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Veröffentlicht am 15.04.2021

Sehr vorhersehbar und ohne emotionale Tiefe

Deadly Rendezvous – Süßer Kuss der Gefahr
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Lara kann es gar nicht fassen! Sie, ausgerechnet sie, darf ihren Jugendschwarm, den Filmstar Brice treffen! Sie wurde von ihm auf sein Anwesen eingeladen, um ihm persönlich ein Portrait zu überreichen, ...

Lara kann es gar nicht fassen! Sie, ausgerechnet sie, darf ihren Jugendschwarm, den Filmstar Brice treffen! Sie wurde von ihm auf sein Anwesen eingeladen, um ihm persönlich ein Portrait zu überreichen, das sie von ihm gemalt hat. Gut, Brice ist kein junger Mann mehr, aber gutaussehend ist er noch immer. Und er scheint Lara aufrichtig zu mögen. Kurze Zeit später bietet er ihr den Job als Assistentin an, sie soll ihm helfen seine Memoiren zu schreiben. Bald merkt Lara, dass da mehr ist, als bloß eine Arbeitsbeziehung zwischen ihr und Brice. Doch es gibt dunkle Schatten in seiner Vergangenheit und als dann auch noch einen Mord gibt und Brice Verwicklung in einen früheren Mordfall in anderem Licht erscheint, weiß Lara nicht mehr, was sie noch glauben soll. Ist sie mitten in einem tödlichen Vipernnest gelandet?


Ich hatte anfangs große Probleme in das Buch hineinzufinden. Ich kann nicht genau sagen, woran es lag. Ich habe mich einfach sehr schwergetan. Ich kam nur langsam an die Protagonisten heran, habe aber leider zu keinem Zeitpunkt eine richtige Verbindung zu ihnen gefühlt. Sie haben mich nicht kaltgelassen, aber gepackt haben sie mich auch nicht.

Ich konnte leider schon sehr früh einiges erraten und dann zum frühstmöglichen Zeitpunkt den kompletten Rest. Das an sich hat mich zwar etwas enttäuscht, aber auch nicht massiv gestört. Ich fand es aber schade, dass es so lange gedauert hat bis etwas „passiert“ ist. Die Geschichte plätschert ziemlich vor sich hin und kommt gefühlt nicht voran. Immer wieder wird scheinbar künstlich auf die Bremse getreten.

Ich hatte erwartet, dass mich die Liebesgeschichte mitreißen würde, dass ich dahinschmilzen würde und Brice und Lara ganz fest die Daumen drücken würde. Doch leider ist das nicht passiert.

Das lag zu einem Großteil sicherlich auch daran, wie die Protagonisten dargestellt wurden. Brice war oft ein jähzorniges A… und ist Lara über den Mund gefahren, als wäre sie ein kleines Kind. Lara wurde als nachtragend und überreagierend dargestellt, was ich echt schade fand, weil sie auf mich eben nicht so wirkte. Das machte auf mich den Eindruck von Klischee.
Gut, Brice Verhalten sollte vielleicht dafür sorgen, dass man ihm die Morde zutraut, aber er wirkte dadurch nicht wie ein potentieller Mörder auf mich, sondern wie ein bockiges Kind, das einen Wutanfall bekommt.


Ein Hinweis noch an die Leser: in diesem Buch gibt es keine expliziten Szenen. Für wen das ein Must-have ist, würde bei diesem Buch enttäuscht.


Fazit: Ich fand die Idee gut, aber mir hat letztlich die Tiefe gefehlt. Abgesehen davon, dass ich beinahe alles erraten habe, fand ich es einfach nur schade, dass die Protagonisten für mich recht blass geblieben sind. Ja, es gab Wutanfälle, Trotzanfälle und jede Menge Vorwürfe, aber mir hat die emotionale Tiefe gefehlt. Dadurch konnte ich mit den beiden keine so enge Bindung eingehen. Sie haben mich nicht kaltgelassen, aber mitgerissen haben sie mich leider auch nicht.

