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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 24.06.2019

Erfüllt seinen Zweck ziemlich gut

Die Familien-Campingküche
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Gefüllte Paprika, Arme Ritter, Kichererbsensalat, Pfannenpizza, Mangocreme und vieles mehr: Die Familien-Campingküche enthält einfache, aber abwechslungsreiche Rezepte, die sich mit geringem Aufwand zubereiten ...

Gefüllte Paprika, Arme Ritter, Kichererbsensalat, Pfannenpizza, Mangocreme und vieles mehr: Die Familien-Campingküche enthält einfache, aber abwechslungsreiche Rezepte, die sich mit geringem Aufwand zubereiten lassen. Dazu werden Zutaten benötigt, die sich alle in einem durchschnittlichen Supermarkt problemlos beschaffen lassen sollten. Teils schlägt die Autorin auch Ersatz-Zutaten vor, sodass man die eigenen Vorräte gut nutzen kann - besonders wenn es um das Thema Gemüse geht.

Eine übersichtliche Liste mit Küchenutensilien, die man unterwegs braucht, leitet das Buch ein. Bei jedem Rezept steht dann das benötigte Zubehör dabei. Außerdem enthält das Kochbuch Tipps, wie man ohne Küchenwage das Gewicht der Zutaten bestimmen kann. Das ist ziemlich praktisch und gerade für unterwegs anwenderfreundlich.

Ich campe selten, denke aber, dass sich die hier vorgestellten Gerichte nicht nur beim Familienurlaub nachkochen lassen. Sie eignen sich meiner Meinung nach auch für Festivalbesuche, für die Studentenküche oder einfach, wenn mal Besuch kommt und man etwas Leckeres servieren möchte, ohne Stundenlang in der Küche stehen zu müssen. Den Palatschinken mit Beerenquark und die Pfannenlasagne habe ich bereits zuhause nachgekocht. Die Anweisungen waren leicht zu verstehen und ließen sich ohne Probleme ausführen. Hat beides gut geschmeckt.

Das Buch ist nicht revolutionär und enthält auch keine Gerichte, die mich wirklich überrascht haben. Aber es ist für den Zweck des Unterwegsessens sehr gut aufbereitet. Für jede Mahlzeit sowie für zwischendurch sind hier mehrere Gerichte dabei, sodass so ziemlich jeder etwas Passendes zubereiten kann.

Veröffentlicht am 08.06.2019

Detailliert recherchiert

Die Zauberlehrlinge
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Beide Autoren sind erfahrene Journalisten, was sich schnell an den sehr gut recherchierten und flüssig zu lesenden Texten bemerkbar macht. Sie arbeiten die politischen Geschehnisse rund um die Flüchtlingspolitik ...

Beide Autoren sind erfahrene Journalisten, was sich schnell an den sehr gut recherchierten und flüssig zu lesenden Texten bemerkbar macht. Sie arbeiten die politischen Geschehnisse rund um die Flüchtlingspolitik detailliert auf. Dabei zeigen sie, dass es aus mehreren Gründen keinen Rechtsbruch gab, als die Bundeskanzlerin die über Ungarn und Österreich ankommenden Geflüchteten im Herbst 2015 nicht abgewiesen hat. Durch das Schengen-Abkommen bereits offene Grenzen kann man schließlich nicht öffnen. Die Journalisten beschreiben aber auch nachvollziehbar, dass gerade die mangelhafte Kommunikationsweise der Bundesregierung AfD und Co in die Hände gespielt hat und zum Entwickeln des Rechtsbruch-Mythos beigetragen hat. Sehr empfehlenswert für jeden, der sich auch nur ein bisschen für das Thema interessiert.

Veröffentlicht am 18.05.2019

Aktuell und wichtig

Mein Vaterland! Warum ich ein Neonazi war
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Wie wird man Neonazi und wie kommt man aus der Szene wieder raus? Über seine Erfahrungen hat Christian E. Weißgerber ein aktuelles und wichtiges Buch geschrieben, das jedoch streckenweise zur Herausforderung ...


Wie wird man Neonazi und wie kommt man aus der Szene wieder raus? Über seine Erfahrungen hat Christian E. Weißgerber ein aktuelles und wichtiges Buch geschrieben, das jedoch streckenweise zur Herausforderung wird. Um rechte Sprache, Argumentationsweise und Gedanken zu analysieren, müssen diese natürlich erstmal wiedergegeben werden. Die ständigen Ausschnitte aus Reden, Nazi-Liedern etc. fand ich teilweise schwer zu ertragen. Interessant fand ich Gegenüberstellungen, in denen der Autor seine damalige Denkweise aus heutiger Sicht reflektiert und aufzeigt, wie AfD, Identitäre und Co heute nach ähnlichen Mustern kommunizieren wie die Neonazis der 1990er und 2000er Jahre.

Veröffentlicht am 04.05.2019

Wichtiges Buch

Warum ich nicht länger mit Weißen über Hautfarbe spreche
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Ein ungemein cleveres Buch, das den (weißen) Leser herausfordert, sich mit den eigenen versteckten Vorurteilen zu befassen. Der Titel lässt zunächst viel Meinung vermuten, jedoch startet Reni Eddo-Lodge ...

