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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 03.10.2024

Wohlfühlroman mit Schwächen!

Part of Your World
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"Part of Your World" von Abby Jimenez erzählt die Geschichte von Alexis Montgomery und Daniel Grant, zwei Menschen, deren Leben unterschiedlicher nicht sein könnten. Alexis, die Tochter einer angesehenen ...

"Part of Your World" von Abby Jimenez erzählt die Geschichte von Alexis Montgomery und Daniel Grant, zwei Menschen, deren Leben unterschiedlicher nicht sein könnten. Alexis, die Tochter einer angesehenen Arztfamilie, ist in einer Welt aus Pflichtbewusstsein und beruflichen Erwartungen gefangen. Daniel dagegen stammt aus einer ländlichen Gegend und führt ein beschauliches Leben. Trotz der deutlichen Unterschiede – Daniel ist zehn Jahre jünger und hat ein völlig anderes Lebensumfeld – entwickelt sich zwischen ihnen eine starke Anziehung. Was als zwanglose Affäre beginnt, wird schnell kompliziert, denn ihre Gefühle zueinander lassen sich nicht einfach unterdrücken.
Das Buch fängt stark an und das erste Drittel hat mir besonders gut gefallen. Jimenez schafft es, die Chemie zwischen Alexis und Daniel lebendig und glaubwürdig darzustellen. Vor allem die Dialoge und die humorvollen Szenen sind ein Highlight und machen das Kennenlernen der beiden Protagonisten unterhaltsam und charmant. Die Unterschiede zwischen Stadt und Land, Alter und Status sind gut herausgearbeitet und verleihen der Geschichte Tiefe.
Leider verliert das Buch im weiteren Verlauf an Authentizität. Ab einem bestimmten Punkt wird die Handlung vorhersehbar und wirkt oft zu glatt. Die Schwierigkeiten, die Alexis und Daniel aufgrund ihrer unterschiedlichen Lebensumstände zu erwarten haben, lösen sich gegen Ende einfach zu schnell und problemlos auf. Nach all dem Drama und den Herausforderungen fehlt es dem Schluss an emotionaler Tiefe und realistischen Konflikten. Besonders das Ende kommt fast zu märchenhaft daher, was dem zuvor aufgebauten Spannungsbogen nicht gerecht wird.
Trotz dieser Schwächen hat mich das Buch gut unterhalten. Die Liebesgeschichte ist gefühlvoll, und Abby Jimenez versteht es, die Leser*innen emotional zu packen. Auch wenn "Part of Your World" nicht ganz an die Qualität ihres anderen Romans heranreicht, bietet es doch eine schöne Auszeit und genügend Lesespaß. Für Fans der Autorin lohnt sich das Buch allemal, auch wenn es etwas weniger überraschend und authentisch wirkt.
Insgesamt ist es eine nette Lektüre, die mich gut unterhalten hat, aber nicht ganz das Niveau von Jimenez' vorherigen Werk erreicht hat. Trotzdem werde ich definitiv wieder zu einem ihrer Bücher greifen.

Veröffentlicht am 02.10.2024

super!

Eigentlich bin ich nicht so
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Marie Aubert beweist mit ihrem Roman "Eigentlich bin ich nicht so" ein bemerkenswertes Erzähltalent. Das Ganze entfaltet sich wie ein stilles Familiendrama, in dem unterschwellige Spannungen, unausgesprochene ...

Marie Aubert beweist mit ihrem Roman "Eigentlich bin ich nicht so" ein bemerkenswertes Erzähltalent. Das Ganze entfaltet sich wie ein stilles Familiendrama, in dem unterschwellige Spannungen, unausgesprochene Konflikte und emotionale Brüche mit einer geradezu meisterhaften Zurückhaltung beschrieben werden. Was diesen Roman besonders auszeichnet, ist Auberts klarer, distanzierter Schreibstil, der dennoch tiefe Emotionen zeigt.
Aubert gelingt es, den Leser hinter die Kulisse einer scheinbar normalen Familie zu entführen, ohne je ins Klischeehafte zu verfallen. Mit einer kühlen Präzision beschreibt sie das Konfirmationswochenende von Linnea, bei dem sich nach und nach die Zerbrechlichkeit familiärer Beziehungen offenbart. Die Figuren – Hanne, die immer noch unter ihrem alten Selbstbild leidet, und Bård, der sich ein anderes Leben erträumt – wirken dabei schmerzlich real.
Besonders gut hat mir gefallen, dass ich jede Erzählperspektive mochte, das Wochenende wird nämlich aus der Sicht von mehreren Familienmitgliedern erzählt. Jeder für sich war ein gut ausgearbeiteter Charakter, obwohl ich nicht jeden leiden konnte. Bei Bård habe ich mich etwas schwer getan, weil mir seine Kommunikation so gegen den Strich ging, bzw. seine “Nicht-Kommunikation”. Aber das ist ein Thema für einen Buchclub, für was der Roman echt gut geeignet ist. Es ist ansprechend von der Länge und vom Inhalt her trifft es viele.
Auberts Erzählweise bleibt durchweg von einer distanzierten Art, man könnte sagen, teilweise auch nüchtern oder es wirkt so durch ihren präzisen Stil, und doch spürt man in jedem Moment die tiefen Emotionen, die sich hinter der Fassade dieser Familie verbergen.
Besonders beeindruckend ist, wie die Autorin es schafft, die innere Zerrissenheit ihrer Charaktere durch subtile Andeutungen und stille Momente zu vermitteln. Die Sprache ist zurückhaltend, und genau darin liegt ihre Kraft. Jeder Satz sitzt, jedes Wort ist gezielt eingesetzt, sodass man als Leser zwischen den Zeilen förmlich die unterdrückten Gefühle und unausgesprochene Sehnsüchte spüren kann.
"Eigentlich bin ich nicht so" ist ein beeindruckendes Beispiel dafür, wie ein klarer Schreibstil große emotionale Wirkung entfalten kann. Aubert fesselt und berührt. Die leisen Töne des Romans hallen lange nach, wie auch das Ungesagte in diesem Roman und lässt den Leser über die Fragilität von Familie und menschlichen Beziehungen nachdenken.
Ein großartiger Roman, der zeigt, dass die größten Dramen oft im Verborgenen liegen!

