehr auf dieses Buch gefreut. Den ersten Teil der Reihe mochte ich, er hat mich aber nicht so überzeugt wie es die Ivy-Years-Bücher geschafft haben und so ähnlich ging es mir auch bei diesem Buch. Der Schreibstil ist gewohnt leicht und locker zu lesen, sodass man spielend leicht in die Geschichte eintauchen kann und es einem auch schwerfällt, sich überhaupt wieder davon zu lösen. Man kann das Buch so locker in wenigen Stunden durchlesen ohne einmal von dem Buch hochschauen zu müssen.

Ich mag Patrick und vor allem Ari wirklich gerne. Die beiden sind zusammen einfach ein wunderbares Paar, die sich gegenseitig vertrauen und einander immer unterstützen. Ich mochte Aris Art als Yogalehrerin, weil sie zwar immer in sich zu ruhen scheint, aber keine unglaublich esoterische Ader hat, sondern mit beiden Beinen auf dem Boden steht, obwohl ihre Vergangenheit alles andere als einfach war. Sie hat noch immer Probleme mit ihrem Ex-Mann, der sie immer mal wieder belästigt und sie teilweise sogar bedroht, sodass es ihr extrem schwerfällt, wieder tiefere Gefühle zuzulassen. Patrick hingegen hat sich noch nie wirklich erlaubt, Gefühle zuzulassen, weil das für ihn nach seiner Kindheit so einfacher war. Das ist auch der Grund, warum er sich nicht gerne anfassen lässt und vor allem bei Verletzungen sich lieber zurückzieht als sie richtig behandeln zu lassen. Als er dann aber merkt, wie wichtig ihm die Menschen um ihn herum sind, allen voran Ari, wird er zugänglicher und hat mit seiner aufmerksamen, ruhigen Art ein bisschen mein Herz gewonnen.

Während ich die Protagonisten, aber auch die Nebencharaktere wirklich liebgewonnen habe, hat mich die Story an sich nicht so richtig überzeugt. Ich fand sie durchaus solide und mochte, wie Sarina Bowen es schafft, die Reihe im Vergleich zum letzten Buch schafft, erwachsener werden zu lassen. Auch die angesprochenen Themen, wie Drogenmissbrauch und Doping im Leistungssport, häuslicher Missbrauch und auch der immense Druck im Profi-Eishockey fand ich durchaus spannend und wichtig für das Buch, aber sie wurden vor allem zum Schluss nicht richtig ausgearbeitet, sondern teilweise auf eine zu einfache Art und Weise beseitigt, sodass das Ende für mich eine Spur zu perfekt, zu glatt war.

Alles in allem mochte ich das Buch durchaus gerne und habe es vor allem durch den Schreibstil innerhalb kürzester Zeit durchgelesen. Zudem mochte ich die Protagonisten und auch die Nebencharaktere unglaublich gerne, sodass ich mich schon sehr auf die nächsten beiden Bände freue, obwohl die Story an sich nicht ganz rund und eine Spur zu einfach war trotz der schwierigen Themen.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 31.12.2020

Unglaublich wichtige Themen, die leider durch die etwas nervigen Charaktere und den gewöhnungsbedürftigen Schreibstil ein wenig untergehen

The Music of What Happens
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Ich bin ehrlich gesagt ein großer Fan des Covers und es war einer der Hauptgründe, warum ich das Buch unbedingt lesen wollte neben der Thematik natürlich. Ich mag, dass es ein wenig altmodisch angehaucht ...

Ich bin ehrlich gesagt ein großer Fan des Covers und es war einer der Hauptgründe, warum ich das Buch unbedingt lesen wollte neben der Thematik natürlich. Ich mag, dass es ein wenig altmodisch angehaucht ist, gleichzeitig die beiden Protagonisten recht gut getroffen sind. Zudem finde ich den Titel nach dem Lesen hervorragend gewählt, auch wenn man ihn auf den ersten Blick nicht so wirklich verstehen kann.

Auch die Geschichte fand ich erstmal echt interessant: Max ist der typische Sunnyboy, ein Sportler der am liebsten mit seinen Kumpels abhängt und Videospiele spielt. Jordan ist eher ein ruhiger Außenseiter, der Gedichte schreibt und sich mit seinen besten Freundinnen in der Mall trifft. Die beiden haben scheinbar nichts gemeinsam, aber als Jordans Mutter eine Aushilfe für ihren Foodtruck sucht und Max begeistert zusagt, arbeiten die beiden wider Willen zusammen und entdecken, dass sie mehr für einander empfinden als sie jemals gedacht hätte…

