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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 21.07.2018

So nah und doch so fern!

Die Jahre der Leichtigkeit
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In ihrem Roman beschreibt Elisabeth Jane Howard sehr eindrücklich die Sommer der Jahre 1937/38 der Familie Cazalet. Dabei ist ihr Schreibstil sehr episodisch, man wandert mal von hier nach da, lernt unterschiedliche ...

In ihrem Roman beschreibt Elisabeth Jane Howard sehr eindrücklich die Sommer der Jahre 1937/38 der Familie Cazalet. Dabei ist ihr Schreibstil sehr episodisch, man wandert mal von hier nach da, lernt unterschiedliche Charaktere und unterschiedliche Blickwinkel kennen. Rhetorisch sehr gut gefallen hat mir der Wechsel der Perspektive innerhalb einer Szene, so dass man die Gedanken unterschiedlicher Figuren über die gleiche Situation kennenlernt.

Figuren allgemein - alle Mitglieder der Familie sind sehr eigen und wirken, zumindest auf mich, wie echte Menschen und nicht wie die platten Charaktere, die man in manch anderen Büchern trifft. Sie alle haben eine Geschichte, Geheimnisse und widersprüchliche Gefühle, die sich nur schwer unter einen Hut bringen lassen. Neben einigen absolut unsympathischen Figuren gibt es auch die, die einem sehr ans Herz wachsen, so dass am Ende die Frage nach dem Lieblingscharakter nur schwer zu beantworten ist.

Am Besten gefällt mir jedoch die inhaltliche Vielfalt - Taboothemen, über die sonst (selbst heute) nur selten gesprochen wird, die unterschiedlichen Einstellungen zum Krieg und so weiter und so fort. Auch wenn die knapp 600 Seiten zuerst ein wenig viel wirken mögen sind sie in keinster Weise langweilig und man möchte das Buch eigentlich gar nicht aus der Hand legen. Großes Kompliment an die Autorin und eine dicke Empfehlung an alle, die mit dem Gedanken spielen, dieses Buch selbst zu lesen!

Veröffentlicht am 21.07.2018

So nah und doch so fern!

Die Jahre der Leichtigkeit
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In ihrem Roman beschreibt Elisabeth Jane Howard sehr eindrücklich die Sommer der Jahre 1937/38 der Familie Cazalet. Dabei ist ihr Schreibstil sehr episodisch, man wandert mal von hier nach da, lernt unterschiedliche ...

In ihrem Roman beschreibt Elisabeth Jane Howard sehr eindrücklich die Sommer der Jahre 1937/38 der Familie Cazalet. Dabei ist ihr Schreibstil sehr episodisch, man wandert mal von hier nach da, lernt unterschiedliche Charaktere und unterschiedliche Blickwinkel kennen. Rhetorisch sehr gut gefallen hat mir der Wechsel der Perspektive innerhalb einer Szene, so dass man die Gedanken unterschiedlicher Figuren über die gleiche Situation kennenlernt.

Figuren allgemein - alle Mitglieder der Familie sind sehr eigen und wirken, zumindest auf mich, wie echte Menschen und nicht wie die platten Charaktere, die man in manch anderen Büchern trifft. Sie alle haben eine Geschichte, Geheimnisse und widersprüchliche Gefühle, die sich nur schwer unter einen Hut bringen lassen. Neben einigen absolut unsympathischen Figuren gibt es auch die, die einem sehr ans Herz wachsen, so dass am Ende die Frage nach dem Lieblingscharakter nur schwer zu beantworten ist.

Am Besten gefällt mir jedoch die inhaltliche Vielfalt - Taboothemen, über die sonst (selbst heute) nur selten gesprochen wird, die unterschiedlichen Einstellungen zum Krieg und so weiter und so fort. Auch wenn die knapp 600 Seiten zuerst ein wenig viel wirken mögen sind sie in keinster Weise langweilig und man möchte das Buch eigentlich gar nicht aus der Hand legen. Großes Kompliment an die Autorin und eine dicke Empfehlung an alle, die mit dem Gedanken spielen, dieses Buch selbst zu lesen!

Veröffentlicht am 24.06.2018

Ein Universum ohne fliegende Untertassen

Miss Gladys und ihr Astronaut
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Gladys ist eine ganz normale alte Dame. Gemeinsam mit ihren Enkeln Ellie und James lebt sie in einem gemütlichen kleinen Haus in Wigan und eigentlich ist alles gut – bis sie eines Tages einen mysteriösen ...

Gladys ist eine ganz normale alte Dame. Gemeinsam mit ihren Enkeln Ellie und James lebt sie in einem gemütlichen kleinen Haus in Wigan und eigentlich ist alles gut – bis sie eines Tages einen mysteriösen Anruf von einem Astronauten erhält, denn die Geschichte will ihr keiner glauben. Der Astronaut ist Tom Major und ausgerechnet der Mann, der soeben den ersten bemannten Flug zum Mars angetreten ist. Eigentlich hatte er nicht Gladys anrufen wollen, sondern seine Ex-Frau, Janet, deren Nummer jetzt Gladys gehört. Gegen seinen Willen verstrickt sich sein Schicksal immer mehr mit dem von Gladys Familie, denn tatsächlich stecken die ziemlich in Schwierigkeiten und Tom ist der Einzige, der ihnen aus der Patsche helfen kann.

Das Cover des Romans ist hübsch, hat allerdings ziemlich wenig mit der Geschichte zu tun um es freundlich auszudrücken. (Abgesehen davon, dass ein Astronaut und eine Tee in der Geschichte vorkommen, dabei spielen die Tassen selber jedoch eine absolute Nebenrolle.) Allerdings weckt es natürlich erst mal die Aufmerksamkeit der Leser und nach dem Klappentext kauft man das Buch dann sowieso. Die englischsprachigen Cover sind jedenfalls wesentlich besser gelungen.

Sprachlich gibt es an diesem Buch nichts auszusetzen, die Übersetzerin hat gute Arbeit geleistet und so konnte man sich wahrlich in den Zeilen verlieren. Besonders gut gefallen hat mir die Art und Weise, wie der Autor Erinnerungen eingearbeitet hat: Nicht durch Nacherzählungen sondern durch regelrechte Flash-Backs, die dann gleichwertig zur restlichen Geschichte in gesonderten Abschnitten standen.

Erzählt wird immer abwechselnd aus Glayds und Toms Welt, wobei jedoch auch Ellie und James zu Wort kommen, so dass man Einblicke in all ihre Gedanken gewinnt.

Mir ist die Geschichte bereits während des Lesens sehr ans Herz gewachsen, unter anderem auch wegen der fantastischen Hauptcharaktere. Alle haben sie ihre Besonderheiten und machen den Roman zu einem Juwel, den man nur weiter empfehlen kann. (Auch wenn ich als Autor an manchen Stellen den Spannungsbogen noch anders gesetzt hätte – so ist alles ein klein bisschen vorhersehbar.)

„Miss Gladys und ihr Astronaut“ hält (abgesehen von mystischen Kreaturen) für jeden Leser etwas parat und so kann ich nur jedem raten, zumindest einen Blick in die Leseprobe zu werfen.

Veröffentlicht am 24.06.2018

Die Hühner-Republik

Das Dorf oder Autonomie für Anfänger
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Lars Sittig kommt mit einer (für mich) vollkommen neuen Idee um die Ecke – was wäre, wenn ein Dorf in der deutschen Provinz plötzlich zur autonomen Zone wird. Und dazu noch eines, das gerade einmal 4 ...



Lars Sittig kommt mit einer (für mich) vollkommen neuen Idee um die Ecke – was wäre, wenn ein Dorf in der deutschen Provinz plötzlich zur autonomen Zone wird. Und dazu noch eines, das gerade einmal 4 Einwohner hat! Kaum vorstellbar, doch in seinem Roman wird genau das zur Realität.

Die Einwohner von Krims Krams haben nämlich die Nase voll – der Braunkohletagebau will schon seit langem ihr Dorf aufkaufen, um die darunter lagernde Kohle abzubauen, doch dass sie deswegen ihre Heimat aufgeben sollen, sehen sie nicht wirklich ein. Aus einer Laune heraus schreiben sie einen Brief nach Brüssel, mit dem Antrag auf Autonomie, der erstaunlicherweise bewilligt wird. Die daraus folgenden Wirren hält dieses Buch bereit – und es ist absolut empfehlenswert.

Das Cover weckt Erwartungen, die erfüllt werden: Eine sehr lustige Geschichte über das Landleben, was sich zum Leben einer ganzen Republik entwickelt, in der die Hühner in der Mehrzahl sind. Ein passenderes Motiv hätte man nicht wählen können.

Sprachlich liest sich das Buch sehr angenehm. Erzählt wird aus der dritten Perspektive, wobei man Einblicke in die Köpfe der unterschiedlichsten Charaktere gewinnt und so alles eher „ganzheitlich“ sehen kann.

