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Veröffentlicht am 30.04.2026

Dieses Kinderbuch ist Gold wert.

Anna und die Wut
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Anna hat ein großes Problem. Immer, wenn ihr ein Missgeschick passiert, wenn sie etwas nicht haben oder machen darf, wenn sie etwas nicht kann oder wenn Dinge nicht laufen, wie sie sollen, wird Anna wütend. ...

Anna hat ein großes Problem. Immer, wenn ihr ein Missgeschick passiert, wenn sie etwas nicht haben oder machen darf, wenn sie etwas nicht kann oder wenn Dinge nicht laufen, wie sie sollen, wird Anna wütend. Nicht nur ein kleines bisschen, sondern SO RICHTIG. So wütend, dass sie fast platzt. So wütend, dass selbst die Seiten des Bilderbuches ganz feuerrot werden! Doch das Allerschlimmste ist, dass absolut nichts dagegen hilft. Anna ist sehr verzweifelt, als plötzlich ihr Opa mit einem super Geschenk zu Besuch kommt...

Welche Eltern kennen diese Situationen nicht, in denen das Kind absolut verzweifelt um sich schlägt und einfach nichts zu helfen scheint - kein Reden, kein Knuddeln, kein Schimpfen, gar nichts. Auch für die Kinder selbst sind diese Situationen schrecklich, weil sie sich ihren heftigen Gefühlen so ausgeliefert fühlen und den Umgang damit erst lernen müssen. Hierfür ist dieses Buch einfach Gold wert. Mein 6-jähriger Sohn liebt es sehr und wir haben es schon sehr oft gelesen. Es ist lustig geschrieben, dabei jedoch nie herablassend und vermittelt die klare Botschaft, dass Wir in Ordnung ist und einen sinnvollen "Kanal" braucht, um niemandem (vor allem nicht dem Kind selbst) zu schaden.

Absolute Herzensempfehlung, in unserem Haushalt wird es jedenfalls sehr geliebt!

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Veröffentlicht am 30.04.2026

MEGA GUT

MEGA
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Bei Tieren, die größer sind als ich selbst, läuft mir immer ein Schauer der Ehrfurcht und des Respekts über den Rücken. Bei diesem Buch also quasi andauernd! Es ist einfach der absolute Wahnsinn, was für ...

Bei Tieren, die größer sind als ich selbst, läuft mir immer ein Schauer der Ehrfurcht und des Respekts über den Rücken. Bei diesem Buch also quasi andauernd! Es ist einfach der absolute Wahnsinn, was für riesige und faszinierende Tiere es schon gab auf dieser Erde und immernoch gibt. Das Entdecken, Durchblättern, Anschauen und Lesen der Doppelseiten ist spannend, lehrreich und hat unsere Augen leuchten lassen. Denn auch mein kleiner Sohn fand dieses Buch grandios.
Die Illustrationen sind sehr realitätsgetreu und dennoch liebevoll, die Texte sind kindgerecht und sprachlich ansprechend. Die Größe der einzelnen Tiere wird anhand von bekannten Vergleichen deutlich dargestellt. Alles in allem also eine große Empfehlung für alle großen und kleinen Tierfans!

PS: Besonders empfehlen können wir das auf klappbare Buchcover, denn daraus wird dann ein Riesenposter :)

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Veröffentlicht am 30.04.2026

Schönheit, Fremdheit, Banat.

Das schönste aller Leben
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Betty Boras widmet sich in ihrem Roman „Das schönste aller Leben“ den Themen Herkunft, Schönheit, elterliche Verantwortung und Schuld und den inneren Konflikten, die sich daraus ergeben. Das Cover und ...

Betty Boras widmet sich in ihrem Roman „Das schönste aller Leben“ den Themen Herkunft, Schönheit, elterliche Verantwortung und Schuld und den inneren Konflikten, die sich daraus ergeben. Das Cover und der luftig-leichte Titel verheißen auf den ersten Blick einen schönen Sommerroman - doch weit gefehlt.

