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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 09.09.2024

Tolle Sommerlektüre

Das Schweigen meiner Freundin
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Im einem Sommer ihrer Kindheit kommt Christi zu ihrer Großmutter die sie bei sich aufnehmen soll. Diese beauftragt die drei Jahre ältere Giulia, sich um Christi zu kümmern. Die Begeisterung hält sich auf ...

Im einem Sommer ihrer Kindheit kommt Christi zu ihrer Großmutter die sie bei sich aufnehmen soll. Diese beauftragt die drei Jahre ältere Giulia, sich um Christi zu kümmern. Die Begeisterung hält sich auf beiden Seiten in Grenzen, nach anfänglichem Misstrauen verbindet die beiden Mädchen jedoch bald eine enge Freundschaft, Vertrautheit und mehr. Als Christi Mattia kennenlernt, entspinnt sich eine Dreiecksgeschichte, die alle Beteiligten ihr Leben lang begleiten soll.

Der Debütroman von Giulia Baldelli hat mich sowohl sprachlich als auch inhaltlich begeistert. Es gelingt der Autorin so glaubhaft die Gefühle der drei Protagonist:innen zu transportieren die durch diese komplizierte, fast schon toxische Beziehungskonstellation scheinbar für immer miteinander verbunden sind. Christi ist der Mittelpunkt der drei, das Bindeglied und sowohl für Mattia als auch für Giulia eine Art Schicksal von dem sie sich versuchen fernzuhalten, zu dem sie aber immer wieder hingezogen und dann enttäuscht werden.

Ich habe mich sofort in der Geschichte verloren, wurde ganz tief hineingezogen, emotional durchgewirbelt und wieder ausgespuckt. Ich habe so oft mit Mattia und Giulia gelitten, wollte Christi am liebsten schütteln und zurechtweisen.

"Das Schweigen meiner Freundin" ist ein Roman der mich nicht losgelassen hat und der mich sprachlich und inhaltlich nicht zuletzt aufgrund der großartigen Übersetzung von Elisa Harnischmacher komplett begeistert hat. Die perfekte Lektüre bei flirrender Hitze oder an trägen Spätsommertagen.

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Veröffentlicht am 08.09.2024

Hinter der Fassade

Die schönste Version
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Inhalt: Romantische Kennenlerngeschichte, eine schöne gemeinsame Wohnung, nach außen hin die perfekte Beziehung. Doch hinter der Fassade brodelt es bei Jella und Yannik. Streit, verbale Auseinandersetzungen, ...

Inhalt: Romantische Kennenlerngeschichte, eine schöne gemeinsame Wohnung, nach außen hin die perfekte Beziehung. Doch hinter der Fassade brodelt es bei Jella und Yannik. Streit, verbale Auseinandersetzungen, Beleidigungen münden eines Tages in Yanniks Hand an Jellas Hals und er drückt zu. Jella flieht panisch und kommt bei ihrem Vater unter. In den kommenden elf Tagen versucht sie sich darüber klar zu werden wie es soweit kommen konnte.

Ruth-Maria Thomas erzählt in die schönste Version die eindrückliche und dramatische Geschichte einer toxischen Beziehung und ergründet deren Ursprünge. Wir tauchen beim Lesen tief ein in Jellas Vergangenheit, erfahren viel über ihre Kindheit und Jugend in der Provinz, ihre Traumata, ihre immerwährende Suche nach Bestätigung.

Auch der Schreibstil ist besonders. Roh, intensiv und ungeschönt. Wir lauschen Jellas ungefilterten Gedanken die oft in eine ganz andere Richtung gehen als das was sie dann ihrem Gegenüber tatsächlich äußert um niemanden vor den Kopf zu stoßen, nicht anzuecken, Erwartungen zu erfüllen. Sie beginnt früh sich komplett zu verstellen um anderen Menschen zu gefallen und verliert sich dabei fast selber.

