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39,90
inkl. MwSt
  • Verlag: Shaker
  • Themenbereich: Biografien, Literatur, Literaturwissenschaft - Literatur: Geschichte und Kritik
  • Genre: keine Angabe / keine Angabe
  • Seitenzahl: 222
  • Ersterscheinung: 19.06.2020
  • ISBN: 9783844074123
Hartmut Ilsemann

Phantom Marlowe

Paradigmenwechsel in Autorschaftsbestimmungen des englischen Renaissancedramas
Mit dem Erscheinen des Computerprogramms R Stylo im Jahr 2013 wurden Forschungen im Bereich der Stilvermessung und in Autorschaftsfragen des englischen Renaissancedramas begonnen, die in englischer Sprache in der Zeitschrift Digital Scholarship in the Humanities der Oxford University Press erschienen sind und jetzt erstmals auf deutsch vorliegen.
Kernpunkt der Ergebnisse ist, dass die Dramen Marlowes stilistisch völlig inhomogen sind. Die Untersuchungen mit methodisch breit gefächerten Ansätzen ergaben eine neue Gruppierung der beiden Tamburlainedramen mit dem anonymen Stück Locrine, Peeles The Battle of Alcazar, David and Bethsabe und Kyds Lesedrama Cornelia, während die verbleibenden Dramen des in der literaturgeschichtlichen Wertung erst spät entstandenen Kanons mit Mitteln der Stilvermessung und durch Sichtung der Entstehungsumstände als nicht von Marlowe stammend nachgewiesen wurden.
Stattdessen war in all diesen Dramen Shakespeares Stil in verschieden Umfängen vorhanden, und die Sichtung der Sekundärliteratur brachte die erstaunliche Erkenntnis, dass Literaten jahrzehntelang Shakespeare mit Shakespeare verglichen hatten, wann immer sie Marlowe als Ko-Autor von Dramen im Zeitraum zwischen 1587 und 1594 ins Spiel brachten. Zuletzt geschah dies in der neuen Oxford Shakespeare Ausgabe von 2016, als Marlowe zum Mitgestalter der drei Teile von Heinrich VI erhoben wurde.
Alle Anzeichen deuten darauf hin, dass Shakespeare frühe Dramen überarbeite. Aus A Shrew wurde The Shrew, aus King Leir der spätere King Lear. 1 bis 3 Henry VI wurden erst 1623 für die erste Folioausgabe hergerichtet, sie lagen kollaborativ entstanden in den frühen neunziger Jahren als The Contention, Teil 1 und 2 vor.

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 06.07.2020

Phantom Marlowe

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Der Titel klingt zunächst ziemlich nichtssagend, erst das Shakespearebild im Hintergrund lässt einen an den Dramatikerkollegen Christopher Marlowe denken. Und der ist tatsächlich thematischer Schwerpunkt, ...

Der Titel klingt zunächst ziemlich nichtssagend, erst das Shakespearebild im Hintergrund lässt einen an den Dramatikerkollegen Christopher Marlowe denken. Und der ist tatsächlich thematischer Schwerpunkt, aber doch ganz anders, als man erwartet hätte. Durch computerisierte Stiluntersuchungen mit neuesten Methoden wird das Marlowe zugeschriebene Werk zerlegt, und es zeigt sich, dass das uns überlieferte Bild ein Phantom ist, geschaffen vor allem durch Forschungen des neunzehnten und zwanzigsten Jahrhunderts. Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass der Marlowe der Sekundärliteratur, der im Werk Shakespeares auftaucht, mit der Stilistik Shakespeares nachgewiesen wird. Der Verfasser nähert sich diesem Ergebnis geschickt und spannend geschrieben an. Nicht nur der Untertitel „Paradigmenwechsel in Autorschaftsbestimmungen des englischen Renaissancedramas“ generiert einen ersten Erwartungshorizont, mit wenigen überzeugenden Belegen wird das Hauptargument der Marlowianer demontiert, dass Shakespeares „Venus und Adonis“ die Fortsetzung von Marlowes „Hero und Leander“ sei. Natürlich fehlen auch Marlowes Todesumstände nicht. Als gelungen muss der ironische Abschluss gelten, der mit Nachhall betitelt ist. Was ist negativ an dem Buch? Es ist eher für fachwissenschaftlich mit dem letzten Stand der Forschung Vertraute geeignet als für eine breite Leseröffentlichkeit, und es gibt eine Reihe von Tippfehlern, die auch der Verlagslektor geflissentlich übersehen hat.

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