Ich hatte leider mehr erwartet. Von mir bekommt das Buch 2,5 Sterne.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 15.04.2021

Ein Buch, das einem die rosarote Brille von der Nase reißt

Der Fall des Präsidenten
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Der amerikanische Ex-Präsident Turner wird in Athen verhaftet und einem Gericht vorgeführt, das entscheiden muss, ob er dem ICC in Den Haag überstellt wird oder nicht.
Tuner ist sich keiner Schuld bewusst. ...

Der amerikanische Ex-Präsident Turner wird in Athen verhaftet und einem Gericht vorgeführt, das entscheiden muss, ob er dem ICC in Den Haag überstellt wird oder nicht.
Tuner ist sich keiner Schuld bewusst. Die engagierte junge Anwältin Dana Marin könnte nicht überzeugter vom Gegenteil sein. Der amtierende US-Präsident steckt mitten im Wahlkampf und will nur eins: seine Wiederwahl retten, egal wie. Ein Whistleblower muss plötzlich um sein Leben fürchten und sich entscheiden, Wahrheit und Lebensgefahr oder Schweigen und Sicherheit? Aber kann überhaupt jemand sicher sein in einer Welt, in der die Mächtigen Kriegsverbrechen noch und nöcher begehen, ohne dafür jemals zur Rechenschaft gezogen zu werden?


Dieses Buch ist unbequem. Es öffnet einem die Augen – so sie denn noch verschlossen gewesen waren – und konfrontiert einen mit all dem, das man eigentlich am liebsten ignorieren will. Seien wir mal ehrlich, ja, wir sind empört, wenn wir von den Taten hören, die in diesem Buch begangen werden, aber tun wir etwas dagegen? Demonstrieren wir? Informieren wir uns? Oder zucken wir letztlich doch nur die Achseln und richten unseren Fokus lieber auf unsere eigenen Probleme? Wenn wir ganz ehrlich sind, tragen wir alle noch eine rosarote Brille und wollen sie auch gar nicht absetzen. Wir reden uns ein, dass es so etwas wie Gerechtigkeit gibt und das sie siegen wird. Egal, wie oft wir mitbekommen, dass es nicht so ist. Wir blenden es aus. Es wäre zu deprimierend es nicht zu tun.

Genau hier setzt dieses Buch an. Es führt uns all diese Missverständnisse geradezu brutal vor Augen. Es zwingt uns hinzusehen, unseren Kopf zu benutzen.

Die Reaktionen auf die Verhaftung des Ex-Präsidenten sind, wenn wir ehrlich sind, nicht überraschend. Dem amtierenden Präsidenten geht es nur um seine Wiederwahl, die EU kann und will sich nicht einigen und keines der Mitgliedsstaaten will es sich mit den USA verscherzen.
Die Politik übt Druck aus wo es nur möglich ist, sieht weg, wann immer es geht und hofft im Prinzip, dass sich alles in Luft auflöst oder zumindest nicht zu ihnen zurückverfolgt werden kann.

Die „kleinen Leute“ geraten dabei unter die Räder. Sie werden öffentlich durch Rufmordkampagnen fertig gemacht, diffamiert, bloßgestellt. Sie kann man ja über die Klinge springen lassen, kümmert doch keinen. Es ist ungerecht, es ist kriminell und gegen das Gesetz, aber es ist nur ein „kleines Licht“, das macht vielleicht einen Tag lang Schlagzeilen, dann ist es vergessen. Stichwort: Kollateralschäden.

Ich fand die zahlreichen Charaktere nicht unsympathisch, vor allem Dana mochte ich sehr. Allerdings springt das Buch ständig zwischen den Charakteren hin und her, auch mehrmals mitten im Kapitel, ohne Vorwarnung. Ich musste da oft echt aufpassen, um nicht den Überblick zu verlieren. Klar steigert das, wie auch die kurzen Kapitel, die Lesegeschwindigkeit und lässt einen die Bedrohung und die Gefahr ganz anders spüren, aber es verwirrt eben manchmal auch. Für die Geschichte waren die Sprünge und die vielen Perspektiven wichtig, aber ich hätte es schöner gefunden, wenn die Namen über den jeweiligen Teilen gestanden hätten zur Orientierung.