Die Geschichte hat einen Sog auf mich ausgeübt wie schon lange keine andere mehr und mich beim Lesen alles fühlen lassen.
Ich habe beim Lesen permanent geschwankt zwischen Mitgefühl für Jella und Wut. Eine wahnsinnige Wut auf Yannik und all die Männer in Jellas Leben die sich das Recht herausnehmen sie ihre Dominanz spüren zu lassen. Mitgefühl für Jella in all ihrer Zerrissenheit und Unsicherheit, ihrem Versuch zu relativieren was Yannik getan hat.

Der Autorin gelingt es großartig, die Auswirkungen psychischer und physischer Gewalt in einer toxischen und narzisstischen Beziehung darzustellen und zu beleuchten durch welche Erfahrungen, Entscheidungen und Erlebnisse in ihrer Vergangenheit es soweit kommen konnte.

Für mich war "Die schönste Version" ein ganz klares Jahreshighlight und deshalb gibt es von mir eine dringende Leseempfehlung für alle die sich dem Thema gewachsen fühlen.

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Veröffentlicht am 08.09.2024

Tolle Naturbeschreibungen

Mitternachtsschwimmer
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Inhalt: Nach einem schweren Verlust verliert Evan vollkommen den Halt im Leben. Er trinkt zu viel, seine Frau entfremdet sich von ihm und es gelingt ihm nicht ein guter Vater für seinen Sohn Luca zu sein. ...

Inhalt: Nach einem schweren Verlust verliert Evan vollkommen den Halt im Leben. Er trinkt zu viel, seine Frau entfremdet sich von ihm und es gelingt ihm nicht ein guter Vater für seinen Sohn Luca zu sein. Deshalb mietet er sich für eine Woche an der irischen Küste in ein Strandhaus ein um wieder zu sich zu finden.
Seine Vermieterin Grace, wortkarge Einzelgängerin und selbst vom Leben gebeutelt, und er stehen sich anfangs misstrauisch gegenüber, nähern sich aber langsam an.

Das Buch spielt während des ersten Lockdowns der Coronapandemie und das ist auch mein einziger kleiner Kritikpunkt. Ich hätte diesen Lockdown als Rahmenbedingung nicht gebraucht um Evan und die Bewohner von Ballybrady gezwungenermaßen beieinander zu halten.

Die Geschichte selber ist aber herzerwärmend und sehr besonders. Evan und Grace werden so klar und nahbar beschrieben dass ich das Gefühl hatte sie wirklich zu kennen. Beide kämpfen unterschiedliche Kämpfe im Leben und bringen trotz allem die Kraft auf sich den Widrigkeiten entgegen zu stellen.
Sie knüpfen zarte Bande der Freundschaft und genau das vermittelt die Bedeutung von Menschlichkeit und wie wichtig und lebensrettend es sein kann Teil einer Gemeinschaft zu sein.
Der Plot ist sehr slow burn, erst gegen Ende nimmt die Geschichte etwas Fahrt auf. Hat für mich aber sehr gut zur gesamten Stimmung gepasst.

Ein weiterer Pluspunkt des Romans sind die Naturbeschreibungen. Das Leben am Strand, die Nähe zum Ozean und die wilde Natur Irlands sind so realistisch beschrieben dass man die salzige Luft beim Lesen fast riechen kann.

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Veröffentlicht am 08.09.2024

Anfangs sehr oberflächlich

Die Sache mit Rachel
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Inhalt: Rachel erwartet ihr erstes Kind und lebt verheiratet in London als sie etwas über ihren ehemaligen Professor Fred Byrne erfährt. Sie fühlt sich zurückversetzt in ihre Studienzeit mit Anfang 20 ...

Inhalt: Rachel erwartet ihr erstes Kind und lebt verheiratet in London als sie etwas über ihren ehemaligen Professor Fred Byrne erfährt. Sie fühlt sich zurückversetzt in ihre Studienzeit mit Anfang 20 als sie ihren besten Freund James kennenlernt mit dem sie später zusammenzieht und mit dem sie durch sämtliche Höhen und Tiefen geht. Rachel verliebt sich in Byrne und versucht einiges ihn zu verführen, die Dinge laufen allerdings anders als geplant.

