"Mit meinem Bleistift schrieb ich mich ins Dasein. Ich schrieb mich ins Hier."
"Wenn man ein Sklave ist, macht man sich Entscheidungsfreiheit vor, wo es nur geht."
Man muss nicht zwangsläufig Mark Twains „Klassiker“ mit den Geschichten von Huckleberry Finn kennen, um „James“ von ...
"Wenn man ein Sklave ist, macht man sich Entscheidungsfreiheit vor, wo es nur geht."
Man muss nicht zwangsläufig Mark Twains „Klassiker“ mit den Geschichten von Huckleberry Finn kennen, um „James“ von Percival Everett zu lesen, denn dies ist eine ganz neue Geschichte.
Hier kommt der Sklave Jim Ich-Erzähler zu Wort und erzählt aus seiner Perspektive.
Und was niemand wusste: Jim ist nicht dumm, er tut nur so, um gefahrlos zwischen den Weißen überleben zu können. So wie alle anderen Sklaven spricht er in Gegenwart der Weißen nur einen tumben „Sklaven-Slang“, der sie dumm wirken lässt. Die Kinder müssen diese einfältige Sprache lernen; untereinander reden die Sklaven nicht auf diese Art.
"Dich gefahrlos in der Welt bewegen zu können erforderte Beherrschung der Sprache, Geläufigkeit."
"Die Weißen erwarten, dass wir auf eine bestimmte Weise klingen, und es kann nur nützlich sein, sie nicht zu enttäuschen", sagte ich." Wenn sie sich unterlegen fühlen, haben nur wir darunter zu leiden. Oder vielleicht sollte ich sagen, 'wenn sie sich nicht überlegen fühlen.'"
Als man Jim nach New Orelans verkaufen will, flieht er mit dem jungen Halbwaisen Huck Richtung Norden, auf dem Weg in die Freiheit. Huck ist auf der Flucht vor seinem saufenden, prügelnden Vater. Und Jim möchte es in einen freien Staat schaffen, dort Geld verdienen und einen Weg finden, um seine Frau und seine Tochter freizukaufen.
Auf ihrer gefährlichen Reise folgt ein Abenteuer dem nächsten, von Überschwemmungen und Stürmen über Begegnungen mit Betrügern und anderen gefährlichen Menschen. Jim muss nicht nur auf sich aufpassen, sondern auch auf den jungen Huck.
Das Buch ist einerseits wirklich fesselnd und spannend, teilweise auch urkomisch – aber andererseits oft auch tragisch und sehr schmerzhaft zu lesen. Die quälende Ungerechtigkeit und Unmenschlichkeit ging mir wirklich nahe. Die Willkür und Brutalität der Aufseher und Sklavenhalter ist sehr authentisch und kaum zu ertragen.
"Ach was, Mann", sagte der Herzog." Das ist kein richtiger Mensch. Der spürt Schmerz nicht so wie wir. Der braucht eine Lektion, die er nicht vergisst. Sonst setzt er sich gleich wieder in den Kopf wegzulaufen. So sind diese Kreaturen nun mal gebaut."
"Was ich verbrochen habe? Ich bin ein Sklave, Norman. Ich habe eingeatmet, als ich hätte Ausatmen sollen. Was ich verbrochen habe?"
"Easter kniete sich hin und legte mir die Metallschelle um den Knöchel. Es war ein Schrecken aus der Vergangenheit, den ich verspürte. Ich konnte mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal gefesselt worden war, aber mein Körper erkannte das Gefühl. Falls ich jemals bereit war wegzulaufen, dann in diesem Augenblick."
"Ich bin froh, dass ich weggelaufen bin ", sagte Sammy.
"Wieso?"
"Kommt mir richtig vor."
Ich nickte.
"Er hat mich vergewaltigt, seit ich klein war", sagte Sammy.
Ich nickte. "Du bist immer noch klein."
Man kommt Jim im Laufe seiner Reise sehr nahe, seinen Gedanken und seinen Träumen. Man spürt, wie stark sein Wunsch nach Freiheit und einem selbsbestimmten Leben für sich und seine Familie ist. Jim wird sein eigener Herr und nennt sich von nun an James: „Mein Name gehörte endlich mir.“
"Ich war woanders. Ich war wieder auf der einen noch auf der anderen Seite dieses verdammten Flusses. Ich war nicht auf dem Mississippi. Ich war nicht in Missouri."
"Mit meinem Bleistift schrieb ich mich ins Dasein. Ich schrieb mich ins Hier."
„Ich bin der Todesengel, der gekommen ist, um bei Nacht süße Gerechtigkeit zu üben“, sagte ich. „Ich bin ein Zeichen. Ich bin deine Zukunft. Ich bin James.“
Mit „James“ hat Percival Everett ein fesselndes und kluges Buch geschrieben; eine Art Selbstermächtigung - es ist ein Roadtrip in die Freiheit.
"Ich bin kein Nigger", sagte ich zu ihm." Man kann sein, was man sein will. Besonders du. Du kannst weiß oder schwarz sein. Niemand wird dich in Frage stellen."