Veröffentlicht am 09.09.2024

Beste Neuinterpreation!

Was die Toten bewegt (Eine packende und atmosphärische Nacherzählung von Edgar Allan Poes Klassiker "Der Untergang des Hauses Usher")
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T. Kingfisher hat mit „Was die Toten bewegt“ eine atmosphärisch dichte und faszinierende Neuinterpretation des Klassikers „Der Untergang des Hauses Usher“ von Edgar Allan Poe geschaffen. Die Nacherzählung ...

T. Kingfisher hat mit „Was die Toten bewegt“ eine atmosphärisch dichte und faszinierende Neuinterpretation des Klassikers „Der Untergang des Hauses Usher“ von Edgar Allan Poe geschaffen. Die Nacherzählung greift die düstere und unheimliche Stimmung des Originals auf und erweitert sie um neue, originelle Elemente. Während sie überraschend nah bleibt.
Kingfisher zeigt mit diesem Roman einmal mehr ihr herausragendes Talent, Geschichten zu beleben.

Die Geschichte folgt der Protagonistin Alex Easton, die die alte Freundin Madeline Usher in ihrem einsamen Familienanwesen besucht. Kingfisher gelingt es, das ursprüngliche Gefühl der Beklemmung und des Verfalls des Hauses Usher eindringlich darzustellen – doch gleichzeitig fügt sie unerwartete Wendungen hinzu, die die Handlung packend und originell machen. Dabei war ich sehr angetan von ihrer Pilz-Idee und fühlte mich an den Roman von Silvia Moreno-Garcia erinnert. Wobei dieser hier gruseliger ist. Sie bedient sich einer scharfsinnigen Erzählweise, die selbst in düsteren Momenten aufblitzt und der Geschichte eine eigene, einzigartige Dynamik verleiht.

Besonders gelungen ist, wie Kingfisher den Charakteren Tiefe verleiht und sie vielschichtiger und interessanter darstellt als im Original, besonders beim Protagonisten. Madeline und ihr Bruder Roderick wirken lebendiger, menschlicher – und gerade das verstärkt das Grauen, als die Ereignisse sich entfalten.

Ein Highlight der Geschichte ist, wie Kingfisher dem klassischen Gothic-Horror neue Dimensionen verleiht. Sie baut Elemente des Body-Horrors ein und schafft mit ihrer bildhaften Sprache eine dichte, fast greifbare Atmosphäre des Unheimlichen. Das sich langsam aufbauende Grauen entfaltet sich Stück für Stück, bis es zu einem packenden Finale kommt, das den Leser überrascht zurücklässt.

In „Was die Toten bewegt“ verschmilzt T. Kingfishers Liebe zum klassischen Horrorgenre mit ihrem unverkennbaren Stil. Die Novelle ist düster, mitreißend und überraschend zugleich. Fans von Poe werden die Anspielungen auf das Original lieben, während Neueinsteiger in die Welt des Hauses Usher von der kreativen Interpretation fasziniert sein werden.

Veröffentlicht am 02.09.2024

Familiendrama und die Suche nach Antworten

In den Augen meiner Mutter
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Jo Leevers Roman “In den Augen meiner Mutter” ist eine ergreifende und feinfühlige Erzählung über die Bewältigung von Verlust, ein Familiendrama und eine Vergangenheitsbewältigung. Die Geschichte folgt ...