Ich habe mich ehrlich gesagt schon wirklich auf dieses Buch gefreut. Nicht nur wegen des tollen Covers, sondern auch weil ich es mochte, dass durch die Thematik Protagonisten aus der LGBTQ* Community eine stärkere Stimme erhalten. Doch leider hat mich das Buch nicht so ganz überzeugen können. Das fing beim Schreibstil an. Ich habe wirklich lange gebraucht bis ich mich einigermaßen an den Schreibstil gewöhnen konnte. Er wirkte an manchen Stellen einfach sehr gewollt auf jugendlich gemacht und gleichzeitig hin und wieder etwas pseudoliterarisch. Das hat vor allem am Anfang dafür gesorgt, dass ich keinen so richtigen Zugang zu der Geschichte finden konnte. Ich war deswegen eine Zeitlang echt versucht, das Buch abzubrechen, aber vor die Themenwahl und vor allem Max als Protagonist haben mich durchhalten lassen. Tatsächlich habe ich mich nach etwa der Hälfte des Buches auch größtenteils an die Art des Schreibens zu gewöhnen, aber wenn es sich hierbei um kein Rezensionsexemplar gehandelt hätte und Max mit seiner Art nicht schon längst mein Herz gewonnen hätte, wäre ich vermutlich nicht bis zu diesem Punkt gekommen und hätte es schon vorher abgebrochen.

Das Setting an sich allerdings fand ich durchaus gelungen. Ich mochte Max wirklich gerne, auch wenn mir das bei so fröhlichen Sunnyboys normalerweise eher schwerfällt. Aber er hat es wirklich geschafft, dass ich ihn in mein Herz schließe, auch weil ich es echt mal gut fand, dass er bei seinen ultra coolen Freunden schon geoutet war und die das aber einfach so hingenommen habe, es gibt kein Versteckspiel, keine Lügen, sondern einfach einen Kerl, der mit seinen Kumpels eben nicht nur über Mädels, sondern auch über Typen spricht. Das fand ich wirklich gut und genauso solche Romane tragen zur Normalisierung von queeren Protagonisten bei. Auch seine dramatische Hintergrundgeschichte hat ihn mir noch sympathischer gemacht, weil ich seinen allgemeinen Umgang damit recht fand. Auch seine Freunde habe ich wirklich geliebt. Man merkt bei ihnen immer wieder, wie viel sie einander bedeuten, auch wenn sie das zumeist recht gut hinter ihren Albereien verstecken.
Jordan hingegen fand ich leider nicht so sympathisch. Er war mir häufig viel zu dramatisch und hat es Max auch echt nicht immer leicht gemacht, was mich irgendwie zunehmend genervt hat. Ich konnte es bei seiner Familiengeschichte schon irgendwie verstehen, schließlich ist sein Vater tot und seine Mutter versinkt jeden Tag tiefer in ihren Depressionen, aber manchmal konnte ich dennoch nur den Kopf über ihn schütteln. Schlimmer fand ich allerdings seine Freundinnen, die waren wirklich furchtbar und immer wenn sie wieder einmal vorkamen, habe ich möglichst schnell weitergeblättert, weil ich mich sonst wieder über sie geärgert hätte, auch wenn das zum Schluss immerhin ein bisschen besser wurde.

Ich fand die Themen des Buches eigentlich extrem wichtig und teilweise auch sehr sensible besprochen, aber ich hatte auch immer wieder das Gefühl, dass der Autor hier zu viel gewollt hat. Er hätte vielleicht nicht sowohl sexuellen Missbrauch, Depressionen, Rassismus, Sucht als auch Verlust, Suizidgedanken und natürlich Homosexualität ansprechen sollen. Jedes Thema für sich ist durchaus wichtig und verdient seinen Platz in einem Jugendroman, aber in einem einzigen kann ihnen eben nicht der nötige Raum eingeräumt werden und genau das passiert hier leider. Durch die Vielfalt der Themen kann sich nicht auf eines so richtig konzentrieren, sondern spricht zwar alle an, aber nicht alle erhalten, den Raum, den sie auch benötigen.

Alles in allem hatte das Buch wirklich viel Potenzial und spricht auch extrem wichtige Themen an, doch es übernimmt sich dabei ein wenig. Auch wenn ich Max wirklich in mein Herz geschlossen habe, schafft es vor allem der Schreibstil nicht mich wirklich abzuholen.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 27.12.2020

Spannender Thriller, der mehr auf Wendungen als auf die Ausarbeitung der Charaktere setzt

Der Mädchenwald
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Das Cover gefällt mir wirklich gut, weil es zum einen sehr aus der Masse heraussticht und für mich perfekt zum Inhalt passt. Ich finde es vermittelt die eher düstere Stimmung und die Atmosphäre des Buches, ...

Das Cover gefällt mir wirklich gut, weil es zum einen sehr aus der Masse heraussticht und für mich perfekt zum Inhalt passt. Ich finde es vermittelt die eher düstere Stimmung und die Atmosphäre des Buches, das schließlich vor allem in dieser Kate im Mädchenwald spielt, perfekt.