Ein ungemein cleveres Buch, das den (weißen) Leser herausfordert, sich mit den eigenen versteckten Vorurteilen zu befassen. Der Titel lässt zunächst viel Meinung vermuten, jedoch startet Reni Eddo-Lodge stattdessen mit einer extrem detailliert recherchierten Geschichte der Schwarzen in Großbritannien. Hier erfährt der Leser sehr viel - ich muss gestehen, dass ich fast nichts über die britischen Bürgerrechtsbewegungen und ihre Herausforderungen wusste. Auch die Autorin sagt, dass selbst ihr als schwarzer Britin viele der recherchierten Dinge vorher nicht bekannt waren. Die europäische Geschichte wird eben von Weißen geschrieben.

Mit diesem Kapitel schafft die Autorin eine gemeinsame Grundlage für sich und den Leser, auf der sie ihre folgenden Argumente aufbaut. Dabei gelingen ihr viele eindrucksvolle Passagen, etwa wenn sie von den Herausforderungen schwarzer Feministinnen schreibt, die sich in dem von weißen Frauen geprägten Feminismus nur schwer behaupten können und sich daher zurückziehen und vor allem unter sich austauschen. Dadurch gehen der Öffentlichkeit wertvolle Erfahrungen verloren und Nicht-Weiße haben keine Stimme im öffentlichen Diskurs.

Beeindruckend fand ich auch die Geschichte eines fiktiven Mannes, die Reni Eddo-Lodge von der Einschulung bis zur Jobsuche Schritt für Schritt erzählt und dabei mit Statistiken untermauert. Hier wird sehr klar deutlich, was für gigantische Nachteile die systematische Diskriminierung Nicht-Weißen beschert. Auch wenn sich die Autorin auf Zahlen und Erfahrungen Großbritannien stützt, ist das Beschriebene auch in anderen Ländern relevant.

Bei vielen Themen muss ich gestehen, dass ich als Weiße entweder noch nie darüber nachgedacht habe oder kein Bewusstsein für die Feinheiten hatte. Gerade deshalb sind mutige Stimmen wie die von Reni Eddo-Lodge so wichtig. Wir müssen zuhören, statt sofort defensiv zu protestieren. Denn wie die Britin schreibt: Nicht nur unverblümter Rassismus, sondern auch Gleichgültigkeit schadet.

Veröffentlicht am 03.05.2019

Sexistisch, unrealistisch und langatmig

Mord am Mandela Square
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Das Cover fiel mir sofort positiv ins Auge und auch das exotische Setting hat mich angesprochen. Das Buch selbst konnte mich dann aber leider so gar nicht überzeugen. Die Story wirkt arg konstruiert, die ...

Das Cover fiel mir sofort positiv ins Auge und auch das exotische Setting hat mich angesprochen. Das Buch selbst konnte mich dann aber leider so gar nicht überzeugen. Die Story wirkt arg konstruiert, die Charaktere sind unsympathisch und der Schreibstil ist streckenweise holprig.

Der deutsche Wissenschaftler Frank Sattler reist nach Johannesburg. Pia, die Tochter von Franks Kumpel Hans-Gerd, will Franks Expertise für ein Projekt in Anspruch nehmen. Hans-Gerd bittet seinen Freund zuvor, Pia nach Deutschland zurückzubringen, weil sie angeblich in Gefahr ist - obwohl der Vater nicht mal genau weiß, was Pia eigentlich in Südafrika macht. Sattler stürzt sich sofort als selbsternannter Retter in das Abenteuer, wer sonst sollte eine Frau bevormunden, ähm ich meine retten, wenn nicht so ein toller Mitt-Vierziger? Frank reist also nach Johannesburg und trifft dort Pia. Bevor man irgendwas Substanzielles über ihren Charakter oder ihre Persönlichkeit erfährt, beschreibt der Autor erstmal minutiös und mit anzüglichem Blick ihren Körper. Natürlich wird im ganzen Roman kein männlicher Charakter auf diese Weise beschrieben, kennt man ja. Das wars aber noch nicht mit den schmierigen Männerfantasien: Kurz nach seiner Ankunft hat Frank einfach mal schnellen und super unrealistischen Sex mit der deutlich jüngeren Pia in einem verdreckten Zimmer. Im folgenden Geschehen spielt das keine Rolle mehr und die schnelle Nummer trägt absolut nix zur Geschichte bei.

Pia lebt als Hausbesetzerin mit vielen anderen Menschen in einem verlassenen Hotel in Johannesburg und engagiert sich dort in einer NGO. Sie vermutet, dass jemand versucht hat, das Trinkwasser der Bewohner zu vergiften. Zusammen mit Frank und dem Südafrikaner Mfuneni versucht Pia nun herauszufinden, was vor sich geht. Dabei decken die drei eine riesige Verschwörung auf. Eine gestohlene Militärwaffe spielt auch noch eine Rolle. Und als Krönung überlisten sie zwei internationale Auftragskiller. Das Ganze kulminiert in einer Verfolgungsjagd, die so übertrieben ist, dass ich sie nur schwer ernstnehmen konnte. Ganz am Ende wird dann ein absoluter Mini-Nebencharakter wieder rausgekramt, der die ganze Verschwörung eingefädelt hat. Garniert wird das Ganze mit dummen Klischees über Frauen und Shoppen sowie einer unsinnigen Schwärmerei Franks über seine Erfahrungen in Namibia, als er nach dem Grund für seinen Aufenthalt in Südafrika gefragt wird. Sind ja auch beides fast die gleichen Länder, schon klar. Ein Buch, auf das ich hätte verzichten können.