Fazit: Dieses Buch liefert eine sehr zynische, aber leider auch realistische Darstellung unserer politischen Welt, wie sie wirklich ist. Es ist erschreckend. Niemand will das eigentlich wirklich so klar vor Augen geführt bekommen, weil es sämtliche Illusionen zerstört. Aber genau so läuft das, so läuft es immer.
Ich fand das Buch echt sehr gut und es war definitiv nicht mein letztes des Autors. Allerdings haben mich die vielen schnellen Perspektivwechsel immer wieder verwirrt und ich musste manchmal eine Stelle öfter lesen, bis ich verstanden hatte, bei wem ich denn jetzt wieder gelandet war.

Das halboffene Ende passte für mich sehr gut zum Buch und hat in meinen Augen die Message noch zusätzlich verstärkt.

Insgesamt hat mir das Buch aber wirklich sehr gut gefallen, daher bekommt es von mir 4 Sterne.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 10.04.2021

Ich liebe dieses Buch!

Like Day and Night
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Cole kann einfach nicht fassen, dass an einer roten Ampel ein Mädchen in seinen Pick-up springt und ihn anfleht Gas zu geben. Offensichtlich ist sie von Zuhause abgehauen, ihre Mutter ist ihr auf den Fersen. ...

Cole kann einfach nicht fassen, dass an einer roten Ampel ein Mädchen in seinen Pick-up springt und ihn anfleht Gas zu geben. Offensichtlich ist sie von Zuhause abgehauen, ihre Mutter ist ihr auf den Fersen. Cole weiß, dass er sie eigentlich aus dem Wagen werfen sollte, er kann echt keine weiteren Probleme gebrauchen, aber er erkennt in ihren Augen, ihre Verzweiflung, eine Verzweiflung, an die er sich noch gut erinnern kann. Also gibt er Gas.
Wäre er klug, wäre er sie direkt bei nächster sich bietender Gelegenheit los geworden und zu seiner Verteidigung: er hat es versucht! Aber Sophie, so ihr Name, gerät direkt in Schwierigkeiten und Cole schafft es einfach nicht, sie sich selbst und den Monstern dieser Welt zu überlassen, auch wenn er weiß, dass auch er ein Monster ist.


Sophie wurde ihr Leben lang von ihrer Mutter komplett isoliert. Sie durfte das Haus nicht verlassen, höchstens zur Gartenarbeit und nur in ihrer Begleitung. Sie durfte nicht lesen, außer in der Bibel, sie durfte nicht zur Schule und Fernsehen und Radio sind für sie ebenso fremd, wie alles andere in der Welt. Doch Sophie hat im Keller einen Schrank mit alten Romanen entdeckt und sie entfachen eine Sehnsucht nach Freiheit in ihr, die sie nicht bekämpfen kann, also läuft sie weg.

Sophie ist ein Charakter, den man entweder liebt oder wegen ihrer Naivität erwürgen will. Ich liebe sie. Durch die Art wie sie aufgewachsen ist, hat sie keine Ahnung von der Welt. Alles ist neu und aufregend. Aber allein würde sie nicht überleben. Sie vertraut jedem, glaubt jedem alles und kann sich nicht vorstellen, dass jemand wirklich „böse“ ist. Obwohl ihre Mutter ihr ständig gepredigt hat, die Welt und die Menschheit im Allgemeinen seien furchtbar und bösartig, Sophie glaubt nicht daran. Sie geht unschuldig und freundlich durch die Welt.

Cole hat einen schrecklichen Verlust erlitten und bestraft sich schon seit Jahren selbst dafür. Er hat schon immer ein hartes Leben geführt. Die Einzige, die er noch an sich heranlässt, ist Jules. Sie lässt sich einfach nicht vertreiben und weigert sich, ihren Bruder – für sie ist er genau das – aufzugeben. Cole will Sophie nicht in seinem Leben, er will sie so schnell wie möglich wieder los werden, aber er schafft es einfach nicht. Er ist kein guter Mensch, aber er weiß, dass da draußen noch viel Schlimmere unterwegs sind. Was, wenn Sophie etwas passiert? Damit könnte er nicht leben. Und so bleibt ihm nur zu hoffen, dass die Dunkelheit in seinem Leben die Finger von Sophie lässt und dieses unglaubliche Mädchen nicht zerstört.