Die Geschichte fand ich auf den ersten Blick echt spannend: In der Pause eines Schachturniers wird die 13-jährige Elissa Mazoryan entführt. Als sie nachdem sie aus ihrer Betäubung wieder erwacht, befindet sie sich in einem fensterlosen Raum, wo sie verzweifelt versucht, sich zu orientieren. Sie hat keine Ahnung, wie sie dort wieder herauskommen sollen, bis Elijah sie in ihrem Verlies besucht und ihr offenbart, dass sie nicht die erste ist, die hier gefangen gehalten wird. Obwohl sie ihm nicht traut, weiß Elissa, dass er ihre einzige Chance auf eine Flucht ist und versucht ihn, für das Schachspielen zu begeistern. Elijah hingegen sieht das Mädchen als Chance auf eine wirkliche Freundin und hat bereits einen eigenen Plan entwickelt. Währenddessen versucht DI Mairead MacCullagh verzweifelt das entführte Mädchen zu finden, doch sie weiß, dass mit jeder Minute, die vergeht, die Chance schwindet, dies noch lebend zu tun.

Ich habe in letzter Zeit sehr viele Young Adult Romane und Fantasy Bücher gelesen, sodass ich mich wirklich gefreut habe, mal wieder einen richtig guten Thriller zu lesen, so richtig überzeugt hat mich das Buch letztlich aber leider nicht. Den Schreibstil mochte ich vor allem zu Beginn des Buches wirklich gerne, weil er sehr flüssig und leicht zu lesen war. Zudem hatte ich immer, dass Gefühl, dass er sich je nach Perspektive den Personen angepasst hat, sodass man schon durch den Schreibstil oft wusste, wessen Sicht man gerade erlebt. Zum Ende hin allerdings fiel es mir ein wenig schwer, ihm noch zu folgen, wobei das auch an der Handlung an sich liegen könnte.

Mit dieser habe ich mich deutlich schwerer getan. Nicht, dass mich der Thriller (wobei das Genre nicht so ganz passend ist) nicht gepackt hätte, ganz im Gegenteil, ich habe ihn sogar innerhalb kürzester Zeit durchgelesen, aber ich habe vielleicht einfach mehr erwartet. Den Anfang des Buches fand ich noch unglaublich spannend, weil ich unbedingt wissen wollte, wie Elijahs Verbindung zu den Mädchen ist und wer sie entführt hat. Dabei weiß man nie so richtig, wem man trauen soll, Elijah scheint ernsthaft um Elissa besorgt, tut aber nichts, um ihr zu helfen, sondern freut sich fast schon, soe dort zu haben, weil er dann wenigstens eine Freundin hat. Das fand ich einerseits traurig, andererseits fehlte mir hin und wieder aber auch das Verständnis, weil nicht alle seiner Handlungen erklärt werden. Ich verstehe nachdem ich das ganze Buch gelesen habe, sogar warum das so ist, es würde nämlich die ein oder andere Wendung vorwegnehmen, aber während des Lesens fand ich es deswegen manchmal schwierig, sein Verhalten zu verstehen. Ebenso ging es mir leider auch mit Elissa, weil diese für eine Dreizehnjährige, die entführt wurde, teilweise zu rational und berechnend handelt. Ich glaube nicht einmal ein Erwachsener könnte so abgeklärt handeln, um seinem Gefängnis zu entkommen, auch wenn man natürlich nie weiß, was man in einer solchen Ausnahmesituation tun würde. Dennoch fand ich Elissas Verhalten teilweise nicht glaubwürdig und fand, dass sie all die schrecklichen Vorkommnisse erstaunlich ruhig erträgt. Auch das private Drama der Polizistin Mairead fand ich ein wenig überzogen und in diesem Buch unpassend. Es wirkte so, als wolle man die Ermittlerin dadurch sympathischer oder menschlicher erscheinen lassen, aber das hat bei mir nicht so richtig funktioniert. Ich mochte sie sogar durchaus, es hätte mir aber gereicht, wenn sie einfach ermittelt und sie das emotional belastet, da hätte das private Drama nicht mehr sein müssen.
Über all das hätte ich locker hinwegsehen können, wenn mich die Wendungen und das Ende des Buches an sich mich überzeugt hätten, doch das war leider nicht wirklich der Fall. Ich habe mit einem Teil der Twists durchaus gerechnet, zumindest habe ich eine ähnliche Entwicklung erwartet, aber man erfährt nie so richtig die Gründe und einzige der Fakt, dass jemand irgendwie böse ist, reicht mir ehrlich gesagt in einem Thriller nicht. Ich erwarte immer eine gewisse Erklärung, warum jemand böses tut und die Täterfiguren gehen für mich einfach zu sehr unter.

Alles in allem habe ich das Buch wirklich gerne gelesen und bin auch wirklich durch die Seiten geflogen, aber so richtig überzeugen konnte es mich nicht. Das liegt vor allem daran, dass weder die Wendungen noch die Täterfiguren so richtig ausgearbeitet sind, sie setzten mehr auf den Überraschungseffekt als darauf, dass sie total überzeugend sein sollen, doch das hat mich leider ein bisschen unbefriedigt zurückgelassen.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere