»Ein Politthriler, welcher der Wirklichkeit erschreckend Nahe kommt.« - SWR2
Ruth Achlama (Übersetzer)
Ein junger IT-Spezialist und begehrtester Aufspürer von Sicherheitslücken bekommt immer größere und politisch brisantere Aufträge, verdrängt
ethische Skrupel und kann sich gleichzeitig immer weniger zurücknehmen, sein Können auch privat einzusetzen. Eine erschreckend aktuelle, packende Bestandsaufnahme heutiger Datenkriminalität.
Leicht war es nie: Sivs Vater ist ständig pleite, seine Mutter geht mit einem Arzt fremd, und seine jüngere Schwester ist in die Drogensucht abgerutscht. Auch bei den Frauen kann er nicht punkten. Aber als professioneller Hacker – der Beste und Begehrteste in seinem Fach – wird er auf Händen getragen. Seine Aufträge in Israel und im Ausland werden politisch immer brisanter. Als er in einem europäischen Land ein Abhörsystem für Mobiltelefone installieren muss, um Regimekritiker ausfindig zu machen, kommen bei ihm erste ethische Skrupel auf. Einerseits redet er sich ein, nur seinen Job zu erfüllen – und andererseits kann er es immer weniger lassen, Sicherheitslücken von Smartphones mehr und mehr auch für private Zwecke zu nutzen …
Den Schreibstil fand ich zu Beginn gewöhnungsbedürftig, da es kaum Gespräche gibt, so dass er etwas spröde wirkt. Die Geschichte wird aus der Sicht Sivs erzählt, ein junger Mann, der ein hochspezialisiertes ...
Den Schreibstil fand ich zu Beginn gewöhnungsbedürftig, da es kaum Gespräche gibt, so dass er etwas spröde wirkt. Die Geschichte wird aus der Sicht Sivs erzählt, ein junger Mann, der ein hochspezialisiertes Computergenie ist und bei einer eigenartigen IT-Firma arbeitet. Die Story hat ein bisschen Spionageflair. Seine Figur fand ich sehr gut beschrieben, die schwierige Familiensituation und Einsamkeit und Unsicherheit am Arbeitsplatz sind sehr gut nachvollziehbar, ohne Klischees zu strapazieren. Seine moralischen Bedenken hinsichtlich seiner Tätigkeit kommen mir etwas zu kurz und das Buch hätte in diesem Bereich noch deutlich Potenzial gehabt. Es liest sich spannend und erschreckend, was hier technisch alles möglich ist, aber mir hat noch etwas mehr Tiefe gefehlt. Daher ziehe ich einen Stern ab. Trotzdem ein sehr interessantes und lesenswertes Buch.
„Schwachstellen“ von Yoshai Sarid
Verlag: Kein & Aber
Rani Bulka, Inhaber eines privaten Nachrichtendienstes, beschäftigt Mitarbeiter:innen aus der Technologiebranche, viele von ihnen mit Militärhintergrund. ...
„Schwachstellen“ von Yoshai Sarid
Verlag: Kein & Aber
Rani Bulka, Inhaber eines privaten Nachrichtendienstes, beschäftigt Mitarbeiter:innen aus der Technologiebranche, viele von ihnen mit Militärhintergrund. Mit den notwendigen Lizenzen gründete er eine technologische Abteilung und so wurde Siv, noch während seines Wehrdienstes, kontaktiert und eingestellt. Seine Aufgabe: Sicherheitslücken in Telefon- und Computernetzwerken aufzuspüren. Und Siv war nicht nur gut, er war brillant!
Die Aufträge wurden immer heikler, dubioser, politisch brisanter. Sein Chef schickte ihn in entfernte Länder, in Staaten, deren Moral oft sehr zweifelhaft war. Doch Siv, der Anerkennung braucht und sie auch genießt, verschließt die Augen. Er macht seinen Job. Und diesen macht er unglaublich gut.