Wie gesagt, Sophie ist ein Charakter, den man entweder liebt oder sie geht einem tierisch auf die Nerven. Ich liebe sie wirklich. Sie ist so unglaublich süß und lieb und ich wollte sie die ganze Zeit in den Arm nehmen. Auch Cole mochte ich sehr gern, obwohl ich ihn ab und an gern in einen See geschubst hätte. Jules ist zwar „nur“ ein Nebencharakter, aber auch sie habe ich in mein Herz geschlossen.


Fazit: Ich fand das Buch süß, spannend, romantisch, tragisch und einfach wunderschön. Ich konnte es nicht aus der Hand legen und schon nach wenigen Seiten war mir klar, das wird ein Highlight-Buch. Ich liebe Sophie einfach, ich kann nichts dagegen machen. Ich wollte sie die ganze Zeit in den Arm nehmen, und Cole für jedes unsensible Wort treten. Aber auch ihn mochte ich sehr, obwohl mir sein Selbsthass manchmal echt auf die Nerven gegangen ist. Andererseits ist er einfach so. Er hat nie gelernt anders über sich zu denken.

Ich liebe das Buch. Von mir gibt es volle 5 Sterne und eine dicke Leseempfehlung!

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 05.04.2021

Spannend - aber ich habe auch Kritik

Kill me softly
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Achtung: Band 1 einer Reihe!

Liv hat eine richtige Pechsträhne. Das Restaurant, das sie für ihren Vater führen soll, ist am Ende, er verbietet ihr es zu schließen und nach Hause zu kommen, aber was soll ...

Achtung: Band 1 einer Reihe!

Liv hat eine richtige Pechsträhne. Das Restaurant, das sie für ihren Vater führen soll, ist am Ende, er verbietet ihr es zu schließen und nach Hause zu kommen, aber was soll sie tun? Sie beschließt, sich ihm zu widersetzen, doch schon geht ihre Pechsträhne weiter: ihre beste Freundin Julie ist nicht wie erwartet zu Hause, sodass Liv während sie auf sie wartet von einer Gruppe Männer attackiert wird. Wer weiß, was sie ihr alles angetan hätten, wäre da nicht plötzlich dieser merkwürdige Mann aufgetaucht. Er erschießt einen der Männer und rettet Liv das Leben. Allerdings zwingt er sie auch mit ihm zu kommen. Liv ahnt nicht, dass es noch viel, viel komplizierter kommen wird.


Drake kann nicht fassen, dass er jetzt ein Mädchen am Hals hat. Normalerweise mischt er sich nicht ein, außer er wird dafür bezahlt, aber er konnte sie auch nicht sich selbst überlassen oder diesen Typen. Sie hat außerdem sein Gesicht gesehen und weiß, dass er ein Mörder ist. Als er dann aber erfährt, wer sie wirklich ist, weiß er überhaupt nicht mehr, was er denken soll. Er will sie für sich, aber er traut ihr nicht und irgendwie doch. Aber er wird sich von ihr definitiv nicht von seiner Rache abhalten lassen – zu lange wartet er schon darauf, das endlich tun zu können und einen Schlussstrich unter die Sache zu ziehen. Auch wenn er damit dem Mädchen das Herz bricht. Sie sollte ihm sowieso egal sein. Warum ist sie es nicht?

Liv sollte Drake hassen, vor allem als sie erfährt, was er vor hat. Aber ihr blöder Körper fühlt sich extrem zu ihm hingezogen. Was stimmt bloß nicht mit ihr? Er macht ihr Angst und dann wieder fühlt sie sich bei ihm sicher.