Jo Leevers Roman “In den Augen meiner Mutter” ist eine ergreifende und feinfühlige Erzählung über die Bewältigung von Verlust, ein Familiendrama und eine Vergangenheitsbewältigung. Die Geschichte folgt Georgie, die kurz vor der Geburt ihrer Tochter steht und im Internet ein Video entdeckt, wie eine Frau ein Kind in Schottland rettet. Sie erkennt die Frau wieder, es ist ihre Mutter, die sie vor 20 Jahren verlassen hat. Zusammen mit ihrem Bruder Dan begibt sie sich auf eine Reise durch Schottland. es werden Geheimnisse aufgedeckt, Geschichten erzählt und Fragen gelöst. Die Handlung ist durchdrungen von einer melancholischen, aber dennoch hoffnungsvollen Atmosphäre, die den Leser tief berührt.
Leevers gelingt es, komplexe Emotionen auf subtile Weise zu vermitteln, und ihre Charaktere wirken authentisch und lebendig. Beachtenswert ist, wie die Autorin es schafft, die inneren Konflikte der Protagonistin darzustellen, ohne dabei ins Kitschige abzurutschen. Es werden außerdem schwierige Themen angesprochen, die ich jetzt nicht weiter anspreche, um nicht zu spoilern.
Allerdings hätte die Handlung an einigen Stellen etwas straffer erzählt werden können und es gibt ein paar Punkte, die ich nicht so logisch, bzw. die ich nicht ersichtlich fand. Manchmal verliert sich die Geschichte in zu vielen Details und Rückblenden, die den Lesefluss ein wenig bremsen. Auch die Nebencharaktere hätten etwas mehr Tiefe vertragen können, da sie im Vergleich zu Georgie und Nancy blass wirken oder viel zu oberflächlich.
Trotz dieser Kritikpunkte ist “In den Augen meiner Mutter" ein guter Roman, der vor allem durch seine emotionale Tiefe und die eindringliche Erzählweise überzeugt. Es hat mich jetzt nicht so stark begeistern können, doch Jo Leevers zeigt großes Potenzial und ich freue mich darauf, mehr von ihr zu lesen.
Ein berührender Roman über Verlust, Erinnerungen und die Suche nach

Veröffentlicht am 01.09.2024

Ruhig und interessant

The Cloisters
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Katy Hays’ The Cloisters ist ein faszinierender Roman, der den Leser in eine geheimnisvolle Welt voller Kunst, Magie und akademischer Intrigen entführt. Die Geschichte spielt im Museum im Metropolitan ...

Katy Hays’ The Cloisters ist ein faszinierender Roman, der den Leser in eine geheimnisvolle Welt voller Kunst, Magie und akademischer Intrigen entführt. Die Geschichte spielt im Museum im Metropolitan Museum of Arts, Abteilung MIttelalter- und Renaissancekunst, bzw. der Außenstelle “The Cloisters” und folgt der Protagonistin Ann, die während eines Sommerpraktikums in eine mysteriöse Entdeckung verwickelt wird, die ihr Leben für immer verändert.
Hays beeindruckt mit einer dichten Atmosphäre, die den Schauplatz lebendig werden lässt. Die detaillierte Beschreibung der mittelalterlichen Kunst und der mystischen Tarotkarten verleiht der Geschichte eine einzigartige und fast schon unheimliche Stimmung. Man merkt, dass die Autorin Ahnung hat über das, was sie schreibt.
Der Roman ist durchzogen von einer leichten, unterschwelligen Spannung, die den Leser neugierig macht und zum Weiterlesen antreibt. Sonst ist alles in einem sehr ruhigen Ton geschrieben und manchmal fließt die Handlung langsam vorwärts.
Die Charaktere sind gut ausgearbeitet, wie auch Ann, deren Entwicklung im Verlauf der Geschichte glaubwürdig dargestellt wird. Ihre Faszination für das Unbekannte und ihre langsame Entfremdung von der realen Welt sind gut beschrieben. Aber so ganz hat der Charakter selbst mich nicht abgeholt.
Außerdem könnte die Handlung stellenweise etwas mehr Dynamik vertragen. Einige Passagen wirken leicht gestreckt, was den Spannungsbogen ab und zu etwas abschwächt. Zudem bleiben manche Nebencharaktere im Vergleich zu Ann etwas blass, was dem Roman in Bezug auf die zwischenmenschlichen Beziehungen etwas Tiefe nimmt.
Trotzdem ist The Cloisters ein gutes Debüt, das durch seine atmosphärische Dichte und die Verknüpfung von Geschichte und Mystik besticht. Thematisch gesehen interessant, wobei es am Ende viel um Aktion und Reaktion geht, bzw. was Macht mit einem anstellt. Auch wenn es nicht ganz überzeugen konnte, waren es ein paar interessante Stunden.
Fazit: Ein mal etwas anderer Roman, der mit seiner dichten Atmosphäre und kunsthistorischer Tiefe überzeugt, auch wenn er gelegentlich etwas an Tempo verliert und womöglich nicht für jeden Leser was ist.