Privat kann er es nicht lassen, sein Wissen einzusetzen. Ein einsamer Nerd, der in den Lücken von Smartphone-Netzen herumstöbert. Zunächst, um seiner Schwester zu helfen, die in Schwierigkeiten steckt. Doch bald betrifft es auch Freunde und die eigene Familie.
Bis er auf einen Algorithmus stößt, den er nur zu gut kennt. Und plötzlich dreht sich das Blatt.
Yishai Sarid zeigt in diesem Roman die Skrupellosigkeit von IT Konzernen, die fatalen Auswirkungen von Technologien, die Macht und Gefährlichkeit brillanter IT-Mitarbeiter:innen. Es ist ein unglaublich guter und zugleich beängstigender Roman. Er macht deutlich, wie leicht man sich in Smartphones und Computer einhacken, welchen Schaden man anrichten kann und welches Wissen damit gewonnen wird.
Beängstigend real, weil wir längst wissen, dass uns unsere Handys belauschen. Aber dass unsere Bilder, Texte und Gespräche nicht sicher sind und gegen uns verwendet werden könnten, erscheint uns noch immer zu weit weg. Doch was kann die Technologie tatsächlich, was wir gar nicht wissen (oder nicht wissen wollen)?
Siv, der Ich-Erzähler, lässt uns tief in seine Gedanken und Gefühle blicken. In seine Einsamkeit, seine Schuldgefühle, seine Sehnsüchte und Hoffnungen. Genau dadurch entsteht eine Nähe, die beklemmend wirkt, weil man merkt, wie dünn der Grat zwischen Genie und Missbrauch von Macht ist.
Der Autor zieht uns in einen Technologie-Krimi, der atemlos macht, uns die Augen öffnet und zugleich unsere eigene Verwundbarkeit zeigt.
Was für eine Story! Beängstigend, hochaktuell und für mich: ein Buch, das nachhallt.
Ich bin begeistert von Sarid!
60 / 100
Als Leser die Balance zwischen „Ich kann mich identifizieren“, „Ich kann es nachvollziehen“ und „Ich kann es akzeptieren“ in einem fiktionalen Werk zu finden, ist schwierig.
Im vorliegenden Fall ...
60 / 100
Als Leser die Balance zwischen „Ich kann mich identifizieren“, „Ich kann es nachvollziehen“ und „Ich kann es akzeptieren“ in einem fiktionalen Werk zu finden, ist schwierig.
Im vorliegenden Fall sind die Handlungen des Protagonisten einerseits vollkommen erklärbar, andererseits überhaupt nicht zu verstehen. Das ist sicher mit der Entwicklung und der resultierenden Abnormität seiner Vergangenheit zu beantworten, jedoch führt das zu einer solchen Willkürlichkeit der Charakterzeichnung, die immer rechfertigt werden kann, dass es mir schwerfällt, eine Verbindung zu ihm aufzubauen.
Der Mittelteil, trotz seines Grauens, spielt am Ende eigentlich gar keine Rolle mehr, einige Nebenfiguren bleiben samt ihres Schicksals im Dunklen, das Ende kommt wie immer völlig abrupt mit einer neuerlichen, kaum stimmig begründbaren Charakterwendung daher und dann ist auch schon Schluss. Da helfen auch all die dystopisch anklingenden Details einer Zeit des Cyberpunks nicht, denn die wurden schon zuvor etliche Male beschrieben.
Was bleibt, sind viele Beschreibungen irgendwelcher irrelevanten Orte und vielzähliger Speisen. Vor allem in solchen Passagen habe ich mich gefragt, ob es bei Literatur aus anderen Kulturen sinnvoll ist, sich vorher mit einigen Bräuchen und sozialen Unabänderbarkeiten vertraut zu machen – es hätte das Leseerlebnis eventuell etwas verbessert, wobei insbesondere der ständige Wechsel zwischen direkter und indirekter Rede eher anstrengend war und ist.