Ich fand beide Protagonisten gleichermaßen sympathisch und anstrengend. Liv neigt zum Überreagieren und wirkt immer wieder wie ein bockiges Kind. Zudem geht ihr hin und her, einem bald auf die Nerven. Immer wieder schwankt sie mal in die eine, dann wieder in die andere Richtung. Bei Drake ist es ähnlich. Mal will er unbedingt mit Liv ins Bett, dann misstraut er ihr wieder extrem und unterstellt ihr alles Mögliche. Gut, in seiner Welt wahrscheinlich üblich und in gewissem Maße nachvollziehbar, aber irgendwann einfach zu viel.
Das Hin und Her hat einfach zu lange gedauert für mich. Da hätte es andere Konflikte gegeben, die man in meinen Augen stärker hätte gewichten können.

Ich fand es auch schade, dass Livs Gefühle immer wieder relativ schnell abgehandelt wurden. Ich meine, was sie da erlebt ist echt heftig und ich hätte erwartet, dass sie Zeit braucht, um das zu verarbeiten. Stattdessen kommt da von jetzt auf gleich ein Haken dran und es dreht sich wieder alles um das Hin und Her mit Drake.

Die Wendung mit den Enthüllungen fand ich gut und das passte für mich auch. Liv tat mir da sehr leid und endlich hat sie auch mal in Bezug auf etwas anderes als Drake Emotionen gezeigt. Klar war das vorhersehbar, aber das hat mich nicht wirklich gestört.


Fazit: Ich fand das Buch spannend und interessant, aber ich hatte so meine Probleme mit den Protagonisten. Ich fand sie sympathisch, aber auch anstrengend. Mir war der Fokus zu sehr auf dem Hin und Her mit den beiden. Liv wurde immer wieder als bockiges Kind dargestellt und Drake als launischer Mistkerl. Ständig ging es zwischen zwei Extremen hin und her, sodass manch anderes Thema total unterging. Dabei hätte Liv echt gewinnen können, wenn der Fokus manchmal auf einen anderen Teil der Handlung gelegt worden wäre. So war mir das leider zu eindimensional.

Da ich das Buch aber spannend fand gibt es von mir ganz knappe 3 Sterne.

  • Cover
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Veröffentlicht am 31.03.2021

Nicht einfach bloß ein Sex-Buch - Vorsichtig: Tiefgang!

Voyeur: Verbotene Blicke
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Oakley fällt aus allen Wolken. Ihre Eltern haben einfach ihr Studiengeld ausgegeben! Ja, sie haben es gebraucht, aber sie haben sie nicht einmal gefragt. Jetzt sitzt sie da und weiß nicht, wie sie die ...

Oakley fällt aus allen Wolken. Ihre Eltern haben einfach ihr Studiengeld ausgegeben! Ja, sie haben es gebraucht, aber sie haben sie nicht einmal gefragt. Jetzt sitzt sie da und weiß nicht, wie sie die Gebühren bezahlen soll. Ihre beste Freundin liefert die rettende Idee: Voyeur. Das ist ein Club, in dem die Gäste viel Geld dafür bezahlen den Angestellten bei sexuellen Handlungen zuzusehen. Sie sehen zu, mehr nicht. Aber kann Oakley es wirklich über sich bringen diesen Job zu machen? Andererseits, sie hat keine Wahl.

Callum kann keinen Sex mit Frauen haben. Er ist zutiefst traumatisiert und schafft es einfach nicht in eine Frau einzudringen, ohne Panikattacke. Seine Rettung ist das Voyeur. Hier findet er die Befriedigung, die ihm sonst versagt bleibt. Als er Oakley dort sieht, ist er sofort hin und weg. Sie beherrscht seine Gedanken und Fantasien. Ist sie womöglich die Frau, die ihm über sein Trauma hinweghelfen kann? Doch dann folgt die Ernüchterung: am nächsten Tag sieht Callum Oakley wieder, im Hörsaal als seine Studentin.


Gleich vorneweg: ich urteile über niemanden hinsichtlich seiner Fantasien oder sexuellen Vorlieben, solange alles einvernehmlich ist. Allerdings merkt man durch Oakley wie schmal dieser Grat wirklich ist. Ist es einvernehmlich, wenn du das Geld so dringend brauchst, dass du es dir schlicht nicht leisten kannst abzulehnen?

