Das geheimnisvolle Glück des Schwimmens
Wasserzeiten, das sind für Kristine Bilkau kleine Glücksmomente – und nicht nur für sie ist das Schwimmen etwas Besonderes.
Es geht um die ersten Erinnerungen an das Schwimmen, wie es ist, wenn man in ...
Wasserzeiten, das sind für Kristine Bilkau kleine Glücksmomente – und nicht nur für sie ist das Schwimmen etwas Besonderes.
Es geht um die ersten Erinnerungen an das Schwimmen, wie es ist, wenn man in das Wasser eintaucht, sich langsam einschwimmt oder auch mal quält und es wird dieses Gefühl in der Freibadsaison 2020 während der Pandemie beschrieben. Das war auch für mich etwas Außergewöhnliches. Das erste Mal wieder im Freibad war so ein unglaublicher schöner Moment, es war ein großes Geschenk in diesem Sommer, wieder schwimmen gehen zu gönnen.
Es geht weiter mit persönlichen Erinnerungen an einen Urlaub auf Bornholm, wo sie jeden Morgen schwamm und dem Wunsch, eines Tages eine alte Frau am Meer zu sein, die täglich das ganze Jahr über schwimmt. Ein Wunsch, den ich mit der Autorin teile, wobei es bei mir nicht das Meer sein muss, ich liebe es, im Schwimmbad, am liebsten im Freibad zu schwimmen.
Und darüber berichtet sie auch, über die Swimming Ponds in Hampstead Heath im Norden Londons. Eines dieser Wasserreservoirs ist Männern vorbehalten, eins Frauen und eins ist der Mixed Pond. Im Winter zum Beispiel trifft sich am Ladies` Pond ein kleines Damentrüppchen zum morgendlichen Schwimmen. Es geht um die Bedeutung dieser dieser Orte für uns Menschen, es sind wichtige Begegnungsorte.
Auch das Schwimmen im Winter wird von Kristine Bilkau mit Worten bedacht und ja, ich kann sie mir alte Frau am und im Meer zu jeder Jahreszeit vorstellen.
Sie streut bei all den persönlichen Geschichten auch immer wieder Geschichten anderer ein wie zum Beispiel über eine Eistaucherin und gibt Buchempfehlungen wie bei den Hampstead Heath Ponds. Dies rundet den Essayband ab, es gibt noch etwas zum Weiterlesen, es muss nicht aufhören. Auch erzählt sie, wie sie selbst als Erwachsene noch gelernt hat, richtig zu kraulen, ein tolles Gefühl, etwas Neues zu lernen.
So schlägt sie auch eine Brücke zum Schreiben, denn auch hierbei ist Ausdauer gefragt, nach dem Scheitern neu zu beginnen mit einem Text, bis er gut ist. Um eine Schwimmtechnik richtig gut zu beherrschen, braucht es Ausdauer und den Willen, immer wieder neu zu beginnen oder auch Akzeptanz, dass man es niemals richtig können wird und trotzdem weiter macht, ohne die Freude daran zu verlieren.
„Wasserzeiten“ zeigt, wie wichtig es ist, dass es in den Kommunen solche Räume gibt, sie gibt Beispiele aus Island und auch aus Brüssel, wo es die Initiative „Pool is cool“ gibt, die in den heißen Sommerwochen ein Pop-up-Freibad aufbaut, das nach Anmeldung kostenlos genutzt werden kann.
Für mich ist „Wasserzeiten“ eine kleine, feine Liebeserklärung an das Schwimmen. Es ist sehr persönlich und beschreibt für mich das Besondere an dieser Bewegungsform und warum es uns so nah ist, schließlich kommen wir aus dem Wasser wie unsere Vorfahren, die Fische.