Dieses Buch bekam ich in der Leserunde und es hat mich verstört. Auch auf Grund der aktuellen Situation in Israel, aber nicht nur deshalb, ist es sehr aktuell.
Sivi erzählt seine Geschichte. Er ist ein ...
Dieses Buch bekam ich in der Leserunde und es hat mich verstört. Auch auf Grund der aktuellen Situation in Israel, aber nicht nur deshalb, ist es sehr aktuell.
Sivi erzählt seine Geschichte. Er ist ein echter Nerd und erstklasiger Hacker und weiß mit seinem Leben nicht wirklich etwas anzufangen. Als er das Angebot bekommt in einer Technikfirma zu arbeiten und viel Geld zu verdienen, sagt er zu und kann dadurch endlich bei seinen nervigen Eltern ausziehen. Doch dann werden die Aufträge immer seltsamer und er muss in einem Schurkenstaat Überwachungssoftware installieren, die das Leben der Menschen in allen Bereichen sichtbar machen. Gleichzeitig macht sich die Familie Sorgen um Sivis Schwester Schiri und Sivi kann der Verlockung nicht widerstehen auch ihr hinterherzuspionieren. Ein gefährliches Spiel!
Bei diesem Buch habe ich zwischen drei und vier Sternen geschwankt, aber im Zweifel für den Autoren! Der Stil ist sehr monoton, fast roboterhaft und wenig abwechslungsreich. Sivi lebt ganz in seiner Computerwelt, er hinterfragt nichts, er reflektiert nichts. Das ist manchmal langatmig. Gefallen hat mir aber der sehr aktuelle Bezug, denn sind wir nicht alle schon längst gläsern? Durch "soziale" Medien, durch Apps, durch unsere Obsession Fotos zu posten? Obwohl man das alles weiß und es genug Warnungen von Fachleuten gibt, bleiben wir unserem Verhalten treu, statt uns von Handynutzung etc. zu entwöhnen. In diesem Buch wird erschreckend deutlich, wohin das führt. Bezeichnend ist ja auch, dass der Anführer der Hamas, die den Überfall auf Israel begangen hat, nur mündlich und über Zettel komuniziert, nie über elektronische Medien. Das konnte der eigentlich hoch gelobte israelische Geheimdienst nicht kontrollieren.
Insgesamt fand ich das Buch zwar langatmig, aber auch faszinierend. Ein echtes Dilemma!
Der Klappentext klang extrem vielversprechend, aber irgendwie konnte ich mit dem Buch nicht so richtig warm werden. Ich kann nicht einmal genau sagen, woran es lag. Vielleicht am Schreibstil. Vielleicht ...
Der Klappentext klang extrem vielversprechend, aber irgendwie konnte ich mit dem Buch nicht so richtig warm werden. Ich kann nicht einmal genau sagen, woran es lag. Vielleicht am Schreibstil. Vielleicht auch an der ganzen Umsetzung.
Siv ist nicht wirklich ein sympathischer Hauptcharakter. Die meiste Zeit tat er mir irgendwie leid, aber im Laufe der Geschichte ging er mir auch immer mehr auf die Nerven. Natürlich hat er es extrem schwer im Leben. Seine Familie ist total verkorkst und er selbst ist ein merkwürdiger Eigenbrödler, der doch so gerne dazugehören und eine Freundin haben würde. Er lässt sich von allen ausnutzen und tut einfach alles, was ihm gesagt wird, ohne seine Vorgesetzten je zu hinterfragen. Mal ehrlich, so naiv kann doch kein Mensch sein.
Das Ende hat mich überrascht, aber leider auch nicht wirklich berührt. Dafür war die Distanz zu den Charaktären wohl einfach zu groß. Spannend fand ich die Idee, dass man mit dem richtigen Equipment quasi jedes System hacken kann. Manches mag wie Sience Fiction anmuten, aber ich fürchte, dass da schon sehr viel Wahres dran ist. Das lässt einem mit einem beklemmenden Gefühl zurück. Mehr hat der Roman bei mir aber leider nicht geschafft.