Oakley tat mir von Anfang an so leid! Was ihre Eltern getan haben fand ich so unbeschreiblich – mir fehlen da echt die Worte! Klar sie sind arm, aber was für Eltern ruinieren lieber ihre Tochter wirtschaftlich, als selbst zurückzustecken? Wenn sie sie wenigstens gefragt hätten, wäre das was anderes gewesen, aber das war einfach nur brutal.
Man erlebt mit Oakley einige Auftritte im Voyeur, andere mit Callum. Was aber bei ihr immer wieder klar wird ist zum einen die Lust, die ihr das bereiten kann, zum anderen aber auch die Scham darüber, so einen Job auszuüben. Die Gesellschaft geht hart mit Frauen ins Gericht deren Arbeit in irgendeiner Form mit Sex zu tun hat. Und Oakley schwankt immer wieder zwischen Lust und Scham, manchmal vielleicht sogar auch ein wenig Selbstverachtung. Das schlimme an der Sache ist, dass sie keine Wahl hat. Sie braucht das Geld.
Das wirft bei mir die Frage auf, ob wir uns wirklich einfach zurücklehnen können und sagen: die tun das ja freiwillig. Wie freiwillig ist es, wenn man schlicht keine andere Wahl hat? Entweder diese Art Arbeit, oder das wirtschaftliche Ende.

Callum tat mir auch so leid. Man erfährt sehr, sehr lange nicht, worum es bei seinem Trauma geht, aber das muss man auch nicht. Man erlebt es mit ihm. Man merkt, dass er nicht bloß so tut, dass es echt ist, dass er wirklich Panik hat. Das macht sein Leben alles andere als leicht. Welche Frau bleibt schon bei einem Mann, der sie zwar befriedigt, aber sich nie von ihr anfassen lässt, oder „richtig“ Sex mit ihr hat? Aber so sehr es sich auch wünscht, er kann das nicht.
Seine einzige Chance auf wahre Befriedigung ist das Voyeur. Andere zu beobachten und sich vorzustellen selbst dabei zu sein. Oakley ändert alles für ihn. Noch nie war die Befriedigung so stark und noch nie fühlte er sich so sehr zu einer Frau hingezogen. Sie geht ihm einfach nicht mehr aus dem Kopf. Er weiß, dass es falsch ist, er weiß, dass sie ihn dafür hassen wird, wenn sie erfährt, dass er sie beobachtet, aber er kann einfach nicht anders. Sie ist fast wie eine Droge für ihn, seine einzige Chance.


Fazit: Ich fand es echt toll, dass es hier nicht einfach bloß um Voyeurismus geht. Es geht darum klar zu machen, dass es immer zwei Seiten gibt. Man macht es sich zu leicht zu urteilen. Die Leute, die da zusehen sind einfach pervers / die Frauen, die dort auftreten sind Huren. Dass die dabei zusehen und masturbieren ist widerlich / die machen das ja freiwillig. Wer sind wir über die sexuellen Vorlieben anderer zu urteilen? Diese Menschen tun ja niemandem etwas. Und es gibt eben auch Menschen, die keine andere Wahl haben, die nur so Befriedigung erlangen können. Und es gibt auch Menschen wie Oakley, die keine andere Wahl haben, als so einen Job auszuüben und sich ständig mit den zwei Seiten auseinandersetzen müssen: Lust und Scham. Und es gibt Menschen, die einfach Spaß daran haben zuzusehen und den Job zu machen. Wer sind wir zu Urteilen? Solange niemand zu schaden kommt, haben wir kein Recht dazu und das ist richtig so.

Ich mochte die beiden Protagonisten sehr und konnte total mit ihnen mitfühlen. Ich konnte das Buch nicht aus der Hand legen und habe mit ihnen mitgefiebert und -gelitten – auch wenn ich Callum zwischendrin echt gern eine geknallt hätte.

Von mir bekommt das Buch trotzdem 5 Sterne, weil es etwas ganz anderes ist und ich es wirklich nicht aus der Hand legen konnte.

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