Im Mittelpunkt stehen zwei Frauenfiguren, Vio und Theresia, deren Lebensgeschichten durch die Zeit und über Generationen hinweg miteinander verwoben sind.
Vio kommt als Kind mit ihrer Familie aus dem Banat nach Deutschland und stößt in der neuen Fremde auf eine komplett andere Welt. Ist sie gerade noch durch die wildromantische Natur des Banats gerannt, in welcher ihre Familie viel Grund, Obstbäume und Freiheiten hatte, wohnt sie nun Wand an Wand mit fremden Menschen in einer Mietswohnung. Ihre Großeltern und Eltern kennen den ungeschriebenen "Verhaltenskodex" in vielen Kontexten nicht und unterscheiden sich dadurch immer wieder von den Familienmitgliedern ihrer Freundinnen. Als sie im Erwachsenenalter nach einem unaufmerksamen Moment mit den Narben ihrer kleinen Tochter konfrontiert wird, erschüttert sie dies zutiefst. Erneut muss sie sich ihren inneren Fragen und Dämonen nach Zugehörigkeit, Herkunft, Schuld und dem kulturell und gesellschaftlich geprägtem Bild von Schönheit stellen.
Auch Theresias Erzählstrang im Banat der Vergangenheit erzählt von Fremdheit, Entbehrung und der "Last" der Schönheit. Theresia wird beschuldigt, den Pfarrer verführt zu haben und wird zur Zwangsarbeit im Banat verschleppt. Also sie bemerkt, dass sie schwanger ist, schmiedet sie einen gewagten Fluchtplan...

Emotional haben mich vor allem Vios Passagen berührt. Die Fixierung auf die Schönheit ihrer Tochter konnte ich anfangs nur schwer nachvollziehen. Später kommt jedoch anhand ihrer eigenen gesundheitlichen Erfahrungen eine psychologische Tiefe hinzu, die gerade in der Auseinandersetzung mit der eigenen Mutterrolle sehr anrührt. Wie geht man als Eltern mit dieser Schuld um, dass das eigene Kind "entstellt" ist? Welche Privilegien verbinden wir damit, normschön zu sein und wie geht man mit Abweichungen davon um?
Der historische Teil um Theresia bleibt dagegen etwas blass. Vieles wird nur angedeutet, wodurch das reiche erzählerische Potenzial ungenutzt bleibt. Auch wirken die Figuren in diesem historischen Teil insgesamt zu wenig ausgearbeitet, um mich nachhaltig zu berühren.

Sprachlich ist der Roman eindringlich und atmosphärisch dicht, doch das Ende kam für mich etwas zu abrupt und hinterließ den Eindruck, dass einige Fäden unaufgelöst bleiben. Dennoch ist „Das schönste aller Leben“ von Betty Boras ein einfühlsam geschriebener Roman, der zu Herzen geht und den ich sehr gerne gelesen habe.

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Veröffentlicht am 30.04.2026

Zugwind

Zugwind
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"Die Menschen unterschätzten die Anstrengung, die es kostet, in einer vollkommen neuen Realität zu überleben. Flucht ist keine Urlaubsreise. Flucht ist der Versuch, sein ganzes Leben in zwei Koffer zu ...

"Die Menschen unterschätzten die Anstrengung, die es kostet, in einer vollkommen neuen Realität zu überleben. Flucht ist keine Urlaubsreise. Flucht ist der Versuch, sein ganzes Leben in zwei Koffer zu zwängen und dabei um der Kinder Willen so zu tun, als wäre alles okay. Flucht ist die vollkommene Abhängigkeit von anderen Menschen und Bürokratie."

Mira Zehmann verließ vor einigen Jahren zusammen mit ihrem Mann die Ukraine und kam - in der Hoffnung auf ein neues, besseres Leben für sich und ihre kleine Tochter - nach Deutschland. Hier arbeitet sie als Hausärztin, ist Mutter, Partnerin, Freundin. Als in ihrer Heimat die ersten Bomben fallen, verliert sie sich zwischen ihren Wurzeln und ihrem aktuellen Leben, zwischen Schuldgefühlen gegenüber ihrer Familie und ihren Freunden in der Ukraine und der Sicherheit in Deutschland. Ein starker Zugwind rüttelt an ihr, er zieht sie zurück und wirbelt ihre Gefühle komplett durcheinander. Als sich herumspricht, dass sie ein offenes Ohr für ukrainische Patient*innen hat, wird sie zur Anlaufstelle Nummer 1. Mira wird zur Lebensberaterin, zur Therapeutin, zum Coach, zur Sozialarbeiterin. Denn hinter den Krankheiten und Diagnosen der Menschen steckt oft soviel mehr, als man auf den ersten Blick sieht. Was bedeutet Krieg und Flucht für Menschen? Warum ist nicht "alles gut", obwohl man doch in einem sicheren Land untergekommen ist? Wie findet man Sicherheiten, wenn um einen herum alles zerfällt? Mira ist da, hört zu, begleitet und ist innerlich doch zerrissen. Schließlich reist sie zurück in die Ukraine, trotz Krieg und aller Warnungen...