"Die Sache mit Rachel" ist eine Geschichte von dem ich nicht so recht weiß was ich von ihr halten soll. Einerseits ist sie locker und leicht geschrieben, man kann förmlich nur so durch die Seiten fliegen. Sie hat einige interessante Einsätze wie Coming of Age und die Verlorenheit dieser jungen Generation. Es ist humorvoll und mitreißend geschriebenen und behandelt trotzdem ernste Themen wie Sexismus, Klassizismus, das Abtreibungsgesetz und die Finanzkrise in den Nullerjahren in Irland.

Vor allem mit der ersten Hälfte des Buches hatte ich Probleme warm zu werden und hatte oft das Gefühl: alles nichts Neues, alles schon mal da gewesen. Wer Sally Rooney und "Cleopatra und Frankenstein" mag ist hier sicherlich richtig denn wie auch dort geht es bei Rachel um das privilegierte Leben und die Selbstzweifel Anfang 20jähriger Frauen die ewig ihre (ungesunden) Beziehungen analysieren. Keine der Figuren war wirklich sympathisch, Rachel war mir oft zu egozentrisch, die Story belanglos.
Es hat sich allerdings gelohnt 200 Seiten durchzuhalten denn nach der Hälfte nahm die Geschichte noch mal ordentlich Fahrt auf und ein paar Twists haben für richtig gute Unterhaltung und auch eine zarte, emotionale Annäherung meinerseits zu Rachel gesorgt.
Geholfen hat mir auch aus der Perspektive einer älteren Rachel zu lesen die die Geschehnisse der Vergangenheit immer wieder einordnet.

"Die Sache mit Rachel" ist ein Roman über das Erwachsenwerden mit all seinen Hürden, anfangs oft anstrengend sodass ich gerne auch mal einige Stellen quer gelesen habe. Letztendlich ist es ein unterhaltsamer Sommerroman der vielleicht nicht ganz so lange in Erinnerung bleiben wird.

Veröffentlicht am 08.09.2024

Highlight

In den Farben des Dunkels
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Inhalt: Der 13-Jährige Patch wird entführt als er versucht einem Mädchen zu helfen. In Gefangenschaft trifft er auf Grace die ihm durch diese dunkle Zeit hilft. Wider Erwarten wird er nach 307 Tagen befreit ...

Inhalt: Der 13-Jährige Patch wird entführt als er versucht einem Mädchen zu helfen. In Gefangenschaft trifft er auf Grace die ihm durch diese dunkle Zeit hilft. Wider Erwarten wird er nach 307 Tagen befreit und verbringt ab dann seine Tage damit, nach Grace zu suchen von der gar nicht sicher ist ob es sie wirklich gibt oder ob ihm seine Sinne einen Streich gespielt haben. Patchs bester Freundin Saint bricht es fast das Herz ihn so leiden zu sehen und doch unterstützt sie ihn bei seiner Suche.

"In den Farben des Dunkels" ist einerseits ein Krimi, eher noch ein Thriller über einen Serienmörder und darüber wie sehr Besessenheit und der Wunsch nach Vergeltung ein ganzes Leben beeinflussen können.
Es ist aber auch ein großer, emotionaler Roman über Schicksal und Verlust, über Freundschaft, bedingungslose Liebe und über die Macht der Hoffnung.

Der Roman braucht Zeit sich zu entwickeln aber die gibt man ihm gerne während man Patch und Saint auf ihrer Odyssee quer durch die USA und über mehrere Jahrzehnte begleitet.
Auf jeder Seite ist die Tragik und die Zerissenheit der Protagonist:innen so sehr spürbar dass man mitleidet und -hofft während man versucht zu begreifen warum Menschen gewisse Entscheidungen treffen und dafür die Konsequenzen tragen.

Whitakers großes Talent ist es, einen komplexen aber absolut durchdachten Pageturner zu erschaffen der nicht nur Thriller sondern auch coming of age story und Liebesgeschichte auf so vielen Ebenen ist ohne dabei überladen zu wirken.

Ein Buch, das mir noch lange in Kopf und Herz bleiben wird und das mir traurigschöne Lesestunden beschert hat.

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