Mir hat das Buch fantastisch gefallen! Die Idee ist wirklich originell und sehr unterhaltsam umgesetzt. Der Humor des Autors ist zwar zu Beginn des Romans etwas dicker und im Verlauf dann eher dünn aufgetragen, aber es finden sich doch immer wieder Momente zum Lachen.

Insgesamt kann ich das Buch nur weiter empfehlen! Die liebenswerten Charaktere und das idyllische Dorf laden jeden, auch ohne Bilder, zum Verweilen ein. Noch dazu ist der Roman nicht allzu dick, so dass man ich auch gut mit in den Cover kriegt, wenn es in den Urlaub geht!

Veröffentlicht am 24.06.2018

Ein "alternativer" Weg zum Glauben

Der Unsterbliche
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Die Biographie von Ali Dini enthält genug Stoff für 3 separate Romane, denn dieser Mann hat echt was erlebt. Als Junge schloss er sich radikalen Islamisten an und kämpfte für den richtigen Glauben. Später ...

Die Biographie von Ali Dini enthält genug Stoff für 3 separate Romane, denn dieser Mann hat echt was erlebt. Als Junge schloss er sich radikalen Islamisten an und kämpfte für den richtigen Glauben. Später wurde er zu einem der obersten Köpfe der Drogenszene, um später seine Geschäfte ins Ausland zu verlagern. Ein erfolgreiches Leben – doch auch recht leer. Immer wieder lernt er Leute kennen, die ihm wichtig sind und immer wieder verliert er sie, bis er anfängt, seinen Mitmenschen immer weniger zu vertrauen.
Bald hat er seinen Tiefpunkt erreicht und sitzt ohne Ausweg in einem bulgarischen Gefängnis fest – wo er zum ersten Mal an einem christlichen Gottesdienst kennenlernt. Aufgrund der Sprachbarriere versteht er von den Worten nur wenig, doch das Erlebnis hinterlässt bei ihm einen tiefen Eindruck. Als er kurz darauf von einem Mitgefangenen eine kurdische Bibel zum Lesen ausleiht, kann er nicht fassen, wovon dort die Rede ist – auf ihn wirkt dieser Glaube komplett lächerlich. Wäre da nicht sein Bedürfnis nach einem Gott, der ihm vergibt und der, anders als Allah, dem er sich schon lange abgewandt hat, für den Frieden steht.

Das schlicht gehaltene Cover ist durch seine Kontraste sehr eindrucksvoll gestaltet. Das halbe Gesicht, der dunkle Hintergrund – hier wird die Geschichte eines Mannes erzählt, der viel erlebt hat und bei dem jeglicher Firlefanz auf dem Cover unangebracht wäre. Man kann die Spannungen seiner Geschichte bereits durch dieses Bild hindurch spüren.
Aufgeschrieben wurde Alis Geschichte von Alexander Urumov, der seine Sache sehr gut macht. Sie ist spannend, mitreißend und es ist mir schwer gefallen, das Buch aus der Hand zu legen. Man möchte unbedingt wissen, wie es weiter geht, wie sich Ali aus den vertrackten Situationen rettet und wieder seinen eigenen Weg geht. Das all das wirklich passiert ist, ist schwer vorstellbar – so ein Leben kann doch unmöglich gut ausgehen!
Das Buch ist aus der Ich-Perspektive geschrieben, so dass der Leser die Geschichte direkt durch Alis Augen erlebt.

Mich hat die Biographie schwer begeistert, unter anderem auch, weil Alis Leben sehr weit von meinem „Erfahrungshorizont“ entfernt ist. Ich habe (zum Glück) nie einen Krieg in meiner Heimat erlebt, war nie im Gefängnis oder in gefährliche Geschäfte verwickelt. Was da draußen tatsächlich passieren soll erscheint mir oft unvorstellbar, doch durch dieses Buch ist es mir gelungen, all diese Sachen aus einer anderen, „normaleren“ Perspektive wahrzunehmen.

Natürlich spielt auch Alis Weg zum Glauben eine große Rolle. Jedoch, und das hat mir sehr gut gefallen, findet er nicht über irgendwelche Missionare o.ä. zum Glauben, sondern durch die Bibel selbst und aus eigener Überzeugung.

Insgesamt kann ich dieses Buch nur jedem ans Herz legen, der sich für „alternative Wege zum Glauben“ interessiert, genau wie denjenigen, die sich für spannende, politische Bücher interessieren.