Wow, einfach nur wow.
"Zugwind" von Iryna Fingerova löste etwas in mir aus, das sich nur schwer in Worte fassen lässt. Es wirbelte meine Gefühle ordentlich durcheinander und schloss eine Lücke, von der ich nicht wusste, dass sie überhaupt existiert. Wie ein sanfter Lufthauch, der sich zu einer stürmischen Böe ausweitet, zog dieser Roman mitten durch mein Herz. Und hinterlässt dort für immer Spuren.

"Wenn die Zukunft Dunkelheit bringt, muss man leben solange es noch hell ist. Und wenn die dunkel Stunde kommt, ist es an der Zeit Kerzen anzuzünden, denn Licht braucht jeder und jeder hat seine eigenen Kerzen. Es spielt keine Rolle, was einem Licht gibt."

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Veröffentlicht am 28.02.2025

Grandioses Setting, jedoch zu verworren.

Der letzte Mord am Ende der Welt
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Eine abgeschiedene Insel am Ende der Welt, in gar nicht allzuferner Zukunft. Ein tödlicher Nebel, der alles Leben auf der Erde ausgelöscht hat. Bis auf die Bewohner*innen dieser Insel. Ein ausgeklügeltes ...

Eine abgeschiedene Insel am Ende der Welt, in gar nicht allzuferner Zukunft. Ein tödlicher Nebel, der alles Leben auf der Erde ausgelöscht hat. Bis auf die Bewohner*innen dieser Insel. Ein ausgeklügeltes Sicherheitssystem sorgt dafür, dass der Nebel nicht in die Atmosphäre eindringen kann. Bis zum Mord an der dafür verantwortlichen Wissenschaftlerin. Denn mit Niema fällt auch die Barriere und in 107 Stunden erreicht der Nebel die Insel...

Dies war mein erster Buch von Stuart Turton und ich muss sagen, dass mir seine Art, Geschichten zu erzählen, grundsätzlich sehr zusagt. Er hat sich für diesen dystopischen Krimi ein überaus spannendes Setting ausgedacht, das mich auf Anhieb angesprochen hat. Mich faszinieren geschlossene Gesellschaftsordnungen, die "sich selbst überlassen" sind und deren Gruppendynamiken sehr. Auch hier gibt es die Wissenschaftler, die sogannten "Ältesten" und die Dorfbewohner, die die alltäglichen Verrichtungen erledigen. Nach und nach wird deutlich, was die Ältesten von den Dorfbewohnern unterscheidet, warum der schöne Schein trügt und die Handlung wird schnell ziemlich düster. Und ganz schön verworren.

Ich gebe zu, dass mich die wilde Story gerade im Mittelteil das ein oder andere Mal ein wenig verloren hat. Es war mir mit der Zeit einfach zu viel. Ein ums andere Mal werden Theorien aufgestellt, Schauplätze gewechselt und Verdächtige und Tatwaffen umgeworfen. Ja, das gehört zu einem Krimi dazu, klar. Mir geht es hier jedoch um die Geschwindigkeit der "fliegenden Wechsel". Das könnte natürlich auch daran liegen, dass ich das Buch als Hörbuch gehört habe und mir die Sprecherin leider zugesagt hat ("weinerlich" ist meiner Meinung nach keine gute Stimmvariation).

Die klug eingebaute Gesellschaftskritik und das dystopische Setting konnten mich überzeugen, die Handlung an sich und die Charakterzeichnungen blieben für mich zu verworren und zu oberflächlich. Das Ende hingegen hat mich wieder sehr versöhnt. Insgesamt ein spannender Krimi in einer ungewöhnlichen Welt, der mir im Gedächtnis bleiben wird.

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